Schweriner „Special Olympics“-Athlet on Tour in Sachsen-Anhalt
Ein Wochenende, das selbst gestandene Ausdauersportler an die Grenzen bringt: Am Samstag ganz oben auf dem Podest, am Sonntag hinein in die „Hölle von Aschersleben“. Für Andreas Mücke wurde genau diese Abfolge zur eindrucksvollen Standortbestimmung – sportlich wie persönlich. Einen Tag nach seinem Kräfte zehrenden Sieg bei der Mitteldeutschen Ruderergometer-Meisterschaft in Sandersdorf-Brehna krönte der Schweriner Sportler ein intensives Wochenende mit Platz fünf beim traditionsreichen Indoor-Triathlon in Aschersleben.
„Am Samstag noch ganz oben auf dem Podest – am Sonntag um 8:30 Uhr wieder Startnummer, Spindschlüssel, Wechselkiste, Kohlenhydrat-Gel und Wasser – eigentlich Routine“, schildert Mücke die Vorbereitung auf den neuen Härtetest kaum 24 Stunden nach seinem Ergometer-Triumph. Es war sein erster Indoor-Triathlon überhaupt, gedacht „eigentlich nur als Vorbereitung für die Deutsche Meisterschaft im Saarland“. Warum der Wettkampf den Beinamen „Die Hölle von Aschersleben“ trägt, wusste er da noch nicht.
Im Gepäck: Zweifel, Hoffnung und Geschichte
Die inklusive Veranstaltung bot Sport auf Augenhöhe: DTU-Profis, Special-Olympics-Athleten, Unified-Starter – mittendrin statt nebeneinander. „Sport, wie er sein sollte“, bringt es Mücke auf den Punkt. Mit der Startnummer 10 ging es für den Schweriner, der sich infolge zweier Schlaganfälle dem Handicapsport verschrieben hat, hier nicht um den Sieg, sondern um Orientierung. „Realistisch hatte ich mir einen Platz um Rang zehn erhofft“, so der 55-Jährige.
Der Start im Becken forderte sofort Tribut. „Nach wenigen Bahnen war klar: Jetzt weiß ich, warum das hier die ‚Hölle von Aschersleben‘ heißt“, sagt Mücke. Alle 25 Meter wechselte er zwischen Brust- und Kraulschwimmen – „mein persönlicher Überlebensmodus“. Doch im Mittelfeld aus dem Wasser gekommen, spielte er anschließend seine Stärke aus. Der Weg zum Ergometer wurde zur Bühne: „Spätestens jetzt war den über 700 Zuschauern klar: Das ist meine Disziplin.“ Vier Kilometer bei 180 Watt – Platz um Platz machte Mücke gut.

Der Endgegner wartete jedoch zum Schluss: die Laufstrecke mit einer fünfprozentigen Steigungsrampe. Elfmal hoch, elfmal runter. „Nasser Trisuit, hohe Luftfeuchtigkeit, Hitze – das hat mir mehr Kraft gezogen, als ich je erwartet hätte.“ Umso größer der Moment bei der Siegerehrung: Platz fünf von 37 Teilnehmern. Für Andreas Mücke ein riesiger persönlicher Erfolg.
„Entscheidend ist nicht, ob du Erster oder 37. wirst.“
Was bleibt, ist mehr als eine Platzierung. „Entscheidend ist nicht, ob du Erster oder 37. wirst“, sagt Mücke. Entscheidend sei es, nach schwerer Krankheit wieder Mut zu finden. Dabei weiß er nur zu gut, wovon er spricht: „Plötzlich war nichts mehr selbstverständlich – Bewegung nicht, Kraft nicht, Vertrauen in den eigenen Körper schon gar nicht“, erinnert sich der gebürtige Berliner, der sich selbst als „Schlaganfall-Patient mit Epilepsie aus Zimmer 12“ bezeichnet. Das vergangene Wochenende zeigt eindrucksvoll, wofür er steht: nicht aufgeben, realistische Ziele setzen – und sich wieder auf Herausforderungen freuen. Sandersdorf war für Andreas Mücke schon eng, tat weh und brannte. Dann kam Aschersleben, wurde zur körperlichen Extrembelastung. Am Ende war beides möglich.
red
