Impressum | Datenschutz

Redaktionsbereich

Einzelkämpferin mit großem Teamgeist

Betty Moeske ist DESG-Perspektivkaderathletin und Deutsche Meisterin im Short Track. Für die Olympianorm hat es diesmal nicht gereicht. Die WM im März und die World Tour ab September hat die 22-jährige Rostockerin aber ganz klar vor Augen.

500 Meter in 41,609 Sekunden lief die Niederländerin Xandra Velzeboer in Milano und holte sich damit am vergangenen Freitag ihre erste von zwei Goldmedaillen bei den Olympischen Winterspielen. Am Montag sicherte sich die 24-Jährige Shorttrack-Athletin Titel Nummer zwei über die 1.000 Meter. Dabei blieb Velzeboer das ganze Turnier über ohne deutsche Konkurrenz. Weder unseren Shorttrack Frauen noch Männern war es gelungen, die Qualifikationsnorm für die Spiele zu erreichen.

41,609 Sekunden. Zum Vergleich: das sind 4,227 Sekunden weniger, als die amtierende Deutsche Meisterin für die gleiche Strecke in ihrem Finallauf benötigte. Innerhalb des Eisschnellaufs eine halbe Ewigkeit. Doch Titelträgerin Betty Moeske ist lange nicht an ihrer Leistungsgrenze angekommen. Zumindest hat die 22-jährige Rostockerin noch einiges vor in ihrer Sportkarriere. Eine Teilnahme bei Olympia 2030 kann sie sich durchaus vorstellen. Und ihre kürzlichen DM-Erfolge (Gold über die 500 Meter sowie Silber über die 1.000 und 1.500 m) sind trotz des internationalen Abstands keineswegs kleinzureden. Für sie und ihren Heimverein, den ESV Turbine Rostock, ist das eine ganz starke Bilanz auf nationaler Bühne.

Betty Moeske ist Sportsoldatin und Sozialmanagement-Studentin, seit 2024 zudem Teil der Nationalmannschaft am Bundesstützpunkt in Dresden unter Cheftrainer Daniel Zetzsche. Für ihre Erfolge und Ziele arbeitet sie um die 36 Stunden pro Woche. In 11 Einheiten an 6 Tagen trainiert sie auf dem Eis, im Kraftraum und auf dem Rad. „Alles auf dem Eis geht gut, das Eislaufen macht mir schon am meisten Spaß an der Sache“, sagt sie und fügt an: „Was ich lieber meiden würde, ist der Kraftraum aber hilft ja nichts. Im Sommer, wenn es nicht so viel Eistraining gibt, gehen Laufen und Radeinheiten gut. Imitation also auf dem Land ist da ziemlich hart manchmal.“ Ihre Anfänge machte die 1,64 m große Athletin, die die Kanadierin Kim Boutin zu ihren Vorbildern zählt, beim Rostocker Energiesportverein. Und noch heute ist sie diesem eng verbunden. Nationale Wettbewerbe wie die DM bestreitet sie weiterhin für den ESV.

Am 24. Januar gewann Betty Moeske (Mitte) DM-Gold in Dresden. (Foto: © Paul Radtke)

„Short Track ist eine Einzelsportart aber im Training geht es einfach nicht ohne Team.“

Interview

Betty, herzlichen Glückwunsch nachträglich zu deinem DM-Sieg. Du hast deinen Titel über die 500 Meter aus dem vergangenen Jahr verteidigt. Dazu kam jeweils Silber über die 1.000 und 1.500 Meter. Das war schon dein Ziel, oder?

Ja, besonders die 500m waren mir wichtig. Ich bin froh, dass ich da erneut Deutsche Meisterin werden konnte.

Du bist in Dresden als eine der Favoritinnen angetreten, hast das 500-Meter-Finale mit knapp 6 Zehnteln Vorsprung für dich entschieden. Gab es vielleicht trotzdem eine Angstgegnerin im Feld?

Es gab keine Angstgegnerin, weil ich vor allen, die im Finale neben mir an der Linie stehen, gleichermaßen Respekt habe.

Für deinen Sieg in der JOYNEXT Arena Dresden gab es eine Medaille und einen Handschlag (während es bei manch anderen Sportarten Preisgelder gibt). Dein Equipment kannst du dir davon aber nicht finanzieren. Was würdest du dir für die Zukunft von DM und Co. wünschen?

Vermissen tue ich eigentlich nichts. Für die Zukunft würde ich mir einfach wünschen, dass die Sportart an sich ein höheres Prestige erreicht. In dem Fall wären der Titel und die Medaille natürlich noch wertvoller für mich und diese Erfolge könnten noch etwas größer gefeiert werden. Aber ich bin auch Sportsoldatin und habe dadurch die Möglichkeit mir die nötige Ausrüstung zu kaufen. Je nach Equipment versuche ich da die besten Entscheidungen zu treffen. Im Wettkampf spielt die Ausrüstung einerseits wegen offizieller Regularien eine große Rolle, also bspw. weiße Handschuhe oder Ersatzkufen aber vor allem muss die Ausrüstung im Wettkampf stimmen, um die Leistung bestmöglich zu unterstützen.

Dennoch ist Sponsoring immer ein Thema im Leistungssport. Was braucht es, damit Betty Moeske zukünftig mit der internationalen Spitze mithalten kann?

Einerseits ist das Material, was es braucht, um perfekt ausgestattet zu sein für Training und Wettkampf nicht unbedingt günstig im Short Track. Außerdem sind Trainingslager etwas, wovon wir und unser Training profitieren können. Das sind die Punkte, wo ein Sponsoring durchaus hilfreich sein kann.

In Mecklenburg-Vorpommern wird Short Track nur in Rostock professionell trainiert. Innerhalb Deutschlands sind es nur wenige Stützpunktvereine. Was bedarf es deiner Meinung nach um die Disziplin international konkurrenzfähig zu gestalten?

Ich denke, Short Track muss viel Attraktiver werden bzw. die vorhandene Attraktivität muss besser an die Leute gebracht werden. Dann braucht es sehr viel und gute Arbeit im Nachwuchsbereich, denke ich. Und um nochmal auf das Sponsoring zurückzukommen, dass vielleicht Professionalität, die auch ausgestrahlt wird, durch Sponsoren, die sich entscheiden, Short Track zu fördern dazu beitragen, dass das öffentliche Bild der Sportart wahr- und ernstgenommen wird.

Du bist seit geraumer Zeit Teil der Nationalmannschaft in Dresden, trittst bei Wettbewerben aber weiterhin für Turbine Rostock an. Der Wechsel zum ESV Dresden kommt für dich also nicht in Frage?

Ich bin nach Dresden gegangen um ein Teil der Nationalmannschaft werden zu können. Auch in anderen Sportarten ist so ein Wechsel nicht unüblich. Der ETR ist mein Verein und hier in Dresden trainiere ich mit meinem Team D. Natürlich ist Short Track eine Einzelsportart aber im Training geht es einfach nicht ohne Team.

Betty Moeske zählt zu Deutschlands besten Shorttrackläuferinnen. (Foto: © Paul Radtke)
Eine Woche vor deinen DM-Erfolgen hast du bei den Europameisterschaften teilgenommen und einen neuen Vereinsrekord aufgestellt. Dein Fazit?

Ich freue mich, über jeden Vereinsrekord, den ich aufstelle und hoffe ich breche in der Zukunft noch einige. Bei dieser EM konnte ich mich bisher International am besten platzieren (Anm. d. Red.: Platz 2 im B-Finale mit der Mixed-Staffel), habe aber auch gemerkt, dass es noch Luft nach oben gibt. Ich hatte viel Spaß, habe aber auch Blut geleckt.

Welche Großevents und Vorhaben stehen für 2026 noch auf deinem Turnierplan?

Jetzt im März steht noch die Weltmeisterschaft dieser Saison, in Kanada an, da habe ich mir noch mal viel vorgenommen. Danach geht es dann in die Saisonpause. Ab September stehen wieder Wettkämpfe an und da habe ich als Ziel, mich wieder für alle bevorstehenden World Tour Stopps zu qualifizieren.

Gibt es im Shorttrack eigentlich sowas wie eine Weltrangliste? Wo stehst du derzeit und was meinst du, ist noch machbar?

Ich habe aktuell die Qualifikationen für den Perspektiv Kader. Im Short Track gibt es die Listung nach der Best-Zeit und jede Saison entsteht ein Ranking aus den Wettkämpfen der World Tour. Diese sind jedoch nur aussagekräftig, wenn alle Sportlerinnen bei jeder World Tour teilnähmen. Ich möchte erst mal nichts ausschließen, ich bin noch jung und bin selbst gespannt darauf, und freue mich darauf zu sehen, was in den nächsten Jahren und dann auch zu Olympia 2030 bei mir so drin sein wird.

Die 500 Meter sind deine Paradestrecke. Wo siehst du deine Stärken?

In den letzten Jahren konnte ich vor allem meinen Top Speed verbessern, also meine schnellste Rundenzeit. Die versuche ich weiter auszubauen und hoffe, damit dann oben anzuknüpfen.

Verrätst du auch deine Schwächen?

Also ich glaube, solange ich noch nicht um die Medaillen mitlaufe, gibt es eigentlich jeden Tag im Training noch mehrere Schwächen, an denen ich arbeiten muss. Die sind dann aber sehr Short Track spezifisch.

Wenn nicht Sport auf Kufen, in welcher Sportart würdest du dich sehen?

Wenn es was anderes als Short Track sein müsste und ich die Kufe ganz hinter mir lasse, würde ich trotzdem im Wintersport bleiben und mich für Ski-Abfahrt oder Snowboard Halfpipe entscheiden. Da habe ich in meiner Freizeit immer viel Spaß gehabt. So generell sollte ich mich wahrscheinlich eher von Ballsportarten fernhalten.

Wie bist du eigentlich zum Short Track gekommen?

Ich hatte als Kind vieles ausprobiert, Schwimmen, Fußball, Leichtathletik. Nichts war so richtig was für mich. Bei uns war damals die Eishalle in der Freizeit sehr beliebt und da sind wir dann irgendwie auf ein Schnuppertraining aufmerksam geworden, da bin ich dann mit meiner Mama zusammen hin und ich kann mich eigentlich nur daran erinnern, wie mir das Eislaufen von Sekunde 1 an super Spaß gemacht hat. Wir waren dann froh, dass ich was gefunden hatte und während ich eigentlich schon dabei war habe ich Short Track dann auch erst so richtig kennengelernt.

Die DESG schreibt, dass du Kochen zu deinen Hobbies zählst. Welche Bedeutung hat es in deinem Leben?

Also das Thema Ernährung ist relativ Präsent bei mir und es macht mir Spaß immer wieder neue Wege zu finden den Sport so gut es geht auch über den Lebensmittelweg positiv zu beeinflussen und gut zu ergänzen. Ich versuche mich auf dem Gebiet auch stetig weiterzuentwickeln und neues zu lernen. Der Aktivität Kochen kann ich ehrlich gesagt nicht ganz so viel abgewinnen, meine Mitbewohnerinnen und ich ergänzen uns da aber zum Glück super, und die übernehmen das dann auch häufig.

Vielen Dank und dir viel Erfolg im März.