VBRS-Geschäftsführerin Dr. Monika Knauer  über Vergangenes und Kommendes im Handicapsport

Die Hanse- und Universitätsstadt Rostock ist bekanntlich auch Sportstadt. Seit 1908 brachte sie immer wieder erfolgreiche olympische und paralympische Athleten hervor. In den unterschiedlichsten Sportarten konnten Rostockerinnen und Rostocker seither beeindrucken. Vor allem die maritimen Disziplinen wie Segeln, Rudern, Kanu-Rennsport, Wasserspringen oder Schwimmen zählen dazu. Aber auch in der Leichtathletik, im Ringen oder im Ballsport konnten verschiedene Erfolge gefeiert werden.

Und im Sportjahr 2018? Erst kürzlich luden Hansestadt und Stadtsportbund zur Sportlerehrung in die Stadthalle ein. Dabei stachen ein paar Erkenntnisse deutlich hervor: Ganze sechs Deutsche Meisterschaften wurden im vergangenen Jahr in der Regiopole ausgetragen. Rostocker Sportlerinnen und Sportlern leisteten bei nationalen und internationalen Sportevents Großes. Einige schrieben gar Sportgeschichte. Und der Rostocker Para-Sport war 2018 so erfolgreich wie nie zuvor.

Welche Athletinnen und Athleten mit Handicap erhielten eine Auszeichnung? Welche para-sportlichen Höhepunkte werden 2019 in M-V stattfinden? Nachgefragt bei Dr. Monika Knauer, Geschäftsführerin des Verbandes für Behinderten- und Reha-Sport Mecklenburg-Vorpommern (VBRS MV).

Symbolbild – Handicap-Sport

Interview

„Rostock ist das Zentrum für den paralympischen Sport in M-V…“

Frage: Frau Knauer, zur Sportlerehrung der Stadt Rostock: Welche paralympischen Athleten beeindruckten? Was waren aus Rostocker Sicht 2018 ganz wichtige Events?

Dr. Monika Knauer: Ich persönlich war bei der Sportlerehrung der Stadt Rostock nicht dabei. Daher kann ich auch nur für den Handicapsport sprechen. Wichtige sportliche Höhepunkte 2018 unseres Verbandes in Rostock waren der Sportlerempfang, der  30. Jugend-Länder-Cup der Deutschen Behindertensportjugend,  die Deutschen Meisterschaften im Fechten und Rollstuhlfechten, die Super European Goalball League und das 27. Herbstspiel- und –Sportfest für Kinder und Jugendliche im November. International waren auch schon mit Blick auf die Paralympics 2020 in Tokio die Weltmeisterschaften im Goalball sowie die Europameisterschaften im Para Schwimmen und im Rollstuhlfechten, an denen Athleten aus Rostock erfolgreich teilgenommen haben, die Höhepunkte.

Besonders beeindruckt war ich von Reno Tiede (Rostocker Goalballclub Hansa), der sich mit der Deutschen Goalballnationalmannschaft als Vizeweltmeister vorzeitig für Tokio qualifizierte. Ebenso ziehe ich den Hut vor unseren drei Para Schwimmerinnen vom Hanse Schwimmverein Rostock – TOP Athletin Denis Grahl und die beiden Nachwuchsathletinnen  Neele Labudda und Katherina Rösler. Alle drei überzeugten bei der EM in Dublin mit den tollen Ergebnissen.

Zu den Höhepunkten 2018 zählen auch, die Wahl von Denise Grahl als Nachwuchsathletin des Jahres 2018 bundesweit und die Auszeichnung von Neele Labudda als Eliteschülerin des Sports 2018. Auch Rollstuhlfechterin Sylvi Tauber überzeugte 2018 mit TOP 10 – Platzierungen bei der EM und die den World-Cup-Turnieren, mit denen sie sich hoffnungsvoll  in der Weltrangliste platzieren konnte.

Frage: Wie beurteilen Sie die Entwicklung des Handicap-Sportes in M-V, speziell in Rostock?

Dr. Monika Knauer: Der Para-Sport hat sich landesweit und insbesondere in Rostock in den letzten Jahren kontinuierlich entwickelt. Das belegen unter anderem die Erfolge der Athletinnen und Athleten im Nachwuchs- und Spitzensport, aber auch die Anzahl der durch das Land und den Bundesverband  anerkannten Stützpunkte. Aktuell sind im Bundeskader 17 Athleten, darunter  neun Athleten aus Rostock.

In Rostock sind neben den Landesstützpunkten Para Leichtathletik in Greifswald und Goalball-Nachwuchs in Neukloster, ein Landesleistungszentrum Para Schwimmen, ein Landesstützpunkt Rollstuhlfechten und ein Paralympischer Trainingsstützpunkt Goalball anerkannt. Unser Ziel ist es, ab 2021 für Rostock auch die Anerkennung eines Paralympischen Trainingsstützpunktes im Para-Schwimmen zu bekommen. Die Hanse- und Universitätsstadt  ist nicht nur ein wichtiger Standort, sondern bereits jetzt das Zentrum für den paralympischen Sport in M-V. Die Stadt fördert den Sport insgesamt sehr umfänglich und vielfältig und ist seit vielen Jahren bemüht, für den Handicapsport die notwendigen Rahmenbedingungen zu  schaffen.

Frage: Welche para-sportlichen Höhepunkte stehen hierzulande im ersten Jahresdrittel 2019 auf dem Programm?

Dr. Monika Knauer: Das erste Jahresdrittel ist noch etwas ruhig. Auf Landesebene hatten wir am vergangenen Wochenende in Rostock unseren Neujahrsempfang. Für die Radsportler ist die im März im niederländischen Appeldorn stattfindende WM eine erste Standortbestimmung und Qualifikations-Gelegenheit für Tokio. Die Rollstuhlfechter kämpfen bei den ersten Worldcup-Turnieren in Dubai und Pisa um wichtige Weltranglistenpunkte. Die Para-Leichtathleten bereiten sich bei einem Leistungslehrgang des Deutschen Behinderten-Sportverbandes in Dubai auf die Wettkampfhöhepunkte 2019 vor.

Der Rostocker Goalballclub Hansa lädt dann im März zum Spieltag der Super European Goalball League in Malmö und die Nording Bulls haben ihren zweiten Spieltag in der ersten Bundesliga Powerchair Hockey.

Letzte Frage: Wie viele Ihrer Athletinnen und Athleten haben Chancen bei den Paralympischen Spielen 2020 dabei zu sein?

Dr. Monika Knauer: Zum jetzigen Zeitpunkt haben insbesondere die Athletinnen und Athleten des  WIR IN TOKIO – TOP Teams 2020 Chancen für Tokio. Reno Tiede vom Rostocker Goalballclub Hansa ist mit der deutschen Goalballnationalmannschaft bereits qualifiziert. Vorausgesetzt das Training läuft planmäßig und die Gesundheit spielt mit, zählen die Para-Judoka Carmen und Ramona Brussig, beide PSV Schwerin e.V., die Tandem-Teams im Para-Radsport Stefan Nimke, PSV Schwerin, mit seinem sehbehinderten Partner Tim Kleinwächter, sowie Kai Kruse mit seinem neuen Tandempiloten Robert Förstemann, beide Schweriner SC, die Para-Leichtathletin Lindy Ave, HSG Universität Greifswald, die Rollstuhlfechterin Sylvi Tauber, TuS Makkabi Rostock, und die Para-Schwimmerin Denise Grahl vom Hanse Schwimmverein Rostock zu den Kandidaten.

Aber auch einige Nachwuchs-Athleten aus dem WIR – PERSPEKTIV Team 2024/2025 haben die Chance auf eine Nominierung. Dazu zählt beispielsweise die Para-Leichtathletin Hanna Wichmann von der HSG Universität Greifswald.

Vielen Dank und weiterhin bestes Engagement für den Handicap-Sport in M-V!


 

Rückblick

Die Teilnehmer der Paralympics 2016

Das Rostocker Olympia- und Paralympics-Team 2016. Im Vordergrund auch Sabine Briese-Baetke, die ihre Karriere beendete, Denise Grahl und weitere Athleten. Foto: Wolfgang Gross

Bei den Sommer-Paralympics 2016 in Rio de Janeiro starteten für M-V:

  • im Judo Ramona und Carmen Brussig (beide PSV Schwerin)
  • im Radsport Stefan Nimke (Pilot, PSV Schwerin) mit Kai Kruse (Schweriner SC)
  • im Goalball Reno Tiede, Thomas Steiger und Christian Friebel (alle Rostocker Goalball-Club)
  • im Rollstuhl-Fechten Simone Briese-Baetke und Balwinder Cheema (beide TuS Makkabi Rostock)
  • in der Leichtathletik Jana Schmidt (1.LAV Rostock) und Lindy Ave (HSG Uni Greifswald) 
  • im Schwimmen Denise Grahl (Hanse SV Rostock)

Dazu kommen noch folgende in MV geborene AthletInnen:

  • die Greifswalderin Verena Schott (Schwimmen, für Berlin startend)
  • der Schweriner Torben Schmidtke (Schwimmen, für Potsdam startend),
  • die Ueckermünderin Marianne Buggenhagen (Leichtathletik, für Berlin startend),
  • die Pasewalkerin Martina Willing (Leichtathletik, für Cottbus startend) 
  • die Schwerinerin Vanessa Low (Leichtathletik, für Leverkusen startend)

M.Michels