Den olympischen Bobsport im Blick

Deutsche Bobsportler gehen in Pyeongchang auf Medaillenjagd

Das Damen-Bob-Duo Schneider/Buckwitz beim Weltcup im Winterberg im Dezember 2017. Im Bobsport hat M-V ebenfalls eine gute Tradition. Copyright: BSD/Dietmar Reker

Am 9. Februar wurden die XXIII. Olympischen Winterspiele im sĂŒdkoreanischen Pyeongchang feierlich eröffnet. Bis zum 25. Februar kĂ€mpfen knapp 3000 Athleten und Athletinnen in sieben Sportarten und 15 Disziplinen bei 102 Entscheidungen um die Medaillen. Nach den Rennrodlern und Skeletonis des Bob- und Schlittenverbandes fĂŒr Deutschland (BSD) wollen die Bobsportler im Olympic Sliding Centre in Alpensia nach olympischem Edelmetall greifen.

Mit Vollgas und einer starken Saison im RĂŒcken wollen die deutschen Bobsportler die historische Olympia-Pleite von vor vier Jahren vergessen machen. Damals fuhren die BSD-Cracks im russischen Sochi allesamt an den PodestplĂ€tzen vorbei und blieben damit erstmals seit den Winterspielen von 1964 in Innsbruck ohne Medaille. Die deutschen Bob-Damen waren bereits 2010 in Vancouver leer ausgegangen.

Die Chancen auf Widergutmachung stehen gut. Das MĂ€nnerteam, das derzeit alle Weltmeister stellt, kam im Saisonverlauf immer besser in Schwung. Vierer-Champion Johannes Lochner fuhr im großen Schlitten vier Saisonsiege ein und setzte sich damit erstmals in seiner Karriere die Krone des Gesamtweltcupsiegers auf. Doppel-Weltmeister Francesco Friedrich unterstrich nach holprigem Saisonstart in seiner Paradedisziplin Zweierbob zuletzt ebenfalls konstant seine Medaillenambitionen. In den letzten fĂŒnf Weltcup-Rennen raste der 27-jĂ€hrige Ausnahmepilot immer aufs Weltcup-Podest (3x Zweiter) und feierte dabei zwei Siege.

Und Nico Walther demonstrierte gleich in beiden Schlitten SiegerqualitĂ€ten im Olympia-Winter. Der WM-Dritte ĂŒberzeugte mit zwei Erfolgen im kleinen Schlitten sowie drei Siegen im Viererbob und darf sich durchaus Hoffnungen auf olympisches Edelmetall machen. Zu den Hauptkonkurrenten im Kampf um die Medaillen zĂ€hlen die Kanadier Justin Kripps und Chris Spring, die Letten Oskars Melbardis und Oskars Kibemanis, der Schweizer Rico Peter und der SĂŒdkoreaner Won Yunjong.

Auch die deutschen Bob-Damen sind wieder zurĂŒck in der Erfolgsspur. Ein besonderes Ausrufezeichen setzte im Olympia-Winter allen voran Stephanie Schneider: Die ehemalige Anschieberin von Cathleen Martini feierte beim Weltcup in Winterberg Anfang Dezember ihren ersten Erfolg als Pilotin und ließ bei den Rennen in Igls und am Königssee zwei weitere Siege folgen. Ihre Medaillenambitionen untermauerte die 27-JĂ€hrige zudem mit PodestplĂ€tzen in Lake Placid und St. Moritz (jeweils Dritte). BĂ€renstark prĂ€sentierte sich im Olympia-Winter auch Mariama Jamanka. Die 27-JĂ€hrige, die im Vorjahr ĂŒberraschend zu EM-Gold fahren konnte, verbuchte in der abgelaufenen Weltcup-Saison drei Podest-Platzierungen und war bei keinem der acht Weltcuprennen schlechter als auf Rang sechs platziert.

Auch die dritte deutsche Starterin im Weltcup Anna Köhler machte in ihrer DebĂŒt-Saison eindrucksvoll auf sich aufmerksam. Die 24-JĂ€hrige Winterbergerin raste gleich in ihrem sechsten Weltcup-Rennen auf das Podium. Schneller waren Anfang Januar in Altenberg nur Olympiasiegerin Kaillie Humphries (Kanada) und die zweitplatzierte Jamie Greubel Poser, die wie ihre amerikanische Teamkollegin Elana Meyers Taylor als Top-Kandidatinnen auf olympisches Edelmetal in Pyeongchang gelten.

Der Bobsport gehört seit den ersten Winterspielen 1924 fast durchgehend zum Olympia-Programm. Einzige Ausnahme bilden die Olympischen Spiele von 1960 in Squaw Valley, USA. Das Organisationskomitee weigerte sich damals eine Bobbahn zu bauen, weil nur neun LĂ€nder ihre Teilnahme angekĂŒndigt hatten. Mit 40 Medaillen, darunter 16 goldenen, ist Deutschland unangefochten die erfolgreichste Bobsport-Nation bei Olympia. Mit vier Gold- sowie einer Silbermedaille ist Andre Lange der bisher erfolgreichste Bobpilot bei Olympischen Winterspielen. Frauen feierten 2002 in Salt Lake City ihre Olympia-Premiere im Zweierbob. Erfolgreichste Teilnehmerin ist die Kanadierin Kaillie Humphries, die 2010 und 2014 Gold gewann. Erfolgreichste deutsche Pilotin ist Sandra Kiriasis, die 2002 zu Silber und vier Jahre spĂ€ter in Turin zu Gold fahren konnte.

Die BSD-Nominierungen

Frauenbob:

Bobteam Mariama Jamanka (BRC ThĂŒringen): Jamanka/Lisa-Marie Buckwitz

Bobteam Stephanie Schneider (BSC Sachsen OberbÀrenburg): Schneider/Annika Drazek

Bobteam Anna Köhler (BSC Winterberg): Köhler/Erline Nolte

Zweierbob MĂ€nner:

Bobteam Francesco Friedrich (BSC Sachsen OberbÀrenburg): Friedrich/Thorsten Margis

Bobteam Nico Walther (BSC Sachen OberbÀrenburg): Walther/Christian Poser

Bobteam Johannes Lochner (BSC Stuttgart): Lochner/Christopher Weber

Viererbob:

Bobteam Francesco Friedrich (BSC Sachsen OberbÀrenburg): Friedrich/Candy Bauer/Martin Grothkopp/Thorsten Margis

Bobteam Nico Walther (BSC Sachsen OberbÀrenburg): Walther/Kevin Kuske/Alexander Rödiger/Eric Franke

Bobteam Johannes Lochner (BC Stuttgart Solitude): Lochner/Christopher Weber/Christian Poser/Christian Rasp

Der Zeitplan

Herren-Zweier-Bob, 1. & 2. Lauf: Sonntag, 18.02.2018, 12:05 Uhr (MEZ)

Damen-Zweier-Bob, 1. & 2. Lauf: Dienstag, 20.02.2018, 12:50 Uhr (MEZ)

Herren-Vierer-Bob, 1. & 2. Lauf: Samstag, 24.02.2018, 01:30 Uhr (MEZ)

Herren-Zweier-Bob, 3. & 4. Lauf: Montag, 19.02.2018, 12:15 Uhr (MEZ)

Damen-Zweier-Bob, 3. & 4. Lauf: Mittwoch, 21.02.2018, 12:40 Uhr (MEZ)

Herren-Vierer-Bob, 3. & 4. Lauf: Sonntag, 25.02.2018, 01:30 Uhr (MEZ)

Pressemitteilung Margit Dengler-Paar, Pressechefin, Bob- und Schlittenverband fĂŒr Deutschland e. V.

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ZurĂŒckgeblickt: Vor fast vier Jahrzehnten – zweimal olympisches Gold nach RĂŒgen

Vor fast vier Jahrzehnten, am 24.Februar 1976, triumphierte in Innsbruck-Igls der aus RĂŒgen stammende Meinhard Nehmer mit seinem Team (Jochen Babock, Bernhard Germeshausen, Bernhard Lehmann) mit 46 Hundertstel Sekunden Vorsprung vor Schweiz II mit dem Piloten Erich Scherer, der Bundesrepublik Deutschland I mit dem Piloten Wolfgang Zimmerer, Onkel der heutigen alpinen Erfolgs-Skifahrerin Maria Höfl-Riesch, und DDR II mit dem Piloten Horst Schönau. Bereits die olympische Entscheidung im Zweier-Bob 1976, am 7.Februar, hatte seinerzeit Meinhard Nehmer fĂŒr sich entschieden.

Ein RĂŒganer mit dreimal Gold 1976/80

Den Vierer-Erfolg von Innsbruck-Igls 1976 wiederholte Meinhard Nehmer 1980 in Lake Placid. Nachdem es fĂŒr den RĂŒganer acht Tage zuvor, am 16.Februar „nur“ Bronze im Zweier gegeben hatte, siegte er am 24.Februar 1980 mit DDR I und der Besatzung Bogdan Musiol, Bernhard Germeshausen und Hans-JĂŒrgen Gerhardt klar mit fast einer Sekunde Vorsprung vor Schweiz I mit dem Piloten Erich SchĂ€rer (DDR I: 3:59,92, Schweiz I: 4:00,87).

14 Jahre spĂ€ter gab es fĂŒr zwei Vorpommern eine bobsportliche Bronze-Medaille im Vierer bei den Winterspielen 1994 in Lillehammer. Hinter Deutschland II mit dem Piloten Harald Czudaj, Schweiz I mit dem Piloten Gustab Weder belegten der gebĂŒrtige Neubrandenburger Ulf Hielscher sowie der gebĂŒrtige Stralsunder Carsten Embach (dazu der gebĂŒrtige Brandenburger Rene Hannemann) im Bob Deutschland I des Piloten Wolfgang Hoppe am 27.Februar 1994 Rang drei.

Vier Jahre spÀter, bei den Winterspielen 1998 in Nagano,  kam der Vierer-Bob Deutschland I mit dem Piloten Harald Czudaj und dem einstigen Zehnkampf-Weltmeister (1987) sowie Zehnkampf-Olympia-Silbermedaillengewinner (1988) Torsten Voss (bis 1990 SC Traktor Schwerin) auf Platz acht. Es gewann damals Deutschland II mit dem Piloten Christoph Langen.

2002 – Gold fĂŒr einen Stralsunder

In Salt Lake City, bei den Winterspielen 2002, gab es dann endlich Gold fĂŒr den gebĂŒrtigen Stralsunder Carsten Embach im Vierer-Bob Deutschland II des Piloten Andre Lange (mit Carsten Embach, Enrico KĂŒhne, Kevin Kuske). Am 23.Februar 2002 gewannen die Vier im Vierer vor USA I mit Piloten Todd Hays und USA II mit Piloten Brian Shimer.

In der jĂŒngeren Bob-Geschichte konnte aus M-V-Sicht der gebĂŒrtige Anklamer Marko HĂŒbenbecker jeweils Weltmeister bzw. Europameister im Vierer-Bob 2013 werden. Zudem belegte er bei den Olympischen Winterspielen 2014 ebenfalls im Vierer-Bob Rang sechs.

M.M.

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