Bernd Segebarth, früherer Präsident des Landesschachverbandes M-V und Aktiver bei den Schachfreunden Schwerin, über den Schachsport in M-V

Seit fast 170 Jahren gibt es den organisierten Schachsport in Mecklenburg-Vorpommern. Wie steht es aber um die aktuelle Entwicklung rund um das königliche Spiel, speziell in Schwerin? Bernd Segebarth über die Arbeit der Schachfreunde Schwerin, kommende Höhepunkte und Turniere im regionalen Schachsport, die Talente-Gewinnung und die globale Entwicklung…

Symbolbild: Schach

Herr Segebarth, Sie sind ja weiterhin im schachsportlichen (Un-)Ruhestand bei den Schachfreunden Schwerin. Wie verlief die aktuelle Entwicklung der „SF“?

Die Schachfreunde Schwerin sind mit rund 100 Mitgliedern der größte Schachverein in MV und zugleich ein Stützpunktverein beim LSB MV. Der Verein wirkt neben dem eigentlichen Wettkampfbetrieb sowohl bei den Jugendlichen als auch bei den Erwachsenen in vielen Bereichen, so bei der Integration von Migranten, bei den Senioren, bei Aktivitäten innerhalb und außerhalb des Vereins und insbesondere auch in Schulen.

Wie verliefen die ersten Turniere des Jahres aus Sicht der Schweriner?

Turniere stehen aufgrund des prall gefüllten Termin-Kalenders erst zum Saison-Abschluss an. Momentan geht es in allen Ligen in die End-Phase der Meisterschaft. Hier haben die Schachfreunde durchweg gute Ausgangspositionen. Vom 25. bis 31. März findet in Binz die Landesmeisterschft der Senioren statt. Diese Meisterschaft erfreut sich mit 60 bis 70 Teilnehmern immer großer Beliebtheit.

Vorher werden in Greifswald noch die Landesmeister und Landesmeisterinnen gesucht (vom 13. bis 16. April). Wer sind die Titelverteidiger?

Titelverteidiger bei den Herren ist Nick Müller (Greifswalder SC). Bei den Damen  möchte Svetlana Morosova (Think Rochade Rostock) ihren Titel verteidigen.

Wie ist eigentlich der Zuspruch der jungen Talente zum Schachsport in Schwerin? Wie ist dort die Entwicklung?

Die Schachfreude Schwerin führen eine umfangreiche Nachwuchsarbeit in allen Altersklassen durch. Auch die Gewinnung neuer Jugendlicher über die Aktivitäten „Schule und Verein“ ist ständiger Schwerpunkt. Der Zuspruch ist dabei rege.

Die amtierende Weltmeisterin bzw. der amtierende Weltmeister sind Ju Wenjun (China) und Magnus Carlsen (Norwegen). Beim offenen Turnier der Schach-Olympiade 2018 triumphierte China. Wie beurteilen Sie die globale Entwicklung?

Bernd Segebarth: Die Frage ist schwierig zu beantworten. Durch die Entwicklung leistungsstarker Schachprogramme hat das Schachspiel ganz neue Dimensionen erreicht. Augenscheinlich ist, dass die Weltspitze breiter, aber insbesondere auch immer jünger wird. Dabei sind China und Indien die Länder, die immer neue Talente hervorbringen.

Frage: Für die kommenden neun Monate: Welche wichtigen Veranstaltungen wird es in M-V noch geben?

Da sind an dieser Stelle die bereits erwähnten Landestitelkämpfe M-V zu erwähnen. Nach Saison-Schluss im April folgt dann eine Vielzahl von Turnieren, die bereits eine langjährige Tradition haben.  Exemplarisch seien dabei die Turniere in  Rostock, in Greifswald, in Neubrandenburg und in Torgelow genannt. Aber auch die kleineren Vereine zum Beispiel in Parchim und Gadebusch richten jährlich Turniere aus.

Vielen Dank, dann weiterhin bestes Engagement für den Schachsport und maximale Erfolge!


Aus der regionalen Schachhistorie…

Der Schachsport gerade in Schwerin hat eine große Tradition. Der erste „Schach-Verein“ in Schwerin war im Jahr 1859 gegründet worden, löste sich aber mangels Interessenten wieder auf.  Auch der Schweriner „Schach-Verein“, der sich am 17. Mai 1878 konstituierte, musste seinen „Spielbetrieb“ infolge der dürftigen Resonanz unter den Schwerinern wieder einstellen. Vor 108 Jahren, am 31. Januar 1911, erfolgte schließlich die Neugründung des „Schweriner Schachklubs“. Noch im selben Jahr lud dieser zum 14. Schachkongreß in Mecklenburg ein.
In Rostock wurde unterdessen 1878 der erste Schachclub „ins Leben gerufen“.
Wesentlich älter – und sogar der älteste Schach-Club in M-V – ist jener in Friedland, der 1851 entstand.

Ein bekannter Schachspieler aus unserem Bundesland ist Dr.Werner Stern, der in Löcknitz (Uecker-Randow) geboren wurde, und die Europameister-Titel 1965 und 1973 erkämpfte. Er gehörte zeitweise zum DDR-Team, das im Finale bei der 10. Fernschach-Olympiade ab 1987 stand (erst 1995 endete sie) und hinter der UdSSR und der CSSR mit Bronze die letzte Sport-Medaille für die inzwischen nicht mehr existierenden DDR gewann.

 

Übrigens: Gegenwärtig gibt es in M-V 48 Schach-Verein mit fast 1200 aktiven Schachspielern. Sehr aktive und erfolgreiche Vereine sind der SC Neukloster, der SSC Rostock, Eintracht Neubrandenburg, der Greifswalder SV und die Schachfreunde Schwerin.

mi.