Erstmals in der Vereinsgeschichte haben die ROSTOCK SEAWOLVES den FC Bayern München besiegt. In einer intensiven Defensivschlacht setzten sich die Rostocker vor 4.563 Zuschauern in der StadtHalle Rostock mit 69:67 (38:40) durch und fügten den Münchnern die erste Saisonniederlage in der easyCredit Basketball Bundesliga zu. Im ersten Viertel lagen die Gastgeber mit 14 Punkten vorn; ein viertelübergreifender 18:0-Lauf brachte die Münchner zweistellig in Front. In einer dramatischen Schlussphase erbeuteten die Wölfe im neunten Anlauf den ersten Sieg gegen den deutschen Topclub von der Isar. Bei den SEAWOLVES punkteten vier Spieler zweistellig, auf Seiten des FC Bayern kam Duane Washington Jr. auf 22 Zähler. Die Rostocker kletterten nach diesem Erfolg auf den siebten Tabellenplatz in der BBL.
ROSTOCK SEAWOLVES gegen FC Bayern München Basketball 69:67 (38:40)
In den letzten Spielen gegen Weißenfels und Tortona hatten die ROSTOCK SEAWOLVES jeweils einen zweistelligen Vorsprung verspielt. Gegen die Münchner rieben sich die über 4.600 Zuschauer im ersten Viertel die Augen, als ihre Wölfe plötzlich mit 14 Punkten (22:8, 8. Min) in Führung lagen. Würde diese Führung reichen? Mit feuriger Offensive, Treffsicherheit aus der Distanz – vier der ersten fünf Dreier landeten im Münchner Korb – und starker Teamverteidigung starteten die Rostocker in die Partie. Ein Höhepunkt des ersten Abschnitts war ein Alley-Oop-Dunk von Philipp Hartwich, serviert von DeAndre Lansdowne. Die Energie, die die SEAWOLVES auch ohne die angeschlagenen Owen Klassen und Dominic Lockhart versprühten, war hoch – und die Gäste aus München brauchten etwas, um sich daran zu gewöhnen und selbst zu ihrem Spiel zu finden.
Ein erstes kleines Ausrufezeichen setzte der Münchner US-Flügelspieler Miles Norris mit einem Dunk, gefolgt von einem trockenen Treffer aus der Ecke von Routinier Vladimir Lucic zum 24:15-Pausenstand nach zehn Minuten. Der FC Bayern schlich sich offensiv Punkt um Punkt an die Rostocker heran. Das zweite Viertel, das die Rostocker lange Zeit kontrollierten, gehörte zum Ende hin den Gästen. Fast fünf Minuten lang erlaubten sie den Wölfen keine Punkte und erzielten viertelübergreifend 18 Zähler in Folge. So änderte sich die Rostocker Führung von 38:30 (18. Min) in einen 38:48-Rückstand (23. Min).
Die SEAWOLVES unterstrichen sodann, dass sie aus vorangegangen Niederlagen gelernt haben und zeigten Moral, Leidenschaft und Resilienz. Johnathan Stove brachte sein Team mit sieben spektakulären Punkten zurück ins Rennen (50:53, 29. Min) und ließ die Fans wieder von der Sensation träumen.
Als im umkämpften Schlussviertel auch noch Zach Copeland, Artur Konontsuk und Veteran DeAndre Lansdowne wichtige Körbe erzielten und Todd Withers die Abwehrreihen und Rebounds dominierte, nahm der Traum mehr und mehr Gestalt an. 48 Sekunden vor Schluss traf Konontsuk per Korbleger zum Endstand. Die Münchner begingen in der turbulenten Schlussphase ein Offensivfoul; der letzte Wurf von Tobias Jensen zum potenziellen Sieg sprang vom Ring ab – und der Jubel von den Rängen der Rostocker Arena war grenzenlos.
Zahlen, bitte!
Vor dem Spiel thronten die Münchner nach fünf Partien ungeschlagen an der Tabellenspitze der BBL. Im Schnitt schenkten sie ihren fünf Gegnern 99,8 Punkte ein. Und gegen Rostock? Da gelangen ihnen dank der eisenharten SEAWOLVES-Abwehr nur 67 Zähler – fast 33 Punkte unter dem bisherigen Saisonschnitt.
Viertelstände (HRO-FCBB): 24:15, 14:25, 12:13, 19:14
Punkteverteilung:
Rostock: Amaize (3), Baggette (0), Copeland (14), Crockett Jr. (5), Hartwich (2), Konontsuk (14), Lansdowne (2), Leuchten (2), Lockhart (nicht eingesetzt), Stove (15), Withers (12).
München: Baldwin (2), Giffey (4), Hollatz (0), Jensen (7), Jokubaitis (3), Lucic (7), Norris (2), Obst (7), Thiemann (6), Voigtmann (2), Washington Jr. (22), Wiley (5).
So geht’s weiter
Am Mittwoch sind die SEAWOLVES wieder im BKT EuroCup im Einsatz (20:30 Uhr im spanischen Burgos, live auf MagentaSport), ehe sie am Samstag (07.11.) um 18:30 Uhr in eigener Halle auf ratiopharm ulm treffen (live auf DYN). Tickets gibt es auf tickets.seawolves.de.
Stimmen zum Spiel
Przemyslaw Frasunkiewicz (Head Coach Rostock): „Wir haben ein sehr, sehr gutes Spiel gezeigt. Wir waren sehr smart und haben nie aufgegeben. Auch mit einer etwas kürzeren Rotation als üblich waren wir in der Lage, zusätzliche Energie freizusetzen. Endlich haben wir ein Spiel zu Ende gespielt. Zuletzt haben wir auch sehr gut gespielt, doch konnten die Spiele nicht über die Ziellinie bringen. Heute ist uns das gelungen. Wir haben ein paar Kleinigkeiten in der defensiven Rotation verändert. Das Spiel hätte auch anders ausgehen können. Ich bin sehr glücklich, trotzdem gilt es, jetzt nicht abzuheben.“
Anton Gavel (Head Coach München): „Glückwunsch an Coach Frasunkiewicz zum Sieg. Wir hatten das Spiel im dritten Viertel eigentlich unter Kontrolle, es dann aber aus der Hand gegeben. Weil wir unüberlegte Entscheidungen in der Offensive getroffen haben und wir sie in der Defensive ins Laufen kommen ließen. Ein paar Turnover haben diese Niederlage dann im letzten Viertel besiegelt.“
Johannes Thiemann (Forward München): „Wir haben wie in der EuroLeague den Anfang verschlafen, haben 14 Punkte hinten gelegen, das kostet natürlich Kraft. Wir sind zurückgekommen, aber hinten raus haben wir nicht smart gespielt. Ihre Defense war auch gut mit den Switches, doch das müssen wir cleverer lösen und es sauber zu Ende spielen, Es darf keine Ausrede sein, dass wir bereits zwei Spiele in dieser Woche hatten. Wir müssen hier gewinnen und unseren Job machen. Wir haben zu unkonzentriert gespielt.“
Text: Rostock Seawolves