{"id":1783,"date":"2015-05-06T17:15:57","date_gmt":"2015-05-06T15:15:57","guid":{"rendered":"https:\/\/mv-sport.de\/?p=1783"},"modified":"2017-05-28T17:24:11","modified_gmt":"2017-05-28T15:24:11","slug":"von-der-vier-tore-stadt-in-den-ruder-olymp-jans-sorgers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mv-sport.de\/c\/von-der-vier-tore-stadt-in-den-ruder-olymp-jans-sorgers\/","title":{"rendered":"Von der Vier-Tore-Stadt in den Ruder-Olymp: Jana Sorgers"},"content":{"rendered":"<p>M-V auch mit olympischer Frauen-Power im Rudern<\/p>\n<p>Rudern und Mecklenburg-Vorpommern. Da denkt man vor allem an Rostock und auch Schwerin. Aber eine geb\u00fcrtige Neubrandenburgerin sorgte zwischen 1986 und 1996 f\u00fcr viel rudersportliche Furore. Jana Sorgers, Jahrgang 1967, geboren in der \u201eVier-Tore-Stadt\u201c in Vorpommern, geh\u00f6rt dabei mit ihren zwei Olympiasiegen 1988 bzw. 1996 und sieben Weltmeister-Titeln zwischen 1986 und 1995, alle Erfolge im Doppelvierer, zu den erfolgreichsten deutschen Ruderinnen aller Zeiten.<\/p>\n<p>Bei den olympischen Ruder-Wettk\u00e4mpfen 1988 in Seoul wurde Jana Sorgers zusammen mit Kerstin F\u00f6rster, Kristina Mundt sowie Beate Schramm Doppelvierer-Olympiasiegerin vor der UdSSR und Rum\u00e4nien \u2013 damals im DDR-Boot. Die geb\u00fcrtige Wismarerin Kathrin Haacker schaffte seinerzeit aus M-V-Sicht zudem den Olympiasieg mit dem DDR-Frauen-Achter. Acht Jahre sp\u00e4ter, 1996 in Atlanta im vereinigten deutschen Team, folgte der zweite Doppelvierer-Olympiasieg f\u00fcr Jana Sorgers, zusammen mit Katrin Rutschow-Stomporowski, die in Waren\/M\u00fcritz geboren wurde, Kerstin K\u00f6ppen und Kathrin Boron, vor der Ukraine und Kanada.<\/p>\n<p>Inzwischen lebt Jana Sorgers in Bremen und ist mit Oliver Rau, auch erfolgreicher Ruderer und Direktor f\u00fcr Marketing und Vertrieb bei Werder Bremen, verheiratet und hat zwei Kinder.<\/p>\n<p>Im letzten Jahr gab es ganz bittere Augenblicke f\u00fcr Jana Sorgers-Rau. Bei einem Einbruch im August 2014 wurden die Olympia- und WM-Medaillen gestohlen\u2026<\/p>\n<p>Nachgefragt bei Jana Sorgers-Rau<\/p>\n<p><strong>J.Sorgers-Rau \u00fcber ihre sportliche, pers\u00f6nliche und berufliche Entwicklung<\/strong><\/p>\n<p><em><strong>\u201eWaren magische Momente\u2026\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> Frau Sorgers-Rau, vor fast 30 Jahren, 1986, gab es f\u00fcr Sie den ersten WM-Erfolg bei einer Elite-WM. Wie war das damals vor fast drei Jahrzehnten in Nottingham. War dieser Erfolg \u201eerwartet\u201c worden?<\/p>\n<p><strong>Jana Sorgers-Rau:<\/strong> Wahnsinn, dass das schon fast 30 Jahre her sein soll. Ich erinnere mich noch sehr genau. Nat\u00fcrlich war jedes nominierte DDR-Boot damals ein grunds\u00e4tzlicher Medaillenkandidat, aber es war schon un\u00fcblich, dass man in diesem jungen Alter und direkt von den Juniorinnen kommend auch gleich im ersten Senior-Jahr Weltmeisterin wurde. Aber ich hatte viel Erfahrung im Boot bei meinen Mitruderinnen und war wohl auch ein gro\u00dfes Talent (\u2026lacht).<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> 1988 und 1996 durften Sie dann jeweils \u00fcber Olympia-Gold jubeln\u2026 Welche besonderen Erinnerungen verbinden Sie, neben den sportlichen, mit Seoul 1988 und Atlanta 1996?<\/p>\n<p><strong>Jana Sorgers-Rau:<\/strong> Das waren nat\u00fcrliche magische Momente, die ich immer in meinem Herzen tragen werde. Olympisches Gold ist einfach das Gr\u00f6\u00dfte, was ein Sportler erreichen kann. Ich habe es ja f\u00fcr zwei L\u00e4nder, ja zwei Systeme geschafft und das unter ganz verschiedenen Voraussetzungen. Dieser Fakt ist f\u00fcr mich bis heute besonders und macht mich auch sehr stolz. In Seoul war ich noch viel j\u00fcnger und habe die Dimension dieses Erfolges nicht greifen k\u00f6nnen. Das w\u00e4chst erst sp\u00e4ter, in Atlanta war mir das alles viel bewusster. Mit Atlanta verbindet mich zudem die Tatsache, dass ich dort in Vorbereitung zu den Spielen zwei Jahre zuvor meinen heutigen Mann kenngelernt habe.<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> Sie wurden in Neubrandenburg geboren\u2026 Wie gelangten Sie letztendlich zum Rudersport? Und: Haben Sie noch Kontakt zu Ihrer alten Heimat M-V?<\/p>\n<p><strong>Jana Sorgers-Rau:<\/strong> Nat\u00fcrlich habe ich noch engen Kontakt in die alte Heimat. Meine Mutter lebt dort, genau wie mein Zwillingsbruder mit seiner Familie. Ich bin regelm\u00e4\u00dfig in Neubrandenburg und meine Mutter hat zudem ein kleines Ferienhaus an der Mecklenburger Seenplatte in der N\u00e4he von Mirow. Wundersch\u00f6n. Zum Rudern bin ich eher zuf\u00e4llig gekommen. Die Talentsichter des Ruderverbandes hatten mich zun\u00e4chst aufgrund meiner k\u00f6rperlichen Voraussetzungen auserkoren, heute w\u00fcrde man sagen \u201egescouted\u201c. Ich hatte bis dahin mit dem Ruderport oder sonstigem Leistungssport nichts am Hut. Ich bin dann mit 13 nach Berlin gesandt worden, in die Kinder- und Jugendsportschule. Das erste halbe Jahr war schrecklich f\u00fcr mich, ich hatte gro\u00dfes Heimweh, dann wurde es in allen Belangen erfolgreich und ich habe mich gegen alle Widerst\u00e4nde durchgesetzt bis ich schlie\u00dflich die Beste war.<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> Dieses Jahr ist nun ein vorolympisches\u2026 Wie beurteilen Sie das internationale Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis im Frauen-Rudersport?<\/p>\n<p><strong>Jana Sorgers-Rau:<\/strong> Ich bin ehrlich gesagt nicht mehr so tief im System, als dass man mich noch eine \u201eExpertin\u201c nennen k\u00f6nnte. Ich verfolge die Weltmeisterschaften mit einem Auge und habe unregelm\u00e4\u00dfigen Austausch mit meinen fr\u00fcheren Gold-Mitruderinnen Kathrin Boron und Kerstin K\u00f6ppen-Holtmeyer. Ich kenne au\u00dfer Marcel Hacker keine aktiven Mitglieder der aktuellen Nationalmannschaft noch pers\u00f6nlich. Deutschland ist nicht mehr so dominant und erfolgreich wie zu unserer Zeit, das Niveau ist von den gefahrenen Zeiten auch nicht deutlich besser geworden. Ich glaube unser inoffizieller Weltrekord ist erst k\u00fcrzlich nach 17 Jahren unterboten worden. Ansonsten ist es wie immer: Die gro\u00dfen Rudernationen teilen sich die Medaillen, wobei Neuseeland bei den Frauen erstaunlich erfolgreich ist. Am meisten habe ich mich nat\u00fcrlich 2014 \u00fcber die Goldmedaille \u201emeines\u201c Bootes gefreut, den deutschen Frauen-Doppelvierer.<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> Sie leben nun in Bremen, sind mit einem Ruderer verheiratet\u2026 Wie machen Sie heute? Sind Sie sportlich noch aktiv?<\/p>\n<p><strong>Jana Sorgers-Rau:<\/strong> Ja, durch den Beruf meines Mannes sind wir in Bremen heimisch geworden. Eine sch\u00f6ne Stadt mit kurzen Wegen, die auch meiner norddeutschen Mentalit\u00e4t entspricht. Wir rudern beide schon seit 1996 konsequent nicht mehr. Das war ein tolle Zeit, aber das Kapitel haben wir beide auf dem absoluten H\u00f6hepunkt beendet. Heute bin ich selbstst\u00e4ndige Fitness-Unternehmerin und betreibe in Bremen das erfolgreichste EMS-Studio der Stadt. Diese Trainingsform (elektro-muskul\u00e4re Stimulation) hat mich schon in meiner aktiven Karriere begleitet, jetzt stelle ich mein Know-How im Personaltraining zur Verf\u00fcgung. Ein toller Job. Sportlich bin ich auch noch aktiv, neben EMS und Krafttraining laufe ich 2-3x in der Woche mit meinem Mann 12 Kilometer. Nat\u00fcrlich bin ich auch noch Mutter von wunderbaren Zwillingen. Die beiden M\u00e4dchen sind nun auch schon 15, ein interessantes Alter (\u2026lacht)<\/p>\n<p><strong>Letzte Frage:<\/strong> Im letzten Jahr mu\u00dften Sie den Verlust Ihrer Medaillen hinnehmen\u2026 Haben Sie diese schon wieder?<\/p>\n<p><strong>Jana Sorgers-Rau:<\/strong> Das war ein Schock. Wir waren im Urlaub und w\u00e4hrend dieser Zeit ist unser Haus komplett ausger\u00e4umt worden. Ein hoher materieller und emotionaler Schaden. Neben vielen anderen Wertsachen ist auch das gesamte sportliche Lebenswerk meines Mannes und von mir gestohlen worden. Leider ist keine einzige Medaille bis heute wieder aufgetaucht obwohl sie unverk\u00e4uflich sind. Wir sind im Dialog mit dem IOC und dem Weltruderverband, es sieht gut aus, dass wir zumindest f\u00fcr die wertvollsten St\u00fccke als Repliken wieder erhalten. Die Verb\u00e4nde und der DOSB sind hier sehr bem\u00fcht, das IOC hat eigens die Gussformen der Medaillen aus Seoul und Atlanta aus dem olympischen Museum geholt und reaktiviert. Eine sch\u00f6ne Geste im Sinne des olympischen Geistes.<\/p>\n<p>Vielen Dank, weiterhin alles erdenklich Gute und beste Gesundheit!<\/p>\n<p>Marko Michels<\/p>\n<p><strong>Exkurs: Olympisches Frauen-Rudern mit Erfolgen f\u00fcr M-V<\/strong><\/p>\n<p>Und auch im olympischen Frauen-Rudern erlebte M-V oft erfolgreiche Momente. <strong>Seit den Olympischen Spielen 1976 in Montreal<\/strong>, dort fand erstmals eine olympische Ruder-Regatta f\u00fcr Damen statt, geh\u00f6rten Ruderinnen aus Mecklenburg und Vorpommern, die hier zumindest \u201eihre Wiege\u201c oder ihren Verein hatten, regelm\u00e4\u00dfig zu den erfolgreichen Olympionikinnen.<\/p>\n<p>Bereits in Montreal 1976 gab es durch die 1956 in Stralsund geborene Monika Kallies Olympia-Gold im Achter und durch die 1954 in Neukalen zur Welt gekommenen Anke Borchmann ebenfalls Olympia-Gold im Doppelzweier. Die heutige Wahl-Schwerinerin Petra Boesler (verheiratete Wach) holte Silber im Doppelzweier.<\/p>\n<p><strong>In Moskau 1980<\/strong> konnten Cornelia Linse aus Greifswald und Heidi Westphal aus Gnoien \u00fcber Silber im Doppelzweier jubeln. Die in Strasburg geborene Ramona Kapheim schaffte dort Gold mit dem Vierer mit.<\/p>\n<p>Vier Jahre sp\u00e4ter folgte dann der <strong>Olympia-Boykott<\/strong> vieler real-sozialistischer L\u00e4nder <strong>in Los Angeles<\/strong>, so dass auch potentielle rudersportliche Olympionikinnen aus M-V um ihre Teilnahme-Chance 1984 gebracht wurden.<\/p>\n<p><strong>Goldene Momente in Seoul<\/strong><\/p>\n<p>Daf\u00fcr sorgten dann Kathrin, Silvia und Jana 1988 in Seoul f\u00fcr Furore. Die geb\u00fcrtige Wismarerin Kathrin Haacker gewann Gold im Achter, Silvia Rose, aus Barth stammend, erk\u00e4mpfte Gold im Vierer mit und Jana Sorgers, in Neubrandenburg geboren, errang Gold im Doppelzweier.<\/p>\n<p>Kathrin Haacker war dank einer Talente-Sichtung in Mecklenburg zum Rudersport gekommen. So wuchs Kathrin im kleinen mecklenburgischen Dorf Passee bei Wismar auf und im Jugend-Alter erfolgte eine sportliche Sichtung in der Schule und Kathrin wurde als Ruderin \u201eerw\u00e4hlt\u201c. Da im Ruder-Leistungszentrum des ASK Vorw\u00e4rts in Rostock nur M\u00e4nner ruderten, wurde die 1967 in Wismar geborene Athletin weiter nach Berlin zur Kinder- und Jugendsportschule bzw. zum SC Dynamo delegiert. Dort begann letztendlich ihr rudersportlicher Aufstieg.<\/p>\n<p>Das Olympia-Gold in Seoul war f\u00fcr Kathrin Haacker letztendlich \u201edie Erf\u00fcllung eines Lebenstraumes\u201c. Nachdem ihr 1986 der internationale sportliche Durchbruch gelang, wollte sie es unbedingt wissen: Olympia nicht nur erleben, sondern \u2013 m\u00f6glichst siegreich \u2013 zu genie\u00dfen. Kurz vor den Olympischen Spielen in Seoul stieg Kathrin, auf Anraten der Trainer, vom Zweier ohne in den Achter um \u2013 eine goldrichtige Entscheidung. Es war f\u00fcr die Mecklenburgerin dann \u201eein super Gef\u00fchl, ganz oben auf dem olympischen Podest zu stehen\u201c. Ihre mecklenburgische Heimat besucht Kathrin aber immer noch.<\/p>\n<p><strong>Erfolge und Medaillen auch nach 1996<\/strong><\/p>\n<p>Sehr erfolgreich bei olympischen Ruder-Regatten war ebenfalls die aus Waren-M\u00fcritz stammende Katrin Rutschow-Stomporowski-Gold im Doppelvierer 1996, Einer-Bronze 2000 und Einer-Gold 2004.<\/p>\n<p><strong>Bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona<\/strong> hatten erneut einige \u201eM-V-Frauen\u201c die rudersportliche Erfolgsspur gefunden. Einerseits holte Kathrin Haacker mit Olympia-Bronze im Achter, zusammen mit der geb\u00fcrtigen K\u00fchlungsbornerin Dana Pyritz (Zwillingsschwester Jana war auch eine erfolgreiche Ruderin\u2026) eine weitere Olympia-Medaille, andererseits war die mit Schwerin verbundene Sybille Schmidt mit Gold im Doppelvierer vorne dabei. Die geb\u00fcrtige Schwerinerin Annette Hohn belegte mit dem Vierer ohne Rang drei.<\/p>\n<p>Und die vorgestellte Neubrandenburgerin Jana Sorgers konnte sich hingegen <strong>1996 in Atlanta<\/strong> erneut \u00fcber Gold freuen \u2013 wieder im Doppelvierer. Ganz knapp verpasste Marie-Louise Dr\u00e4ger 2008 im leichten Doppelzweier mit Platz vier eine Medaille\u2026<\/p>\n<p><strong>Interessante Regatten im Sportsommer 2015<\/strong><\/p>\n<p>Ansonsten ist im Rudersport im Sportsommer neben den olympischen und paralympischen Regatten eine Menge los. Am ersten Juli-Wochenende findet die \u201eHenley Royal Regatta\u201c statt, die seit 1839 ausgetragen wird. Auf dieser Strecke wurden 1908 und 1948 auch die olympischen Ruder-Wettbewerbe veranstaltet. Der Usedomer Bernhard von Gaza war dort 1908 im Einer Halbfinalist.<\/p>\n<p>Marko Michels<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M-V auch mit olympischer Frauen-Power im Rudern Rudern und Mecklenburg-Vorpommern. Da denkt man vor allem an Rostock und auch Schwerin. Aber eine geb\u00fcrtige Neubrandenburgerin sorgte zwischen 1986 und 1996 f\u00fcr viel rudersportliche Furore. 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