Ganz weltmeisterlich auf der Rad-Bahn

108.WM im Bahn-Radsport Ende Februar/Anfang MĂ€rz in Apeldoorn

DemnĂ€chst werden die olympischen Skier, Schlittschuhe, Curling-Steine, Eishockey-Pucks und sonstige Wintersport-Utensilien in die Ecke gestellt, aber keine Angst – die nĂ€chsten sportliche Wettstreite warten schon. Ende Februar und Anfang MĂ€rz „rufen“ bereits die Weltmeisterschaften im Bahn-Radsport in Apeldoorn und in der Hallen-Leichtathletik in Birmingham. Zwar mag der Frost draußen „klirren“, in den gewĂ€rmten Hallen wird eben geradelt und gelaufen.

Bahnradsport Symbolfoto
Bahnradsport Symbolfoto

Niederlande sind Gastgeber der Bahn-Radsport-WM 2018

Erst einmal wird es dabei weltmeisterlich im Bahn-Radsport im niederlĂ€ndischen Apeldoorn zugehen – vom 28. Februar 2018 bis 4. MĂ€rz 2018. Die NiederlĂ€nderinnen und NiederlĂ€nder wollen dann an die olympischen Erfolge ihrer EisschnelllĂ€uferinnen bzw. EisschnelllĂ€ufer anknĂŒpfen und dieses Mal nicht die Medaillen vom Eis, sondern von der Rad-Bahn holen.

Die Konkurrenz, auch aus Deutschland, wird dem jedoch nicht tatenlos zusehen. Und einige „heiße“ Medaillen-Kandidatinnen und -Kandidaten entsendet natĂŒrlich auch der Bund Deutscher Radfahrer in die niederlĂ€ndische WM-Stadt.

23 nach Apeldoorn

Insgesamt 23 Athletinnen und Athleten umfasst das deutsche Aufgebot fĂŒr die WM im Bahn-Radsport 2018. Deutsche Bahn-Radsport-Asse werden an allen 20 Konkurrenzen teilnehmen und hoffen auf möglichst zahlreiche Medaillen.

Im Kurzzeit-Bereich werden Pauline Grabosch, Kristina Vogel, Miriam Welte, die bis 2012 fĂŒr das „Track Cycling Team MV“ startete, Stefan Bötticher, Maximilian Dörnbach, Joachim Eilers, Eric Engler, Robert Förstemann und Maximilian Levy starten. FĂŒr den Ausdauer-Bereich  nominierte der BDR hingegen Charlotte Becker, Franziska Brauße, Lisa Brennauer, Romy Kasper, Lisa KĂŒllmer, Gudrun Stock, Tatjana Paller (Ersatz), Maximilian Beyer, Felix Groß, Roger Kluge, Theo Reinhardt, Nils Schomber, Kersten Thiele und Domenic Weinstein.

Das deutsche Team hofft auf mindestens sechs Medaillen (plus x)…

 

ZurĂŒckgeblickt auf die Bahnradsport-WM 2017 in Hongkong?!

Die 107. Weltmeisterschaften im Bahn-Radsport seit 1893 fanden in Hongkong statt und Athletinnen und Athleten aus 41 LĂ€ndern nahmen daran teil.

Europa dominierend / Australien am erfolgreichsten / Gastgeber Hongkong mit Bronze

Europa war wieder einmal der dominierende Kontinent, gewann 36 der 60 Medaillen, was einem Anteil von 60 Prozent entspricht, und 13 der 20 WM-Titel (Anteil 65 Prozent). Das „restliche“ Edelmetall erkĂ€mpften Australien/Ozeanien mit 16 Plaketten, darunter 4 x Gold, der amerikanische Doppel-Kontinent mit 6 Plaketten, darunter 2 x Gold, und Asien mit 2 Plaketten, darunter einmal Gold. Australien wurde mit elf Medaillen erfolgreichstes Land. WM-Titel fĂŒr „Down Under“ schafften Jordan Kerby in der Herren-Verfolgung, Sam Welsford, Cameron Meyer, Alexander Porter bzw. Nick Yallouris in der Herren-Team-Verfolgung und Cameron Meyer im Punktefahren.

Jeweils dreimal Gold gab es auch fĂŒr Russland, durch Daria Schmelewa im Frauen-Zeitfahren, Daria Schmelewa/Anastasija Voinowa im Teamsprint sowie Denis Dimitrijew im Herren-Sprint, und fĂŒr Frankreich, durch Francois Pervis im Herren-Zeitfahren, Morgan Kneisky/Benjamin Thomas im Madison bzw. Benjamin Thomas im Omnium. FĂŒr Gastgeber Hongkong holte Lee Wai Sze im Frauen-Sprint Bronze. Gold fĂŒr Asiens Rad-Asse sicherte Azizulhasni Awang aus Malaysia im Keirin. Die USA gehörten 2017 ebenfalls zu den radsportiven „Gold-SchĂŒrfern“ dank Chloe Dygert in der Frauen-Verfolgung bzw. Kelly Catlin, Cloe Dygert, Kimberly Geist und Jennifer Valente in der Frauen-Team-Verfolgung.

Insgesamt brachten 16 LĂ€nder Rad-Athletinnen und Rad-Athleten auf das Podest, elf Staaten durften ĂŒber WM-Gold 2017 jubeln. Neben den bereits genannten LĂ€ndern waren das Neuseeland (Ethan Mitchell/Sam Webster im Herren-Teamsprint), Polen (Adrian Teklinski im Scratch), Großbritannien (Elinor Barker im Frauen-Punktefahren bzw. Katie Archibald im Frauen-Omnium), Belgien (Lotte Kopecky/Jolien D`Hoore im Frauen-Madison) und Italien (Rachele Barbieri im Frauen-Scratch).

Kristina Vogel mit WM-Gold Nummer acht und neun

Der Bund Deutscher Radfahrer erlebte in Hongkong goldene Momente. Kristina Vogel jubelte im Sprint und Keirin jeweils ĂŒber Gold. Mit Miriam Welte belegte Kristina im Teamsprint auch Bronze. Miriam selbst durfte sich zusĂ€tzlich ĂŒber Silber im Zeitfahren freuen. FĂŒr die deutschen Bahn-Radsport-MĂ€nner errang Lucas Liss mit Silber im Scratch die einzige Medaille.

Die goldene „Kristina-Miriam-Ära“ nahm vor fĂŒnf Jahren ihren Anfang. Sowohl bei den WM als auch bei Olympia in London 2012 waren Kristina Vogel bzw. Miriam Welte im Teamsprint nicht zu schlagen. Ihren WM-Titel im Teamsprint verteidigten die beiden 2013 und 2014. Bei den WM 2014 konnte Kristina die Sprint- bzw. Keirin-Entscheidung siegreich gestalten, Miriam distanzierte die Mitbewerberinnen im Zeitfahren. Erste WM-RĂ€nge belegte Kristina außerdem 2015 im Sprint, 2016 im Keirin und 2017 im Sprint bzw. Keirin. Stephanie Pohl konnte fĂŒr „Schwarz-Rot-Gold“ auch Gold erradeln, 2015 im Punktefahren. Und vor 18 Monaten, in Rio 2016,  „schnappte“ sich Kristina Vogel ihre zweite olympische Goldmedaille – im Sprint. Erst seit 1988 in Seoul dĂŒrfen die Frauen im Bahnradsport um olympische Ehren wetteifern
 Lange hat es gedauert.

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WM-Medaillen fĂŒr Frauen erst seit 1958

WM-Medaillen werden im Bahnradsport fĂŒr Frauen allerdings erst seit 1958, WM-Austragungsort war seinerzeit Paris, vergeben. Galina Jermolajewa (Sowjetunion) gewann vor fast 60 Jahren die Sprint-Entscheidung und Ljudmilla Kotschetowa distanzierte die Konkurrenz damals in der Frauen-Verfolgung.

Deutsche Frauen mit fĂŒnfzehnmal WM-Gold

Deutsche Frauen konnten bei WM im Bahnradsport fĂŒnfzehnmal triumphieren. Den Anfang machte Christa Rothenburger, zugleich eine exzellente EisschnelllĂ€uferin, 1986 mit WM-Gold im Sprint. Es folgten 1991 Petra Rosner in der Frauen-Verfolgung, 1997 Judith Arndt ebenfalls in der Frauen-Verfolgung und 2006 Christine Mucke im Keirin.

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M-V und die olympische Radsport-Tradition

Eine Mecklenburgerin konnte im Bahnradsport auch schon so richtig begeistern, die 1979 in Wismar geborene Katrin Meinke. Diese wurde 2001 in Antwerpen WM-Dritte im 500 Meter-Zeitfahren und 2002 in Ballerup ebenfalls WM-Dritte im Sprint. Im Jahr 2004 qualifizierte sich Katrin fĂŒr die Olympischen Spiele in Athen und belegte dort die RĂ€nge sechs (Sprint), elf (500 Meter Zeitfahren) und neun (Punktefahren). Zudem war die dreifache Junioren-Weltmeisterin im Sprint (1990, 1991 und 1992) Kathrin Freitag, 1974 in Röbel geboren, Olympia-Teilnehmerin 2000 in Sydney (Olympia-Siebente im Zeitfahren und Olympia-Neunte im Sprint).

Drei Bahnradsport-Asse: Miriam Welte, Tobias WĂ€chter und Stefan Nimke. M.M.

Ansonsten war MV bei WM und bzw. oder Olympia mit dem Rad oft gut unterwegs, wenn man an die Erfolge des Wahl-Schweriners Stefan Nimke, unter anderem Teamsprint-Olympiasieger 2004 , Olympia-Silber 2000 im Zeitfahren bzw. Teamsprint-Bronze 2008 und Bronze im Zeitfahren 2004, zweifacher Weltmeister im Teamsprint (2010, 2011) sowie vierfacher Weltmeister im 1000 Meter-Zeitfahren (2003, 2009, 2011, 2012), oder des gebĂŒrtigen Rostockers GĂŒnther Schumacher, unter anderem Olympiasieger mit dem Bahn-Vierer 1972 bzw.1976 und dreifacher Weltmeister 1973, 1974 bzw. 1975 sowie Vize-Weltmeister 1977, jeweils mit dem Bahn-Vierer, und auch Vize-Weltmeister im Zeitfahren 1977, denkt.

Ein gebĂŒrtiger Bad Doberaner, Hans Wolf, startete 1964 auch bei den Bahnrad-WettkĂ€mpfen der Olympischen Spiele in Tokyo – allerdings fĂŒr den Bahn-Vierer der USA, mit dem er den 12.Platz belegte.

Auf den „olympischen Straßen“ waren ebenfalls schon einige Radsportler mit MV-Hintergrund unterwegs, so 1972 der gebĂŒrtige Schweriner Dieter Gonschorek, 2000/2004 der gebĂŒrtige Rostocker Jan Ulrich, 2000/2004/2008 der gebĂŒrtige GrevesmĂŒhlener Jens Vogt oder 2012 der gebĂŒrtige Rostocker Andre Greipel.

Große Erfolge feierte Jens Vogt auch bei der frĂŒheren Friedensfahrt (1994 Gesamt-Sieger) und bei der Tour de France (zwei Etappensiege 2001/2006). Jan Ulrich schaffte beispielsweise 2000 in Sydney Olympia-Gold (Straßen-Einzel) bzw. Olympia-Silber (Zeitfahren), belegte bei der Tour de France 1997 den ersten Rang (Gesamtwertung), wurde Zeitfahr-Weltmeister 1999/2001 und erkĂ€mpfte 1993 den Amateur-WM-Titel. Andre Greipel errang indes unter anderem WM-Bronze (Straßen-Einzel) 2011.

Seit 2014-2015 startet auch die in Cottbus geborene Straßen-Radsportlerin Trixi Worrack fĂŒr Mecklenburg-Vorpommern. Wie einst Hans Wolf hat Trixi besondere Beziehungen zu Bad Doberan, denn sie ist Mitglied des Bad Doberaner SV und trainiert ebenfalls in der MĂŒnster-Stadt.

Die 33jĂ€hrige kann dabei schon zahlreiche Erfolge vorweisen, so war sie unter anderem Vize-Weltmeisterin im Straßen-Einzel der Frauen 2006 und wurde mit dem US-amerikanischen Team „Specialized-lululemon“, das in internationaler Besetzung antritt, viermal in Folge Weltmeisterin im Team-Zeitfahren auf der Straßen (2012, 2013, 2014, 2015, 2016 Silber). Des Weiteren nahm Trixi viermal an olympischen Wettbewerben im Straßen-Radsport teil (2004, 2008, 2012 und 2016).

Der bereits erwĂ€hnte Stefan Nimke konnte zudem als Tandem-Pilot, zusammen mit dem sehbehinderten  Kai Kristian Kruse, bei den Paralympics 2016 in Rio Bronze im 1000 Meter-Tandem-Zeitfahren erringen
 Nun steht paralympisches Gold 2020 auf der Agenda.

Marko Michels

 

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