Ein Meilenstein: Oberliga und Nachwuchsliga für den Nord-Osten neu ins Leben gerufen | Leistungsturnerinnen aus Rostock, Greifswald und Neubrandenburg überzeugen beim Saisonstart in Großhansdorf mit zwei Teamsiegen
Von Nervosität war da kaum etwas zu merken – trotz Ligapremiere. Souverän und mit beeindruckender Körperbeherrschung präsentierten MVs beste Turnerinnen am ersten Maiwochenende ihre Küren. Das Ergebnis: Sowohl die Landesauswahl der 9 bis 15-Jährigen als auch die der 15 bis 24-Jährigen setzten sich gegen die versammelte Konkurrenz durch und holte sich den Tagessieg.
Ort und Anlass des Gerätturn-Wettbewerbs waren dabei eine ganz besonderer. Eine absolute Premiere. Denn am Sonntag war Saisonstart der neu ins Leben gerufenen Nord-Ost-Oberliga sowie der Nord-Ost-Nachwuchsliga. Einen Tag zuvor fanden sich in der Sporthalle im Schulzentrum Großhandsdorf bereits alle 16 Mannschaften der 3. Bundesliga Nord und der Regionalliga Nord zur eigenen Wettkampferöffnung ein. Für viele eine erste Standortbestimmung nach der Wintervorbereitung. Ein wahrliches Turnfest also.
Für den gastgebenden SV Großhansdorf war die Mammutveranstaltung indes keine alltägliche Angelegenheit. Auch weil man mit dem Bundesliga-Wettkampf erst zum zweiten Mal (nach 2023) einen solchen ausrichtete. Dazu die beiden Nord-Ost-Ligen. Während die Regional- und Bundesligen in der Hand der Deutschen Turnliga (DTL) liegen, werden die unteren Klassen nicht von dieser verantwortet. Der Punkt wird im weiteren Verlauf noch einmal wichtig sein. Die Großhansdorfer Turnerschaft vollbrachte jedenfalls das Unmögliche und sorgte zwei Tage lang für eine professionelle Umgebung für alle anwesenden Turnerinnen, deren Coaches und Fans.
Dass nun am 3. Mai auch der Hanseturnverein Rostock ins Ligageschehen eingreifen konnte, ist der Novellierung der Nord-Ost-Ligen zuzuschreiben – im wahrsten Sinne des Wortes ein Meilenstein für MVs Vereine. Denn nachdem die Oberliga in Schleswig-Holstein bereits seit mehreren Jahren existierte, wurde der Ligabetrieb nun endlich auch für das Nachbarbundesland geöffnet. Federführend dabei die beiden kooperierenden Vereine HTV Rostock und SV Großhansdorf.
„Für den Hanseturnverein Rostock stand die Teilnahme an der neuen Liga schon früh fest. Auch die HSG Uni Greifswald zeigte Interesse.“, weiß Greifswalds Nachwuchstrainerin Janin Ahne. Doch in Mecklenburg-Vorpommern gebe es bislang nur wenige Turnerinnen, die den Anforderungen an allen vier Geräten gerecht werden, erzählt sie. „Deshalb entschied Landestrainerin Inga Palm, die HTV-Mannschaften für weitere Vereine aus M-V zu öffnen.“ Heißt, sowohl in der Nord-Ost-Oberliga als auch in der Nord-Ost-Nachwuchsliga starten MVs Kunstturnerinnen offiziell für den HTV Rostock. Die Betreuung der jungen Athletinnen wird jedoch und soweit möglich von deren jeweiligen Heimtrainerinnen abgedeckt. „So können alle gemeinsam erste Ligaerfahrungen sammeln und perspektivisch über eigene Teams im nächsten Jahr nachdenken“, fügt Ahne an.
In der neuen Nachwuchsliga abgeliefert
Sonntag, 10:15 Uhr: das MV-Aufgebot stand nun endlich vor seiner Ligapremiere. Als erstes waren die bis 15-jährigen Turnerinnen an der Reihe. In der Luft der Turnhalle des Emil von Behring Gymnasiums lagen gefühlt noch die Küren des Vortags. Würde das dem jungen HTV-Team Aufwind geben? Definitiv ja. In der Nachwuchsliga lief zwar noch nicht alles perfekt – inklusive einiger Stürze am Balken. Dennoch überzeugten Tilda, Mette, Lulu und Kücken Romi (alle HTV) sowie Paula (PSV Rostock), Amélie und Mine (beide HSG Uni Greifswald) mit vielen starken Leistungen und sicherte sich verdient den Tagessieg. Ganz zur Freude der drei verantwortlichen Trainerinnen Janin Ahne, Jeannine Staat und Inga Palm.

Tilda erzielte dabei das beste Mehrkampfergebnis und die höchsten Wertungen am Boden und Barren. Amélie eröffnete den Wettkampf mit einer ausdrucksstarken Bodenübung und sammelte wichtige Punkte. Lulu zeigte erstmals einen Rückwärtssalto am Boden, während Romi ihre erste Felge am Barren präsentierte. Paula überzeugte insbesondere am Sprung und Balken und trug auch am Barren zum Mannschaftsergebnis bei. Mine sprang kurzfristig ein und zeigte eine starke Balkenübung.
Tageshöchstwertungen, Höchstschwierigkeiten, bestes Mehrkampfergebnis in der Oberliga
In der Oberliga wurde das von Jeannine Staat und Inga Palm betreute HTV-Team durch die beiden Rostocker Leistungsträgerinnen Hanna Chrobak und Leni Böhm verstärkt, die bereits am Vortag in der Regionalliga – hier allerdings in den Diensten des SV Großhansdorf – ganz starke Auftritte zeigten. Und genau hier kommt die Regelung zum tragen, dass man innerhalb der DTL zwar nur in einer Liga turnen darf, die Nord-Ost-Oberliga aber eben nicht Teil der DTL ist. Somit dürfen Chrobak und Böhm sowohl für den SVG als auch für den HTV antreten.
Neben diesen beiden griffen Pia Gräbner (SV Turbine Neubrandenburg), Hanna P. (HSG Uni Greifswald), Maxie Mohncke und Fée Warsow (beide HTV) in die am Nachmittag startenden Wertungskämpfe ein. Das junge MV-Team – alle sechs Turnerinnen sind zwischen 15 und 24 Jahre alt – zeigte sich sogleich mit überragenden Leistungen. Beginnend mit Pia Gräbner, die mit ihrer Bodenübung für einen starken Auftakt sorgte. Die 16-jährige Hanna Chrobak turnte als Einzige alle vier Geräte, erzielte das beste Mehrkampfergebnis sowie die Tageshöchstwertung am Balken und die zweithöchste Wertung am Boden. Leni Böhm überzeugte ihrerseits am Sprung und sicherte sich dort die Tageshöchstwertung. Hohe Jury-Wertungen steuerten auch Maxie, Leni und Hanna P. bei. Ebenso die gebürtige Brandenburgerin Fée Warsow, die trotz kleiner Unsicherheiten eine der schwierigsten Barrenübungen zeigte. „Wir Trainerinnen sind unglaublich stolz auf unsere Schützlinge“, betont Greifswalds Trainerin Janin Ahne. Denn genau wie zuvor die Jüngeren sicherte sich nun auch das Oberliga-Sextett den Tagessieg.
Doch bevor man zur abschließenden Siegerehrung übergehen konnte, galt es noch gemeinsam mit anzupacken. Und das war mindestens so beeindruckend wie die turnerischen Leistungen. Wie unzählige kleine Ameisen packten alle anwesenden Turnerinnen, Betreuerinnen und Begleiter tatkräftig mit an. Innerhalb einer einzigen Stunde wurde die professionelle Wettkampfstätte mit all ihren Geräten, Matten und Aufbauten in ihren Ursprungszustand zurückversetzt. Allein um den Sportboden abzubauen, bedurfte es mehrere Dutzend Helferinnen. In seine vielen Einzelteile zerlegt und auf Rollwägen weggefahren war nach rund 50 Minuten nichts mehr von ihm zu sehen; stattdessen der gewohnte Linoleum-Sporthallenboden mit den diversen Spielfeldlinien.
Zwei Teamsiege bei der Ligapremiere. Die Ausbeute für Mecklenburg-Vorpommerns Turnerinnen hätte nicht stolzer sein können. In Richtung der Gastgeber lässt das Trainerteam abschließend wissen: „Wir bedanken uns herzlich beim SV Großhansdorf für die Ausrichtung sowie bei allen Mannschaften für die tolle Atmosphäre vor Ort.“ Eine ähnliche Stimmung erhofft man sich nun auch für den 2. Termin. Weiter mit den beiden Nord-Ost-Ligen geht es allerdings erst am 4. Oktober. Dann sind unsere besten Nachwuchsturnerinnen in Kiel gefordert.
red
