Die Bilanz des German Sailing Teams nach der WM / Auch M-V dabei

Segeln – eine Sportart mit Tradition und Erfolgen in M-V. Foto: M.M.

Das German Sailing Team hat die Segel-Weltmeisterschaft vom 30. Juli 2018 bis 12. August 2018 aller zehn olympischen Disziplinen und der Kiter im dänischen Aarhus mit zwei Medaillen erfolgreich beendet.

Lasersegler Philipp Buhl (Segelclub Alpsee-Immenstadt) und die jungen Kieler 49er-Segler Tim Fischer und Fabian Graf (Norddeutscher Regatta Verein/Verein Seglerhaus am Wannsee) haben jeweils eine Bronzemedaille gewonnen und den deutschen Seglerinnen und Seglern damit einen Platz unter den besten 15 Nationen der Welttitelkämpfe mit 1400 Athleten aus 85 Nationen erkämpft. Die Rio-Bronzemedaillen-Gewinner Erik Heil und Thomas Plößel (Norddeutscher Regatta Verein) sind als Vierte nur knapp an Edelmetall vorbeigesegelt.

„Wir haben unser Medaillenziel bei der Weltmeisterschaft erreicht. Darüber freuen wir uns für die Segler und das gesamte Team. Der Erfolg ist ansteckend und eine motivierende Basis für die Arbeit, die nun in den verbleibenden zwei Jahren bis zu den Olympischen Spielen 2020 vor uns liegt“, sagte DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner am Ende von zwei ereignisreichen Wochen im dänischen Aarhus, in denen GER-Boote starke Akzente setzen konnten. Gleichzeitig hat die DSV-Flotte ihr ambitioniertes Ziel der Sicherung von fünf Nationenstartplätzen für die kommenden Olympischen Spiele knapp verfehlt.

„Diese Mission konnten wir nicht ganz erfüllen“, sagte die Teamchefin der deutschen Segel-Equipe, „wir hatten uns ein bewusst ehrgeiziges Ziel gesteckt und sind nur knapp daran vorbeigesegelt. Durch die Verkürzung auf 40 Prozent der zu diesem frühen Zeitpunkt ausgeschriebenen Nationenstartplätze und die Verkleinerung der Olympia-Felder war klar, dass es kein Spaziergang werden würde. Unsere Segler haben die Nationenfahrkarte in den Disziplinen Laser, Laser Radial und 49er lösen können und das Ticket im Nacra 17 und bei den 470er-Frauen nur ganz knapp verpasst.

Die sonst verlässlich erfolgreichen FX-Seglerinnen konnten aus verschiedenen Gründen nicht punkten, die es noch im Detail zu analysieren gilt. Doch um ihre sportliche Güte mache ich mir nach den vielen Erfolgen in dieser und der in der letzten Saison keine Sorgen. Ich bin insgesamt sehr zuversichtlich, dass wir die Nationenstartplätze in allen acht vom German Sailing Team bestrittenen Disziplinen werden sichern können.“

Das gilt insbesondere für jene Disziplinen, in denen nur wenig zur Nationenqualifikation fehlte. Stegenwalner sagte: „Im Nacra 17 hat eine noch junge Crew nach längerer Pause aufgrund einer Erkrankung beeindruckend schnell den Wiederanschluss an die Weltspitze herstellen können: Paul Kohlhoff und die erst 18 Jahre alte Alica Stuhlemmer vom Kieler Yacht-Club haben eine ganze Reihe herausragender Ergebnisse erzielt und die Nationenqualifikation wie das Medaillenfinale durch eine ärgerliche Kenterung sehr knapp verpasst. Auch Finn-Steuermann Phillip Kasüske, der zur WM-Halbzeit in der Weltspitze lag, und den 470er-Seglerinnen fehlte nicht viel zum Nationenticket. Wenn die Teams weiter so konsequent arbeiten, sehe ich sie für Tokio 2020 gut aufgestellt. Sie hätten bei der WM ein besseres Ergebnis verdient, sind zu mehr fähig.“

Der nächste Wettkampf steht für das German Sailing Team bereits an: Ende August fliegt die Mannschaft nach Japan, um dort zwei Jahre vor den Olympischen Spielen am Sailing World Cup Enoshima im Olympiarevier teilzunehmen. „Dort stehen zwar auch gute Platzierungen, vor allem aber das Lernen und das Sammeln von Erkenntnissen im Mittelpunkt“, sagte Stegenwalner, „unsere Leistungsträger und fast alle Top-Trainer werden im Einsatz sein, um sich frühzeitig intensiv mit den Reviergegebenheiten auseinanderzusetzen.“

Die olympische Testregatta markiert gleichzeitig den Auftakt zur Weltcup-Serie 2018/2019 und für das German Sailing Team den Aufbruch in die zweite wichtige Halbzeit der Olympiade, an deren Ende ein starker Auftritt in Enoshima stehen soll.

STAND DER NATIONENQUALIFIKATION FÜR TOKIO 2020 NACH DEN WM

In diesen Disziplinen wurde das Nationenticket bei der WM in Aarhus gelöst:

  • Laser (durch WM-Platz 3 für Philipp Buhl, Segelclub Alpsee Immenstadt)
  • 49er (durch WM-Platz 3 für Tim Fischer/Fabian Graf, Norddeutscher Regatta Verein/Verein Seglerhaus am Wannsee)
  • Laser Radial (durch WM-Platz 26 für Svenja Weger, Potsdamer Yacht-Club)*

(*) Hinweis: In der Einhandjolle für Frauen wurde das olympische Starterfeld für 2020 auf 44 Plätze erhöht. Die Laser-Radial-Seglerinnen stellen damit die größte Flotte bei der olympischen Segelregatta in Enoshima. Dadurch konnten bei der WM bereits 18 Nationenstartplätze vergeben werden. Svenja Weger hat mit WM-Platz 26 unter 119 Starterinnen genau Platz 18 in der WM-Nationenwertung und dadurch eine Punktlandung geschafft.

In diesen Disziplinen steht die Nationenqualifikation für das German Sailing Team noch aus und soll bei der Weltmeisterschaft 2019 gelingen:

49erFX / 470er Frauen / 470er Männer / Finn Dinghi / Nacra 17.

 

Pressemitteilung / Deutscher Segler-Verband e.V., Christiane Perlewitz

 

Sonstiges zu den World Sailing-WM 2018

Die World Sailing-WM/früher ISAF-Segel-WM, die Weltspiele im Segelsport, wurden in dieser Form nach den Titelkämpfen 2003 vor Cadiz, 2007 vor Cascais, 2011 vor Perth und 2014 vor Santander zum fünften Mal ausgetragen. In vier Jahren, 2022, finden diese WM vor Tirana statt.

Die erfolgreichsten Nationen der World Sailing-WM vor Aarhus 2018 waren die Niederlande (dreimal Gold, zweimal Silber, einmal Bronze) und Frankreich (zweimal Gold, zweimal Silber, dreimal Bronze). Je einen Titel ersegelten Japan, Belgien, Kroatien, Zypern, Ungarn, Italien und die USA. Insgesamt erkämpften 19 Länder Edelmetall vor Aarhus.

Auch Segelsportlerinnen und -sportler aus Mecklenburg-Vorpommern nahmen vor Aarhus teil:

  • in der 470er Klasse Malte Winkel (Schweriner Yachtclub)/Matti Cipra (Plauer Wassersportverein) / 19.Rang
  • in der Finn-Klasse Lars Haverland (Schweriner Yachtclub) / 71.Rang
  • in der Laser-Klasse Theodor Bauer (Röbeler Segler-Verein Müritz) / 33.Rang
  • in der Laser Radial-Klasse Lena Haverland (Schweriner Yachtclub) / 63.Rang.

 

M-V und das Segeln

Bei WM spielten die Seglerinnen und Segler aus Mecklenburg-Vorpommern eigentlich immer eine gute Rolle, glänzten mit vorderen Platzierungen, mit Medaillen oder Titeln. Einige Beispiele hierzu dokumentieren den hohen Stellenwert, den der Segelsport in Mecklenburg-Vorpommern besitzt. So wurde Jürgen Mier vom ASK Vorwärts Rostock Weltmeister (Goldcup) im Finn-Dinghy 1965.

Rostocker „Drachen“ glänzten auch bei EM…

Einen „silbernen EM-Drachen“ hatten 1969 Paul Borowski/Karl-Heinz Thun/Konrad Weichert (SC Empor Rostock). EM-Gold folgte 1970 und 1972. Die Vize-Weltmeisterschaft im Flying Dutchman sicherten sich 1974 Herbert Hüttner/Ulf Pagendorf vom ASK Vorwärts Rostock. Für den SC Empor Rostock ersegelten Jörn Borowski/Egbert Swensson 1982 vor Cascais den Weltmeistertitel bei den 470ern. WM-Bronze 1985 gab es für Jörn Borowski, seinerzeit mit Mathias Gall.

Weitere WM-Erfolge

Auch für Schweriner Crews wehten die segelsportlichen Winde bisweilen sehr gut. Jürgen Brietzke/Ekkehard Schulz vom SC Traktor Schwerin/Sektion Segeln gewannen 1987 WM-Bronze. Weltmeisterliches Gold konnten dann Ulf Lehmann/Stefan Mädicke (Schweriner Yacht-Club) 1996 im Flying Dutchmann erringen und 1997/1998 triumphierte Jürgen Knuth (SYC) bei den Tempest-Seglern. Gleich dreifaches WM-Gold holten Ines Bohn/Sabine Rohatzsch (SC Traktor Schwerin / Schweriner Yacht-Club) bei den 470ern „vom Wasser“: 1990, 1993 und 1994.

Eine gebürtige Grevesmühlenerin, Wibke Bülle, sammelte ebenfalls segelsportliches WM-Edelmetall, so erkämpfte sie unter anderem WM-Bronze 1991, WM-Silber 1997 jeweils bei den 470ern und WM-Silber 2002 und 2003 in der Yngling-Klasse. Jürgen Mier, Paul Borowski oder Wibke Bülle & Co. – nur ein paar Beispiele für erfolgreiche WM-Seglerinnen und WM-Segler „Made in M-V“.

Mecklenburger und Vorpommern mit Edelmetall unter den fünf olympischen (Segel-)Ringen

Und Olympia war ohnehin auch eine „Sache“ für die MV-Seglerinnen und –Segler: Vor allem die Rostocker „Drachen“ waren zwischen 1964 und 1972 bei Olympia bestens dabei: Peter Ahrendt, Wilfried Lorenz und Ulrich Mense schafften 1964 Silber. Paul Borowski, Konrad Weichert und Karl-Heinz Thun sorgten 1968 (Bronze) und 1972 (Silber) ebenfalls für segelsportliches Olympia-Edelmetall bei den Drachen. Und „so“ ging es olympisch in puncto Segel-Medaillen für M-V weiter… Vor Kingston 1976 gab es außerdem segelsportlichen Medaillen-Zuwachs für M-V.

Der gebürtige Rostocker Dieter Below und seine Crew wurden Olympia-Dritte im Soling. Dieter Below war übrigens 1972 auch olympischer Ersatz-Segler und 1980 Olympia-Vierter im Soling. Jörn Borowski/Egbert Swensson (Rostock) waren dann vor Tallinn 1980 weit vorn: mit Silber bei den 470ern.

An olympischen Segel-Regatten nahmen 1964 Eberhard Reschwamm/Dietmar Gedde (ASK Vorwärts Rostock/Flying Dutchman, 13.), 1968 Hartmann Bogumil/Udo Springsklee (ASK Vorwärts Rostock, Star, 14.) und Jürgen Mier (ASK Vorwärts Rostock, Finn-Dinghy, 14.) teil. 1972 folgten Hans-Christian Schröder (ASK Vorwärts Rostock, gebürtiger Schweriner, Finn-Dinghy, 7.), Herbert Hüttner (gebürtiger Schweriner, 1964 bereits olympischer Ersatz-Segler)/Dietmar Gedde (ASK Vorwärts Rostock, Flying Dutchman, 13.) und Herbert Weichert (SC Empor Rostock)/Hans-Joachim Lange (ASK Vorwärts Rostock, Star, 17.) und als olympischer Ersatz-Segler Klaus Eckard-Mayer (ASK Vorwärts Rostock).

Weitere olympische Seglerinnen und Segler waren 1980 Wolfgang Haase/Wolfgang Wenzel (SC Empor Rostock, Flying Dutchman, 4.) und 1988 Susanne Theel (geboren in Ribnitz-Damgarten, mit Silke Preuß, 470er, 7.). Im Jahr 1988 nahmen auch Ulf Lehmann/Stefan Mädicke (SC Traktor Schwerin, Flying Dutchman, 9.) und Jürgen Brietzke/Ekkehard Schulz (SC Traktor Schwerin, 470er, 11.) an der olympischen Regatta vor Pusan teil. Wibke Bülle, die bereits erwähnte, gebürtige Grevesmühlenerin, wurde mit Nicola Birkner zwölf Jahre später Fünfte 2000 vor Sydney  bei den 470ern.

Vorerst letzte olympische Teilnahmen für M-V

Zuletzt nahmen mit dem heutigen LSB-Geschäftsführer und Vize-Präsidenten des DSV Torsten Haverland mit Ronald Rensch (Schweriner Yacht-Club/470er) vor Savannah 1996, Monika Leu (Schweriner Yacht-Club/470er, mit Steffi Rothweiler) vor Athen 2004 und Franziska Goltz (Schweriner Segel-Verein von 1894/Laser Radial) vor Weymouth 2012 zwei Segler und zwei Seglerinnen aus Vereinen in Mecklenburg-Vorpommern an Olympischen Spielen teil.

Vielleicht sind ja bei den Spielen 2020 wieder Seglerinnen und Segler aus M-V aktiv?!

M.M.