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Jung, ehrgeizig, erfolgreich: Tennisass Jolien Ueberschär ist MVs unangefochtene Nummer 1

„Ich will mich sportlich weiterentwickeln und perspektivisch auch international Turniere spielen“

MVs Tennistalent Jolien Ueberschär (TV Warnemünde) hat bei den Hallenlandesmeisterschaften den Wettbewerb der Frauen für sich entschieden. Auf dem Weg zum Titel ließ die 17-Jährige keine Zweifel an ihrer aktuellen Form aufkommen und krönte sich in Stralsund verdient zur Landesmeisterin. Überraschend ist das nicht. Immerhin gilt Ueberschär, die seit 2021 dem TV Warnemünde angehört, im Mannschaftsspielbetrieb allerdings für den TuS Lübeck in der Nordliga aufschlägt, seit Jahren zu den vielversprechendsten Talenten Mecklenburg-Vorpommerns. Im Sommer 2025 gewann die hochgewachsene Schülerin bereits die Verbandsmeisterschaft auf Sand. Nun also ihr nächster Glanzpunkt.

Doch der Erfolg kommt nicht von Ungefähr. Für Überschär bedeutet das 10 bis 12 Stunden Training pro Woche sowie Turnierteilnahmen an den Wochenenden. Begleitet wird sie dabei seit Jahren von Heimtrainer Peter Walczak aber auch von Bruder Antonius, der als Headcoach an der „Leistungstennisschule-MV“ wirkt. Doch die Leistungsdichte in MV ist dünn. Viele Tennistalente, darunter Namen wie Niels McDonald (Schwerin) oder Jolie und Isabella Abendroth (Rostock), verweilen seit längerem schon außerhalb unserer Landesgrenzen. Nachvollziehbar, gerade weil Mecklenburg-Vorpommerns Herren- und Damenmannschaften nicht über die Oberliga hinaus aufschlagen. Und der von Joliens Vater, Sven Ueberschär, vor Jahren erhoffte „Ruck in der Tenniswelt von MV“ ist bis heute nur langsam zu erkennen.

Auch die Warnemünderin, die ihrem Club zwar weiterhin verbunden ist, braucht für ihre sportliche Entwicklung höherklassige Spiele. „Ich wurde bei einem Turnier in Schleswig-Holstein gefragt wurde, ob ich für Lübeck in der Nordliga spielen möchte“, erklärt sie ihr Engagement für den schleswig-holsteinischen Club. Sie ist dort als erste Dame gemeldet. Was dann noch einen zusätzlichen Wehrmutstropfen mit sich bringt. Innerhalb der DTB-Rangliste der Frauen taucht Überschär nicht als Spielerin Mecklenburg-Vorpommerns auf. Lübecks Nummer zwei (zumindest auf dem Papier) ist mit der Neubrandenburgerin Emma Ansorge ebenfalls keine Unbekannte. Da die 20-Jährige für ihr Studium in den USA verweilt, wird sie in dieser Wintersaison wohl nicht allzu oft für die Hansestädter zum Einsatz kommen.

Dass Jolien Ueberschär – zu ihren Vorbildern zählt sie die aktuelle Nummer 1 der WTA-Weltrangliste, Aryna Sabalenka, sowie die Ukrainerin Marta Kostjuk – in ihrer eigenen Karriere noch viel erreichen will, steht außer Frage. Was genau, das hat sie uns verraten.

Jolien Ueberschär (Foto: ZVG)

Interview mit Jolien Ueberschär

Nach Platz drei 2024 und Silber im vergangenen Jahr hast du nun den Titel in der Halle eingeheimst. Das war absolut dein Ziel, oder?

Der Gewinn des Landesmeistertitels in diesem Jahr definitiv mein Ziel. Ich hatte mir fest vorgenommen, den Titel diesmal zu holen, und bin sehr zufrieden, dass mir das gelungen ist. Auch wenn ich als Favoritin nach Stralsund gereist bin und das Finale deutlich in zwei Sätzen gewinnen konnte (Anm. d. Red. 6:1 und 6:0 gegen die Parchimerin Tabea-Sophia Saubert), hatte ich im Teilnehmerfeld keine ausgesprochene Angstgegnerin.

Für den Sieg im Hansedom gab es sogar ein Preisgeld von 200 Euro für dich? Ein neuer Schläger oder ne gute Party mit Freunden?

Das Preisgeld werde ich weder für einen neuen Schläger noch für eine Party ausgeben – ich spare es für kommende Turniere.

Innerhalb Mecklenburg-Vorpommerns ist die Anzahl an leistungsorientiert spielenden jungen Frauen doch sehr überschaubar. Zudem verlassen immer wieder ambitionierte Spielerinnen das Bundesland. Was würdest du dir in diesem Punkt wünschen? Hast du selbst schon einen Plan, wie es bei dir nach der Schule weitergehen wird?

Ja, die die Anzahl leistungsorientiert spielender junger Tennisspielerinnen ist eher gering. Ich würde mir wünschen, dass es hier langfristig mehr Perspektiven und Unterstützung für ambitionierte Spielerinnen gibt. Konkrete Pläne für die Zeit nach der Schule habe ich aktuell noch nicht, mein Fokus liegt klar darauf, mich sportlich weiterzuentwickeln, in der Rangliste weiter nach oben zu kommen und perspektivisch auch international Turniere zu spielen.

Welche Großevents und Vorhaben stehen denn auf deinem Turnierplan?

Mit den Erfolgen in der Halle und auf Sand im Rücken möchte ich 2026 vor allem hochrangige nationale Damenturniere in ganz Deutschland spielen. Außerdem plane ich, erste Erfahrungen bei internationalen Damenturnieren zu sammeln. In der Sommersaison werde ich zusätzlich für Blau-Weiß Berlin in der Regionalliga antreten – noch eine Spielklasse höher als bisher.

Du und dein Bruder seid schon lange tennissportlich aktiv. Antonius zeigt sich zudem als Trainer für die hiesige Nachwuchsförderung mitverantwortlich. Dein Vater war von 2019 bis 2022 für den TMV als Jugendwart tätig. Dreht sich bei euch zu Hause alles ums Thema Tennis oder brauchst du auch mal eine Filzball-Auszeit?

Tennis spielt in meiner Familie eine sehr große Rolle. Mein Bruder Antonius ist nicht nur schon lange mein Trainingspartner, sondern auch mein Co-Trainer mit B-Lizenz und wirkt in der neuen Leistungstennisschule MV mit. Mein Vater war mehrere Jahre ehrenamtlich für den Verband tätig. Ganz ohne Tennis geht es bei uns zu Hause kaum – auch am Küchentisch ist der Sport oft Thema. Durch die Schule habe ich aber trotzdem regelmäßig auch andere Dinge im Kopf.

Auf welchem Belag spielst du am liebsten, wo siehst du deine Stärken? Zumal du mit deiner Körperhöhe von 1,92 Meter (etwas mehr als der Durchschnitt der aktuellen Top 10 der männlichen Weltelite) schon eine beeindruckende Präsenz auf dem Platz bist und deine Spannweite dir sicherlich enorme Vorteile beschert.

Am liebsten spiele ich auf Hardcourt und Teppich, da mein schneller Aufschlag und mein offensiver Spielstil dort besonders gut zur Geltung kommen und die Punkte oft schnell entschieden sind. Draußen schätze ich vor allem die Atmosphäre. Durch meine Körpergröße sehe ich große Vorteile in meinem Aufschlagspiel und in der Möglichkeit, sehr gute Winkel zu spielen.

Und deine spielerischen Schwächen?

Als spielerische Schwächen würde ich meine Schnelligkeit sowie das tiefe Spiel aus der Defensive nennen.

Du stehst aktuell auf Platz 31 im DTB-Ranking der Juniorinnen (Stand 31.12.2025). In der offenen Klasse stehst du national auf Position 172. Wird dich der Landesmeistertitel noch weiter nach vorn bringen? Was meinst du, sind die Top 50 machbar?

Das stimmt. Der Landesmeistertitel hat mir wichtige Ranglistenpunkte gebracht, durch die ich mich bereits deutlich nach vorne schieben konnte. Die Top 50 der offenen Klasse halte ich bei einer weiterhin positiven Entwicklung auf jeden Fall für machbar.

Und wie sieht es in puncto DTB-Nachwuchskader aus?

Die steht aktuell noch aus, ist aber ein mögliches Ziel für die kommenden Jahre.

Wenn du nicht Tennis spielen würdest, in welcher Sportart könntest du dich sehen?

Ich könnte ich mir gut vorstellen, Volleyball zu spielen.

Was braucht es, damit eine Jolien Ueberschär auch zukünftig Tennis auf hohem Niveau spielen kann?

Sponsoring ist ein wichtiges Thema – insbesondere zur Finanzierung internationaler Turniere, also für Reisen und Verpflegung, aber auch für Kleidung und gegebenenfalls Equipment. Letzteres ist für mein Spiel zwar wichtig – ich spiele beispielsweise mit einem Schläger der Marke Artengo – steht für mich aber immer hinter Training, Einstellung und Spielqualität zurück. Und wie gesagt, Preisgelder wie das der Hallenlandesmeisterschaften verwende ich für kommende Turniere.

Dazu kommt die langjährige Unterstützung deiner Eltern. Übrigens: dein Vater ist Geschäftsführer der Honigprinz-Imkerei. Welche Bedeutung hat denn Honig in deinem Leben?

Honig gehört zwar nicht zu meinen Lieblingslebensmitteln, hilft mir aber sehr gut, wenn ich krank bin.