Norddeutschlands Badmintonelite zu Gast in der Wilhelm-Schröder-Sporthalle
Dass sich der Badmintonverband Mecklenburg-Vorpommern als Gastgeber für ein Norddeutsches Ranglistenturnier präsentiert, ist nicht alltäglich. Immerhin gehören in die Gruppe Nord acht Landesfachverbände – die Auswahl der Veranstaltungsorte für die zweithöchste nationale Wettkampfkategorie (Kategorie B) ist entsprechend groß. Am 30. und 31. Mai war nun aber wieder der Nordosten der Republik an der Reihe. Gespielt wurde in den beiden Altersklassen U17 und U19. Ganz zur Freude von Ausrichter TSV Bützow, der mit der Wilhelm-Schröder-Sporthalle eine hervorragend präparierte Wettkampfstätte bereitstellte. Von Beginn an gab es dafür Lob von den knapp 130 anwesenden Sportler:innen.
Und wenn ein so hochkarätiger Wettkampf in der Heimat stattfindet, wollen die regionalen Athleten und Athleten natürlich abliefern. Den BVMV vertraten insgesamt 9 Jungen und Mädchen aus Schwerin, Neubrandenburg, Rostock und Greifswald. Unter ihnen mit den beiden Landeshauptstädtern Roman Pokrasen und Bruno Seichter zwei Medaillenaspiranten. Ebenso wurde Neubrandenburgs 14-jährigen Megatalent Lucas Jeschke realistische Chancen auf den einen oder anderen Viertelfinaleinzug zugetraut.
Für die MV-Auswahl sollten es zwei intensive Tage mit vielen Höhen und einigen Tiefen werden. Angefangen mit der Mixed-Konkurrenz der Altersklasse U19. Während Seichter mit seiner Hamburger Partnerin von Setzplatz 3 aus bereits im Viertelfinale scheiterte, konnte Pokrasen in neuer Konstellation bis ins Halbfinale vordringen. Leider musste sich der Schweriner sowohl hier als auch im Spiel um Platz 3 geschlagen geben. Dem restlichen MV-Kader blieb spätestens in Runde zwei ein Weiterkommen verwehrt.
Bronze für MV im Einzel
Doch die nächsten Angriffe auf das Podium folgten. Wieder gab es Medaillenchancen, diesmal in den Einzeln. Wie erwartet preschten Prokrasen und Seichter jeweils in die Top 8 vor. Während sich letzterer hier in einem hochklassigen Spiel gegen den Turnierfavoriten und späteren Sieger Keo Boun Khoune (Niedersachsen) teuer verkaufte, Blieb sein Trainingspartner unter seinen Möglichkeiten. Nach einem seltenen 28:30 im Ersten – Badmintonsportler wissen um die Besonderheit eines solchen Punktestands – konnte sich Pokrasen zwar noch in den Entscheidungssatz retten, das Halbfinale blieb ihm diesmal jedoch verwehrt. Verständlich niedergeschlagen ging der 17-Jährige anschließend vom Feld.

Für die anderen Jungen und Mädchen des BVMV war das Turnier eher eine Standortanalyse. Eigentlich auch für Lucas Jeschke, der regulär noch einen Jahrgang tiefer in der U15 aktiv ist. Bützow sollte aber sein Pflaster werden. Nach einem souveränen Auftaktsieg warf er in einem 40-minütigen Kraftakt den an drei gesetzten Rößler (NRW) aus dem Turnier. Mit dem folgenden Sieg gegen seinen langjährigen Kontrahenten und ehemaligen Angstgegner Rosenbaum (Hamburg) stand der Neubrandenburger zur Freude des ganzen MV-Teams im Halbfinale. Zwar ging das an den späteren Turniersieger vom MTV Nienburg, doch Jeschke konnte am Folgetag immer noch Bronze gewinnen. Gut ausgeruht und regeneriert stand der 14-Jährige am frühen Sonntagmorgen wieder auf dem Court. Sein Ziel war klar: eine Medaille. Begleitet von tobendem Applaus des anwesenden Landeskaders und in einer beeindruckenden Zurschaustellung seiner Fähigkeiten entschied er das Spiel dann auch für sich. 21:6 und 21:17 – das wohlgemerkt erneut gegen einen in der deutschen Rangliste weit vor ihm stehenden Sportler.
Power, Tempo, Jeschke: Überraschungserfolg im Jungendoppel
Direkt nach der Medaillenvergabe der Einzel wurden traditionell die Jungen- und Mädchendoppel ausgetragen. Für MVs Paarungen ging es gut los. Greifswalds Yara Metzlaff überzeugte im Damendoppel U19 und freute sich nach der Niederlage in Runde eins über zwei anschließende Siege. Gemeinsam mit Mitspielerin Xiu (Hamburg) sprang für sie ein guter 5. Platz heraus. Etwas erfolgreicher präsentierte sich das Schweriner Jungendoppel Pokrasen/Seichter. Eigentlich hatten sich die beiden 17-jährigen Norddeutschen Meister von 2025 sogar den Titel auf die Fahnen geschrieben. Doch von Beginn an taten sie sich schwer. Retteten sich mit zwei knappen Dreisatzsiegen ins Halbfinale. Ihrem Weg treu bleibend folgten zwei weitere Dreisatzspiele – diesmal leider zugunsten der Gegner. Somit blieb nicht nur der Titel sondern mit Platz 4 auch eine Medaille aus.
Eine Altersklasse tiefer brachte das Motor-Süd-Talent Lucas Jeschke, das Adrenalin aus dem Einzelwettbewerb noch im Blut, die teils zwei Jahre älteren Gegner erneut zum Fürchten. An der Seite von Rostock Nummer 1, Luis Herhaus (PSV), stürmte er bis ins Halbfinale. Dort bezwang das Duo im entscheidenden dritten Satz die an zwei gesetzte Paarung Brestel/Hahn. Finale. Hätte man noch am Freitag MVs Jugendwart Michael Hewelt gesagt, dass man mit zwei Medaillen in der U17 aus dem Turnier gehen würde, hätte er wohl mit dem Kopf geschüttelt. Um 13:30 Uhr dann die Entscheidung. Gold oder Silber? Jeschke und Herhaus hatten nichts mehr zu verlieren. Entsprechend furchtlos zeigten sie sich auf dem Feld. Würde das gegen die haushohen Favoriten Abdulquddus/Dhar reichen? Fast. Mit 17:21 und 16:21 gingen MVs Kaderathleten zwar mit einer Niederlage vom Feld aber nur kurze Zeit später mit einem fetten Gewinn aufs Podest. Silber auf einem U17 B-Ranglistenturnier: für beide ein weiterer Meilenstein ihrer noch jungen Karriere.
red
