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Vor der zweiten Saison: Der SV Warnemünde ist gekommen, um zu bleiben

Eingestellt von MV-Sport.de
Auf der großen Bühne angekommen: Der SV Warnemünde bei der Premiere in der Berliner Max-Schmeling-Halle. (Foto: Andreas Gora)

Warnemünde (VBL) - Die erste Bundesliga-Saison war für den SV Warnemünde ein Sprung ins Ungewisse. Inzwischen ist aus dem Abenteuer ein Projekt mit Perspektive geworden. Trotz zehn Niederlagen zum Auftakt gelang der Klassenerhalt, zugleich lockte der Verein Tausende Menschen in die Rostocker Hallen. In der zweiten Saison im Oberhaus will sich der einstige Aufsteiger mit mehr Erfahrung, großen Plänen und viel ehrenamtlichem Idealismus dauerhaft in der 1. Bundesliga Männer etablieren. Der SV Warnemünde ist gekommen, um zu bleiben.

„Es sind ja immer zwei Fragen, wenn man aufsteigt“, sagt Florian Wolter, der beim SV Warnemünde weit mehr ist als Teammanager. Gemeinsam mit Johannes Hofmeister organisiert er den Spielbetrieb, kümmert sich ehrenamtlich um Finanzen und Sponsoring und zieht im Hintergrund die organisatorischen Fäden. „Kriegt man das finanziell hin? Und kriegt man das organisatorisch hin?“

Für Wolter wurde gerade der Hallenboden zum Sinnbild der neuen Liga: „Wir hatten besondere Probleme mit dem Boden, den überhaupt zu bekommen und zu lagern. Einen Spieltag organisieren konnten wir, aber der Ablauf mit dem Boden war die unbekannte Komponente. Das war schon eine Überraschungskiste.“ Eine, die funktionierte.

Aufstieg zum richtigen Zeitpunkt

Der Aufstieg war kein Zufallsprodukt. Seit Jahren hatte sich der SVW kontinuierlich entwickelt und gehörte zu den stärksten Mannschaften der 2. Bundesliga. Die Chance auf den Aufstieg hatte sich sogar schon früher ergeben, doch der Verein verzichtete bewusst. „Wir hatten ja schon einmal die Möglichkeit, über das Aufstiegsprogramm der VBL hochzugehen“, berichtet Wolter. „Damals haben wir gesagt: Das ist zu früh für uns.“ Als die Meisterschaft schließlich in trockenen Tüchern war, führte am Aufstieg jedoch kein Weg mehr vorbei. „Dieses Mal hatten wir den Druck, aufzusteigen, weil es einfach von uns erwartet wurde“, erzählt Wolter weiter. Und so wurde im Sommer 2025 aus einem ambitionierten Zweitligisten ein Bundesligist.

„Die Entwicklung des SV Warnemünde verdient große Anerkennung“, sagt Daniel Sattler, Geschäftsführer der Volleyball Bundesliga (VBL). „Der Verein ist seinen Weg ins Oberhaus bewusst und aus eigener Kraft gegangen. Gleichzeitig bleibt es eine große Herausforderung, einen Bundesligastandort ehrenamtlich zu tragen. Es wäre deshalb wünschenswert, wenn der SVW künftig noch mehr Unterstützung aus der Stadt und der Region erhält, um sich langfristig in der Liga etablieren zu können. Welches Potenzial der Standort besitzt, haben nicht zuletzt die Heimspiele vor großer Kulisse in der Rostocker Messehalle gezeigt.“

Von einer kalten Dusche bis zum sportlichen Ankommen im Oberhaus

Sportlich wartete die Realität nicht lange. „Wir hatten am Anfang direkt die Top-Sechs der Liga vor der Brust“, erinnert sich Warnemündes Diagonalangreifer Jan-Philipp Krabel an den sportlichen Einstand im Oberhaus. „Da konnten wir uns die Hörner abstoßen. Niemand hat etwas von uns erwartet.“ Ein erster prägender Moment folgte schon beim zweiten Auswärtsspiel. „Wir standen auf einmal in der Max-Schmeling-Halle. Viele von uns kannten die Halle nur als Zuschauer von Champions-League-Spielen. Und plötzlich spielten wir selbst dort“, erinnert sich Krabel, der in seiner Zeit bei den Netzhoppers schon Oberhaus-Erfahrung gesammelt hatte. Doch vieles hat sich getan seit 2018, Volleyball in Deutschland ist größer geworden. Für Krabel und sein Team war es der berühmte „Welcome to the league“-Moment.

Warnemünde kassierte zehn Niederlagen in Serie. Doch Krabel spürte früh, dass mehr möglich war: „Ich habe relativ schnell gemerkt, dass wir in die Liga passen. Wir haben viele Spiele erst auf dem letzten Zentimeter verloren, Sätze gingen in die Verlängerung. Da wusste ich: Es fehlen nur Kleinigkeiten.“ Im Dezember dann wandelte sich das Gefühl innerhalb der Mannschaft. „Da waren wir angekommen“, so Krabel. Der erste Sieg war ein 3:0 gegen die BADEN VOLLEYS SSC Karlsruhe in der ARENA Rostock. Krabel steuerte 18 Punkte bei und avancierte zum Matchwinner. Es waren die ersten drei von insgesamt 19 Tabellenzählern und einem Ausrufezeichen im Pokal. Der sportliche Klassenerhalt war am Ende mehr als nur ein Erfolg. Er war der Beweis, dass der Aufsteiger in Deutschlands höchster Spielklasse bestehen kann. Laut Krabel wäre vielleicht noch mehr drin gewesen: „Wir haben unser Ziel erreicht, sportlich nicht abzusteigen. Das hätten wir vielleicht sogar früher schaffen können. Als die Info kam, dass sich Herrsching und Haching zusammenschließen, war dann vielleicht die Spannung weg.“ Der 28-Jährige ist überzeugt, dass das „mehr“ in Zukunft kommen wird.

Diagonalangreifer Jan-Philipp Krabel war in der Saison 2025/26 ein zentraler Leistungsträger in Warnemünde. (Foto: SV Warnemünde)

Eine Stadt entdeckt ihren Bundesligisten

Mindestens genauso bemerkenswert entwickelte sich parallel das Interesse neben dem Spielfeld. Schon in der zweiten Liga hatte der SV Warnemünde viel Wert auf professionelle Heimspieltage gelegt. Die Bundesliga verlieh diesem Anspruch eine neue Dimension. Die Resonanz überraschte selbst die Verantwortlichen. Obwohl die Mannschaft zu Saisonbeginn zehn Spiele in Serie verlor, wurden die Heimspiele immer stärker nachgefragt. „Ich weiß noch, wie wir am Einlass komplett geschwommen sind“, erzählt Wolter. „Da standen Leute und haben gebettelt, dass sie noch in die Halle kommen.“

Mit Spielen in der Rostocker Stadthalle und später in der Messehalle erreichte der Verein Menschen weit über die klassische Volleyballszene hinaus. „Da wusste zumindest mal für eine Weile jeder in Rostock, wer der SV Warnemünde ist“, erzählt Wolter weiter. Die Wahrnehmung in der Region ist ein wichtiger Faktor. Fußball-Drittligist Hansa Rostock macht regelmäßig das Ostseestadion voll - mit 25.000 Zuschauenden. Es gibt einen Basketball-Bundesligisten, die Rostock Seawolves, einen großen Handball-Verein und einen fast gleichnamigen weiteren Fußballverein in Warnemünde. „Da wussten wir von Anfang an, dass wir viel Werbung machen müssen, um den Leuten zu zeigen, wer wir überhaupt sind“, sagt Wolter, der in Zukunft noch mehr über das Thema Marke sprechen will. „Wir haben da sehr viel Arbeit geleistet und über uns gesprochen. Und das hat sich ausgezahlt.“

Highlight-Spiele in der Rostocker Stadthalle haben das Volleyballerlebnis in Warnemünde auf ein neues Level gehoben. (Foto: Thoren Arlt)

Einsatz für die Bundesliga-Zukunft

Wer einen Heimspieltag besucht, erlebt Emotionen, Schweiß und natürlich Bundesligavolleyball. Was kaum sichtbar wird, sind die unzähligen Stunden ehrenamtlicher Arbeit. „Man braucht ganz viel Idealismus“, sagt Wolter. Er spricht nicht nur von sich. „Das geht nur, weil sich Menschen aufopfern. Teammanager, Fans, Spieler, Familien, alle geben etwas dafür, ihren Verein oder ihren Freund auf dieser Bühne spielen zu sehen.“

Auch Krabel kennt diese andere Seite des Leistungssports. Der Diagonalangreifer spielt seit 2018 für Warnemünde und weiß, dass Profivolleyball in Deutschland nur selten finanziellen Wohlstand bedeutet. „Ich wurde schon oft gefragt, warum ich Volleyball spiele“, sagt er. Während viele seiner Freunde längst einen klassischen Berufsalltag führen, hat er sich bewusst für einen anderen Weg entschieden. „Für mich ist es immer noch ein Privileg, Bundesliga zu spielen. Ich mache das nicht, um reich zu werden. Es ist mir einfach mehr wert, als nach dem Studium in einem Büro zu sitzen.“

Die nächste Entwicklungsstufe

Längst ist der Blick auf die neue Saison gerichtet. Dass die 1. Bundesliga sportlich eine andere Welt ist, zeigte sich auch in den Zahlen. „Wir waren mit Abstand das schlechteste Annahmeteam der Liga“, analysiert Krabel nüchtern. Für ihn liegt genau dort der größte Hebel. „Immer wenn unsere Annahme in einem Bereich war, in dem wir unser Spiel aufbauen konnten, waren es komplett andere Spiele. Deshalb müssen wir genau an dieser Stellschraube drehen. An zu vielen Stellschrauben gleichzeitig zu drehen, hilft nicht.“ Die Basis dafür bleibt bestehen. Der Kern der Mannschaft bleibt zusammen. Nicht nur auf dem Platz, sondern auch im Team im Hintergrund. „Das macht vieles einfacher“, sagt Wolter. „Viele Prozesse müssen wir jetzt nicht mehr neu erfinden.“ Auch organisatorisch wird Routine einkehren. „Wir mussten an vielen Spieltagen improvisieren. Das konnten wir gut. Aber ich glaube nicht, dass wir das künftig noch so oft müssen“, so Wolter weiter. Das soll auch für Ruhe im Kader sorgen. „Natürlich verpflichten wir auch Spieler auf gewissem Niveau von außen, weil man die einfach braucht. Sie haben natürlich nicht von Anfang an das gleiche Herzblut wie ein Tommy Mehlberg oder andere langjährige Spieler, die unsere Vereinsidentität im Blut haben. Und für sie sind diese improvisierten Sachen natürlich nicht so einfach. Aber wenn man das Drumherum so sieht, dann ist es das schon wert, das alles zu tun“, ergänzt Krabel.

In der Spielzeit 2026/27 plant Wolter mit seinen Mitstreitern wieder Großes. Der 30-Jährige gibt einen Einblick: „Wir haben schon in der Rostocker Stadthalle vor 3.300 Menschen und dann ja auch in der Messehalle vor 1.500 Zuschauenden gespielt. Das hat richtig gut für uns funktioniert. Und da haben wir auch was losgetreten. Und das wollen wir natürlich auch im nächsten Jahr wieder haben. Woanders spielen, große Spiele schaffen – auch auf der Suche nach einer Heimspielstätte für die Zukunft des Volleyballs in Rostock.“

Eine große Vision wirft ihre Schatten voraus

Die Auswirkungen der ersten Bundesliga-Saison reichen längst über die erste Mannschaft hinaus. Immer mehr Kinder wollen Volleyball spielen. Die Ballschule stößt bereits an ihre Kapazitätsgrenzen. Kooperationen mit anderen Vereinen sollen auf- und ausgebaut werden, Talente trainieren regelmäßig mit den Bundesligaspielern. „Man sieht schon, dass hier Potenzial vorhanden ist“, sagt Krabel. „Einige der jungen Spieler können perspektivisch den Sprung in einen Bundesligakader schaffen.“ Für Wolter gehört genau das zur langfristigen Vision. „Wir wollen ein guter Standort für Spieler sein. – sind Trainingsstützpunkt. Rostock ist eine gute Stadt zum Leben, mit Strand, Universität und Perspektiven. Das spielt auch für den Nachwuchs eine große Rolle.“

Die Herausforderungen sind groß. Im Leistungssport geht es um Geld, Sponsoren und Sichtbarkeit. Wolter hat eine große Vision: „Ich weiß genau, der Standort ist nicht am Ende. Ich bin mir sicher, dass wir noch den einen oder anderen Partner gewinnen können. Das ist diese Krux im Sportsponsoring. Du kannst deine Marke nicht nach oben bringen, wenn du nicht das Geld dafür hast. Ohne große Marke oder große Halle ist es aber schwieriger, Gelder an Land zu ziehen.“

Die Ziele für die kommende Saison bleiben bewusst bodenständig. „Der Klassenerhalt bleibt natürlich das Ziel. Der Kader weiß jetzt, was ihn erwartet. Vieles wird Gewohnheit“, glaubt Krabel und meint damit unter anderem die ungewohnt weiten Auswärtsfahrten, die bei kleinen Vereinen nicht immer komfortabel sind. Sowohl Krabel als auch Wolter denken längst weiter. Der Diagonalangreifer blickt auf den sportlichen Horizont. „In fünf Jahren würde ich gerne sagen können, dass sich die Liga insgesamt positiv entwickelt hat und wir vielleicht als SV Warnemünde den Challenge Cup angreifen können.“

Wolter denkt noch größer, denkt an den gesamten Volleyballstandort Deutschland. „Wir erleben gerade einen Aufschwung. Volleyball wird beliebter, wird mehr konsumiert und mehr gespielt. Wir wollen Teil dieses Aufschwungs sein, ein Leuchtturm der Liga. Ein Beachstandort, ein Hallenstandort, ein Jugendleistungszentrum. Wir wollen nicht nur Teil dieser Entwicklung sein, wir wollen sie mitgestalten.“ Die erste Bundesliga-Saison kann deshalb nur der Anfang der Reise des SV Warnemünde 1949 e.V. sein. Einem Verein, der längst bewiesen hat, dass große Geschichten dort entstehen, wo Menschen gemeinsam an eine Idee glauben.

Text: Christian Holland (VBL)

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