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Das gab es seit 26 Jahren nicht mehr

U12-Mädchen des SAV Torgelow-Drögeheide holen sich DM-Titel im Schach

Bad Homburg/Torgelow – In großer Vorfreude, gespannter Erwartung aber auch mit einer ordentlichen Portion Nervosität reiste ein 4-köpfiges Mädchenteam des SAV Torgelow-Drögeheide 90 gemeinsam mit seinem Trainer am 26.12.2024 in das verschneite Bad Homburg nach Hessen. Gemeinsam wollte man sich bei den Deutschen Vereinsmeisterschaften (DVM) in der Altersklasse u12w mit den besten Mädchenteams aus ganz Deutschland messen.

Die Erwartungshaltung, insbesondere im Umfeld der Mannschaft, wurde vor allem durch den überzeugenden Sieg bei der Norddeutschen Vereinsmeisterschaft im September in Prora geweckt. Und mit dem 4. Setzlistenplatz im Feld von 20 Teams gingen Sophie, Barbara, Emma und Leni durchaus als Mitfavoritinnen ins Rennen. „Im Turnierraum standen bereits die Pokale für die besten fünf Teams, um diese wollten wir unbedingt so lange wie möglich mitspielen“, erzählt Trainer Michael Ehlers.

Um so ernüchternder verlief dann die erste Runde am Vormittag des 27. Dezembers. „Gegen den SK Freiburg-Zähringen waren wir viel zu unkonzentriert und mussten uns knapp mit 1,5:2,5 geschlagen geben. Trotz guter Vorbereitung kamen unsere Mädels nicht an ihr Leistungsniveau heran“, so Ehlers. Der große Saal, die vielen Leute und die eigenen Erwartungen waren wohl doch ein bisschen zu viel. Dazu zeigten sich die Gegnerinnen in ihren Partien komplett unbeeindruckt und abgeklärt.

Doch das Torgelower Quartett war bei weitem nicht allein mit seinen Problemen. Keines der 3 topgesetzten Teams konnte sein Auftaktmatch gewinnen. „Alle anderen Mannschaften waren uns aber nun erst mal herzlich egal, wir mussten zunächst irgendwie in dieses Turnier kommen“, resümiert der Coach. Die Nachmittagsrunde gegen die SG Leipzig wurde dann ebenfalls zur Zitterpartie. Lange standen Ehlers Schützlinge am Rande der zweiten Niederlage. „Mit großem Kampf konnten wir das Spiel in einen knappen 2,5:1,5-Sieg drehen, hatten jedoch unser Turnierglück damit erst mal aufgebraucht.“ Diesen nervenaufreibenden 1. Turniertag wollte man jetzt nur noch abhaken und nach vorn schauen.

Die Begegnung gegen die Schachzwerge Magdeburg sollte dem Torgelower Team alles abverlangen. (Foto: Michael Ehlers)

Die Vormittagsrunde am Samstag brachte dem SAV-Team die Schachzwerge Magdeburg als Gegner. Bei der Norddeutschen Meisterschaft hatte man wir gegen die starken Magdeburgerinnen ein 2:2 erkämpft. Das war auch jetzt das Ziel. „Diesmal konnten unsere Mädels ihr Talent voll abrufen, sodass wir 2:1 in Führung gingen“, freut sich Ehlers und berichtet: „Die letzte Partie im gesamten Turniersaal war unsere. Barbara kämpfte mehr als 4 Stunden für unser Team, sicherte das Remis in ihrer Partie und bescherte uns so den knappen, aber verdienten 2,5:1,5-Sieg. Wir waren zurück im Geschäft, ein großartiger Moment.“

Die Nachmittagsrunde bescherte den jungen Vorpommerinnen das Überraschungsteam von SC Weisse Dame aus Berlin als Gegner. Alle vier waren erneut mit voller Konzentration bei der Sache, konnten die nominellen Leistungsunterschied herausarbeiten und sich souverän mit 3,5:0,5 durchsetzen. Eine große Erleichterung am Ende des 2. Turniertags.

In der 5. Runde ging es am Sonntag an Tisch 1 gegen die bis dahin 4 Mal siegreichen Mädels der SF München. „Unser Ehrgeiz war geweckt, wir wollten uns teuer verkaufen“, weiß Torgelows Coach. Mit jeder Menge Schwung aus der Vorbereitung und tollem Kampfgeist konnten die Mädchen verdient auch dieses Match knapp mit 2,5:1,5 gewinnen. Damit ging es in der Nachmittagsrunde gegen die SG Porz bereits um Big Points. Hier konnten die Mädels den taktischen Plan herausragend umsetzen. Sie gewannen an den Brettern 1 und 4 verdient, während sie an 2 und 3 stark dagegenhielten und mit Remisen den 3:1-Mannschaftssieg souverän absicherten. Damit war klar, dass man am letzten Tag um den Titel spielen würde.

Volle Konzentration in der 4. Runde gegen den SC „Weisse Dame“ aus Berlin. (Foto: Michael Ehlers)

Michael Ehlers: „Das Los bescherte uns für die 7. Runde mit dem SC Garching ein Team, das schwer auszurechnen war. Die Mädels aus Garching waren hervorragend vorbereitet und haben uns alles abverlangt. Es brauchte erneut starke Nerven und auch eine Portion Glück, doch am Ende gewannen wir auch hier knapp mit 2,5:1,5 und haben uns damit aus eigener Kraft den Titel erspielt.“

Nach 26 Jahren holt damit wieder ein Mädchenteam des SAV Torgelow-Drögeheide 90 einen Deutschen Meistertitel nach Mecklenburg-Vorpommern. In überschäumender Freude und größtem Respekt zieht der ganze Verein den Hut vor der außergewöhnlichen Leistung, die die Mädels in diesen vier anstrengenden Tagen gezeigt haben. „Ein besonderer Dank geht an unsere Gastspielerin Leni Zietz aus Rostock, die mit ihren 6 Siegen aus 7 Spielen ein Garant dieses Erfolges war“, ergänzt Michael Ehlers.