{"id":6752,"date":"2010-02-28T22:58:32","date_gmt":"2010-02-28T21:58:32","guid":{"rendered":"https:\/\/mv-sport.de\/?p=6752"},"modified":"2017-10-31T12:01:24","modified_gmt":"2017-10-31T11:01:24","slug":"xxi-olympischen-winterspiele-feierlich-beendet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mv-sport.de\/c\/xxi-olympischen-winterspiele-feierlich-beendet\/","title":{"rendered":"XXI.Olympischen Winterspiele feierlich beendet"},"content":{"rendered":"<p>Interview mit der Olympiasiegerin Claudia Nystad<\/p>\n<p>Die XXI.Olympischen Winterspiele gingen in der Nacht (MEZ) mit einer beeindruckenden Schlussfeier im BC Place Stadium in Vancouver zu Ende. Magdalena Neuner, mit zweimal Gold und einmal Silber die erfolgreichste Athletin vom \u201eTeam Germany\u201c, trug die deutsche Fahne.<\/p>\n<p><strong>Doch: Was bleibt von den olympischen Tagen in Vancouver und in Whistler ?!<\/p>\n<p><\/strong>Die Olympischen Winterspiele 2010 \u2013 das waren die bislang aufrichtigsten, authentischsten und menschlichsten Winterspiele aller Zeiten. Dabei begannen sie extrem traurig \u2026 Der t\u00f6dliche Trainingsunfall des georgischen Rennrodlers Nodar Kumaritaschwili \u00fcberschattete die Er\u00f6ffnungsfeier, warf einen traurigen Schatten auf die Spiele.<\/p>\n<p>Wenn Spiele so beginnen, stehen sie meistens nicht \u201eunter g\u00fcnstigen Sternen\u201c \u2026 Aber sollte man Spielen, die traurig, nachdenklich beginnen, nicht eine Chance geben ?!<\/p>\n<p>Ja, die olympischen Ideale mu\u00dften und wurden in Whistler und in Vancouver mit Leben erf\u00fcllt. Es gab gro\u00dfe Momente, sehr, sehr traurige, gro\u00dfe Sieger und noch gr\u00f6\u00dfere Verlierer.<\/p>\n<p><strong>Die gr\u00f6\u00dften Gewinner der XXI.Olympischen Winterspiele waren jedoch die Sportlerinnen und Sportler selbst, das gro\u00dfartige kanadische Publikum und die Sportfans in aller Welt.<\/strong> 17 Tage wurde eindrucksvoller Sport geboten \u2013 facettenreich, exotisch, leistungsstark, spannend und emotionsreich, verbunden mit vielen individuellen Schicksalen, Dramen, Trag\u00f6dien und Gl\u00fccksmomenten.<\/p>\n<p>Gewonnen hat auch das deutsche Team, das so ungemein sympathisch, nat\u00fcrlich und erfolgreich auftrat. Anders als viele Politiker vor Ort, deren gek\u00fcnsteltes L\u00e4cheln, deren olympische Selbstgef\u00e4lligkeit und deren Sucht nach den goldenen Fotos mit goldigen Olympionikinnen fast schon Z\u00fcge einer realen olympischen Satire annahm.<\/p>\n<p><strong>Sportliche Heldinnen und Helden wurden geboren.<\/strong> Maria Riesch ist so eine. Eben so wie Magdalena Neuner. Claudia Nystad. Evi Sachenbacher-Stehle, die inzwischen erfolgreichste deutsche Skilangl\u00e4uferin aller Zeiten. Viktoria Rebensburg. Die Rodel-Damen. Die Skeleton-M\u00e4del. Die Team-Eisschnelll\u00e4uferinnen. Auch Alexandra Grauvogl geh\u00f6rt zu den sportlichen Heldinnen in Deutschland. Alexandra Grauvogel ?! Ja, sie war nicht dabei, die so aussichtsreiche Medaillen-Aspirantin im Ski-Cross. Wegen eines Kreuzbandrisses, der die Teilnahme so ungl\u00fccklich verhinderte. Alexandra steht aber f\u00fcr diejenigen, die auf tragische Weise Olympia verpassten, obwohl sie das Leistungsverm\u00f6gen gehabt h\u00e4tten, zumindest dabei zu sein. Dann in Sotschi 2014 !<\/p>\n<p><strong>Gro\u00dfe Momente hatten nicht nur die deutschen Olympionikinnen und Olympioniken \u2026 <\/strong>Lindsey Vonn war eine der gro\u00dfen Siegerinnen, auch wenn sich die Goldmedaillen-Flut f\u00fcr sie nicht einstellte. Aber erste amerikanische Olympiasiegerin in der Abfahrt \u2013 das hat etwas, zumal das US-Girl mit Schienbein-Verletzung und weiteren gesundheitlichen Handicaps startete.<\/p>\n<p>Doch was ist eine Schienbein-Verletzung gegen das, was der Slowenin Petra Majdic im Einzel-Sprint des nordischen Skisportes passierte \u2026 Beim Aufw\u00e4rmen hatte sie einen Unfall, brach sich vier Rippen, zog sich einen Riss im Lungenfell zu, startete dennoch und wurde Dritte \u2013 eine \u00fcbermenschliche Leistung.<\/p>\n<p>Die traurigsten Momente ihres Lebens im sch\u00f6nsten Wettkampf ihres Lebens musste die Kanadierin Joannie Rochette in Vancouver erleiden. Ihre Mutter Therese starb zwei Tage vor Beginn der Wettbewerbe \u2013 die Emotionen der so sympathischen Eisl\u00e4uferin bleiben unvergessen und ber\u00fchrten jedes Herz.<br \/>\nJoannies Bronzemedaille, die sie ihrer Mutter widmete, hatte goldene Tr\u00e4nen.<\/p>\n<p><strong>Die norwegische Skilangl\u00e4uferin Marit Bj\u00f6rgen wurde die erfolgreichste Athletin der Winterspiele mit dreimal Gold, einmal Silber und einmal Bronze. Norwegens Biathlon-K\u00f6nig schaffte gar seine sechste Goldmedaille seit 1998.<br \/>\n<\/strong><br \/>\nLee Jung-Su, der koreanische Short Tracker, Petter Northug, der norwegische Skilangl\u00e4ufer, der \u00fcber 50 Kilometer Axel Teichmann nur knapp auf Rang zwei verwies, und Emil Svendsen, der norwegische Biathlet, wurde mit jeweils 2 x Gold, 1 x Silber die erfolgreichsten m\u00e4nnlichen Athleten. F\u00fcr \u201ePremieren\u201c sorgten der kanadische Langl\u00e4ufer Brian Mc Keever und der Lette Haralds Silovs. Der fast vollst\u00e4ndig erblindete Brian Mc Keever ist der erste Sportler, der sowohl an Paralympischen als auch Olympischen Spielen teilnahm. Haralds Silovs ist der erste Athlet, der bei Olympischen Spielen innerhalb von 24 Stunden in zwei verschiedenen Sportarten (Eisschnelllauf\/Short Track) startete.<\/p>\n<p>Simon Ammann f\u00fcgte seinen beiden Goldmedaillen 2002 im Skispringen nun 2010 zwei weitere hinzu. Damit ist der Schweizer der Skispringer mit den meisten Einzel-Goldmedaillen. Die chinesische Short Trackerin wurde mit 3 x Gold die erfolgreichste Eissportlerin 2010. Ja, es gibt noch die gro\u00dfen Pers\u00f6nlichkeiten \u201eauf Eis und im Schnee\u201c.<\/p>\n<p><strong>Aber zur\u00fcck zu den deutschen Stars und Sternchen:<\/strong> Die deutschen Olympionikinnen und Olympioniken boten wieder Herausragendes, aber die Frauen waren der Aktiv-Posten im Team. Ohne das olympische Fr\u00e4ulein-Wunder \u201eMade in Germany\u201c w\u00e4re das Olympia-Team nicht wieder vorn gewesen. Starke Pers\u00f6nlichkeiten, wie Maria Riesch, die noch 2006 wegen eines Kreuzbandrisses Olympia verpasste, wurde Doppel-Olympiasiegerin in der Kombination bzw. im Slalom, die junge Viktoria Rebensburg schaffte Sensations-Gold im Riesenslalom, Biathletin Magdalena Neuner sorgte f\u00fcr sportive Sternstunden, die Skeletoni Kerstin Szymkowiak und Anja Huber holten das erste Edelmetall in dieser Sportart f\u00fcr Deutschland, die junge Eisschnelll\u00e4uferin Stephanie Beckert erk\u00e4mpfte zweimal Silber, Rodlerin Tatjana H\u00fcfner setzte die deutsche Gold-Tradition in ihrer Sportart fort, die Eisschnelll\u00e4uferinnen im Team-Sprint mit Anni Friesinger-Postma, Katrin Mattscherodt, Stephanie Beckert oder Daniela Ansch\u00fctz-Thoms, usw., usw.<\/p>\n<p><strong>Auch der Jubel der Skilangl\u00e4uferinnen Claudia Nystad und Evi Sachenbacher war in ihrem Teamsprint grenzenlos \u2013 Gold hatte ihnen kaum jemand zugetraut.<br \/>\n<\/strong>Als Zugabe folgte Silber in der Staffel. Die Langl\u00e4uferinnen, vorher als \u201etrainingsfaul\u201c von \u201eExperten\u201c kritisiert, erwiesen sich als flei\u00dfige Medaillensammlerinnen.<br \/>\nDie viel zitierte Frauen-Power \u2013 im deutschen Olympia-Team gab es sie wirklich.<\/p>\n<p><strong>Aber sind Medaillen wirklich so wichtig, sind sie wirklich das \u201eNonplusultra\u201c ? Z\u00e4hlt nicht allein die Teilnahme mehr als der Sieg? Frommes, naives Wunschdenken.<\/strong> Wer die tief-traurigen Augen der so anmutigen Skeletona Melissa Hollingsworth aus Kanada nach dem Skeleton-Wettbewerb sah \u2013 dort landete sie als Top-Favoritin nur auf Rang f\u00fcnf \u2013 wu\u00dfte sp\u00e4testens da, dass nur ein Motto gilt \u201eEin guter Platz, der z\u00e4hlt nicht viel, eine Medaille ist das Ziel !\u201c.<\/p>\n<p>Deutsche, Amerikaner, Norweger, Koreaner oder Schweizer erwiesen sich bis zum 12.Wettkampftag als &#8222;ausversch\u00e4mte G\u00e4ste&#8220;, nahmen an Edelmetall mit, was sie nur kriegen konnten.<\/p>\n<p>Dabei wollten die Kanadierinnen und Kanadier, die bei ihren bisherigen Heim-Spielen 1976 in Montreal oder 1988 in Calgary nie Gold gewannen, das erkl\u00e4rte Ziel \u201eSt\u00e4rkste Nation\u201c unbedingt erreichen. Doch es lief nicht wie gew\u00fcnscht. Insbesondere nicht im alpinen Skisport, obwohl man gerade dort eine Erfolgstradition hatte.<\/p>\n<p>Die kanadischen Skilanglauf-Damen, die seit 2002 bei Olympia, WM oder im Weltcup immer auf Medaillenfang gingen, blieben 2010 ohne Edelmetall. Auch im Skeleton der Damen, im Herren-Einzel im Eiskunstlaufen, im Paarlauf, in einzelnen Disziplinen des Eisschnelllaufens und vor allem im Rennrodeln lief es f\u00fcr den Gastgeber nicht wie gew\u00fcnscht. Zu allem \u00dcbel verlor man in der Vorrunde gar gegen den Erz-Rivalen im Eishockey bei den Herren mit 3:5, aber es sollte ein &#8222;Happy End&#8220; folgen &#8230;<\/p>\n<p>Man sah den kanadischen Zuschauern zuvor allerdings ihre Entt\u00e4uschungen bei manchen aussichtsreichen Entscheidungen mit ung\u00fcnstigem Ausgang f\u00fcr &#8222;Team Canada&#8220; an, obwohl sie immer fair und gerecht blieben..<\/p>\n<p>Das gilt auch f\u00fcr die kanadischen Sportler \u2026 Unvergesslich der herzliche Gl\u00fcckwunsch von Melissa Hollingsworth, die Top-Favoritin, die \u201enur\u201c F\u00fcnfte wurde, an Kerstin Szymkowiak oder Anja Huber im Skeleton.<\/p>\n<p><strong>Aber Kanada kann k\u00e4mpfen<\/strong>, wie gerade in der Nationalsportart Eishockey schon eindrucksvoll bewiesen. Nachdem es im Schlittensport (Rennrodeln\/Zweierbob der Herren) oder Skisport (einschlie\u00dflich Biathlon) \u00fcberhaupt nicht gut lief, setzte der Gastgeber zum Endspurt an. Goldene oder medaillentr\u00e4chtige Momente wurden im Ski-Cross, im Herren-Skeleton, im Eishockey, im Curling, im Eistanzen, im Eisschnelllaufen, im Short Track oder im Damen-Zweier-Bob zelebriert. Man gewann zwar nicht \u2013 wie erhofft \u2013 die meisten Medaillen, daf\u00fcr stellte man verdienterma\u00dfen die zahlreichsten Olympiasiegerinnen und Olympiasieger \u2013 insgesamt 14. Die 15.Goldmedaille hat sich ohnehin das kanadische Publikum verdient.<\/p>\n<p>Doch nicht alles lief \u201egut\u201c bei diesen Winterspielen&#8230;<br \/>\nF\u00fcr den \u201eFauxpas\u201c der Spiele sorgte ein niederl\u00e4ndischer Trainer.<br \/>\nDer schickte seinen Sch\u00fctzling auf die unkorrekte Bahn. Falsche Entscheidung. Falsche Richtung. Das Gold ging \u201erichtigerweise\u201c an die Konkurrenz.<\/p>\n<p><strong>Und: Nicht alles war zudem optimal bei Winter-Olympia 2010. <\/strong>Von der Bob- und Rodelbahn ganz zu schweigen. Die Eismaschinen funktionierten zun\u00e4chst beim Eisschnelllauf nicht, die Zeitnahme beim Biathlon war defekt, u.a. wurden drei Schwedinnen bei der Verfolgung zu sp\u00e4t auf die Strecke geschickt. Wetter-Kapriolen waren an der Tagesordnung, Wettbewerbsverschiebungen und \u2013 verzerrungen die Folge. Olympia-Gegner randalierten in der Innenstadt.<\/p>\n<p><strong>Vorw\u00fcrfe an die Olympiastadt sind jedoch fehl am Platze. Vancouver und Whistler wollten keine perfekten, sondern menschliche Spiele.<\/strong> Am Ende waren sie menschlicher, als manche ertragen konnten. Sie passten in die aktuelle widerspr\u00fcchliche Zeit.<\/p>\n<p>Olympia 2010 \u2013 das waren auch die Spiele der Sport-Politiker, der Sport-Funktion\u00e4re und Sport-Manager, also jene Spezies, die sich f\u00fcr wichtig halten, aber es in den seltensten F\u00e4llen sind.<\/p>\n<p>Es wurden leider auch die Spiele der Funktion\u00e4re: Wie begeistert war so mancher Sportpolitiker, wenn es ihm gelang, einer erfolgreichen Olympionikin mit Gold die Hand sch\u00fctteln zu k\u00f6nnen.. Daheim geht es ja zurzeit wenig \u201egoldig\u201c, begeisternd zu.<br \/>\nWie borniert mitunter Sportfunktion\u00e4re sein k\u00f6nnen, zeigt die Reaktion einiger IOC-Altvorderen auf die Freude der kanadischen Eishockeyspielerinnen nach dem gewonnenen Finale gegen die USA. Da wurde auf dem Eis mit Sekt angesto\u00dfen und \u201ePolon\u00e4se\u201c mit Zigarre gelaufen. \u201eSolche Bilder\u201c wolle man nicht sehen !, so der offizielle IOC-Kommentar.<\/p>\n<p>Wenn jemand \u201eso\u201c feiern will, dann in der Kabine. Oder wie einige Funktion\u00e4re in luxuri\u00f6sen Hotels, wo sicher nicht nur Selters getrunken und Abstinenz ge\u00fcbt wird.<br \/>\nStatt feucht-fr\u00f6hliche Siegesfeiern zu kritisieren, w\u00e4re \u201etrockene\u201c und deutliche Kritik zu vereisten Ski-Pisten oder zu gemein-gef\u00e4hrlichen Bob- bzw. Rodel-Bahnen seitens des IOC sicher angebrachter.<\/p>\n<p><strong>Es gab aber auch die uneingeschr\u00e4nkt fr\u00f6hlichen Momente im Olympiasport 2010: <\/strong>Viele trendige Sportarten wurden begeistert aufgenommen: Die Ski-Crossies &#8222;mundeten&#8220; \u00e4hnlich wie die Auftritte von Shaun White mit dem Snowboard oder von der Australierin Lydia Lassila im Trick-Ski. Deutschland blieb zwar nicht im \u201eTrend\u201c, war aber medaillens\u00fcchtig im Schlittensport, bei den Alpinen oder im Bobsport bei den Herren. Andre Lange und Kevin Kuske komplettierten in Whistler ihre eindrucksvolle Medaillen-Bilanz auf viermal Gold und einmal Silber \u2013 einzigartig.<\/p>\n<p><strong>Einzigartiges <\/strong>&#8211; im k\u00fcnstlerisch wie sportlichen Sinne &#8211; leisteten nicht zuletzt die nordamerikanische Eistanz-Paare Tessa Virtue\/Scott Meir sowie Meryl Davis\/Charlie White. Beide Duos zelebrierten Kunst auf dem Eis !<\/p>\n<p><strong>Die \u201eKracher\u201c f\u00fcr die kanadischen Sportfans waren jedoch die Olympiasiege im Damen-Eishockey und vor allem im Herren-Eishockey. 1920 gewann Kanada die erste Eishockey-Medaille \u00fcberhaupt. In Vancouver gab es die achte \u2013 dank des Tores von Super-Star Sidney Crosby zum 3:2 in der Verl\u00e4ngerung gegen die USA. Kanada im Ausnahmezustand !<\/strong><\/p>\n<p>Auch die Welt war im olympischen Ausnahmezustand: 3,5 Milliarden Menschen sahen und \u201eh\u00f6rten\u201c die Wettk\u00e4mpfe der Olympischen Winterspiele 2010 \u2013 die H\u00e4lfte der Menschheit. Trotz Kommerzes, extremer Vermarktung, Dopingger\u00fcchten, Funktion\u00e4rsgebaren oder sonstiger Vorbehalte \u2013 Olympia und die olympische Idee leben.<\/p>\n<p>Der Sport bewegt: Das wurde auch bei der letzten Entscheidung der Olympischen Winterspiele deutlich, als Kanada die USA schlugen. Ausgelassene Freuden-T\u00e4nze auf dem Eis und auf den R\u00e4ngen. In den Stra\u00dfen Vancouvers und in ganz Kanada.<\/p>\n<p>Diese Winterspiele, die so viele Emotionen weckten, bleiben unvergesslich.<\/p>\n<p><strong>Was auch die Erfolge der bereits angesprochenen Skilangl\u00e4uferin Claudia Nystad vom WSC Erzgebirge Oberwiesenthal betrifft. Als es darauf ankam, war sie da &#8211; und ihre mittlerweile handzahmen Kritiker ebenfalls &#8230;<\/p>\n<p><em>\u201eMedaillen sind das Symbol f\u00fcr den Schwei\u00df, das Blut und die Tr\u00e4nen einer jeden Sportlerin, eines jeden Sportlers !\u201c<br \/>\n<\/em><br \/>\n<\/strong>Claudia Nystad \u00fcber die Olympischen Winterspiele 2010, destruktive Kritik, die Stimmung bei den deutschen Skilangl\u00e4uferinnen, ihr soziales Engagement und ihre \u201esommersportlichen Vorlieben\u201c<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> Claudia, erst einmal einen ganz herzlichen Gl\u00fcckwunsch zu Ihrem Gold im Teamsprint mit Evi und nat\u00fcrlich auch zu Staffel-Silber. Wie harmonieren eigentlich eine fr\u00f6hliche Bajuwarin, wie Evi, und eine eher nachdenkliche S\u00e4chsin und \u201ehalbe Wikingerin\u201c, wie Sie, im Training und au\u00dferhalb der Loipe. Immer alles \u201ebestens\u201c ?<\/p>\n<figure id=\"attachment_6753\" aria-describedby=\"caption-attachment-6753\" style=\"width: 200px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/mv-sport.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/nystaddsv.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-6753\" src=\"https:\/\/mv-sport.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/nystaddsv-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-6753\" class=\"wp-caption-text\">Claudia Nystad. Foto: Deutscher Skiverband<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Claudia Nystad:<\/strong> Vielen Dank f\u00fcr die Gl\u00fcckw\u00fcnsche. Ja, Evi und ich harmonieren im und neben dem Training sehr gut, anders kann man auch nicht so erfolgreich sein, wie wir es im Team waren. Dass Evi fr\u00f6hlich ist und ich nachdenklich, das wurde allerdings \u00fcber Jahre in den Medien aufgebaut, wenn man uns privat kennt, dann kann es durchaus sein, dass sich das Bild komplett dreht. Aber die Erfahrung will ich keinem vorweg nehmen. (Anmerkung:<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> Mehr als \u201ebestens\u201c war Ihr Wettkampf im Teamsprint. Dabei: Was gab es in den letzten zw\u00f6lf Monaten nicht alles an Negativ-Schlagzeilen aus dem Lager der deutschen Skilangl\u00e4uferinnen: Trainer-Wechsel war angesagt, von \u201eZicken-Kriegen\u201c wurde gesprochen, viel mediale H\u00e4me und Spott ausgesch\u00fcttet, das Engagement der Athletinnen harsch kritisiert. In den meisten F\u00e4llen unsachlich wie unbegr\u00fcndet.<br \/>\nWie sind Sie, aber auch Ihre Team-Kameradinnen, mit dieser Kritik, dieser H\u00e4me umgegangen ? Schwei\u00dft so etwas eher zusammen ? Und: F\u00fchlen Sie nun angesichts des Teamsprint-Goldes und des Staffel-Silbers eine \u201egro\u00dfe Genugtuung\u201c ?<\/p>\n<p><strong>Claudia Nystad:<\/strong> Ich f\u00fchle keine Genugtuung \u2026 Mir tun solche Menschen leid, die sich \u00fcber andere Personen profilieren wollen. Wenn wir als fast \u201ezahnlose, alte Frauen, die zu faul sind, zu trainieren und ausgetauscht geh\u00f6ren\u201c, trotzdem in der Lage sind, auf das Podium zu kommen, dann haben wir entweder ein \u00fcberdurchschnittlich hohes Talent oder Olympia ist vom Niveau zu niedrig f\u00fcr uns, oder ganz einfach: Es stimmt nicht, was in den Medien \u00fcber uns gesagt wurde.<\/p>\n<p>Ich denke, es ist die dritte Variante, wobei ich eine der Frauen bin, die Zeitungen in der Saison nicht liest, da ich an den Berichten \u00fcber mich festgestellt habe, dass manchmal h\u00f6chstens ein Prozent stimmt, aber das auch nur, wenn der Name richtig geschrieben wurde.\u00a0 Aus der Sicht von Athleten braucht man ein Umfeld, was einen in Erfolgszeiten und auch in harten Zeiten unterst\u00fctzt sowie aufbaut. Es ist nur oft leider so, dass alle zu uns halten, wenn die Fahne gehisst wird und in schwierigeren Zeiten stehen wir fast allein da.<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> Sowohl im Teamsprint als auch in der Staffel demonstrierten Sie gro\u00dfe Power. War Ihr Siegeswillen nach den ganzen Diskussionen ganz einfach \u201eunb\u00e4ndig\u201c ?<\/p>\n<p><strong>Claudia Nystad:<\/strong> Als Athlet kann ich mich nicht vom Druck aus den Medien st\u00f6ren lassen, sonst h\u00e4tte ich keine Chance auf internationalen Erfolg bei Gro\u00dfereignissen wie Olympia. Dass ich an den Sprint- und Staffeltagen in so guter Form war, lag an der Vorbereitung. Ich habe dieses Mal darauf verzichtet, jedes der sechs Rennen zu bestreiten, um mich auf zwei ganz bestimmte L\u00e4ufe besser konzentrieren zu k\u00f6nnen. Damit habe ich mentale, als auch physische Energie gespart und war durch meine Erfahrungen aus den letzten Jahren perfekt vorbereitet. Dass allerdings solche, meist verletzenden Aussagen nicht helfen, ein Team voran zu bringen, das muss ich, und da bin ich mir sicher, keinem erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p><strong>Frage: <\/strong>Sie gelten f\u00fcr die Norwegerinnen und Norweger als \u201eDrama-Queen\u201c, nachdem sie den Nordl\u00e4nderinnen schon einige Male \u201egutes Edelmetall\u201c wegschnappten. Sie sind nun seit f\u00fcnf Jahren mit dem Norweger Trond Nystad verheiratet. Angesichts der \u201eewigen Kritik und N\u00f6rgeleien `Made in Germany`\u201c hatten Sie da schon einmal gedacht: \u201eDas alles tue ich mir hier nicht mehr an. Jetzt starte ich f\u00fcr Norwegen.\u201c ?! Wie beurteilen Sie generell den Stellenwert des Skilanglaufes in Deutschland ?<\/p>\n<p>Claudia Nystad: Ich habe in der Tat dar\u00fcber nachgedacht, nach der Heirat die norwegische Staatsb\u00fcrgerschaft anzunehmen. Aber die Konkurrenz in Norwegen ist auch nicht gerade einfach. Au\u00dferdem bin ich jetzt sehr froh, dass ich es nicht getan habe, weil mir so die sch\u00f6nen Momente entgangen w\u00e4ren, die ich mit Evi bei dem Teamsprint in Vancouver 2010 erlebt habe. Der Stellenwert von Skilanglauf in Deutschland ist meiner Ansicht nach sehr hoch, da durch die vielseitigen Wettkampfarten und interessanten Massenstarts enorme Spannung aufgebaut wird.<br \/>\nIm Vergleich zu Biathlon haben wir allerdings in den letzten Jahren in Sponsoren-Hinsicht und an Publicity etwas verloren.<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> Gerade die deutschen Winter-Olympionikinnen in Whistler und in Vancouver \u00fcberzeugten, ob Biathletin Magdalena Neuner, die Skifahrerin Maria Riesch bzw. Viktoria Rebenburg, Rodlerin Tatjana H\u00fcfner, die Skeletoni Kerstin Szymkowiak oder Anja Huber, Paarl\u00e4uferin Aljona Sawtschenko, (Bobfahrerin Sandra Kiriasis), die Eisschnelll\u00e4uferinnen Jenny Wolf bzw. Stephanie Beckert oder nun Evi und Sie. Schinden sich Sportlerinnen mehr als ihre Kollegen ? Sind sportive Frauen willensst\u00e4rker und selbstkritischer \u2013 und schieben Misserfolge nicht nur auf \u00e4u\u00dfere Umst\u00e4nde ? In Deutschland gibt es ja nicht nur im Sport die viel zitierte \u201eFrauen-Power\u201c ?<\/p>\n<p><strong>Claudia Nystad:<\/strong> Der Grad zwischen Erfolg und Misserfolg ist sehr schmal. Ich denke nicht, dass es in dieser Hinsicht einen Unterschied gibt, zwischen uns deutschen Frauen und deutschen M\u00e4nnern. Wir sind alle ausgebildet in dem gleichen und einzigartigen Sportf\u00f6rderungssystem (Sportschulen, Sportf\u00f6rdergruppen Bundeswehr und Bundespolizei, etc.). Erfolg ist eher ein Faktor von Talent und unterst\u00fctzendem Umfeld und hat weniger zu tun mit spezifischen m\u00e4nnlichen oder fraulichen Qualit\u00e4ten.<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> Sie geh\u00f6ren zu den Sportlerinnen, die auch \u00fcber den sportlichen Tellerrand hinausblicken, sich f\u00fcr soziale Projekte engagieren. So versteigerten sie zu Gunsten der Stiftung &#8222;H\u00e4nsel und Gretel&#8220;, die Kinderschutzprojekte f\u00fcr missbrauchte Kinder f\u00f6rdert, ihre olympische Staffel-Goldmedaille 2002. Sich von der olympischen Goldmedaille zu trennen, die ja das \u201eNonplusultra\u201c f\u00fcr eine Sportlerin bzw. einen Sportler symbolisiert, ist Ihnen dieser Schritt nicht schwer gefallen ? Gibt es einen ganz besonderen Beweggrund f\u00fcr Ihr soziales Engagement ?<\/p>\n<p><strong>Claudia Nystad:<\/strong> Die Medaille an sich ist das Symbol f\u00fcr den Schwei\u00df, das Blut und die Tr\u00e4nen. Wichtiger f\u00fcr den Athlet ist der lange Weg, den man gehen muss, um zu den Olympischen Spielen zu kommen und die Emotionen, die sich w\u00e4hrend dem Weg dorthin bzw. danach auftun. Mir ist dieser Schritt \u00fcberhaupt nicht schwer gefallen, weil es das erste Mal war, dass ich mit meinem Namen anderen Menschen in Not helfen konnte. Ich f\u00fchle mich eher privilegiert, dass ich in einer Situation bin, in der dieses soziale Engagement im gro\u00dfen Stil m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> Bei Ihnen hat der Alterungsprozess ja mit 18 aufgeh\u00f6rt. Sotschi 2014 d\u00fcrfte doch das n\u00e4chste Ziel sein ? Oder wollen Sie lieber die norwegischen Fjorde erkunden ?<\/p>\n<p><strong>Claudia Nystad:<\/strong> Gerade jetzt bin ich in der Stimmung, mit meiner Mannschaft die Erfolge zu feiern und wir werden die Saison zusammen zu Ende laufen. Was danach kommt, das besprechen wir auch erst danach.<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> Was macht eine Claudia Nystad eigentlich im Sommer ? Tr\u00e4umen Sie unter hei\u00dfer Sonne von verschneiten, klirrend kalten Gegenden ? Wird ganz einfach nur der gek\u00fchlte Cocktail genossen ?<\/p>\n<p><strong>Claudia Nystad:<\/strong> Ich tr\u00e4ume immer von warmen Str\u00e4nden und hei\u00dfer Sonne und nicht zuletzt von Beach-Boys. Ich bin eine Sommersportlerin, aber leider gefangen im K\u00f6rper einer Wintersportlerin \ud83d\ude09 . Anders, als viele wissen, ist unsere Haupttrainingszeit im Sommer und somit auch die Zeit, wo wir am meisten reisen und trainieren.<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> Zur\u00fcck zu den Begleitumst\u00e4nden bez\u00fcglich des Teamsprint-Olympiasieges \u2026 &#8211; Was die Kritik von Medien, Trainern und Funktion\u00e4ren der letzten Monate betrifft: Welche \u201eLehren\u201c, Erkenntnisse ziehen bzw. zogen Sie aus diesen \u201everbalen Einlassungen\u201c ?<\/p>\n<p><strong>Claudia Nystad: <\/strong>Im Nachhinein wei\u00df ich, dass jeder mit Erfolg umgehen kann, aber fast keine Menschen mit Misserfolg. Die sehr wenigen Menschen, die in schwierigen Zeiten zu mir gehalten haben, sind meine wahren Freunde.<\/p>\n<p><strong>Frage:<\/strong> Bereits vor Olympia gab es Druck von Sport-Politikern, -Funktion\u00e4ren oder sonstigen -&#8222;V.I.P.`s&#8220; hinsichtlich der Medaillen-Ausbeute \u2013 in allen Sportarten. Wie ist die Meinung einer Sportlerin dazu ?<\/p>\n<p><strong>Claudia Nystad:<\/strong> Ich finde es eher sch\u00f6n, dass sich so viele hoch profilierte Menschen unserer Gesellschaft f\u00fcr Sport interessieren. F\u00fcr mich entsteht dadurch kein Druck. Ich freue mich, dass das Augenmerk somit auf unseren Sport gelenkt wird.<\/p>\n<p><strong>Letzte Frage:<\/strong> Was waren f\u00fcr Sie die besonderen Momente der Winterspiele 2010 ?<\/p>\n<p><strong>Claudia Nystad:<\/strong> Die Hilfsbereitschaft aller Attach\u00e9s im olympischen Dorf hat mich tief beeindruckt. Eine der Frauen hat mir zum Beispiel vor meinem ersten Rennen meinen Laufanzug, der nicht perfekt gepasst hat, umgen\u00e4ht. Die freiwilligen Helfer haben extrem hohe Anerkennung verdient. Bei Regen und Schnee standen sie drau\u00dfen und hatten f\u00fcr jeden ein freundliches Wort. Auch das schlechte Wetter hat mich beeindruckt, sieben Tage Dauerregen \u2026 Wobei: An unserem Goldmedaillentag war es wundersch\u00f6ner Sonnenschein!<\/p>\n<p><em>Fakten zu Claudia Nystad<br \/>\n<\/em><br \/>\nJahrgang 1978 &#8211; Verein: WSC Erzgebirge Oberwiesenthal \u2013 Beruf: Sportsoldatin, Grafik-Design-Studentin \u2013 Erfolge: Olympische Spielen 2002-2010 \u2013 2 x Gold, 3 x Silber, Weltmeisterschaften 2003-2009 \u2013 1 x Gold, 4 x Silber, 3 Weltcup-Siege<\/p>\n<p><strong>Und hier der ultimative endg\u00fcltige Medaillenspiegel der XXI.Olympischen Winterspiele 2010<\/p>\n<p><\/strong>(Anmerkung: Dieser \u201eSpiegel\u201c schien ja medial ohnehin das Wichtigste zu sein, nur verga\u00dfen dabei viele, dass in einem Spiegel alles seitenverkehrt erscheint. Die Realit\u00e4t &#8222;via Spiegel&#8220; bleibt immer relativ \u2026)<\/p>\n<p>Rang-Nation-Gold-Silber-Bronze<\/p>\n<p>01.Kanada 14-7-5<br \/>\n02.Deutschland 10-13-7<br \/>\n03.USA 9-15-13<br \/>\n04.Norwegen 9-8-6<br \/>\n05.S\u00fcdkorea 6-6-2<br \/>\n06.Schweiz 6-0-3<br \/>\n07.China 5-2-4<br \/>\n08.Schweden 5-2-4<br \/>\n09.\u00d6sterreich 4-6-6<br \/>\n10.Niederlande 4-1-3<br \/>\n11.Russland 3-5-7<br \/>\n12.Frankreich 2-3-6<br \/>\n13.Australien 2-1-0<br \/>\n14.Tschechien 2-0-4<br \/>\n15.Polen 1-3-2<br \/>\n16.Italien 1-1-3<br \/>\n17.Slowakei 1-1-1<br \/>\n17.Wei\u00dfrussland 1-1-1<br \/>\n19.Gro\u00dfbritannien 1-0-0<br \/>\n20.Japan 0-3-2<br \/>\n21.Kroatien 0-2-1<br \/>\n21.Slowenien 0-2-1<br \/>\n23.Lettland 0-2-0<br \/>\n24.Finnland 0-1-4<br \/>\n25.Estland 0-1-0<br \/>\n25.Kasachstan 0-1-0<\/p>\n<p>M.Michels<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview mit der Olympiasiegerin Claudia Nystad Die XXI.Olympischen Winterspiele gingen in der Nacht (MEZ) mit einer beeindruckenden Schlussfeier im BC Place Stadium in Vancouver zu Ende. 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