Die Rostocker Speerwerferin Julia Ulbricht hofft auf eine gute Weite bei den Jugend-WM 2017 in der Leichtathletik

Frauen mit dem Speer. Das hat in M-V eine große Tradition. Ruth Fuchs, die in den 1960ern an der Kinder- und Jugendsportschule in Güstrow lernte, wurde – allerdings für Jena startend – Olympiasiegerin 1972 in München und 1976 in Montreal bzw. Olympia-Achte 1980 in Moskau sowie zweifache Europameisterin 1974 und 1978.

Von Tanja Damaske bis Steffi Nerius

Die einstige Wahl-Schwerinerin Tanja Damaske, von 1985 bis 1989 SC Traktor Schwerin bzw. von 1990 bis 1992 Schweriner SC, erreichte WM-Bronze 1997 und EM-Gold 1998.

Und die gebürtige Rüganerin Steffi Nerius sammelte zudem fleißig Medaillen im Speerwerfen, so WM-Gold 2009, Olympia-Silber 2004, EM-Gold 2006, EM-Silber 2002 und dreimal WM-Bronze 2003, 2005 sowie 2007.

Nachdem „MM“ 2016 die Speerwurf-Weltmeisterin Katharina Molitor vorstellte, steht aktuell, 2017, aus M-V-Sicht Julia Ulbricht vom 1.LAV Rostock im Fokus des Interesses…

Julia Ulbricht, Jahrgang 2000, über ihre Ambitionen bei den Jugend-WM in Nairobi, ihre Vorliebe für den Speer, ihre Trainingswoche, weitere wichtige Wettlämpfe im Leichtathletik-Sommer 2017 und ihren Ausgleich zum Sport

„Durch einen Kumpel zufällig an den Speer gelangt…“

Frage: Herzlichen Glückwunsch zur bisher sehr erfolgreichen Saison. Jetzt stehen die Jugend-Weltmeisterschaften (Altersklasse U 18)  in Nairobi auf der Agenda… Mit welchen Erwartungen reisen Sie zu den Jugend-WM?

Julia Ulbricht: Mein Ziel für die Jugend-Weltmeisterschaften ist es, dort das Finale zu erreichen und mit einer guten Leistung/Weite wieder nach Hause zu fahren.

Frage: Wie gelangten Sie eigentlich speziell zum Speerwerfen? Seit wann sind Sie dabei?

Julia Ulbricht: Ich widme mich der Leichtathletik schon seit dem fünften Lebensjahr. Ich bin durch einen Kumpel zufällig an den Speer gelangt und habe mit ihm geübt. Das war im elften Lebensjahr. Ich konnte es ganz gut, habe dann im Verein auch Speerwurf trainiert und an Wettkämpfen teilgenommen.

Frage: Wie sieht eigentlich eine Trainingswoche bei Ihnen aus?

Julia Ulbricht: Grundsätzlich habe ich von Montag bis Freitag jeden Nachmittag Training und dreimal in der Woche noch Früh-Training. Das Training ist vielseitig, wir werfen, sprinten, springen oder sind im Kraftraum. Wie der Plan genau aufgebaut ist, variiert von Woche zu Woche bzw. ist abhängig von den bevorstehenden Wettkämpfen.

Frage: Neben den Jugend-Weltmeisterschaften… Welche Wettkämpfe werden Sie in der Freiluft-Saison 2017 noch bestreiten?

Julia Ulbricht: Nach den Jugend-Weltmeisterschaften stehen noch die Deutschen Meisterschaften der Altersklasse U 18 in Ulm vom 4.August bis 6.August auf dem Programm. Das ist dann der Saison-Abschluss.

Letzte Frage: Was ist Ihr Ausgleich zum Sport? Wie sieht Ihr Leben neben der Leichtathletik aus?

Julia Ulbricht: Ich gehe in Rostock zur Schule und wohne im Internat. Neben der Schule und dem Training bleibt nicht mehr viel Zeit. Ich verbringe gerne Zeit mit meinen Freunden und meiner Familie.

Vielen Dank, dann ganz großes Daumen drücken für die Jugend-WM in Nairobi und maximale Erfolge dort!

Zur Info: Das Speerwerfen der Frauen bei den bisherigen Jugend-WM (Altersklasse U 18) – Zweimal Gold und zweimal Bronze für deutsche Speerwerferinnen

Die ersten Jugend-WM in der Leichtathletik fanden 1999 in Bydgoszcz (Polen) statt und die damalige Konkurrenz im Speerwerfen der Frauen gewann Olivia Norris vom deutschen Team mit der Weite von 52,03 Metern vor Xenia Frajka (Ungarn, 49,76 Meter) und Halina Kakhava (Weissrussland, 49,62 Meter).  Erfolgreichste Nation in Bydgoszcz war Kenia mit 5 x Gold, 2 x Silber, 3 x Bronze (Deutschland: 1 x Gold, 3 x Silber, 2 x Bronze).

Bei den Jugend-WM 2001 in Debrecen (Ungarn) triumphierte im Frauen-Speerwerfen die Australierin Kimberley Mickle mit 51,83 Metern vor Justine Robbeson (Südafrika, 51,54 Meter) bzw. Andrea Kvetova (Tschechien, 51,49 Meter). Die beste Mannschaft stellte die USA mit 5 x Gold, 7 x Silber, 3 x Bronze (Deutschland: 3 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze).

Zwei Jahre später, bei den Jugend-WM 2003 in Sherbrooke (Kanada), setzte sich im Speerwerfen der Frauen Xue Juan (China) mit 56,82 Metern vor Bo-Ra Shin (Südkorea, 53,74 Meter) bzw. Vivian Zimmer (Deutschland, 52,20 Meter) durch. Den Medaillenspiegel gewann die USA mit 6 x Gold, 4 x Silber, 4 x Bronze (Deutschland: 2 x Gold, 2 x Silber, 4 x Bronze).

In Marrakech (Marokko), bei den Jugend-WM 2005, jubelte wieder eine Chinesin über Gold im Speerwerfen der Frauen. Mit 56,66 Metern verwies Zhang Li die Ungarin Rebryk (56,16 Meter) und die Kubanerin Yanet Cruz (51,66 Meter) auf die weiteren Medaillen-Plätze. Wieder waren die USA mit 6 x Gold, 3 x Silber, 4 x Bronze am besten (Deutschland: 1 x Silber, 1 x Bronze).

Die Südafrikanerin Tazmin Brits ließ sich folgend, bei den Jugend-WM 2007 in Ostrava (Tschechien), den Sieg im Frauen-Speerwerfen mit der Weite von 51,71 Metern nicht nehmen. Zweite bzw. Dritte wurden die Finninnen Carita Hinkka (51,61 Meter) und Sini Kiiski (50,75 Meter). Die USA waren erneut die Nummer eins mit 7 x Gold, 4 x Silber, 3 x Bronze (Deutschland: 3 x Gold, 2 x Silber, 3 x Bronze).

Gold im Speerwerfen der Frauen, bei den Jugend-WM 2009 in Brixen (Italien), ging seinerzeit an Anastasija Svechnikova (Usbekistan, 53,25 Meter) vor You Wu (China, 52,04 Meter) und Laura Henkel (Deutschland, 51,47 Meter). Kenia schaffte mit 6 x Gold, 7 x Silber, 1 x Bronze Platz eins im Medaillen-Ranking (Deutschland: 2 x Gold, 1 x Silber, 6 x Bronze).

Ganz goldige Momente erlebte dann Christin Hussong aus Deutschland bei den Jugend-WM 2011 in Lille (Frankreich) im Speerwerfen. Mit 59,74 Metern distanzierte sie die Schwedin Sofi Flinck (54,62 Meter) und die Australierin Monique Cilione (52,77 Meter) auf Rang zwei bzw. auf Rang drei. Die USA hatten mit 6 x Gold, 4 x Silber, 6 x Bronze das insgesamt erfolgreichste Team (Deutschland: 2 x Gold, 1 x Bronze).

„Down Under“ war zwei Jahre danach, bei den Jugend-WM 2013 in Donezk (Ukraine),  im Speerwerfen der Frauen aber wieder einmal „ganz oben“. Die Australierin Mackenzie Little siegte mit dem (heute noch gültigen) Meisterschaftsrekord von 61,74 Metern vor der Kubanerin Yulenmis Aguilar (59,94 Meter) und der Lettin Anete Kocina (54,26 Meter). Jamaika war 2013 die erfolgreichste Nation im Medaillenspiegel mit 6 x Gold, 2 x Bronze (Deutschland: 2 x Gold, 3 x Silber, 3 x Bronze).

Und bei den vorerst letzten Jugend-WM 2015 in Cali (Kolumbien) war die Japanerin Hakura Kitaguchi (60,35 Meter) die Beste im Speerwerfen der Frauen vor der Norwegerin Stella Weinberg (57,11 Meter) und der Lettin Laine Donane (56,15 Meter). Top-Nation wurde die USA mit 8 x Gold, 5 x Silber, 6 x Bronze (Deutschland: 2 x Gold, 1 x Silber).

Vom 12.Juli 2018 bis 16.Juli 2018 folgen nun die 10.Jugend-WM in der Leichtathletik in Nairobi – und die Rostocker Speerwerferin Julia Ulbricht ist nicht nur dabei, sondern mitten drin!

Marko Michels

1.Foto (Michels): Leichtathletik – besonders prickelnd im Stadion (wie hier in Berlin). / 2.Foto (Christiane Ulbricht): Julia Ulbricht beim Wettkampf im Juni 2017 in Schweinfurth.