MVs Davis Hartwig, Fabian Diehm und Reno Tiede schreiben Geschichte
Die deutsche Goalball-Nationalmannschaft hat bei der Weltmeisterschaft in China für Furore gesorgt. Mit WM-Silber und dem Paralympics-Ticket für Los Angeles 2028 feierte das Team um Bundestrainer Stefan Weil einen historischen Erfolg. Zwei Athleten und ein Trainer aus Mecklenburg-Vorpommern gehörten dabei zu den Protagonisten des Turniers.
Die deutsche Goalball-Nationalmannschaft hat bei der Weltmeisterschaft im chinesischen Hangzhou für einen der größten Erfolge ihrer jüngeren Geschichte gesorgt. Mit dem Gewinn der Silbermedaille und der direkten Qualifikation für die Paralymischen Spiele 2028 in Los Angeles krönte das Team von Bundestrainer Stefan Weil ein herausragendes Turnier. Mittendrin: der 17-jährige WM-Debütant Davis Hartwig vom VfL Blau-Weiß Neukloster und Fabian Diehm vom Rostocker Goalball Club Hansa.
Dabei hatte sich der Weg ins Finale alles andere als einfach gestaltet. Nach dem 11:7-Auftaktsieg gegen Israel steigerte sich die deutsche Auswahl von Spiel zu Spiel. Gegen Thailand folgte ein überzeugendes 9:3, ehe trotz einer knappen 3:4-Niederlage gegen die USA dank des besseren Torverhältnisses der Gruppensieg feststand. Im Viertelfinale bewies das Team dann Nervenstärke: Gegen Argentinien gelang ein hart erkämpfter 6:4-Erfolg, nachdem die Südamerikaner kurz vor Schluss noch ausgeglichen hatten. Zwei verwandelte Strafwürfe entschieden schließlich die Partie zugunsten Deutschlands.
Den Höhepunkt des Turniers lieferte die deutsche Mannschaft im Halbfinale gegen den amtierenden Paralymiasieger Japan. Mit einer taktisch disziplinierten Vorstellung, starker Defensivarbeit und effizientem Offensivspiel setzte sich Deutschland überraschend deutlich mit 12:6 durch. Gleichzeitig war damit das ersehnte Ticket für die Paralymischen Spiele 2028 gelöst. „Nach dem Schlusspfiff sind alle Dämme gebrochen“, beschrieb Bundestrainer Stefan Weil die Emotionen nach dem historischen Erfolg. Als einziges europäisches Team im Halbfinale unterstrich Deutschland seine Rückkehr in die Weltspitze.
Im Endspiel wartete anschließend Gastgeber China, der vor heimischem Publikum den besseren Start erwischte. Zwar kämpfte sich die deutsche Auswahl nach dem Seitenwechsel noch einmal auf 1:3 heran, doch die Chinesen fanden immer wieder Lösungen gegen die deutsche Defensive und setzten sich am Ende mit 7:1 durch. „China war die klar bessere Mannschaft“, erkannte Weil nach der Partie an. „Wir haben das Maximum aus diesem Turnier herausgeholt.“
Besonders bemerkenswert ist der Erfolg auch aus Sicht Mecklenburg-Vorpommerns. Mit Davis Hartwig stand eines der größten deutschen Goalball-Talente erstmals bei einer Weltmeisterschaft im Aufgebot. Der Junioren-Europameister von 2025 hatte sich in den vergangenen zwölf Monaten in den Fokus des Bundestrainers gespielt und sammelte nun wertvolle Erfahrungen auf höchstem Niveau. Fabian Diehm wiederum bestätigte seine wichtige Rolle als Defensivspezialist und Führungsspieler. Der Wahl-Rostocker sorgt seit Jahren für Stabilität im deutschen Zentrum und war bereits beim Nations-Cup-Triumph sowie beim EM-Bronzegewinn eine tragende Säule. Gemeinsam mit Co-Trainer Reno Tiede vom Rostocker Goalball Club Hansa trugen sie maßgeblich dazu bei, dass Deutschland erstmals seit vielen Jahren wieder in einem WM-Finale stand.
Entsprechend groß war die Freude auch beim RGC Hansa. Der Verein sprach von einer „überragenden Turnierleistung“ seiner Hansa-Akteure und würdigte den historischen Erfolg. Tatsächlich markiert die Silbermedaille einen Meilenstein für den deutschen Goalballsport. Nach EM-Bronze 2025 und dem überraschenden Nations-Cup-Sieg 2026 hat die Mannschaft eindrucksvoll bewiesen, dass sie wieder zur internationalen Spitze gehört. Der Blick richtet sich nun auf die Europameisterschaft im kommenden Jahr – und natürlich auf Los Angeles 2028. Doch zunächst darf gefeiert werden: Deutschland ist Vize-Weltmeister.
dbs/red
Der Kader der Herren für die WM in Hangzhou:
Daniel Arendar (25 / Gengenbach / BSS Ilvesheim), Fabian Diehm (28 / Ansbach / RGC Hansa), Oliver Hörauf (29 / Bautzen / Chemnitzer BC), Rouven Schetelich (31 / Dresden / Chemnitzer BC), Philipp Tauscher (25 / Leipzig / SGV Dresden), Davis Hartwig (17 / VfL Blau-Weiß Neukloster)