Anna über ihre sportlichen Aktivitäten und weitere Tätigkeiten 18.7.16

Vor zweieinhalb Jahren stellte „MM“ Aikido und Anna Congard, die sich zusammen mit ihrem Vater Pierre, intensiv dieser Kampfkunst widmet, vor.

Wie verlief nun die Entwicklung von Anna seitdem? Welche weiteren Erfahrungen machte Sie? Und: Welche Herausforderungen galt es, zu meistern?

Nachgefragt

Anna Congard über ihre letzten zweieinhalb Jahre mit Aikido, ihrem Abi und ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr in Rostock, über die Bedeutung von Aikido für sie persönlich, weitere sportliche bzw. persönliche Höhepunkte und die baldigen Olympischen bzw. Paralympischen Spiele in Rio de Janeiro

 „Ich brauche den Sport, ohne bin ich nicht glücklich…“

Frage: Anna, wie verliefen die letzten zweieinhalb Jahre für Sie? Was waren die Höhepunkte?

Anna Congard: Schulisch gesehen war da erst einmal das Abitur. Ich muss sagen, ich habe die Zeit sehr genossen, da ich für Fächer gelernt habe, die mich auch interessierten und ich auch gleichzeitig Zeit für mich hatte.

So habe ich die Gelegenheit genutzt und meinen Vater zum Boxen begleitet. Ich wollte das schon immer einmal ausprobieren und mit so einem hochkarätigen Trainer wie Andreas Zülow (früher SC Traktor Schwerin, Olympiasieger 1988 im Boxen, Leichtgewicht) war es dann auch genauso, wie ich es mir vorgestellt hatte: anstrengend, lehrreich und effektiv.

Höhepunkte beim Aikido gab es einige, darunter Lehrgänge in Polen und Kiew. Und natürlich der Lehrgang im Mai in Peking, der erste Lehrgang, auf den ich selbst mit eingeladen worden bin. Und das nach China!

Ein weiterer unerwarteter Höhepunkt in diesem Frühjahr war mein dritter Dan. Eigentlich hatte ich nicht vorgehabt, ihn zu machen, doch der Prüfer Toshiro Suga hat mich am Tag der Prüfung dazu aufgefordert.

Ich hatte dieses Jahr nicht so viel Zeit Aikido zu trainieren, da ich ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Sport leiste, in einem Segelverein in Rostock, dem RSC 92. Daher war ich nicht optimal auf die Prüfung vorbereitet und habe mich umso mehr gefreut, sie erfolgreich bestanden zu haben.

Frage: Wie verlief eigentlich der Zuspruch zum Aikido in den letzten knapp drei Jahren? Ihr Vater Pierre hat ja eine entsprechende Aikido-Schule in Schwerin?

Anna Congard: Das Interesse an Aikido wird immer größer, wie man, denke ich, auch an den vielen internationalen Lehrgängen sehen kann. Zu den Lehrgängen in Schwerin sind zuletzt sogar Teilnehmer aus Schottland, der Türkei und Russland gekommen.

Die ausdauernde Arbeit meines Vaters macht sich bezahlt, es gibt eine tolle Dynamik in Schwerin, sowohl in der Kinder-, als auch der Erwachsenengruppe.

Auch die vielen Vorführungen tragen dazu bei. Da wir ja keine Wettkämpfe haben, sind die Prüfungen und Vorführungen unsere Möglichkeit zu zeigen, was wir gelernt haben. Andersherum werden auch viele Menschen durch diese Veranstaltungen auf uns aufmerksam.

Frage: Welche Ziele haben Sie – nicht nur im Aikido – für das zweite Halbjahr 2016?

Anna Congard: Mein FSJ neigt sich dem Ende zu und ich möchte zum Wintersemester ein Studium beginnen. Ich weiß noch immer nicht so recht, was ich später beruflich machen möchte. Trotzdem werde ich mich jetzt für BWL einschreiben, und sehen, ob es das richtige für mich ist.

Was Aikido betrifft möchte ich wieder regelmäßig zum Training gehen und an so vielen Lehrgängen wie möglich teilnehmen. Außerdem wird es Zeit, dass ich selbst anfange, zu unterrichten. Davor habe ich mich bis jetzt immer gesträubt, aber mit den Erfahrungen aus meinem FSJ traue ich es mir langsam auch zu. Vielleicht ergibt sich im nächsten Jahr eine Möglichkeit.

Außerdem würde ich gerne weiterhin im Segelverein helfen und vielleicht noch einen neuen Sport anfangen. Die Herausforderung wird dann sein, „alles unter einen Hut zu bekommen“.

Frage: Der Hochleistungssport wird immer kommerzieller, politischer und gigantischer… Können Sie persönlich solchen Großereignissen, wie der Fußball-WM, den Olympischen Spielen oder den Paralympics, noch etwas abgewinnen?

Anna Congard: Sie haben Recht, auch im Sport ist eine Menge Geld im Spiel, leider in manchen Sportarten sehr viel mehr, als in anderen. Das finde ich sehr traurig, denn es ist immer viel Arbeit nötig, um Spitzensport zu betreiben. Wie viele Sportler könnte man wohl von dem Ablösegeld eines einzigen Fußballers unterstützen?

Es gibt eine Handvoll Sportarten, die ich mir auch bei Großereignissen wie Olympia immer wieder gerne ansehe, zum Beispiel Tennis, Turnen und Boxen. Und weil in Rio mehrere Sportler aus M-V starten, fiebere ich da ganz besonders mit.

Letzte Frage: Was bedeutet für Sie Sport allgemein und speziell Aikido? – Verfolgten Sie auch ein wenig die Fußball-EM in Frankreich?

Anna Congard: Ich brauche Sport, ohne bin ich einfach nicht glücklich.

Wie schon gesagt habe ich im letzten Jahr weniger Aikido gemacht, bin aber dafür morgens ins Fitness-Studio oder laufen gegangen. Das macht mir auch alles Spaß und hilft beim Wohlfühlen, aber nach einer Weile fehlt mir die (Aikido-)Matte schon sehr. Die Anstrengung ist einfach nicht die gleiche.

Natürlich habe ich auch die Fußball-EM verfolgt, angesehen habe ich mir dann aber  nur die Spiele der deutschen und französischen Mannschaften.

Vielen Dank, weiterhin alles erdenklich Gute und maximale Erfolge!

Marko Michels