Die Rostocker Rollstuhl-Fechterin Sylvi Tauber über die EM 2018 und weitere Ambitionen

Zum September-Finale wurde europameisterlich gefochten. Vom 17. bis 23.09  standen in Terni (Italien) die EM im Rollstuhl-Fechten statt. Dabei war auch ein Duo vom TuS Makkabi Rostock e.V.. Mit allen drei Fecht-Waffen war Sylvi Tauber aktiv. Die Hanseatin erzielte sehr gute Resultate, so Rang sieben mit dem Säbel, Rang neun mit dem Florett und Rang zwölf mit dem Degen. Erwartungsgemäß konnte Balwinder Cheema nicht in den Kampf ums Treppchen eingreifen. Verletzungen im Vorfeld der EM verhinderten etwaige Medaillen-Ambitionen. Cheema erreichte dennoch die Top 20 mit dem Säbel und mit dem Degen.

Sylvi Tauber – Foto: © Ralf Kuckuck, DBS-Akademie

Interview

Frage: Glückwunsch zu den guten Platzierungen bei den EM in Terni! Wie beurteilen Sie persönlich Ihre Wettkämpfe, Frau Tauber?

Sylvi Tauber: Vielen Dank für die Glückwünsche. Ich bin zufrieden mit den Ergebnissen, habe aber auch gemerkt, woran ich noch arbeiten muss. Im fechtsportlichen Bereich bin ich schon auf einem sehr guten Weg, im gesundheitlichen Bereich muss ich aber noch etwas ändern.

Frage: Wie waren Atmosphäre, Stimmung und Organisation der EM?

Sylvi Tauber: Die Atmosphäre und auch die Stimmung waren super. Bei der Organisation war alles überraschend „glatt gelaufen“. Es haben sich mitunter nur die Startzeiten der Wettkämpfe geändert.

Frage: Welche Länder waren in Terni besonders stark?

Sylvi Tauber: Die Athletinnen bzw. Athleten aus Italien haben im eigenen Land viel „abgeräumt“. Ansonsten waren auch die Sportlerinnen und Sportler aus Russland und der Ukraine sehr stark.

Frage: Welche nächsten sportlichen Ziele haben Sie? Wann finden eigentlich die nächsten WM im Rollstuhlfechten statt?

Sylvi Tauber: Beim nächsten Weltcup im November geht die Punkte-Jagd im Hinblick auf die paralympischen Rangliste wieder los und somit die Hoffnung auf einen Startplatz für die Paralympics in Tokio 2020. Mein Ziel ist es also, so viele Punkte wie möglich zu bekommen, um weit nach oben in dieser Rangliste zu kommen. Was die WM betrifft: Die WM und EM sind immer alle zwei Jahre, wechseln sich also ab. Somit sind die WM im nächsten Jahr 2019. Der Austragungsort steht allerdings noch nicht fest.

Letzte Frage: Bei den EM gab es für das deutsche Team durch Ulrike Lotz-Lange Gold (Degen) und Bronze (Florett). Was zeichnet Ulrike Lotz-Lange aus? Konnten Sie deren Wettkämpfe live verfolgen?

Sylvi Tauber: Sie ist stets gut gelaunt, hilfsbereit und „beißt“  sich immer und überall durch. Ulrike ist eine sehr herzliche und angenehme Fechtkollegin. Zu ihren Wettkämpfen: Ja, ihre Gefechte konnte ich live miterleben und habe sie jede Sekunde angefeuert bzw. mit gefiebert. Ich bin super stolz auf sie!

Vielen Dank und weiterhin maximale Erfolge im Fechtsport!


Rückblick: MVs Rollstuhl-FechterInnen bei den Paralympics

In der Vergangenheit gab es schon einige erfolgreiche Rollstuhl-Fechterinnen und -Fechter aus M-V. So konnte Daniela Rossek, Jahrgang 1976 und in Waren/Müritz geboren, bei den Paralympics 2004 in Athen die Ränge 6-8 mit dem Degen bzw. mit dem Florett belegen. Auch bei WM, EM, im Weltcup und bei Deutschen Meisterschaften feierte Daniela Rossek einige Medaillen-Erfolge.

Paralympisches Silber mit dem Degen gewann bei den Paralympics 2012 in London  Simone Briese-Baetke, Jahrgang 1966, vom TSG Reutlingen / TuS Makkabi Rostock. Zudem schaffte sie bei den Paralympics 2012 auch Rang 5 im Florett und bei den Paralympics 2016 in Rio Rang 4 mit dem Degen bzw. Rang 9 mit dem Florett. Zudem wurde Simone Briese-Baetke unter anderem mit dem Degen Einzel- bzw. Team-Europameisterin 2009, Einzel-Europameisterin 2014 und Vize-Weltmeisterin 2013.

Bei den Paralympics 2016 in Rio am Start war Balwinder Cheema, Jahrgang 1979, vom TuS Makkabi Rostock. Dort wurde er Neunter mit dem Säbel. Bei den EM 2014 gab es Rang sechs für ihn mit dem deutschen Säbel-Team.

 

Text und Interview: M. Michels