Ab Mitte Juli geht es um die WM-Medaillen…

Vom 14.Juli bis 30.Juli wird es in der ungarischen Hauptstadt, in Budapest, ganz maritim. Zum siebzehnten Mal seit 1973 gibt es „Schwimm-Weltmeisterschaften“, welche anfangs „nur“ die Sportarten Becken-Schwimmen, Synchron-Schwimmen, Wasserspringen und Wasserball beinhalteten. Mittlerweile kamen aber auch das Langstrecken-Schwimmen und das Klippenspringen hinzu.

Im medialen Fokus stehen dabei zumeist vor allem die Becken-Schwimmer und „mit Abstrichen“ die Wasserspringer.

Was ist aber mit den anderen Sportarten, die vermeintlich „am Rande stehen“ – mit Wasserball und Synchronschwimmen. Da sieht es aus deutscher Sicht nicht so rosig aus. Seit 1973 ist Synchronschwimmen WM-Disziplin – für deutsche Schwimmerinnen gab es bislang noch kein Edelmetall. Die deutschen Wasserball-Herren konnten hingegen bereits einmal über eine WM-Medaille jubeln – 1982 in Guayaquil war das, mit Bronze hinter der Sowjetunion und Ungarn.

Im Blickfeld: Die Wasserballspielerinnen und Wasserballspieler

Ansonsten waren andere die großen Sieger. Die WM-Premiere im Wasserball, das seit 1900 bereits olympisch ist, entschied 1973 Ungarn für sich, das auch 2003 bzw. 2013 triumphierte. Jugoslawien und dessen Rechtsnachfolger Serbien (2005 noch Serbien-Montenegro) setzten sich fünfmal durch: 1986, 1991, 2005, 2009 und 2015. Italien schaffte – wie Ungarn – dreimal WM-Gold (1978, 1994, 2011).

Die Wasserballerinnen durften dagegen erst 1986 ins weltmeisterliche „Bassin“ steigen. Australien konnte vor 30 Jahren Premieren-Gold bei den Frauen erkämpfen – vier Jahre später, 2000 in Sydney, wurde Frauen-Wasserball endlich auch olympisch. Rekord-Weltmeisterinnen sind dabei die US-Amerikanerinnen mit viermal Gold 2003, 2007, 2009 und 2015.

Ungarn mit neunmal Olympia-Gold

Bei den olympischen Turnieren im Wasserball seit 1900 (einschließlich der Frauen seit 2000) führt indes Ungarn mit neunmal Gold das Ranking an. Italien, Großbritannien bzw. Serbien (mit Jugoslawien) erkämpften je vier Olympiasiege. Deutsche Wasserballer holten immerhin bei olympischen Wettbewerben (bei den Herren) einmal Gold (1928), zweimal Silber (1932, 1936) und einmal Bronze (1984). Premieren-Sieger im Wasserball der Herren war 1900 in Paris Großbritannien (Letzter Olympiasieger 2016 in Rio: Serbien). Australien konnte hingegen 2000 in Sydney den ersten Olympiasieg bei den Frauen erkämpfen (Letzte Olympiasiegerinnen 2016 in Rio: USA).

M-V hatte in der jüngere deutschen Wasserball-Geschichte auch einen hervorragenden Nationalspieler… Paul Schüler vom ASC Duisburg, im Jahre 1987 in Ribnitz-Damgarten geboren, war ein Aktiv-Posten im deutschen Wasserball-Team, mit dem er 2010 EM-Sechster, 2011 WM-Achter und 2012 EM-Fünfter wurde. Und aktuell hierzulande sind insbesondere die Wasserballer der HSG Warnemünde die erste sportliche Adresse für diese Wasser-Sportart.

Für die WM im Wasserball 2017 qualifizierte sich leider keine deutsche Mannschaft. Die Turniere bei den Frauen und bei den Herren bestreiten jeweils sechzehn Mannschaften.

Anmutig, grazil und sportiv – die Synchronschwimmerinnen

Wechselten Siegerinnen und Sieger im WM-Wasserball oftmals, so gab es im Synchronschwimmen relativ „eingefahrene“ Strukturen.

Zwischen 1973 und 1994 beherrschten US-Amerikanerinnen, Kanadierinnen und Japanerinnen das Synchronschwimmen bei WM ziemlich eindeutig. Teresa Andersen aus Santa Clara wurde 1973 in Belgrad dreifache Weltmeisterin. 1978, im Westteil Berlins, schaffte erstmals eine Nicht-US-Amerikanerin WM-Gold – die Kanadierin Helen Vanderburg war vor 35 Jahren gleich zweimal erfolgreich. Im Jahr 1984 in Los Angeles wurde das Synchronschwimmen auch olympisch, wobei die Goldmedaillen an Tracie Ruiz im Einzel und Candy Costie bzw. Tracie Ruiz im Duett gingen.

Synchronschwimmsportliche Wachablösung 1998

Zwei Jahre später, bei den WM 1986, konnte erstmals eine Europäerin, die Französin Muriel Hermine, eine weltmeisterliche Medaille im Synchronschwimmen mit Bronze erringen.

Die große „Wachablösung“ im Synchronschwimmen erfolgte vor 18 Jahren, bei den WM 1998 in Perth. Russland holte alle drei WM-Titel – dank der überragenden Olga Sedakowa.

Dann, bei den Folge-WM von 2001 bis 2015, war jedes Mal Russland die Nummer eins im Synchronschwimmen.

Und bei den vorerst letzten WM, 2015 in Kazan, gingen fast alle an das russische Team. Die russischen Starterinnen und Starter jubelten über achtmal Gold, einmal Silber – die Spitzenposition in dieser Sportart in Kazan. China erreichte sechsmal Silber, einmal Bronze und die USA freute sich über einmal Gold, einmal Silber.

Swetlana Romaschina fügte ihrer sensationellen Medaillen-Sammlung weitere vier Goldmedaillen hinzu. Ihre Bilanz lautet mittlerweile: fünfmal Olympia-Gold 2008-2016, neunzehnmal WM-Gold zwischen 2005 bzw. 2015 sowie zehnmal EM-Gold (2006-2016). Die Ausbeute ihrer Landsfrau Natalja Istschenkow ist nicht minder spektakulär, auch dreimal Olympia-Gold 2008-2012, neunzehnmal WM-Gold 2005-2015 und sogar zwölmal EM-Gold (2006-2016). Stark präsentierte sich in Kazan 2015 auch unter anderem ebenfalls Wlada Tschigirewa mit dreimal Gold.

Erster Mixed-Wettbewerb der WM-Geschichte an die USA

Die erste Mixed-Konkurrenz in der WM-Geschichte des Synchronschwimmens entschied aber das amerikanische Duo Christina Jones bzw. Bill May für sich (Mixed Duett „Technical Routine“). Der zweite Mixed-Wettkampf sah hingegen den Erfolg von Alexander Maltzew/Darina Walitowa aus Russland („Free Routine“).

Russland, USA, Kanada und Japan die erfolgreichsten Nationen 

Bei den bisherigen WM im Synchronschwimmen zwischen 1973 und 2015 errangen Starterinnen (und auch Starter) aus neun Nationen Medaillen. Russland führt hier das Ranking mit 48 Medaillen (43 x Gold) vor Japan mit 42 Medaillen (2 x Gold), Spanien mit 34 Medaillen (1 x Gold), den USA mit 26 Medaillen (14 x Gold), Kanada mit 26 Medaillen (8 x Gold), China mit 23 Medaillen, Frankreich mit 7 Medaillen (3 x Gold), der Ukraine mit 4 Medaillen und Italien mit 3 Medaillen.

Bei Olympischen Spielen standen zwischen 1984 in Los Angeles und 2016 in Rio bislang 18 Entscheidungen im Synchronschwimmen auf dem Programm. Die russischen Teilnehmerinnen gewannen zehnmal Gold. Dahinter folgen die USA mit 5 x Gold, 2 x Silber, 2x Bronze und Kanada mit 3 x Gold, 4 x Silber, 1 x Bronze. Japanische Synchronschwimmerinnen sammelten bei olympischen Konkurrenzen im Synchronschwimmen bis 2012 die meisten Medaillen – vierzehn. Olympischen Edelmetall errangen zudem China (fünf), Spanien (vier) und Frankreich (eine).

In Rio 2016, in der dortigen olympischen Entscheidung, setzten sich in der Duett-Konkurrenz Swetlana Romaschina/Natalja Istschenkow und im Team-Wettkampf Wlada Tschigirewa, Natalja Istschenkow. Swetlana Kolesnitschenkow, Awetlana Romaschina, Alla Schischkina, Maria Schuroschkina, Jelena Topilina und Jelena Prokofjewa (alle Russland) durch.

Bei den Welt-Titelkämpfen 2017 sind auch zwölf Synchron-Schwimmerinnen und ein Synchron-Schwimmer aus Deutschland in acht der neun Entscheidungen am Start. Die amtierende deutsche Solo-Meisterin Marlene Bojer, Jahrgang 1993, von der SG SW München Isarnixen) ist dabei die bekannteste deutsche Synchron-Schwimmerin.

Maritime Anmerkung am Rande: Bei den Junioren-Europameisterschaften im Wasserspringen vom 27.Juni bis 2.Juli in Bergen (Norwegen) nahmen auch zwei Wasserspringerinnen vom WSC Rostock teil: Anna Shyrykhay, Jahrgang 2000, und Jette Müller, Jahrgang 2003.

Im Wettbewerb „Synchronspringen vom Drei-Meter-Brett“ wurde Anna Shyrykhay zusammen mit Annika Miethig Fünfte. Einen fünften Rang belegte auch Jette Müller in der Konkurrenz „Einzel vom Drei-Meter-Brett“. Insgesamt erkämpften die deutschen Wasserspringerinnen und Wasserspringer in Bergen einmal Gold, zweimal Silber, zweimal Bronze.

Für die WM in Budapest nominierte der Deutsche Schwimm-Verband jeweils sechs Frauen und Herren im Wasserspringen, darunter Patrick Hausding und Maria Kurjo.

Marko Michels

Zur Info: Die Wasserball-Turniere 2017 in Budapest

Herren

Vorrunde – Gruppe A: Brasilien, Montenegro, Kasachstan, Kanada / Gruppe B: Frankreich, Australien, Italien, Ungarn / Gruppe C: Spanien, Serbien, Griechenland, Südafrika / Gruppe D: USA, Japan, Kroatien, Russland

Finale: am 29.Juli

Frauen

Vorrunde – Gruppe A: Italien, Brasilien, Kanada, China / Gruppe B: Neuseeland, Südafrika, Spanien, USA / Gruppe C: Japan, Niederlande, Ungarn, Frankreich / Gruppe D: Australien, Russland, Kasachstan, Griechenland

Finale: am 28.Juli

M.M.

Foto (Wolfgang Gross): Die Wasserball-Spieler der HSG Warnemünde in Aktion.