Lea Sophie Friedrich (RST Dassow) im Einzel-Sprint in der Bronze-Spur

Bahnradsport Symbolfoto

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Bei den Junioren-Weltmeisterschaften im Bahnradsport in Montichiari gab es aus M-V-Sicht die bereits dritte Medaille, nach dem Teamsprint-Silber für Lea Sophie Friedrich (RST Dassow) und dem Teamsprint-Bronze für Carl Hinze (Schweriner SC). Erneut war Lea in der Medaillen-Spur und erkämpfte im Einzel-Sprint Bronze hinter Mathilde Gros (Frankreich) und Lauren Bate-Lowe (Großbritannien).

Das war die zwanzigste Medaille bei einer Bahnradsport-Junioren-Weltmeisterschaft im Einzel-Sprint der Mädels. Seit 1987 (Premieren-Siegerin: Janie Eickhoff aus den USA) steht diese Disziplin im JWM-Programm und für Schwarz-Rot-Gold gab es bis einschließlich 2017 insgesamt 11 x Gold, 3 x Silber, 6 x Bronze. Die deutschen Einzel-Sprinterinnen sind damit bei JWM in dieser Konkurrenz einsame Klasse.

Denn: Die „restlichen“ WM-Titel verteilen sich auf Frankreich (vier), die USA, Australien, Großbritannien, China, Italien bzw. Russland (jeweils zwei) sowie Südkorea, Kuba, die Ukraine und Finnland (jeweils einen).

Die deutschen WM-Titel bei JWM im Einzel-Sprint der Mädels gingen bis dato auf das sportliche Konto von Kathrin Freitag, die in Röbel geboren wurde (1990, 1991 bzw. 1992), Ina Heinemann (1993 bzw. 1994), der gebürtigen Wismarerin Katrin Meinke (1997, plus Silber 1996), Christin Muche (2000), Kristina Vogel (2007 bzw. 2008), Emma Hinze (2015) und Pauline Grabosch (2016).

Exkurs: Frauen und Bahn-Radsport (Elite-Bereich) – ein historischer Abriss

Erst ab 1958 in Paris durften auch die Frauen bahnradsportlich-weltmeisterlich ran. In zwei Disziplinen demonstrierten sie ihr Können: Im Sprint gewann Galina Jermolajewa vor Walentina Maximowa-Pantilowa (beide Sowjetunion) und Jean Dunn (Großbritannien). Ljudmilla Kotschetowa (Sowjetunion) war hingegen in der Einzelverfolgung die Nummer eins – vor den Britinnen Stella Bail und Kathleen Ray.

Es sollte sogar noch weitere dreißig Jahre dauern, bis der Bahnradsport für Frauen olympisch wurde. In Seoul 1988 erhielten die Bahnradsportlerinnen einen ersten Wettkampf unter den olympischen Ringen, den Sprint. Gold holte sich damals die Estin Erika Salumäe vor Christa Rothenburger-Luding aus Deutschland-Ost und Connie Paraskevin-Young aus den USA.

Meilensteine für den Frauen-Bahn-Radsport

Was waren aber die „Meilensteine“ für den weltmeisterlichen Bahnradsport bei den Frauen?! Wie erwähnt, standen seit 1958 der Sprint und die Einzelverfolgung für die „Mädels“ auf dem WM-Programm. Aus deutscher Sicht erkämpfte Karin Stüwe (TSC Berlin) 1965 mit Bronze die erste WM-Medaille im Sprint. 21 Jahre später, 1986 in Colorado Springs,  triumphierte Christa Rothenburger-Luding (SC Einheit Dresden) in dieser Disziplin und weitere 28 Jahre danach sprintete die Kaiserslauterin Miriam Welte, die bis 2012 für das „Track Cycling Team MV“ startete, zu Gold.

Auch in der Einzelverfolgung jubelten deutsche WM-Teilnehmerinnen schon ganz „goldig“, so 1991 Petra Rossner aus Leipzig und 1997 Judith Arndt aus Königs Wusterhausen. Die erste deutsche WM-Einzelverfolgungsmedaille bei den Frauen ging 1965 auf das sportliche Konto von Hannelore Mattig vom TSC Berlin.

Im Zeitfahren sind die Frauen erst seit 1995 „WM-technisch“ in der „Spur“. Im Jahr 1996 errang hier Annett Neumann vom Radsportclub Cottbus die erste WM-Medaille (Silber); 2014 sicherte sich Miriam Welte im Zeitfahren sogar den ersten deutschen WM-Titel in diesem Wettbewerb.

Immer mehr Wettbewerbe für die Frauen

Und: Wann gelangten die anderen, heutigen WM-Disziplinen für die Frauen in das Bahnradsport-WM-Programm?! … 1988 wurde das Punktefahren aufgenommen, wobei Judith Arndt 1999 mit Silber die erste WM-Plakette und Stephanie Pohl aus Cottbus 2015 den ersten WM-Titel für Deutschland dort überhaupt erkämpften.

Keirin ist für Frauen seit 2002 WM-Disziplin und mit Christin Muche aus Forst (2006) und Kristina Vogel aus Erfurt (2014) konnten sich deutsche Frauen bereits über WM-Gold freuen. Auch Scratch (seit 2002, noch ohne deutsche Medaille), Omnium (seit 2009, ebenfalls noch ohne deutsche Medaille) und der Teamsprint sind weltmeisterlich für Frauen zugelassen. Im Teamsprint sorgte die in M-V mehr als bekannte Miriam Welte (zusammen mit Dana Glöß, Werdau, Berlin) 2008 für die erste deutsche WM-Medaille (Bronze).

Im der Teamverfolgung rasen die Frauen zudem seit 2008 um WM-Ehren. In dieser Disziplin begnügten sich die deutschen Frauen bislang mit einmal Bronze – 2008 durch Charlotte Becker aus Datteln, Verena Jooß aus Karlsruhe und Alexandra Sontheimer aus Freiburg im Breisgau.

Mal schauen, was aber nun bei den JWM 2017 für Lea Sophie Friedrich (RST Dassow) noch möglich sein wird?!

Marko Michels