Im Blickfeld: Der Feldhockeysport 2016/17 in M-V

Nachgefragt bei Detlef Brandt vom Hockey-Verband M-V

Doppel-Bronze gab es f├╝r den Deutschen Hockey-Bund bei den 31.Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. Sowohl die Damen als auch die Herren belegten in ihren Feldhockey-Turnieren jeweils Platz drei. Gro├čbritannien bei den Damen und Argentinien bei den Herren schafften jeweils Gold.

Gute Feldhockey-Traditionen hat auch Mecklenburg-Vorpommern. Der geb├╝rtige Rostocker Detlef Okrent erk├Ąmpfte 1936 Olympia-Silber mit der deutschen Mannschaft hinter Indien. Olympia-Bronze 1956 (hinter Indien und Pakistan) gab es f├╝r Heinz Radzikowski, in Stolpe geboren. Ulrich H├Ąnel, in Plau am See geboren, wurde 1984 (hinter Pakistan) bzw. 1988 (hinter Gro├čbritannien) jeweils Olympia-Zweiter.

Mit dem ATSV G├╝strow hat M-V zudem auch aktuell eine erfolgreiche Traditionsmannschaft. In G├╝strow fand Ende Oktober┬á bereits zum 59.Mal das Wilhelm-H├Âcker-Turnier im Hallen-Hockey statt, bei dem die G├╝strower Herren Erster und die G├╝strower Damen Zweite wurden.

Aber zur├╝ck zu Rio 2016ÔÇŽ Insbesondere das deutsche Frauen-Team konnte dort beeindrucken, unterlag im Halbfinale in einer an Spannung und Dramatik kaum mehr zu ├╝berbietenden Partie den Niederlanden nach Siebenmeterschie├čen. Mit dabei war ebenfalls Pia-Sophie Oldhafer, die im olympischen 1992 geboren wurde, als bei den Herren die deutsche Mannschaft vor Australien, Pakistan bzw. den Niederlanden Olympia-Gold erk├Ąmpfte und die deutschen Hockey-Frauen hinter Spanien und vor Gro├čbritannien bzw. S├╝dkorea Silber holten.

Wie beurteilt nun Detlef Brandt, Vize-Pr├Ąsident und Sportwart des Hockey-Verbandes M-V, das hockeysportliche Jahr 2016 regional und international?!

Nachgefragt

„Den Jugendbereich ganz besonders im Blick…“

Frage: Auch das hockeysportliche Jahr 2016 ist im Endspurt. Wie lautet Ihr R├╝ckblick auf das Wettkampf-Jahr f├╝r den Hockeysport in M-V, speziell in Rostock?

Detlef Brandt: Mecklenburg-Vorpommern stellt nicht den Anspruch, im Hockeysport das Ma├č aller Dinge zu sein. Wir backen eher kleine Br├Âtchen. Unser Hauptaugenmerk liegt eher darin, die Sportart Hockey im Bestand zu halten und besonders im Jugendbereich auszubauen. So ist es f├╝r die neue Saison in Waren (M├╝ritz) gelungen aus einer Schul-AG heraus eine Vereinsmannschaft in der Alters-klasse 12-14 (Knaben A) zu formen.

Im Erwachsenenbereich hat sich zu G├╝strow und Schwerin Pritzwalk zur├╝ck gemeldet. Pritzwalk geh├Ârt zwar territorial nicht mehr zu MV, spielt aber aus Gr├╝nden der k├╝rzeren Fahrtwege in MV mit und nicht in Berlin-Brandenburg.

Sehr positiv sind das Verbleiben der Herren von G├╝strow in der 2. BL Halle und der Aufstieg der Damen aus G├╝strow in die Regionalliga. Leider haben es die Herren aus Schwerin nicht in die RL geschafft.

Am 10./11.12. nehmen je eine Landesauswahl der M├Ądchen A und┬á Knaben A am L├Ąnderpokal teil. Auch wenn MV nur in der unteren Gruppe mitspielt, so ist doch dieser Wettkampf der H├Âhepunkt der Talentef├Ârderung f├╝r das laufende Jahr.

F├╝r den Hockeysport in Rostock hat sich das vergangene Jahr sehr positiv entwickelt. Dank des gro├čen Einsatzes von Uwe Kr├╝mmling und Thomas Kr├╝ger ist es gelungen die Abteilung Hockey der HSG auf ├╝ber 100 Mitglieder zu bringen. Das Vorstellen und Betreiben der Sportart Hockey an verschiedenen Schulen tr├Ągt Fr├╝chte. Jetzt gilt es mehrere ├ťbungsleiter zu finden. Dieses Problem haben aber alle Vereine in MV.

Frage: Das diesj├Ąhrige Wilhelm-H├Âcker-Turnier war ja ein grosser Erfolg f├╝r den ATSV G├╝strowÔÇŽ Welchen Stellenwert hat das Wilhelm-H├Âcker-Turnier in G├╝strow aus Ihrer Sicht mittlerweile?

Detlef Brandt: Das Wilhelm-H├Âcker-Turnier wird bei den Herren seit 1957 ausgespielt zu Ehren des fr├╝heren Ministerpr├Ąsidenten von Mecklenburg, seit 1985 auch bei den Damen. Der Ausrichter ist der ATSV G├╝strow ehemals BSG Lokomotive G├╝strow. Entsprechend ihrer Spielklasse ist nat├╝rlich auch das Niveau angesetzt. ÔÇŽ Zur Zeit also Regionalliga, zweite Bundesliga und auch aus der ersten Liga waren schon Mannschaften vertreten. In diesem Jahr nahm auch ein Team aus Schweden teil. Das Turnier dient zur Vorbereitung auf die kommende Saison in der Halle und gibt in etwa den Stand der Mannschaften wieder.

Frage: Noch ÔÇ×ein paar WorteÔÇť zu RioÔÇŽ Wie beurteilen Sie das hockeysportliche Geschehen in Rio? Welche Teams (bei Frauen und M├Ąnnern) ├╝berraschten Sie?

Detlef Brandt: Mit dem 1.Platz von Deutschland nach den Vorrundenspielen war ich positiv ├╝berrascht. Dazu z├Ąhlten die Spielgewinne gegen die Niederlande und Indien, sowie das Unentschieden gegen Argentinien. Leider wurde im Halbfinale gegen Argentinien verloren. Das Spiel um Platz 3 konnte gegen die Niederlande im Shoot Out gewonnen werden. Schaut man sich die Spiele im Einzelnen an, kann man erkennen, dass abgesehen von Brasilien und Kanada das Weltniveau┬á sehr zusammenger├╝ckt ist. Spiele werden vielfach nach zeitlicher mentaler Verfassung entschieden. Somit ist der 3. Platz bei Olympia sehr gerechtfertigt einzusch├Ątzen. Damit ist auch die Olympiaf├Ârderung f├╝r Hockey gesichert worden. ├ťberrascht hat mich auch der 2. Platz von Belgien. Ihre Investitionen haben sich ausgezahlt. Ich denke, die Niederlande werden nachziehen.

Bei den Damen ist es ebenso. Der 3. Platz wird von mir als sehr gut eingesch├Ątzt. ├ťberrascht hat mich in der Vorrunde die sehr gute Physis der Asiatinnen, auch wenn sie am Ende dann keine Rolle mehr spielten. Im Halbfinale traf das deutsche Team auch auf die Niederlande. Auch dieses Spiel wurde im Shoot Out entschieden, leider nicht f├╝r Deutschland. Selbst im Finale wurde der Olympiasieger erst im Shoot Out ermittelt. Das zeigt die Leistungsdichte. Wie lange Deutschland da noch mit seinem ÔÇ×AmateursportÔÇť mithalten kann ist fraglich. Das Geld ist auch hier zum entscheidenden Moment geworden.

Letzte Frage: Was sind die Ziele des Hockey-Verbandes M-V f├╝r 2017?

Detlef Brandt: Hockeysportlich erhoffe ich mir den Erhalt aller 6 gr├Â├čeren im Land M-V bestehenden Vereine und deren Erweiterung. Die Gr├╝ndung einer neuen Abteilung der Sportart Hockey in Waren (M├╝ritz) gibt ein positives Signal. Neben der Gewinnung von neuen Mitgliedern steht auch die Gewinnung von ├ťL im Vordergrund. Denn nur mit ├ťbungsleitern l├Ąsst sich in unserer medialen Welt die sportliche Bet├Ątigung von Kindern und Jugendlichen begleiten. Auch diese Aufgabe ist nicht einfach.

Des Weiteren hoffe ich, dass unsere Vertreter in der zweite Bundesliga Halle, die Herren vom ATSV G├╝strow, und die Damen aus G├╝strow in der Regionalliga die Spielklasse halten k├Ânnen um bundesweit im Gespr├Ąch zu bleiben.

Vielen Dank!

Marko Michels

Foto (Michels): Feldhockey mit Tradition – Impression vom WM-Spiel 2006 in M├Ânchengladbach zwischen Deutschland und Indien.

 

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