Nachgefragt bei Stefanie Zelenski vom „Pole Dance Team Rostock“

Vor fast 80 Jahren, am 10.12.1935, wurde in Prag die „International Amateur Dancers Federation (FIDA)“, ein Vorläufer der „International Dance Sport Federation“, gegründet. Die ersten offiziellen Weltmeisterschaften wurden von der FIDA bereits im Jahre 1936 in Bad Nauheim abgehalten. Davor, seit 1909, gab es WM-Turniere auch von anderen Veranstaltern.

Aber Tanzen ist ohnehin schon seit Menschengedenken im Trend. Da ist es natürlich auch kein Wunder, dass der Tanzsport auch zwischen Schönberg und Usedom, vom Kap Arkona bis Ludwigslust große Erfolge feiert. Nicht zuletzt ist der Tanzsport auch Bestandteil des Programms der „World Games“, der Weltspiele in den nichtolympischen Sportarten.

MV – ein Land der Tänzerinnen und Tänzer

Der im Jahre 1990 gegründete Tanzsportverband Mecklenburg-Vorpommern ist der Fachverband für Freizeit-, Breiten- und Leistungssport im Landessportbund MV und manifestiert mittlerweile 25 von 100 Jahren organisierten mecklenburgischen Tanzsportes bis 2015. Als kleiner Landesverband mit 19 Vereinen und rund 1500 Mitgliedern tanzen hier die Interessierten in allen Altersgruppen.

Veranstaltungen wie der Seesternpokal Rostock, das Breitensportfest Rostock, Schwerin tanzt, der Pils-Cup Rostock, die Rostocker Senioren-Tanztage  oder die Grimmener Tanzgala waren und sind seit Jahren über die Landesgrenzen bekannt und werden von erfolgreichen Paaren aus Deutschland gern genutzt. Ein sehr renommierter Tanzsportverein in MV ist dabei auch der 1964 gegründete TC Seestern Rostock e.V..

Zahlreiche WM in den verschiedenen Tanzsport-Disziplinen

Aber zurück zum internationalen Geschehen in Vergangenheit und Gegenwart … Seit 1936 werden, wie erwähnt, offizielle Weltmeisterschaften der World Dance Sport Federation in den Standard-Tänzen (Amateure) und seit 1960 in den Lateinamerikanischen Tänzen (Amateure) ausgetragen.

„Pole Dance“ im Fokus

Inzwischen gibt es sogar Weltmeisterschaften im trendigen „Pole Dance“. In diesem Jahr fanden diese in Peking statt. Bei den Frauen gab es einen russischen Dreifach-Erfolg durch Galina Musina, Polina Volchek und Anna Chigarina. Dimitri Politow (Russland) triumphierte bei den Herren vor Felipe Mendoza Perez (Chile) sowie Ke Hong (China). Und im Doppel-Contest siegten Lisette Krol/Terri Walsh (Irland) vor Hanna Antonowa/Andrii Kopyniak (Ukraine) und Kayleen Ortiz/Emmanuel Ignacio (Philippinen).

Und auch die Aufnahme von „Pole Dance“ in das olympische Programm ist im Gespräch…

Was verbirgt sich nun aber hinter der Tanzsport-Disziplin „Pole Dance?! Gibt es so etwas auch in M-V?!

Nachgefragt bei Stefanie Zelenski vom „Pole Dance Team“ aus Rostock

S.Zelenski über ihre Sportart, den Zuspruch zum „Pole Dance“ im Nordosten und die olympischen Chancen des „Pole Dance“

„Mit der olympischen Aufnahme würde ein Meilenstein gesetzt werden…“

Frage: Frau Zelenski, viele kennen „Pole Dance“ eher aus schummrigen Lokalitäten. Inzwischen ist es aber ein anerkannter Wettkampf-Sport… Was macht „Pole Dance“ aus? Was ist für Sie das Faszinierende daran?

Stefanie Zelenski: Ich liebe diesen Sport, weil er nicht langweilig ist. Es ist eine ganz speziell andere sportliche Herausfordrung, die sich von allen anderen Sportarten abhebt.

Es geht hier nicht so zu wie in einem Fitnessstudio, wo man eine Übung nach der anderen macht, um seinen Körper zu trainieren – und das meist alleine. Ich habe das selber probiert und fand es schnell langweilig.

Pole Dance ist Fitness und Akrobatik an der Stange. Wir sind unter uns. Jede Übungsstunde ist lustig und wir haben alle sehr viel Spaß, weil dem einen oder anderem eben ein kleines Malheur passiert und wir uns gemeinsam aber auch über unsere Erfolge  freuen.

Wir sind hier keine Einzelkämpfer sondern Freunde und das sogar in verschiedenen Altersbereichen. Unsere Frauen sind zwischen 14 Jahren bis 50 Jahren. Dazu kommt für mich der ästhetische Aspekt. Es ist ein sexy Sport, bei dem man eigentlich gar nicht wirklich merkt, dass man seinen gesamten Körper trainiert.

Frage: Insbesondere Russland scheint führend im „Pole Dance“ zu sein… Wie ist die Situation in Deutschland, speziell in M-V und in Rostock?

Stefanie Zelenski: Ja, das stimmt Russland hat sehr viele, sehr, sehr gute Pole-Tänzerinnen, dort gibt es bereits seit sehr vielen Jahren Pole Dance und das in fast jeder Stadt.

Hier, in M-V, ist es noch etwas verhalten aber „total im Kommen“. In Deutschland gibt es in den Großstädten mittlerweile auch schon viele Studios, gerade im Raum Nordrhein-Westfalen…

Wir im Norden sind in dieser Hinsicht eher zurückhaltend. Die nächsten Studios sind in Berlin und in Hamburg. Wir sind bisher die einzigen in ganz M-V. Es war anfangs auch wirklich nicht leicht, diese Sportart hier zu etablieren.

Mittlerweile haben wir uns nun viermal vergrößert und besitzen seit Anfang des Jahres nun auch ein eigenes Studio. Denn: Viele Frauen, die einmal zum Schnuppern bei uns waren, sind begeistert und bleiben.

Seit 2014 arbeite ich auch mit der Uni Rostock zusammen. Hier können die Studentinnen über den Hochschulsport auch Kurse belegen, allerdings sind die meist nach 30 Sekunden ausgebucht.

Frage: Sie selbst sind ja auch eine begnadete „Pole Dancerin“. Wie sieht Ihr Trainingspensum aus? Nehmen Sie auch an Wettkämpfen teil?

Stefanie Zelenski: Ich bin mit meinen Kursen fast selbst komplett ausgelastet. Ich gebe circa 10 Stunden die Woche Unterricht. Ich persönlich mache  meist nur ein bis drei  Stunden pro Woche ein eigenes Training. Für Wettkämpfe bleibt mir keine Zeit, zumal ich alleinerziehende Mutter bin und mein Privatleben dann nicht zu kurz kommen soll.

Frage: Bieten Sie auch Kurse für interessierte Männer und Frauen im „Pole Dance“ an?

Stefanie Zelenski: Männer sind leider immer etwas verhalten. Obwohl der Sport auch auf jeden Fall etwas für einen Mann ist. Männer-Übungen sind auch anders als die, die Frauen machen. Oft höre ich: Das ist doch schwul.  Aber das sagen nur Männer, die davon wirklich keine Ahnung haben.

Momentan haben wir nur Kurse für Frauen im Angebot. Die Nachfrage ist zu wenig bei den Männern. Bei uns fängt man wirklich von Null an und man braucht keine Angst zu haben, ob man das nicht schafft. Jeder hat sein eigenes Tempo beim Lernen und man kann bei uns individuell sein Level steigern, wenn man dazu bereit ist.

Frage:  „Pole Dance“ könnte sogar olympisch werden. Warum müßte eine Aufnahme in das olympische Programm aus Ihrer Sicht erfolgen…

Stefanie Zelenski: Ja, die Verbände kämpfen schon länger darum. Ich würde es toll finden, wenn die Sportart auch endlich in allen Köpfen als Sportart anerkannt wird. Mit der Aufnahme würde ein Meilenstein gesetzt werden.

Vielen Dank, weiterhin bestes Engagement für den „Pole Dance“ und alles erdenklich Gute – sportiv, beruflich und persönlich!

Marko Michels