Ob Groß oder Klein, Jung oder Alt – jeder kann es tun, wenn er sich nur traut. Sportklettern, insbesondere Bouldern, wird in Deutschland immer populärer. Jetzt wurde diese Sportart sogar für die Olympischen Spiele 2020 in Tokyo zugelassen. Da wundert es wohl niemanden, dass sogenannte „Kletterhallen“ immer beliebter werden und sich Ihre Betreiber über stetig steigende Besucherzahlen freuen dürfen. Verschiedene Schwierigkeitsgrade, vom Anfänger bis zum Profi, können getestet und überwunden werden. An erster Stelle steht natürlich der Spaß! Aber auch die körperliche Herausforderung, das Überwinden eigener Grenzen und das Gemeinschaftsgefühl kommen hier nicht zu kurz!

Klettersegel und Boulderboot auf dem Schweriner Bauspielplatz (FOTO: MBC Schwerin)

Nachgefragt bei Andreas Stumpf, 1. Vorsitzender des Mecklenburger Bergsteiger Club Schwerin

Herr Stumpf, Sportklettern erlebt zurzeit einen kleinen Höhenflug. Was ist das faszinierende daran?

Nahezu jeder kann es ausüben und auf Grund der immer größeren Kletterhallendichte für viele gut erreichbar und man kann dem Klettersport frönen ohne großen Erfahrungsschatz und mit einem kleinen Sicherheitsrisiko.

Welche Vorteile bietet eine Mitgliedschaft bei Ihnen. Welche Klettersdiziplinen decken Sie ab?

Es bietet finanzielle Vorteile, bei der Nutzung der Infrastruktur wie bestimmte Kletter und Boulderhallen, Unterkünfte im Mittelgebirge und den Alpen. Vor allem aber die fachliche Anleitung und gemeinsam etwas zu machen.
Es gibt eine Reihe von Spielarten des klettern. Hier nur einige: Bouldern – klettern ohne Sicherung in Absprunghöhe, Sportklettern – drinnen und draußen – die Sicherungsabstände sind relativ gering und eingerichtet. Alpines klettern – weitere Sicherungsabstände, eingerichtete Sicherungspunkte und oft auch arbeiten mit mobilen Sicherungen, Bergsteigen und Hochtouren.

Welche Anlagen stehen ihren Mitgliedern in und um Schwerin zur Verfügung?

In Schwerin steht die Kletterwand im Belasso zur Verfügung und das Klettersegel bzw. Boulderboot auf dem Bauspielplatz. Eine weitere Kletterwand steht in Ventschow und wird von unseren Mitgliedern betreut. Ansonsten gibt es Kletteranlagen in Lübeck, Hamburg, Lüneburg, Rostock usw.

Gibt es ein „bestes Alter“, um mit dem Klettern zu beginnen? Welche Altersklassen sieht man in ihrem Verein?

Möglichst Früh, so mit 5 – 6 Jahren kann begonnen werden . Derzeit klettern alle Altersklassen von 5 bis 65 Jahre.

Benötige ich bestimmte Vorkenntnisse als Anfänger? Kann ich mich mit anderen Sportarten vorbereiten?

Ich benötige eine Reihe von Sicherheitsstandards um sicher zu klettern . Eine allgemeine Fitness ist immer von Vorteil.

Ab 2020 wird man bei den Olympischen Spielen die Disziplinen “Bouldern“ „Lead“ und „Speed“ in der Form des „Olympic Combined“ sehen dürfen? Hat das bereits jetzt Auswirkungen auf den Zulauf zu Ihnen bzw. allgemein zum Dachverband, dem Deutschen Aplenverein?

Ich denke das wird nochmal einen zusätzlichen Schub neuer Indorkletteranlagen geben. Auch wird das Sportklettern in den Sportklettergebieten der Mittelgebirge und der Alpen mehr Kletterer aufnehmen müssen.

Nehmen wir an, ich bin am organisierten Wettkampfklettern interessiert? Geht das bei Ihnen?

Du kannst als Mitglied im DAV eine Nationale Wettkampflizenz beantragen und mit dieser kannst du dich in regionalen Meisterschaften für die deutschen Meisterschaften oder dem deutschen Jugendcup qualifizieren. Zum alljährlichen Jedermann Wettkampf, den unsere Sektion organisiert, kannst du dich einfach anmelden. Auf unserer WEB – Seite, im Jahressportplan stehen die Termine mit Ansprechpartner.

Wie sieht die Vereins- und Wettkampfstruktur in Mecklenburg-Vorpommern aus?

Sehr dünn. Wir organisieren seit einigen Jahren im Belasso ein Jedermann Wettkampf, der in der Regel Anfang November stattfindet.

Ihre eigene Passion?

Sehr gern Alpines klettern, Bergsteigen und Hochtouren

Herzlichen Dank und viel Erfolg in all ihren sportlichen Vorhaben.


 

Angemerkt: Beitrag zum Sportklettern / Interview mit dem MBC vom 25.März 2019 (SCHWERIN-BLOG)

Immer weiter – zu höheren Zielen

Die Kraxler sind ebenfalls bald auf Olympia-Tour…

Jetzt gehört der „Olymp“ auch schon den Kraxlern… Bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokyo steht das „Sportklettern“, das „Climbing“, erstmals auf dem Programm. Auch in Mecklenburg-Vorpommern gibt es ambitionierte „Kletterer“ und Bergsteiger, so beim Mecklenburger Bergsteiger-Club Schwerin.

Wie verlief dessen bisheriges Jahr?!

Nachgefragt bei Andreas Stumpf, erster Vorsitzender des Mecklenburger Bergsteiger-Clubs Schwerin (MBC Schwerin)

A.Stumpf über das Klettern und die Aktivitäten des MBC in Schwerin 2019

„Die großen Highlights sind die individuellen Erlebnisse…“

Frage: Das neue Jahr bringt auch für die Kletterinnen und Kletterer neue Herausforderungen. Was steht für den MBC 2019 auf dem Programm?

Andreas Stumpf: Zunächst: Den Mecklenburger Bergsteiger Club e.V. (MBC) feiert im Jahr 2019 ein Jubiläum. Seit 25 Jahren gibt es ihn nämlich schon. Er bietet ein Zuhause für Kletterinnen und Kletterer in allen bekannten Spielarten, für Wanderer zu Fuß oder mit dem Fahrrad, mit Skiern und für jene, die im Wasser mit Kanu/Kajak unterwegs sind. Ein Teil der Aktivitäten spiegeln sich im Jahressportplan wieder, aber auch in den vielen privaten Gemeinschaftstouren.

Zum Aktuellen: Für das Jahr 2019 sind einige Aktivitäten geplant. So geht es im Frühjahr in die Sächsische Schweiz, zum Klettern und Wandern. Weiterhin wird Himmelfahrt eine Kletterfahrt in die Fränkische Schweiz organisiert. Im Juni findet die alljährliche Fahrradtour statt, Start ist in Krakow am See. Es folgen Wander- und Klettersteigtouren und vieles mehr.

Frage: Ein Blick auf die letzten Jahre… Wie verlief die Entwicklung des MBC? Was waren die Highlights im Vereinsleben?

Andreas Stumpf: Abgesehen von den stetig steigenden Mitgliederzahlen, wurden eine Menge Zeit, Fleiß und finanzielle Mittel in die fachliche Ausbildung gesteckt. So wurden in den letzten zehn Jahren zwei Fachübungsleiter für Bergsteigen, zwei Trainer C für das Sportklettern und drei Wanderleiter ausgebildet.

Etabliert hat sich der im November jeden Jahres stattfindende Kletterwettkampf im belasso. Mittlerweile ist die Kapazitätsgrenze für die recht kleine Kletteranlage jedoch erreicht.

Die großen Highlights sind jedoch all die individuellen Erlebnisse, die bei jedem Einzelnen in Erinnerung bleiben.

Frage: Seit wann gibt es den MBC eigentlich? Wie viele Mitglieder hat dieser? Und: Wie ist der Zuspruch der jungen Kletter-Talente zum MBC?

Andreas Stumpf: Wie schon gesagt, hat der MBC in 2019 sein 25jähriges Jubiläum. Momentan bewegt sich die Mitgliederzahl um die 500. Junge Klettertalente gibt es bei uns natürlich auch. Der dreizehnjährige Tarek Robrahn startete im letzten Jahr bei der Norddeutschen Meisterschaft im Lead in Hannover und belegte dort den ersten Platz. In diesem Jahr belegte er bei der Norddeutschen Boulder-Meisterschaft in Hamburg außerdem den dritten Rang.

Frage: Gibt es eine Zusammenarbeit mit anderen „Kletter“-Vereinen in M-V

Andreas Stumpf: Auf jeden Fall, besonders mit der Rostocker Sektion verbindet uns eine enge Zusammenarbeit. Zum Jedermann-Wettkampf treffen sich die Ost-Norddeutschen Sektionen und tauschen sich aus. Auch bei den Fortbildungen wird sich auf Vereinsebene rege ausgetauscht.

Frage: 2020, bei Olympia in Tokyo, ist das Sportklettern erstmals olympisch. Wie beurteilen Sie dessen Aufnahme in das olympische Programm?

Andreas Stumpf: Darüber freuen wir uns natürlich. Endlich wird das Klettern olympisch… Es sind spannende Wettkämpfe zu erwarten. Wie auch bei anderen Sportarten ist die Leistungsdichte hoch…

Frage: Was ist für Sie persönlich das Faszinierende am Bergsteigen und am Klettern?

Andreas Stumpf: Für mich ist es das Schönste, die Aktivität in der freien Natur. Sehr gern bin ich im Elbsandsteingebirge klettern und wenn es dort einmal regnet, geht es eben zum Wandern. Auch begeistert mich das alpine Klettern. Tollen Gipfelerlebnisse und mit Freunden auf Tour zu sein – etwas noch Besseres gibt es nicht!

Letzte Frage: Seit mehr als 20 Jahren gibt es im belasso die Möglichkeit zum Klettern. Wie beurteilen Sie die dortigen Kletter- und Sportmöglichkeiten?

Andreas Stumpf: Das ist eine gute Sache für das Klettertraining und um sich unter Gleichgesinnten zu treffen. Wir betreuen auch Kletterfreudige außerhalb des Vereins und geben somit wichtige aktuelle Sicherheitsstandards weiter, um die Sicherheit zu gewährleisten. Für die Zukunft wünschen wir uns, dass die Zusammenarbeit mit dem belasso noch enger wird, so dass alle weiterhin davon profitieren können.

Vielen Dank, weiterhin bestes Engagement für das Klettern und maximale Erfolge dabei!



Zur Info:

Rückblick auf die WM im Sportklettern 2018

Vom 6.September bis 16.September 2018 fanden die Weltmeisterschaften im Climbing, im Sportklettern, in Innsbruck statt.

Auf dem Programm standen acht Entscheidungen, je vier bei den Frauen bzw. bei den Männern, in den Disziplinen „Schwierigkeitsklettern“, „Speedklettern“, „Bouldern“ und „Kombination“. Am erfolgreichsten war Österreich mit dreimal Gold und einmal Bronze. Je zwei Titel schaffte Slowenien. Und die restlichen drei Titel teilten sich Japan, Polen und der Iran.

Auch die Sportkletterinnen und Sportkletterer aus Südkorea, Tschechien, Frankreich, Deutschland, Russland und Serbien errangen Medaillen. Für die deutschen Sportkletterer gab es zwei Bronzemedaillen durch Alexander Megos im Schwierigkeitsklettern und durch Jan Hoyer in der Kombination.

In der Kombination werden in Tokyo 2020 dann olympische Medaillen vergeben. Bei der WM 2018 in Innsbruck setzte sich dort bei den Frauen Janja Garnbret aus Slowenien vor Sol Sa aus Südkorea und Jessica Pilz aus Österreich.

In der Kombination der Herren jubelte Jakob Schubert aus Österreich vor Adam Ondra aus Tschechien und Jan Hoyer aus Deutschland.

Die Titel im Schwierigkeitsklettern holten Jessica Pilz (Österreich) bei den Frauen bzw. Jakob Schubert (Österreich) bei den Herren, im Speedklettern Aleksandra Rudzinska (Polen) bei den Frauen bzw. Reza Alipourshenazandifar (Iran) bei den Herren und im Bouldern Janja Garnbret (Slowenien) bei den Frauen bzw. Kai Harada (Japan) bei den Herren.

Übrigens: Der olympische Bergsteigerpreis Prix olympiqued’alpinisme wurden bei den Spielen 1924 in Paris, 1932 in Los Angeles und 1936 in Berlin vergeben. Aus deutscher Sicht erhielten diesen Preis die Brüder Toni und Franz Schmid für die Erstbesteigung der Nordwand des Matterhorns im Jahr 1931 im Rahmen der Spiele 1932 zugesprochen.

M.Michels