Erster Etappen-Sieg an Großbritannien/Rostocker Andre Greipel hofft ebenfalls auf Etappensiege 2017

Die erste Etappe der 104.Tour de France, das Einzel-Zeitfahren über 14 Kilometer in Düsseldorf, ist bereits „abgehakt“. Am 1.Juli setzte sich der Brite Geraint Thomas (Großbritannien) vor Stefan Küng (Schweiz), Vasil Kiryienka (Weissrussland) und Deutschlands Tony Martin durch.

Zwischen dem 1.Juli und 23.Juli werden die 198 Radsportler aus 22 multinationalen Teams fast 3600 Kilometer absolvieren – 21 Etappensiege sind insgesamt zu erkämpfen. Der Brite Chris Froome ist „Titelverteidiger“, gewann die Tour 2016, wie schon 2013 und 2015. Zielort ist am 23.Juli natürlich Paris.

Auch Rostocker dabei

Aus Rostocker Sicht sind Andre Greipel (Team Lotto Soudal/Belgien) und Paul Martens (Team Lotto NL-Jumbo/Niederlande) am Start.

Andre Greipel möchte dabei natürlich auch wieder die eine oder andere Etappe für sich entscheiden, denn zwischen 2011 und 2016 gab es elf Etappen-Siege für den Hanseaten, allein vier Erfolge 2015.

Von Paris nach Bergen

Zwei Monate nach der Tour de France 2017 werden dann die Weltmeisterschaften im Straßen-Radsport vom 17.September bis 24.September in Bergen ausgetragen.

Wie sah es aber bei den letzten globalen Straßen-Radsport-Großereignissen aus, den olympischen Entscheidungen im August 2016 in Rio und den WM 2016 in Doha?

Zwischen Olympia-Ringen in Rio und WM-Ehren in Doha

In Rio gab es „nur“ vier Entscheidungen – jeweils im Straßen-Einzel und im Zeitfahren bei den Damen und bei den Herren. Bei den WM 2016 in Doha (Katar) wurden jedoch Medaillen in 12 Entscheidungen vergeben: Mannschaftszeitfahren bei den Damen und Herren, Einzelzeitfahren bei den Damen, Herren, Herren der Altersklasse U 23, der Juniorinnen bzw. der Junioren und Straßen-Einzel der Damen, Herren, Herren der Altersklasse U 23, Juniorinnen und Junioren.

Niederlande in Rio am besten
 
Bei den olympischen Konkurrenzen im August 2016 hatten noch die Niederlande mit 19 Punkten (einmal Gold, einmal Silber, einmal Bronze, einen vierten Rang) vor den USA (einmal Gold, einmal Rang vier) die Länderwertung im Radsport gewonnen.

Eine „fliegende Holländerin“…

Im Straßen-Einzel der Frauen siegte Anna van der Breggen (Niederlande), welche zusammen mit ihren Begleiterinnen Emma Johansson (Schweden) und Elisa Longo Borghini (Italien) die lange Zeit allein führende Mara Abbott (USA) 150 Meter vor dem Ziel noch abfing. Mara Abbott kam auf den undankbaren vierten Rang. Anna van der Breggen sorgte damit für den vierten niederländischen Olympiasieg im Straßen-Einzel der Frauen nach Monique Knol 1988, Leontien Zijlaard-van Moorsel 2000 und Marianne Vos 2012.

…und ein „fliegender Belgier“

Bei den Herren schaffte im Straßen-Einzel Greg Van Avermaet Olympia-Gold. Für Belgien war es der zweite Olympiasieg im Herren-Straßen-Einzel: 1952 in Helsinki hatte bereits Andre Noyelle olympisches Gold geholt. Die Straßen-Einzel-Entscheidungen bei den Herren und Damen wurden von schweren Stürzen auf der schwierigen Strecke und bei suboptimaler Witterung „begleitet“…

Kristin und Fabian auch mit olympischem Gold

In der Entscheidung im Einzelzeitfahren der Frauen in Rio 2016 setzte sich Kristin Armstrong (USA) wie schon 2008 und 2012 durch. Fabian Cancellara (Schweiz) triumphierte hingegen erneut im Zeitfahren. 2008 in Peking hatte er in dieser Disziplin des Straßen-Radsportes schon einmal ganz oben gestanden.

Die deutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmer gingen an der Copacabana leider leer aus.

Deutscher Medaillen-Segen in Doha – zweimal Gold für Tony Martin
 
Die Straßen-Radsport-Wettkämpfe der WM in Doha im Oktober sorgten hingegen für einige Medaillen aus deutscher Sicht.

Im belgischen „Werksteam“ Etixx-Quick-Step in multinationaler Besetzung fuhren ebenfalls Marcel Kittel und Tony Martin zu Gold. Tony Martin, der Olympia-Zweite 2012, jubelte zudem über den Weltmeistertitel im Einzelzeitfahren vor Vasil Kiryienka (Weissrussland). …Sein viertes WM-Gold in dieser Disziplin nach 2011, 2012 und 2013. Dazu „sammelte“ Marcel Kittel noch zweimal Gold im Mannschafts-Zeitfahren (2012 und 2013 plus Team-WM-Gold 2016).

Trixi Worrack mit Team-Silber
 
Die Wahl-Bad Doberanerin Trixi Worrack, die bei einem Unfall im Frühjahr 2016 ihre linke Niere verlor, holte nach viermal WM-Gold im Mannschaftszeitfahren 2016 in Doha Silber. Im deutschen silbernen „Werksteam“ Canyon-SRAM waren zudem unter anderem Lisa Brennauer und Mieke Kröger aktiv.

Bei den U 23-Herren konnte der Bund Deutscher Radfahrer einmal Gold (Marco Mathis im Einzelzeitfahren) und zweimal Silber (Maximilian Schachmann ebenfalls im Einzelzeitfahren bzw. Pascal Ackermann im Straßen-Einzel) erringen.

Silberne Momente erlebte zudem Niklas Märkl im Straßen-Rennen der Junioren.

Die Doha-Entscheidungen in den Straßen-Rennen (Elite)

Bei der Elite-Konkurrenz im Straßen-Einzel der Frauen distanzierte Amalie Dideriksen (Dänemark) die Konkurrenz und kam zu Gold. Silber gewann Kirsten Wild (Niederlande) vor Lotta Lepistö (Finnland) und Elizabeth Deignan (Großbritannien).

Fünfmal waren bisher deutschen Radsportlerinnen bei WM die Nummer eins, so 1965 Elisabeth Eichholz (SC Leipzig), 1978 Beate Habetz (Brauweiler), 1981 Ute Enzenauer (GFR Ludwigshafen), 2004 Judith Arndt (Königs Wusterhausen) und 2005 Regina Schleicher (Würzburg).

Im Straßen-Einzel der Herren (Elite) in Doha, mit dem Rostocker Andre Greipel, erkämpfte erneut Peter Sagan Slowakei) vor  Mark Cavendish (Großbritannien), Tom Boonen (Belgien) und Michael Matthews (Australien) den Titel. Andre Greipel und die anderen deutschen Starter hatten mit dem Ausgang des Rennens leider nichts zu tun.

Andre Greipel, Jahrgang 1982, Geburtsort Rostock und bis 2001 für den PSV Rostock startend, wurde, wie beispielsweise Jan Ulrich, vom Rostocker Radsport-Erfolgstrainer Peter Sager entdeckt und geformt. Unter anderem gewann der Hanseate elf Etappen bei der Tour de France, startete bei Olympia 2012 in London eroberte dreimal den deutschen Titel im Straßen-Rennen 2013, 2014 sowie 2016 und errang 2011 WM-Bronze im Straßen-Einzel. Schade, dass es 2016 nicht zu einem neuerlichen Medaillen-Gewinn reichte.

Bislang hatten deutsche Rad-Asse im Straßen-Einzel der Herren neun WM-Titel gewonnen. Bei den „Amateuren“, die eine separate WM-Entscheidung von 1921 bis 1995 „fuhren“, wurden 1958 bzw. 1959 Täve Schur (SC DHfK Leipzig), 1960 Bernhard Eckstein (SC DHfK Leipzig), 1982 Bernd Drogan (SC Cottbus), 1983 Uwe Raab (SC DHfK Leipzig), 1986 Uwe Ampler (SC DHfK Leipzig) und 1993 der gebürtige Rostocker Jan Ulrich (2000 auch Olympiasieger) Weltmeister.

Und bei den Profis, die ihre Weltbesten seit 1927 ff. ermitteln, erreichten Heinz Müller (Tuningen) 1952 und Rudi Altig (Mannheim) 1966 WM-Gold.

Die „restlichen“ WM-Titel

Die „restlichen“ WM-Titel 2016 sicherten sich Amber Neben (USA, Elite, Damen-Einzelzeitfahren), das niederländische „Werksteam“ Boels-Dolmans unter anderem mit Evelyn Stevens (USA), Kristoffer Halvorsen (Norwegen, U 23-Herren, Straßen-Einzel), Brandon McNulty (USA, Junioren, Einzelzeitfahren), Elisa Balsamo (Italien, Juniorinnen, Straßen-Einzel), Jakob Egholm (Dänemark, Junioren, Straßen-Einzel) und Karlijn Swinkels (Niederlande, Juniorinnen, Einzelzeitfahren).

Beste Nation bei den 83.Straßen-Radsport-WM wurde Deutschland mit zweimal Gold, viermal Silber, einmal Bronze vor den USA mit zweimal Gold, zweimal Silber, einmal Bronze, den Niederlanden mit zweimal Gold, zweimal Silber und Dänemark mit zweimal Gold, einmal Silber.

Mal schauen, wer bei der 104.Tour de France und dann bei den 84.WM im Straßen-Radsport „die Pedale vorn haben wird“…

Exkurs: Straßen-Radsportler aus M-V unter den fünf olympischen Ringen

In der Vergangenheit hatten  Straßen-Radsportlerinnen und -Radsportler aus M-V einige olympische Einsätze. Der gebürtige Rostocker Jan Ulrich, Tour de France-Sieger 1997 (insgesamt sieben Tour-Etappen-Erfolge), der 2000 und 2004 bei Olympia startete, errang 2000 Gold in der Straßen-Einzel-Entscheidung und Silber im Zeitfahren und sorgte später für weniger erfreuliche Schlagzeilen.

Der bereits erwähnte Andre Greipel aus Rostock war in London 2012 Olympia-Teilnehmer.

Bekannte Radsportlerinnen und Radsportler mit MV-Wurzeln sind zusätzlich der gebürtige Schweriner Dieter Gonschorek, der 1972 am Straßenrennen teilnahm, der gebürtige Bad Doberaner Karl-Heinz Oberfranz, der das 1972er Straßen-Rennen auf Platz dreißig beendete, und der gebürtige Grevesmühlener Jens Voigt, der bei den Olympischen Spielen 2000, 2004 und 2008 teilnahm.

Jens Voigt war 17 Mal bei der Tour de France dabei und errang dort zwei Etappen-Siege(2001, 2006).

Übrigens: Eine bekannte Straßen-Radsportlerin aus M-V ist, wie schon beschrieben, die Wahl-Bad Doberanerin Trixi Worrack, die bereits bei den Olympischen Spielen 2004, 2008, 2012 und 2016 antrat, 2006 Vize-Weltmeisterin im Straßen-Einzel und vierfache Weltmeisterin im Mannschafts-Zeitfahren von 2012 bis 2015 wurde.

Marko Michels