Der Präsident des Landesfußballverbandes M-V Joachim Masuch zur aktuellen fußballsportlichen Entwicklung

Während zurzeit die fußballsportive WM-Empfangssängerin von 2014, Helene Fischer, mit ihrem Song „Herzbeben“ an die Spitze der deutschen Charts stürmt, stürmten die deutschen Fußball-Teams ihrerseits auf die ersten Plätze bei den diversen internationalen Turnieren.

So siegte die U 21-EM-Auswahl von Trainer Stefan Kuntz bei den europäischen Titelkämpfen in Polen, die junge deutsche Mannschaft von Bundestrainer Jogi Löw gewann den Konföderationen-Cup in Russland und auch  die deutschen Fußball-Frauen von Bundestrainerin Steffi Jones wollen bei ihren baldigen EM in den Niederlanden, als Titelverteidiger und Olympiasieger 2016, den maximalen Erfolg.

Wie beurteilt nun aber der Präsident des Fußballverbandes M-V, Joachim Masuch, das aktuelle fußballsportliche Geschehen?!

MV-SPORT fragte nach

Joachim Masuch über die Ergebnisse bei der U 21-EM bzw. beim Konföderationen-Cup aus deutscher Sicht, die kommende EM im Frauen-Fußballsport und die aktuelle Entwicklung beim FC Hansa Rostock

„Auch Ergebnis der guten Arbeit in den DFB-Stützpunkten und Nachwuchsleistungszentren…“

Frage: Der Konföderationen-Cup sollte als sportliche und organisatorische Generalprobe für die WM 2018 in Russland dienen. Wie beurteilen Sie die Leistungen des deutschen Teams? Wie ist Ihre Meinung zur Bedeutung dieses Cups?

Joachim Masuch: Insgesamt ist diese Veranstaltung ihrer Aufgabenstellung gerecht geworden. Sportlich sind bis auf Deutschland alle Konföderationen mit ihren besten Teams und Spielern angetreten, insbesondere Chile und Portugal. Organisatorisch war dieser Wettbewerb sowohl für den Gastgeber als auch die teilnehmenden National-Teams wichtig, um die Besonderheiten einer solchen Großveranstaltung – hinsichtlich Sicherheit und der Bewältigung der Reiseentfernungen – in einem großen Land wie Rußland kennenzulernen.

Vor Beginn des Konfed-Cups gab es ja in Deutschland polarisierende Diskussionen um den Sinn dieses Turniers, insbesondere auch um die Abstellung der Profispieler aus ihren Vereinen. Sowohl der Turnierverlauf als auch der Finalsieg gaben der sportlichen Leitung – sowohl der des A-Teams als auch der für die U 21-Mannschaft – Recht, hier mit einem Perspektivteam anzutreten.

Gerade die Spieler, die ansonsten wenig oder keine Einsatzzeiten in der A- Nationalmannschaft erhalten, haben in Vorbereitung und Durchführung des Konfedcups mit beispielhafter Einsatzbereitschaft und Siegeswillen gezeigt, dass sie künftig mehr wollen! Der Bundestrainer Joachim Löw hat damit aber auch zusätzliche Perspektiven für die kommende WM  2018 in Rußland erhalten, andere Fußball-Nationen gesehen und nicht zuletzt, dass unser Kader größer geworden ist!

Frage: Für positive Schlagzeilen sorgten auch die U 21-Spieler… Wie bewerten Sie das sportliche Niveau dieser EM – speziell aus deutscher Sicht?

Joachim Masuch: Am Ende war der Finalsieg gegen die favorisierten Spanier aus meiner Sicht verdient. Wenn man dann noch bedenkt, dass beim Konfedcup in Rußland acht Spieler dabei waren, die auch bei der U 21-Mannschaft spielberechtigt waren, zeigt das, welch großes Potenzial in diesem Altersbereich in Deutschland vorhanden ist.

Und noch etwas ist wichtig: Es gab eine kluge Strategie in der sportlichen Führung Joachim Löw/Horst Hrubesch/Stefan Kuntz als es um die Kader-Zusammenstellung der beiden Turniere in Rußland und Polen ging!

Wenn wir heute die Erfolge unserer beiden Mannschaften beleuchten, muß man aber auch feststellen, dass diese in einem langfristigen Kontext zu betrachten sind und zudem das Ergebnis der guten Arbeit in den circa 400 DFB-Stützpunkten und in den Nachwuchsleistungszentren der Profivereine sind!

Frage: Nun wartet noch die Frauen-EM in den Niederlanden… Der neunte Titel für die deutschen Frauen sollte ja nach dem Olympia-Gold 2016 „ein Muß“ sein – oder?

Joachim Masuch: Es spricht sich immer so leicht aus, dass natürlich die deutsche Frauen-Nationalmannschaft als Favorit in die Europameisterschaft starten muß. Es gab jedoch nicht nur den Wechsel in der sportlichen Führung dieser Mannschaft – von Sylvia Neid auf Steffi Jones – sondern im deutschen Team sind ebenfalls nicht mehr alle Spielerinnen dabei, die zurückliegend für das hohe Spielniveau verantwortlich waren. Viel wird beim Turnier-Auftakt im Spiel gegen die Mitfavoritinnen aus Schweden abhängen!

Letzte Frage: Noch ein paar Worte zu Hansa… Das Team ist im kompletten Umbruch. Rechnen Sie in der Saison 2017/18 mit einer stärkeren Hansa-Mannschaft? Neustarts gab es in den letzten Jahren ja viele…

Joachim Masuch: Als Präsident unseres Landesverbandes wünsche ich mir schon, dass die zurückliegenden drei Spielzeiten mit Bangen um den Klassenerhalt nun ein Ende nehmen!

Wir haben vor dem Start in die neue Saison jedoch eine erstmals neue Situation: Der Spielerkader ist komplett neu zusammen gestellt bzw. wird weiter zusammengestellt und mit Trainer Pavel Dotschev ist ein erfahrener Trainer gekommen, der mehrfach gezeigt hat, dass er mit einer neu zusammen gestellten Mannschaft erfolgreich arbeiten kann.

Dennoch bleibt es wichtig, sich realistische Vereinsziele zu setzen und nicht mittelfristig von der Bundesliga zu träumen! Es wäre auch im Interesse der vielen tausend Zuschauer im Ostseestadion notwendig, wieder deutlich mehr Heimspiele zu gewinnen als zurückliegend, um dadurch frühzeitig auch nichts mit der unteren Tabellenhälfte zu tun zu haben!

…Und auch das gehört zu Hansa: Wir benötigen wieder ein positives Image und keine Ereignisse, die den Verein wirtschaftlich und ideell schaden!

Vielen Dank, weiterhin bestes Engagement für den Fußballsport und dabei maximale Erfolge!

Marko Michels

Foto (Joachim Masuch/privat): Der Präsident des Landesfußballverbandes M-V, Joachim Masuch.