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Mit EM-Bronze in der Tasche durch die ganze Welt

Lillyana Seidler aus Neubrandenburg fuhr in Darmstadt ihren ersten großen internationalen Erfolg ein: Bronze bei der Freestyle Europameisterschaft. Als nächstes stehen für die 19-Jährige Stationen in Shanghai, Saudi-Arabien und Japan auf dem Programm. Die Olympiateilnahme 2028 ist dabei ihr großes Ziel.

Eingestellt von MV-Sport.de
Lillyana Seidler bei ihrem Finalrun (Foto: © UEC)

Sie gehört zu Europas Besten – BMX-Freestyle-Profi Lillyana Seidler. Und in zwei Wochen geht es für die 19-jährige Neubrandenburgerin, die schon auf unzähligen Skateparks der Welt spektakuläre Runs hinlegte, zur nächsten Station. Vom 13. bis 19. Oktober trifft sich die BMX-Elite der Disziplinen Park und Flatland zum World Cup in Shanghai. Dass sich Seidler dort in hervorragender Form beweisen wird, ist anzunehmen. Gerade erst sicherte sie sich beim international stark besetzten Park-Wettkampf "Urban Sessions" in der belgischen Hauptstadt Brüssel den 5. Platz.

Doch Seidler kann noch mehr. Denn der ganz große Wurf gelang ihr vor einem Monat in Darmstadt. Im dortigen Bikepark gewann die Senkrechtstarterin Bronze bei der UEC Park Europameisterschaft, und damit ihre erste internationale Medaille. Nach zwei fabelhaften Finalruns (85,30 und 86,12 Punkte) konnte die amtierende Deutsche Vizemeisterin nicht nur ihre Teamkameradinnen Müller und Lessmann hinter sich lassen. Auch die europäische Konkurrenz hatte in der gut besuchten Eventlocation wenig mitzureden. Einzig die Ungarin Noémi Molnar sowie die Britin Kitty Joseph brachten ihre Landungen, Lines und Transfers noch besser durch. Europameisterin Molnar kam in ihrem zweiten 60-Minuten-Run sogar auf fast perfekte 93 Punkte.

Für Freestyle-Bundestrainer Mark König kam die Medaille der Neubrandenburgerin nicht überraschend: "Wir haben damit schon geplant", verriet der Ex-Profi im Anschluss. Während Seidler damit ihren ersten großen internationalen Erfolg feiern durfte, verlief das EM-Finale für Teamkameradin Kim Lea Müller absolut nicht nach Wunsch. Als Titelverteidigerin angereist, stützte sie zweimal und landete damit nur auf dem 10. Platz. Die dritte Deutsche, Lara Marie Lessmann, sicherte sich Rang 7.

v.l.: Kitty Joseph, Noémi Molnar und Lillyana Seidler auf dem Podium in Darmstadt (Foto: © UEC)

"Wäre gerne einmal beim NDR zu Gast"

Auch wenn BMX Freestyle und die Disziplin Park in Deutschland ein absoluter Nischensport ist, geht es für die Radsportprofis regelmäßig um die Ganze Welt. Seidler kennt und liebt das. Immerhin gehört die 19-Jährige bereits seit 2023 zum deutschen Bundeskader, nimmt seitdem als Profisportlerin an den internationalen Wettkämpfen teil. Unterstützt wird sie dabei von einzelnen Sponsoren sowie der Deutschen Sporthilfe. Ob der EM-Titel ihr und dem Sport neue Aufmerksamkeit geschenkt hat, kann sie derweil klar mit nein beantworten: "In meinem Umfeld hat sich bisher nicht besonders viel verändert. Es ist eigentlich alles relativ normal geblieben." Der Wunsch nach mehr gesellschaftlicher und medialer Aufmerksamkeit ist so auch für Seidler kein fremder. Und dann ergänzt sie: "Ich wäre wahrscheinlich gerne einmal beim NDR zu Gast. Der wäre für mich eine gute Möglichkeit, den Sport noch mehr in die Öffentlichkeit zu bringen."

Dass das Ergebnis der Europameisterschaft in die Qualifikationswertung für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles eingeht, ist für Seidler ein wichtiger Punkt. Immerhin ist eine Olympiateilnahme ihr erträumtes Ziel. Allerdings werden am Ende der Qualifikationswettkämpfe der Frauen gerade einmal nur die besten zwölf Fahrerinnen für LA '28 zugelassen. Ihre Chancen sieht sie jedenfalls als gut an. Beweisen kann sie ihre Form im World Cup sowie bei der im November anstehenden WM.

Wie die Wahl-Berlinerin und MV-Rückkehrerin ihren EM-Erfolg bewertet und was sie noch so umtreibt, verriet sie im Interview.

60 Sekunden für den perfekten Run – Im Darmstädter Bikepark punktete Lillyana Seidler mit ihrem anspruchsvollen Fahrstil. (Foto: © UEC)

Interview

Lllyana, nachträglich noch einmal Glückwunsch zu deiner EM-Bronzemedaille. Beschreibe doch bitte zuerst einmal einem BMX-Laien deine Disziplin.

Danke. Kurz gesagt fährt man beim BMX Freestyle Park mit 20-Zoll-Rädern – also deutlich kleineren Fahrrädern als im Alltag – über Rampen, die teilweise mehrere Meter hoch sind, und zeigt dabei verschiedene Tricks. Dabei versucht man, die Tricks möglichst sauber, hoch und kreativ auszuführen. Die Runs werden von den Judges bewertet und können maximal 100 Punkte erreichen.

Haben dir besondere Tricks, dein Stil oder besondere Skills Bronze gesichert?

Meiner Meinung nach war das Trick-Niveau bei diesem Wettkampf insgesamt sehr hoch, ich konnte aber durch viel Training und eine gute Vorbereitung gut mithalten. Mit meinem technischen, gleichzeitig aber auch anspruchsvollen Fahrstil konnte ich bei den Judges punkten. Ich glaube, die Kombination aus Schwierigkeit, Technik und sauberer Ausführung hat mir letztendlich geholfen, die Bronzemedaille zu gewinnen.

Kanntest du den Bikepark Darmstadt schon? Wie kamst du mit den Gegebenheiten klar?

Ich kannte den Park in Darmstadt schon sehr gut. Dort haben bereits zweimal Deutsche Meisterschaften stattgefunden. Als feststand, dass die Europameisterschaft dort ausgetragen wird, hatten wir außerdem mehrere Trainingslager im Park. Dadurch war ich mit den Gegebenheiten sehr vertraut und konnte mich dort gut auf den Wettkampf vorbereiten.

Dein Fokus im Finallauf?

Vor jedem Wettkampf habe ich eine kleine Routine, die ich durchgehe, um mich vollständig zu fokussieren. Sie gibt mir Sicherheit und Ruhe und hilft mir dabei, auch in Drucksituationen konzentriert zu bleiben und mich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Trotzdem war dieser Wettkampf besonders aufregend, weil ich wusste, dass ich eine echte Chance auf eine Medaille habe. Gleichzeitig wollte ich natürlich auch die deutsche Flagge und das deutsche Team würdig vertreten.

Was sagst du zum Sturz von Kim Lea Müller?

Stürze gehören leider zu einer so risikoreichen Sportart wie BMX dazu. Ich habe Kim auch schon im Practice fahren sehen und dort hat sie viele starke Tricks gezeigt. Sie hatte meiner Meinung nach ebenfalls sehr gute Chancen auf einen Podiumsplatz. Es ist natürlich nie schön, einen Teamkollegen oder eine Teamkollegin stürzen zu sehen. Gleichzeitig unterstützen wir uns im Team sehr und freuen uns auch über die Erfolge der anderen.

Was für ein Bike hast du gefahren? Hast du vor dem Turnier noch Veränderungen am Equipment vorgenommen?

Alle Teile an meinem BMX stammen von meinen Sponsoren, also von BSD, KHE und Sportimport. Ich bin kein Fan davon, kurz vor einem Wettkampf noch etwas an meinem BMX zu verändern. Ich möchte mich immer ausreichend auf neue Teile einfahren und erst einmal herausfinden, ob sie wirklich zu mir und meinem Fahrstil passen. Ende Mai dieses Jahres habe ich mein BMX mit einem neuen Rahmen etwas leichter gemacht, um Tricks noch schneller und einfacher ausführen zu können. Mit dem Setup bin ich sehr zufrieden und fühle mich damit sehr wohl.

Beim BMX Freestyle Park entscheidet nicht allein der spektakulärste Einzeltrick. (Foto: © UEC)

"Möchte die Sportart gerne noch stärker in Mecklenburg-Vorpommern integrieren."

Stichwort Sponsoring: Wie finanzierst du deine Profi-Karriere?

Meine Hauptsponsoren sind Homeboy, KHE Bikes, BSD BMX, die Sporthilfe und Sportimport. Ich bin bereits seit 2023 im deutschen Bundeskader und nehme seitdem auch an internationalen Wettkämpfen als Profisportler teil. Meine Sportkarriere finanziere ich durch die Unterstützung der Sporthilfe, Preis- und Wettkampfgelder sowie durch BMX-Shows, die ich gelegentlich fahre.

Und hat sich deine Medaille positiv ausgewirkt? Wie hat die Presse reagiert?

Da BMX nach wie vor eine eher kleine Randsportart ist, hat sich in meinem Umfeld bisher nicht besonders viel verändert. Neue Sponsoren sind dadurch bislang nicht dazugekommen. Ein paar Leute haben mich angeschrieben und wollten Interviews oder Antworten auf Fragen von mir. Ansonsten ist eigentlich alles relativ normal geblieben. Was ich mir aber besonders wünsche, ist, dass ich für die Kinder und Jugendlichen, die mich an diesem Wochenende gesehen haben, ein Vorbild sein kann und vielleicht einige dadurch selbst mit BMX anfangen.

Du sagst, du wärst gerne einmal beim NDR zu Gast.

Ja, ich würde meine Sportart gerne noch stärker in meiner Heimatregion integrieren, weil es dort meiner Meinung nach noch zu wenige Möglichkeiten für Kinder und Jugendliche gibt, BMX auf einem guten Niveau zu trainieren. Der NDR wäre für mich eine gute Möglichkeit, den Sport und die Möglichkeiten, die BMX bietet, noch mehr in die Öffentlichkeit zu bringen.

Was wünscht du dir von SportDeutschland?

Wie ich schon vorher erwähnt habe, wünsche ich mir einfach eine größere Präsenz von BMX in allen Bereichen. Ich würde die Sportart gerne noch stärker in Mecklenburg-Vorpommern integrieren, um jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, BMX auszuprobieren und vielleicht auch den Weg in den Leistungssport einzuschlagen. Durch meine Trainingsstätte in Berlin sehe ich, wie viele Jugendliche Lust auf diesen Sport haben. Genau diese Begeisterung würde ich gerne auch stärker in meine Heimat bringen.

Als nächstes möchte Lillyana Seidler in Shanghai an ihren EM-Erfolg anknüpfen. (© UEC)

"In Neubrandenburg habe ich das Gefühl, näher an den Menschen und Dingen zu sein."

Als Wahl-Berlinerin: Wie oft besuchst du denn deine Familie und deine Heimatstadt?

Ich bin mittlerweile wieder von Berlin nach Neubrandenburg gezogen, weil ich jetzt mit meiner Freundin dort zusammenwohne. Trainieren tue ich weiterhin regelmäßig in Berlin, aber mittlerweile auch wieder in Neubrandenburg. Dementsprechend versuche ich, mir immer ausreichend Zeit für meine Familie und Freunde zu nehmen. Das tut mir sehr gut, und ich habe gemerkt, dass ich diese Nähe zu meiner Heimat und meinem Umfeld auch brauche.

Und was magst du an Neubrandenburg am meisten?

Um ehrlich zu sein, mag ich Neubrandenburg vor allem deshalb, weil dort meine Freundin und meine Familie sind. Außerdem gefällt mir, dass die Stadt nicht so groß ist. In Berlin kann man sich auf Dauer schon einmal etwas verlieren. In Neubrandenburg habe ich dagegen das Gefühl, näher an den Menschen und Dingen zu sein, die mir wichtig sind.

Und an Berlin?

Ich mag Berlin, weil mir die Stadt sehr viel über mich selbst beigebracht hat und mich zu einem großen Teil zu dem Menschen gemacht hat, der ich heute bin und sein möchte. Durch meinen Umzug nach Berlin in jungen Jahren habe ich früh gelernt, selbstständig zu sein und mich um mich selbst zu kümmern. Berlin hat mich deshalb sowohl sportlich als auch persönlich sehr geprägt.

Wenn du zwischen beiden Städten hin und her reist, nimmst due dein Bike dann immer mit?

Mein BMX bleibt grundsätzlich in Berlin, weil ich dort hauptsächlich mein BMX-Training absolviere.

Wie sieht dein wöchentliches Training aus? Im Alltag und vor Wettbewerben wie der EM?

Mein Trainingsalltag sieht eigentlich jede Woche ziemlich ähnlich aus. Ich trainiere jeden Tag außer sonntags, versuche mir dabei aber bewusst auch ausreichend Zeit für Regeneration zu nehmen. Dabei ist nicht nur die körperliche Regeneration wichtig, sondern auch die mentale. Mein Sport fordert den Kopf sehr stark. Wenn man mental nicht frei ist, kann man auch kein gutes Training absolvieren. Vor wichtigen Wettkämpfen habe ich häufig Trainingslager oder passe mein Training in Berlin entsprechend an, um mich optimal auf den Wettkampf vorzubereiten.

Wie steht es um deine Olympia-Qualifikation für die Spiele 2028?

Als Nächstes steht der World Cup in Shanghai auf dem Plan. Danach folgen die Weltmeisterschaft in Saudi-Arabien und ein weiterer World Cup in Japan. Außerdem stehen noch einige kleinere Wettkämpfe an, bei denen ich weitere Punkte für die Weltrangliste sammeln möchte. Über die Qualifikationswettkämpfe können siech am Ende die zwölf besten Fahrer für die Olympischen Spiele qualifizieren. Wenn ich mich so weiterentwickle und die Leistungen zeige, die ich aktuell bringe, sehe ich meine Chancen auf jeden Fall als gut an. Bei Olympia dabei sein zu dürfen, ist definitiv ein großes Ziel und ein Traum von mir.

Welche Titel hättest du gerne? DM-Gold ist dir ja bisher verwehrt geblieben (Silber 2025 und 2026).

Klar steht die Goldmedaille bei der Deutschen Meisterschaft definitiv auf meiner Liste. Trotzdem würde ich mich auch gerne bei der Europameisterschaft noch weiter nach vorne kämpfen und bei den World Cups möglichst hohe Platzierungen erreichen. Mein Ziel ist es, mich international kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Hast du ein Lieblingsevent?

Ich glaube, ein einziges Lieblingsevent habe ich gar nicht. Ich mag eigentlich alle Wettkämpfe auf ihre eigene Art. Dieses Jahr war die Europameisterschaft aber wahrscheinlich das Event, das mir bisher am besten gefallen hat. Meine Familie und meine Freundin waren vor Ort, ich mag den Park in Darmstadt sehr gerne und zusätzlich fand die EM im eigenen Land statt. Dadurch war die Atmosphäre für mich einfach etwas ganz Besonderes.

Danke dir!

Das Interview mit Lillyana Seidler wurde schriftlich geführt.

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