Stralsunds Gewichtheberin Annett Damme wird in Athen mit besonderer Ehrung bedacht
Auf über 20 erfolgreiche Jahren mit insgesamt 10 Welt- und 10 Europameistertiteln sowie 2 Goldmedaillen bei den Master World Games kann die Stralsunder Schwerathletin Annett Damme zurückblicken. Und dennoch kann es für Routiniers wie sie noch immer zu besonders emotionalen Momenten kommen. So befand sich die Endfünfzigerin am vergangenen Wochenende in Athen, um einmal mehr an der WM der Masters teilzunehmen. Doch die Überraschung war viel mehr als nur eine persönliche Jahresbestmarke. Unverhofft wurde Damme vom Weltverband IMWA in die die Hall of Fame der weltbesten Gewichtheberinnen aufgenommen.
Der Gewinn einer Medaille war für Annett Damme, die in der Gewichtsklasse bis 69kg in der AK W55 an den Start ging, diesmal kein Thema. Auch wenn es ihr im Juni überraschend gelang, bei der EM in Waregem (Belgien) Bronze zu holen. Denn zum einen war das Jahr 2026 verletzungsbedingt für sie das schwierigste Jahr ihrer ganzen Laufbahn. Laut Damme selbst seinen die Vorbereitung von Höhen und Tiefen geprägt gewesen. Zum anderem würde sie bei der WM in der griechischen Hauptstadt die älteste Teilnehmerin ihrer Altersklasse sein. "Ein Starterfeld mit über 20 Teilnehmerinnen, vor allem aus Amerika und Übersee, gab es bei einer WM noch nie annähernd. Unser Ziel heißt neue Jahresbestleistung und somit eine gute Basis für das kommende Wettkampfjahr", ließ Heimtrainer Harry Barth vor dem Wettkampf wissen. 2027 wird die Vorzeigeathletin des TSV 1860 Stralsund in der Altersklasse W 60 starten. "Dann wird Annett wieder deutlich bessere Aussichten auf vordere Platzierungen haben", ergänzt Barth.
Das Ziel Jahresbestleistung gelang dann tatsächlich. Mit 46 kg im Reißen, 57 kg im Stoßen und 103 kg im Zweikampf überbot Damme ihre diesjährige Bestmarke um 3 kg. Am Ende reichte das für Platz 11 von 22 Teilnehmerinnen. "Leider scheiterte Annett in ihren dritten Versuchen knapp an 48 kg im Reißen und 60 kg im Stoßen. Dann wäre auch noch eine Platzierung in den Top Ten möglich gewesen", erklärte der mitgereiste Trainer Ralf Klingschat nach dem Wettkampf. Dennoch zeigte er sich zufrieden: "Es war ein solider Auftritt, der uns zuversichtlich das nächste Wettkampfjahr angehen lässt.“
Ganz der Profi hatte Anette Damme selbst direkt eine Analyse parat. "Die 48kg im Reißen waren technisch unsauber ausgeführt und deshalb habe ich sie nicht geschafft. Die 60kg im Stoßen waren recht gut umgesetzt. Beim Ausstoßen wurde ein Wackler im rechten Ellenbogen gesehen. Damit war der Versuch ungültig", ergänzt die gebürtige Warinerin. In der bereinigten Wertungstabelle konnte sie aber doch noch in die Top Ten einziehen. Dazu Damme: "In der Punkteabrechnung, welche auch das Alter berücksichtigt, habe ich den 8. Platz erreicht."
Besondere Ehrung mit der Aufnahme in die Hall of Fame
Unmittelbar nach dem Wettkampf kam es für die 59-Jährige schließlich zum besagten und sehr emotionalen Moment. Aufgrund ihrer zahlreichen Titel wurde sie in die Hall of Fame der weltbesten Gewichtheberinnen aufgenommen. In der Stellungnahme des IMWA-Komitees sei Anette Dammes Karriere auch deshalb so beeindruckend, weil sie erst 2003 mit dem Gewichtheben begann. Ursprünglich in der Leichtathletik beheimatet, gewann sie noch 2008 Hochsprung-Gold bei den Senioren-Europameisterschaften in Slowenien. 2009 startete sie bei den World Masters Games sowohl in der Leichtathletik als auch in der Schwerathletik. Seither hat die Vorpommerin zahlreiche Schwergewichts-Wettbewerbe und Podiumsplätze gewonnen.
Unter Freudentränen nahm Annett Damme, die bereits 2017 in die "European Masters Weightlifting Hall of Fame" aufgenommen wurde, ihren Pokal entgegen - begleitet von zahlreichen Glückwünschen.
Aussicht auf 2027
Für den TSV 1860 Stralsund waren die Weltmeisterschaften in Athen der Abschluss der internationalen Masters-Wettkämpfe 2026. Zurückblickend zeigt man sich im Verein zufrieden. Immerhin konnten die TSV-Athleten in diesem Jahr zweimal Edelmetall gewinnen: einen Vizeeuropameistertitel durch Martin Strobel und jene EM-Bronzemedaille von Annett Damme.
Der erste Höhepunkt im neuen Jahr wird Ende Februar mit der Deutschen Meisterschaften in Eichen/Siegen kommen. "Dort wollen sich Martin und Annett für die EM im Sommer in Finnland empfehlen", weiß Ralf Klingschat und ergänzt: "Das TSV-Team werden dann auch Heike und Ronny Junghans komplettieren." Einen kleiner Wehrmutstropfen für den Traditionsverein: Die Master Games in Kansai/Japan im Mai sind für die Stralsunder Heberinnen und Heber aus Kostengründen leider kein Thema.
red