Die 47.Ruder-Weltmeisterschaften vor dem Start

Nur noch knapp drei Wochen. Dann werden die 47.Weltmeisterschaften im Rudern seit 1962 in Sarasota vom 24.September bis 1.Oktober ausgetragen.

Olympia 2016 mit zweimal Ruder-Gold für Schwarz-Rot-Gold

Bei der olympischen Regatta vor Jahresfrist, im August 2016 in Rio de Janeiro, waren vor allem die Ruderinnen und Ruderer aus Großbritannien mit dreimal Gold, zweimal Silber sehr erfolgreich, wobei die britischen Boote den Vierer ohne (Herren), den Zweier ohne (Frauen) und den Achter (Herren) gewannen.

Die deutsche Ruder-Mannschaft erkämpfte in Rio hingegen zweimal Gold, einmal Silber.

Philipp Wende, Lauritz Schoof, Karl Schulze bzw. Hans Gruhne belegten im Doppelvierer Platz eins – wie auch der Frauen-Doppelvierer mit Annekatrin Thiele, Carina Bär, Julia Lier bzw. Lisa Schmidla. Die deutschen Achter-Recken ruderten auf den Silber-Rang in der Besetzung Maximilian Munski, Malte Jakschik, Andreas Kuffner, Eric Johannesen, Maximilian Reinelt, Felix Drahotta, Richard Schmidt, Hannes Ocik und Martin Sauer.

Damit kam M-V 2016 auch „in den Genuss“ olympischer Ruder-Medaillen dank des gebürtigen Rostockers Hannes Ocik (Schweriner Rudergesellschaft) und des gebürtigen Bad Doberaners Felix Drahotta (jetzt Leverkusen).

In den vier paralympischen Ruder-Entscheidungen im September 2016 in Rio wurde Großbritannien mit 3 x Gold, 1 x Bronze vor der Ukraine mit 1 x Gold beste Nation.

21 mit Medaillen

21 Länder erkämpften bei der olympischen Ruder-Regatta 2016 Medaillen, darunter 10 Staaten eine oder mehrere Goldmedaillen. Europa war der dominierende Kontinent mit 30 von 42 Medaillen. Australien/Ozeanien sicherte sich 6 Medaillen. Der amerikanische Doppelkontinent holte drei, Asien zwei und Afrika eine Medaille.

Bei den paralympischen Ruder-Konkurrenzen 2016 teilten sich Großbritannien, die Ukraine, China, Australien, die USA, Kanada, Frankeich und Israel die Medaillen.

WM 2016 in Zuidplas bei Rotterdam – ein Rückblick

Ende August 2016 wurden nicht zuletzt die 46.Ruder-WM in den nichtolympischen bzw. nichtparalympischen Ruder-Disziplinen im Elite-Bereich, zusammen mit den Welt-Titelkämpfen der U 19- und U 23-Altersklassen, in Zuidplas bei Rotterdam veranstaltet.

In den acht Elite-Entscheidungen in den nichtolympischen bzw. nichtparalympischen Ruder-Konkurrenzen war – wie in Rio – Großbritannien am erfolgreichsten. Die Britinnen erkämpften 3 x Gold, 1 x Bronze. Dahinter folgten Frankreich (2 x Gold, 1 x Silber) und Deutschland (1 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze). Je einmal Gold errangen Neuseeland und Irland. Insgesamt schafften 16 Länder Edelmetall in den acht Wettkämpfen.

Aus deutscher Sicht kamen Patrik Stöcker, Florian Roller, Johannes Ursprung bzw. Cedric Kulbach zu Gold im Leichtgewichts-Doppelvierer der Herren, Judith Anlauf, Leonie Pieper, Lena Reuss bzw. Katrin Thoma zu Silber im Leichtgewichts-Doppelvierer der Frauen und Melanie Hansen, Ronja Schütte, Charlotte REinhardt bzw. Lea-Kathleen Kühne zu Bronze im Vierer ohne Steuerfrau.

Im Rückspiegel: Die letzten „kompakten“ Ruder-WM 2015 in Aiguebelette

Vor zwei Jahren, also 2015, gab es die vorerst letzten „kompakten“ Ruder-WM mit den Entscheidungen sowohl in den olympischen bzw. paralympischen als auch in den nichtolympischen bzw. nichtparalympischen Bootsklassen.

Para-Rudern mit starken Australiern

Im Para-Rudern stellte Australien mit zweimal Gold die beste Mannschaft, gefolgt von Großbritannien (einmal Gold, dreimal Silber) und Israel (einmal Gold). Im weiblichen Einer setzte sich Moran Samuel (Israel) durch. Im männlichen Einer siegte Erik Horrie (Australien). Und im Vierer-Mixed war Großbritannien (Grace Clough, Daniel Brown, Pamela Relph, James Fox und Oliver Jones) nicht zu schlagen.

Europa am besten – auch Australien und Neuseeland herausragend…

Insgesamt dominierten jedoch bei den 45.Weltmeisterschaften im Rudersport in Aiguebelette, an denen 1300 Athletinnen und Athleten aus 77 Ländern teilnahmen, die Britinnen und Briten.

Großbritannien wurde mit fünfmal Gold, neunmal Silber, einmal Bronze die erfolgreichste Nation vor Neuseeland mit fünfmal Gold, dreimal Silber, einmal Bronze, Deutschland mit dreimal Gold, viermal Silber, zweimal Bronze, Australien mit dreimal Gold, zweimal Silber und den USA mit dreimal Gold, einmal Silber, dreimal Bronze. Gastgeber Frankreich präsentierte sich ebenfalls stark und schaffte jeweils zweimal Gold, Silber und Bronze.

78 Medaillen, darunter 26 x Gold, waren – kompakt betrachtet – in Aiguebelette zu vergeben, denn es gab 13 Entscheidungen für die Herren, neun Entscheidungen für die Damen und vier Entscheidungen im Para-Rudern.

Europa „sammelte“ dabei am fleißigsten Medaillen. 51 Plaketten sicherten sich die europäischen Ruderinnen und Ruderer, was einem Medaillen-Anteil  von mehr als 65 Prozent entspricht. 14 von 26 Weltmeister-Titeln blieben dazu auf dem „alten Kontinent“ – das wiederum entspricht einem Anteil von fast 54 Prozent.

Die restlichen WM-Medaillen gingen nach Australien/Ozeanien (14), Nordamerika (9), Asien (3) und Afrika (eine). Bei den WM-Titeln holten Australien/Ozeanien acht erste Plätze, Nordamerika drei und Asien einen.

Siegreich waren in Aiguebelette unter anderem im Herren-Einer der Tscheche Ondrej Synek, im Frauen-Einer die Australierin Kim Crow, im Doppelzweier der Herren Martin bzw. Valent Sinkovic aus Kroatien, im leichten Herren-Einer Adam Ling (Neuseeland), im leichten Damen-Einer Zoe McBride (ebenfalls aus Neuseeland), im Frauen-Achter das Erfolgsteam der letzten Jahre, die USA, im Zweier ohne der Herren Eric Murray/Hamish Bond (Neuseeland) und im leichten Damen-Doppelzweier Sophie Mackenzie/Julia Edward (Neuseeland).

Die M-V-Bilanz

Aus M-V-Sicht waren zwei Medaillen zu verzeichnen – allerdings beide im Herren-Achter. Der gebürtige Rostocker Hannes Ocik, für die Schweriner Rudergesellschaft startend, und der gebürtige Bad Doberaner Felix Drahotta (jetzt Leverkusen) erkämpften Silber im Deutschland-Achter,  der nur ganz knapp vom britischen Achter distanziert wurde. Marie-Louise Dräger (Rostock) schaffte hingegen mit ihrer Bootskollegin Fini Sturm im leichten Doppelzweier der Frauen einen guten sechsten Platz. Der Rostocker Stephan Krüger „schrammte“ mit seinem Bootskollegen Marcel Hacker noch knapper am Edelmetall „vorbei“… Am Ende wurde es ein vierter Platz im Herren-Doppelzweier. Der deutsche Frauen-Achter (mit der Rostockerin Julia Wärmer) bleibt hingegen das rudersportliche „Sorgenkind“ des Deutschen Ruderverbandes. In Aiguebelette wurde es nur der zehnte und letzte Platz.

Goldene deutsche Momente

Für die „goldenen Momente“ aus deutschem Ruder-Blickwinkel sorgten aber der Herren-Doppelvierer (Philipp Wende, Karl Schulze, Lauritz Schoof, Hans Gruhne), der leichte Herren-Achter (Tobias Schad, Simon Barr, Torben Neumann, Florian Roller, Tobias Franzmann, Stefan Wallat, Claas Mertens, Can Temel, Felix Heinemann) und der leichte Frauen-Doppelvierer (Katrin Thoma, Leonie Pieper, Lena Müller, Anja Noske). Die Bilanz der deutschen Ruderinnen und Ruderer in Aiguebelette war schon sehr gut, wenngleich in einigen Bootsklassen, gerade in den olympischen, Gefahr besteht, den Anschluß an die absolute Weltelite zu verpassen. Dennoch: Nach wie vor ist Deutschland eine starke, traditionsbewußte Ruder-Nation.

Nun wird es aber bald in Sarasota im Rudersport weltmeisterlich spannend – mit einem hoffentlich erfolgreichen Hannes Ocik aus MV-Blickwinkel!

Marko Michels

Foto (Michels): Erfolgsruderer aus M-V – Hannes Ocik.