Ole Rösler hat bei den Europameisterschaften im Wasserspringen in Paris gleich zweimal den Sprung aufs Podest geschafft. Der 18-Jährige vom WSC Rostock gewann zunächst gemeinsam mit Pauline Pfeif Silber im Mixed-Synchronspringen vom Turm. Einen Tag später legte er in der Königsdisziplin nach und sicherte sich im Einzel von der Zehn-Meter-Plattform die Bronzemedaille. Damit setzte der Rostocker eines der sportlichen Ausrufezeichen aus Sicht Mecklenburg-Vorpommerns bei den Titelkämpfen.
Besonders im Einzelfinale bewies Rösler neben seiner Klasse auch große Nervenstärke. Gleich mit seinem ersten Sprung gelang ihm ein Auftakt nach Maß: Für den zweieinhalbfachen Rückwärtssalto mit zweieinhalb Schrauben erhielt er starke 97,20 Punkte. Im zweiten Durchgang folgte allerdings ein schwerer Fehler beim dreieinhalbfachen Auerbachsalto. Nur 45,90 Punkte bedeuteten zwischenzeitlich den Absturz auf Rang acht.
Doch Rösler ließ sich von diesem Rückschlag nicht aus der Bahn bringen. Sprung für Sprung kämpfte er sich wieder nach vorn und hielt dem Druck in einem hochklassig besetzten Finale stand. Mit 89,10 Punkten für seinen letzten Versuch vollendete er schließlich die Aufholjagd. Seine 480,75 Gesamtpunkte reichten zu Bronze hinter Europameister Ruslan Ternovoi und seinem deutschen Teamkollegen Jaden Eikermann.
Für den Rostocker hatte die Bronzemedaille trotz seines EM-Silbers aus dem Vorjahr einen besonderen Wert. Damals hatte er rund 430 Punkte gesammelt, diesmal waren es etwa 50 Zähler mehr. „Und das gibt mir viel mehr Motivation, weiter an mir zu arbeiten als 430 Punkte und Silber“, erklärte Rösler. Gleichzeitig sah er durchaus weiteres Potenzial: Ohne seinen missglückten zweiten Sprung wäre sogar noch mehr möglich gewesen. Besonders bemerkenswert war zudem, dass der 18-Jährige den ukrainischen Titelverteidiger und Vizeweltmeister Oleksii Sereda hinter sich ließ – einen Springer, den Rösler früher selbst als Vorbild bezeichnete.
Großen Respekt für die Reaktion seines Schützlings zollte auch Trainer Michail Sachiasvili. Nach einem derart schweren Fehler erneut die volle Konzentration zu finden und sich in diesem starken Feld noch auf das Podium zu arbeiten, sei für einen 18-Jährigen keineswegs selbstverständlich. Für Sachiasvili ist der Erfolg deshalb auch ein Versprechen für die kommenden Jahre: Er ist überzeugt, dass die Bronzemedaille erst der Anfang einer erfolgreichen Entwicklung sein könnte.
Bereits am Vortag hatte Rösler gemeinsam mit Pauline Pfeif für Edelmetall gesorgt. Im Mixed-Synchronspringen vom Turm sammelte das deutsche Duo 317,76 Punkte und musste sich nur den Ukrainern Kseniia Bailo und Oleksii Sereda geschlagen geben. Bemerkenswert: Pfeif und Rösler hatten zuvor nach eigenen Angaben gerade einmal drei gemeinsame Trainingseinheiten absolviert. Für den Rostocker bestand die besondere Herausforderung darin, seine ausgeprägte Sprungkraft im Synchronwettbewerb kontrollieren und sich an seine Partnerin anpassen zu müssen. Das gelang eindrucksvoll – und lieferte zugleich zusätzliches Selbstvertrauen für das spätere Einzelfinale.
Grund zum Jubeln gab es außerdem für eine weitere gebürtige Rostockerin: Jette Müller, die inzwischen für den Dresdner SC 1898 startet und früher gemeinsam mit Rösler beim WSC trainierte, holte zusammen mit Lena Hentschel Bronze im Drei-Meter-Synchronspringen. Das Duo kam auf 274,59 Punkte und musste lediglich Italien sowie der Ukraine den Vortritt lassen. Für die 22-Jährige war es der erfolgreiche Abschluss einer intensiven EM-Woche, in der sie zuvor bereits Platz sechs im Einzel vom Drei-Meter-Brett erreicht hatte.
Für den Deutschen Schwimm-Verband endeten die Titelkämpfe insgesamt mit zehn Medaillen – drei goldenen, vier silbernen und drei bronzenen. Deutschland belegte damit Rang zwei im Medaillenspiegel und gewann außerdem erneut die Team-Trophy. Rösler trug mit seinen beiden Podestplätzen einen wichtigen Teil zu dieser Bilanz bei und bestätigte zugleich, dass mit ihm auch international zunehmend zu rechnen ist.
red (KI optimiert)