Ende August beginnen die 19.Amateur-Box-WM in Hamburg…

Symbolfoto

Nur noch fünf Wochen. Dann „fliegen“ in Hamburg ganz sportlich und weltmeisterlich „die Fäuste“, denn vom 25.August bis 2.September finden „an der Alster“ die 19.Mateur-Weltmeisterschaften im Boxen der Herren statt. Dann werden in zehn Gewichtsklassen die besten Amateur-Boxsportler des Planeten ermittelt.

Bei den letzten Welt-Titelkämpfen im Boxsport der Herren in Doha 2015 nahmen 260 Faustkämpfer aus 73 Ländern teil. Ähnliche Dimensionen dürfte Hamburg erreichen.

Deutsches Team bereits nominiert

Aus deutscher Sicht wurden Christos Cherakis (bis 49 Kilogramm), Hamza Touba (bis 52 Kilogramm), Omar El Hag (bis 56 Kilogramm), Murat Yilderim (bis 60 Kilogramm), Silvio Schierle (bis 75 Kilogramm), Ibragim Bazuev (bis 81 Kilogramm), Igor Teziev (bis 91 Kilogramm) und Mark Keller (über 91 Kilogramm) nominiert.

Dazu kommen auch Artem Harutyunyan (TH Eilbeck), der auch am Schweriner Leistungszentrum bei Michael Timm trainiert und 2016 in Rio im Halbweltergewicht die olympische Bronzemedaille gewann, und Abbass Baraou, der bei den EM 2017 in Charkiw Gold im Weltergewicht erkämpfte.

Die eine oder andere Medaille sollte es aus deutscher Sicht in Hamburg also geben, wobei ein, zwei Goldene natürlich „die Krönung“ wären.

65 WM-Medaillen für die Deutschländer

Bislang gab es für Deutschland (DDR, Westdeutschland, vereint) bei Amateur-WM der Frauen und Herren 65 Medaillen, darunter 5 x Gold. Die WM-Titel holten aus deutscher Sicht Henry Maske 1989 in Moskau im Halbschwergewicht, Marco Rudolph 1991 in Sydney im Leichtgewicht bzw. Torsten May ebenfalls 1991 in Sydney im Halbschwergewicht, Zoltan Lunka 1995 in Berlin im Fliegengewicht und Jack Culcay-Keth 2009 in Mailand im Weltergewicht.

Nadine Apetz (Weltergewicht) holte bei den neunten Amateur-WM der Frauen 2016 in Astana mit Bronze die erste WM-Medaille im Frauen-Amateur-Bereich. Die ersten Amateur-Welt-Titelkämpfe für Frauen hatten 2001 in Scranton (USA) ihre Premiere.

Ansonsten waren bei Amateur-WM der Herren, seit deren WM-Premiere 1974 in Havanna, und bei den Amateur-WM der Frauen zwei Länder besonders erfolgreich: Russland (einschließlich der Sowjetunion) mit 160 Medaillen, darunter 60 x Gold, und Kuba mit 128 Medaillen, darunter 71 x Gold. Die Medaillen für Kuba wurden sämtlich bei den Herren errungen. Die USA kamen bislang auf 74 Medaillen, darunter 22 x Gold.

Rio de Janeiro 2016 im Rückspiegel

Beim olympischen Turnier im Boxsport der Herren in Rio de Janeiro 2016 stellte jedoch Usbekistan mit 3 x Gold, 2 x Silber, 2 x Bronze vor Kuba mit 3 x Gold, 3 x Bronze die beste Staffel. Die deutsche Box-Mannschaft erkämpfte, wie eingangs erwähnt, dank Artem Harutyunyan 1 x Bronze im Halbweltergewicht.

Jubiläum für Jochen Bachfeld

Ein Jubiläum für einen erfolgreichen Boxsportler des SC Traktor Schwerin gibt es 2017 ebenfalls. Jochen Bachfeld wird im Dezember des laufenden Jahres junge 65…

Beim olympischen Box-Turnier 1976 in Montreal schaffte der 1952 in Sülte geborene Jochen Bachfeld im Weltergewicht die Überraschung. Überraschend deshalb, weil sich der Wahl-Schweriner vor den Spielen verletzte, rechtzeitig aber wieder fit und nachnominiert wurde…

Ganz souverän in Montreal

In Montreal konnte den Mecklenburger niemand aufhalten. In der ersten Runde besiegte er den Iraner Ali Bahri Khomani durch RSC 1.Runde, dann bezwang er den Griechen Athanasis Illiadis in der zweiten Runde mit 5:0, glänzte folgend gegen den Russen Waleri Rachkow in der dritten Runde mit 4:1 (Ein vorweg genommenes Finale!), ließ dem Kanadier Carmen Rinke im Viertelfinale keine Chance (5:0), erreichte anschließend ein 3:2 gegen den Rumänen Victor Zilberman im Halbfinale – und im Finale gab es einen spannenden Fight gegen den Venezuelaner Pedro Gamarro, den Jochen Bachfeld zu seinen Gunsten knapp entschied (3:2). Der erste Olympiasieg im Boxsport für „M-V“ war damit am 31.Juli 1976 perfekt.

Bei den Spielen in Montreal 1976 hatten die USA die beste Box-Staffel (5 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze) vor Kuba (3 x Gold, 3 x Silber, 2 x Bronze). Für die beiden Deutschländer gab es 1 x Gold (wie erwähnt, durch Jochen Bachfeld), einmal Silber im Federgewicht für Richard Nowakowski (SC Traktor Schwerin) und einmal Bronze im Weltergewicht durch Reinhard Skricek (Bayer Leverkusen).

Bereits in München 1972 am Start

Schon am olympischen Box-Turnier 1972 in München nahm Jochen Bachfeld teil – seinerzeit im Federgewicht. Dort besiegte er in der ersten Runde den Westdeutschen Peter Prause und in der zweiten Runde den Briten William Taylor. Gegen den Rumänen Gabriel Pometcu war dann leider im Achtelfinale Endstation. Die olympischen Medaillen 1972 im Federgewicht gingen an Boris Kusnezow (Sowjetunion, Gold), Philip Waruinge (Kenia, Silber), Andras Botos (Ungarn, Bronze) und Clemente Rojas (Kolumbien, Bronze).

Die deutsch-deutschen Boxsportler holten 1972 1 x Gold, durch Dieter Kottysch (BC Sportmann Hamburg) im Halbmittelgewicht und 2 x Bronze durch Peter Hussing (Bayer Leverkusen) im Schwergewicht bzw. durch Peter Tiepold (SC Dynamo Berlin) im Halbmittelgewicht. Die beste Staffel 1972 hatte Kuba mit 3 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze.

Boxsportler aus M-V und die Olympischen Spiele

Von 1960 bis 1976

Dabei gab es für Boxsportler aus M-V, speziell vom SC Traktor Schwerin, schon einige große Erfolge bei Olympischen Spielen. Die ersten Teilnehmer im Boxsport für den SC Traktor Schwerin waren Bruno Guse (Weltergewicht, 1960 und 1964), Jürgen Schlegel (Halbschwergewicht, 1964 und 1968), Bernd Juterzenka (Bantamgewicht, 1968) und Jochen Bachfeld (Federgewicht, 1972).

Jochen Bachfeld erkämpfte dann 1976 das erste olympische Box-Gold für M-V, für den SC Traktor Schwerin, im Weltergewicht. Ebenfalls 1976 in Montreal errang Richard Nowakowski im Federgewicht Silber. Ein weiterer Fauskämpfer aus M-V, Bernd Wittenburg, der gebürtige Neuklosteraner und für den SC Dynamo Berlin startend, startete `76 im Mittelgewicht.

Zwischen Moskau 1980 und Barcelona 1992

Richard Nowakowski schaffte folgend 1980 in Moskau Bronze im Leichtgewicht. Für die Spiele 1980 qualifizierte sich ebenfalls Dietmar Schwarz, der gebürtige Wariner und Mitglied des SC Traktor Schwerin, im Halbweltergewicht.

Die Spiele 1984 in Los Angeles wurden zwar von den meisten Ostblock-Staaten, darunter von der DDR, boykottiert, aber es konnte ein „Ersatz-Turnier“, im Rahmen der dezentralen „Wettkämpfe der Freundschaft“ der „sozialistischen“ Länder in Havanna organisiert werden. Dort belegte Torsten Schmitz (SCT) Platz eins im Weltergewicht und Michael Timm Platz drei im „leichten Mittelgewicht“.

In Seoul 1988 war ein Quartett des SC Traktor Schwerin aktiv vor Ort: Andreas Tews im Fliegengewicht, Rene Breitbarth im Bantamgewicht, Andreas Zülow im Leichtgewicht und Torsten Schmitz im Halbmittelgewicht. Andreas Zülow boxte sich zu Gold durch und Andreas Tews, der gebürtige Rostocker, jubelte über Silber.

Bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona waren erneut vier Mecklenburger dabei. Der gebürtige Rostocker Jan Quast, für den TSV Bayer 04 Leverkusen startend, belegte im Halbfliegengewicht Platz drei. Goldene Momente erlebte hingegen Andreas Tews im Federgewicht. Weitere Boxsportler des SC Traktor Schwerin 1992 waren Andreas Berg im Bantamgewicht und Andreas Zülow, der Goldene 1988 im Leichtgewicht, dieses Mal im Halbweltergewicht.

Peter Kadiru mit Gold in Nanjing

Übrigens: Bei den zweiten Olympischen Jugendspielen 2014 in Nanjing wurde Peter Kadiru (BC Traktor Schwerin) Jugend-Olympiasieger im Superschwergewicht des dortigen Box-Turnieres.

Zuletzt nahmen mit Arajik Marutjan (BC Traktor Schwerin) und Artem Harutyunyan zwei Boxsportler „mit M-V-Bindungen“ 2016 am olympischen Box-Turnier in Rio teil.

Nun „ruft“ aber Hamburg mit den WM 2017!

Marko Michels