Ein mehr als außergewöhnliches Schauspiel bekamen die Zuschauer vom 31. August bis zum 5. September auf dem Flugplatz Gera-Leumnitz zu sehen, als dort ein ums andere Mal zahlreiche Männer und Frauen aus über 4 Kilometern Höhe spektakulär und kontrolliert zu Boden stürzten. Teils mit Spitzengeschwindigkeiten knapp an der 500er Marke. Wohlgemerkt in Kilometern pro Stunde gemessen. Natürlich geschah das Happening nicht ohne Grund. Der Deutsche Fallschirmsport Verband hatte zu seinen alljährlichen nationalen Meisterschaften geladen. In den Disziplinen Formationsspringen, Artistik, Wingsuit und Speedskydiving kämpften Deutschlands beste Springerinnen und Springer um Titel und Platzierungen. Mit am Start: der Fallschirmsportclub Mecklenburg e.V. aus Neustadt-Glewe, für den die Wettbewerbe im Formationsspringen und Speed Skydiving im Fokus standen.
Im Formationsspringen 4-Way der A-Klasse (Beginner) überzeugte das Team „Four Elements“ mit einer konstant starken Leistung. Hartmut Birke, Kathrin Dummann, Lilly Mazurkiewicz und Ronny Zühlke gingen gemeinsam mit Videospringer Sven Albrecht an den Start, René Mischke und Steffi Keller gehörten als Ersatz zum Aufgebot. In insgesamt zehn Wettkampfrunden musste die Formation innerhalb von jeweils 35 Sekunden ein vorgegebenes Programm so oft und so sauber wie möglich zeigen. Nach fünf Durchgängen lag die Mannschaft bereits auf Rang zwei – diese Position verteidigte sie auch bis zum Ende.
Mit insgesamt 96 Punkten sicherten sich die „Four Elements“ schließlich souverän den zweiten Platz. Sieger Airtron von der FSG Gransee kam auf 110 Punkte, während das drittplatzierte Team Fallobst vom FSC Münster mit 82 Punkten bereits 14 Zähler hinter den Mecklenburg-Vorpommern lag. "Nach dem 2. Platz bei der Outdoor Meisterschaft und dem 1. Platz bei der Indoor Meisterschaft (Anm.d.Red.: im Windkanal der in der Hurricane Factory Berlin) geht es jetzt für das Team in die nächst Höhere Klasse", berichtet Springerin Lilly Mazurkiewicz und fügt an: "Damit starten wir bei der nächsten Indoor Meisterschaft in der FS 4 way AA."
Platzierungen in der Klasse FS 4way A
Airtron (FSG Gransee) - 110 Punkte
Four Elements (Skydive MV) - 96 Punkte
Fallobst (FSC Münster) - 82 Punkte
KronYUUwelen (YUU Skydive e.V.) - 71 Punkte
Sabrewings FSZ Saar (FSV Saar e.V.) - 54 Punkte
G-Force (FSG Gransee) - 51 Punkte
Folgt (FSZ Kassel e.V.) - 33 Punkte
Mit durchschnittlich 497,35 km/h Richtung Boden
Noch erfolgreicher verliefen die Meisterschaften für Skydive-MV Mitglied Marco Hepp. Der Weltrekordhalter und Weltmeister im Speed Skydiving setzte sich in der offenen Klasse wie erwartet an die Spitze und und sicherte sich damit seinen 3. DM-Sieg in Folge. Mit einem aus allen acht Sprüngen errechneten Durchschnittswert von 497,35 km/h (gewertet werden die schnellsten drei Sekunden eines Sprungs) ließ der 38-Jährige die gesamte Konkurrenz hinter sich. Auf Platz zwei folgte der Pole Robert Pelka vom Aeroclub Warsaw Poland mit Ø 494,86 km/h. Denkbar knapp dahinter (Ø 494,15 km/h) sicherte sich mit Thorsten Morhaus ein weiterer Springer des Fallschirmsportclubs Mecklenburg die Bronzemedaille. Mit starken Leistungen überzeugten zudem Lukas Winnecker, Jule Radow, Corinna Burk, Marlene Kiepke und Anna Nordin. Damit bestätigte der Verein zu Recht seinen Ruf als „Home of Speed Skydiving Germany“.
Dass Speed Skydiving mittlerweile mehr als nur ein spektakulärer Wettkampf ist, betonen MVs Fallschirmspringer in ihrem DM-Nachbericht. Danach sei die Disziplin auch für die Forschung interessant. "Bei der Meisterschaft waren unter anderem Wissenschaftler dabei, die sich mit aerodynamischen Untersuchungen und der Erforschung der Flugbewegungen beschäftigen. So treffen Spitzensport, Technik und Wissenschaft aufeinander – und vielleicht hilft der nächste Forschungsflug ja dabei, noch ein paar km/h herauszukitzeln", erklären sie auf Instagram.
Die Freude über den Erfolg hallt beim FSC Mecklenburg jedenfalls auch eine Woche später noch nach. "Die Stimmung im Team und auch das Miteinander unter den Teams war großartig. Genau dieser Teamspirit macht den Wettkampf noch besonderer", blickt der Verein zurück. Passende Worte fand man aber schon vorher. Warum eigentlich Fallschirmspringen? Skydive-MV beschreibt es auf Social Media so: "Skydiving ist mehr als nur ein Sport. Es sind die Menschen, mit denen man früh morgens auf den ersten Load wartet. Diejenigen, die gemeinsam den Sprung planen, sich über jeden gelungenen Sprung freuen und einen nach einem weniger gelungenen wieder aufbauen. Es geht um Vertrauen, gegenseitige Unterstützung und unzählige gemeinsame Erlebnisse - in der Luft und am Boden."
Ein gemeinsamer Termin steht für die Himmelsstürmer aus Neustadt-Glewe 2026 noch an. Am 31. Oktober will das Team die Sprungsaison auf dem heimischen Flugplatz mit einem Scramble, also einem anfängerfreundlichen und auf Spaß ausgerichteten Wettbewerb, offiziell ausklingen lassen. Und wenn das Wetter nicht mitspielt? Dann warten auf die Teilnehmer*innen eben ein paar fröhliche Bodenturnrunden sowie eine fette Party. Weitere Infos dazu auf skydive-mv.de/terminuebersicht-events. Übrigens, die Fallschirmsprung DM werden im nächsten Jahr wieder in Neustadt-Glewe stattfinden (nach zuletzt 2022). Dann heißt es für die Mecklenburger wieder: Wettkampferfahrung vergrößern, neue Rekorde aufstellen, Nachwuchs fördern und den Fallschirmsport popularisieren.
red