Das 62.Internationale Neptunschwimmfest in Rostock bereits in Sichtweite

In den letzten drei Monaten gibt es für die Schwimmerinnen und Schwimmer aus M-V noch einige Einsätze. So steht am 14.Oktober der Herbstmehrkampf in Stralsund auf dem Programm.

Es folgen vom 27.Oktober bis 29.Oktober das 62.Internationale Neptunschwimmfest in Rostock, am 4.November der Inselsprint in Zinnowitz und vom 25.November bis 26.November der Norddeutsche Jugendländervergleich in Potsdam. Bei dem konnten vor Jahresfrist in Braunschweig die schwimmsportiven Athletinnen und Athleten aus M-V einmal Silber, fünfmal Bronze gewinnen.

2017 mit zahlreichen schwimmsportlichen Höhepunkten

Bei den WM im Beckenschwimmen in Budapest 2017 wurden die USA erwartungsgemäß mit 38 Medaillen, darunter 18 x Gold, die erfolgreichste Schwimm-Nation. Vor zwölf Monaten, bei den olympischen Konkurrenzen im Becken-Schwimmen in Rio 2016, hatten die USA ebenfalls den Löwen-Anteil der Medaillen erkämpft: 33 Plaketten, darunter 16 x Gold.

Während die deutschen Schwimmerinnen und Schwimmer in Rio noch leer ausgingen, gab es in Budapest 2017 zumindest eine Medaille: durch Franziska Hentke (Silber) über 200 Meter Schmetterling.

Im Elite-Bereich hat M-V – bis auf den gebürtigen Schweriner Carl Louis Schwarz, dem Rücken-Spezialisten, der für Potsdam startet – derzeit leider keine Schwimmerin und keinen Schwimmer mit Olympia- und WM-Ambitionen.

Das war einmal anders…

Vor mehr als drei Jahrzehnten – M-V-Erfolge im olympischen Schwimmen

Die Olympischen Spiele einer M-V-Troika – Schwimm-Goldmedaillen 1980 für Caren Metschuck, Andrea Pollack und Sarina Hülsenbeck

Vor 36 Jahren, bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau, waren die Schwimmerinnen der DDR im olympischen Schwimmbecken eine Klasse für sich, wobei auch drei Mecklenburgerinnen Schwimmsport-Geschichte mitschrieben. Allerdings: Die noch 1978 während der WM im Westteil Berlins so erfolgreichen US-Amerikanerinnen, die Kanadierinnen, die Japanerinnen oder die westdeutschen Athletinnen fehlten – der Boykott des Westblocks in Moskau war dabei ein politisches Armutszeugnis, wie bereits der „Afrika-Boykott“ 1976 oder der Boykott des Ostblocks 1984 …

Nichtsdestotrotz: Es gab eine Reihe hochklassiger Leistungen bei den Damen, so sechs Weltrekorde und insgesamt 11 olympische Rekorde in dreizehn Entscheidungen.

Von 39 Medaillen erkämpften die DDR-Athletinnen 26, davon 11 x Gold, 8 x Silber und 7 x Bronze. Allein der Litauerin Lina Kaciusyte über 200 Meter Brust und der Australierin Michelle Ford über 800 Meter Freistil gelangen es, diese Siegesserie der DDR-Schwimmerinnen zu unterbrechen.

Die restlichen 13 Medaillen, die nicht an die DDR-Schwimmerinnen gingen, teilten sich die Sowjetunion (1 x Gold, 2 x Silber, 2 x Bronze), Australien (1 x Gold, 1 x Bronze), Großbritannien (2 x Silber), Schweden (1 x Silber), die Niederlande, Dänemark und Polen (je 1 x Bronze).

Die erfolgreichste Schwimmerin 1980 in Moskau und zugleich erfolgreichste Olympionikin`80 war die gebürtige Greifswalderin und Starterin für den SC Empor Rostock, Caren Metschuck, Mutter der heutigen Langstrecken-Schwimmerin Antje Mahn, die Gold über 100 Meter Butterfly, mit der 4 x 100 Meter Freistil-Staffel und mit der 4 x 100 Meter Lagen-Staffel gewann. Dazu gab es Silber über 100 Meter Freistil.

Die gebürtige Schwerinerin Andrea Pollack, Jahrgang 1961, Starterin des SC Dynamo Berlin, holte in Moskau Gold mit der Lagen-Staffel (zusammen mit Caren Metschuck) und Silber über 100 Meter Butterfly (hinter Caren Metschuck). Bereits 1976 in Montreal hatte Andrea Pollack Gold über 200 Meter Butterfly und mit der Lagen-Staffel erschwommen. Des Weiteren erkämpfte sie 1976 Silber über 4 x 100 Meter Freistil und über 100 Meter Butterfly.

Eine gebürtige Rostockerin, Jahrgang 1962, war im Schwimmbad „Olimpijski“ am Prospekt Mira 1980 ebenfalls auf Gold-Kurs. Sarina Hülsenbeck siegte mit der 4 x 100 Meter Freistilstaffel, in der auch Barbara Krause, Caren Metschuck und Ines Diers vertreten waren, in der damaligen Weltrekordzeit von 3:42,71 – vor Schweden und den Niederlanden.

Von Moskau 1980 zurück nach Leipzig 1962 – und die dortigen Rostocker Erfolge

Waren vor 36 Jahren, bei Olympia in Moskau, drei Mecklenburgerinnen sehr erfolgreich im Schwimmbecken, so gilt dieses für zwei Mecklenburgerinnen und drei Mecklenburger vor genau 55 Jahren bei den zehnten Schwimm-Europameisterschaften 1962 in Leipzig.

Dominierten in der Messestadt im Schwimmbecken bei den Frauen seinerzeit die Niederlande mit 5 x Gold, 4 x Silber und 2 x Bronze, vor dem DDR-Team mit 2 x Gold, 1 x Silber und 2 x Bronze und Großbritannien mit 1 x Gold, 3 x Silber und 1 x Bronze, so war bei den Herren die UdSSR mit 4 x Gold und 2 x Silber vor Frankreich mit 2 x Gold und 1 x Silber am besten. EM-Goldmedaillen bei den Schwimmern gingen auch je einmal an Schweden, Ungarn, die Niederlande und die DDR (Herren-Ausbeute: 1 x Gold, 1 x Silber, 4 x Bronze).

Medaillen bei den Herren erkämpften damals auch die Sportler vom ASK Vorwärts Rostock Frank Wiegand, Egon Henninger und Jochen Herbst. Frank Wiegand gewann zweimal Bronze (400 Meter Freistil, 4 x 200 Meter Freistil) und Gold (4 x 100 Meter Lagen), Jochen Herbst erkämpfte einmal Bronze (4 x 200 Meter Freistil) und Egon Henninger war ebenfalls Mitglied der goldenen DDR-Staffel über 4 x 100 Meter Lagen.

Die Dresdnerin und spätere Wahl-Rostockerin Ingrid Krämer war mit zweimal Gold vom Brett und vom Turm die beste Wasserspringerin in Leipzig 1962. Vom Brett siegte sie vor Christiane Lanzke vom SC Empor Rostock. Die DDR war mit 2 x Gold, 3 x Silber und 1 x Bronze die beste Nation im Wasserspringen`62.

Das Wasserball-Turnier der Herren war eine Angelegenheit für die Ungarn, welche die UdssR und Jugoslawien auf die Plätze verwies.

Die EM 1962 fand inmitten des olympischen Zyklus 1960/64 statt, war damals eine wichtige sportliche Bestandsaufnahme vor den Spielen 1964 in Tokyo (und Tokyo ist ja 2020 wieder Austragungsort der Olympischen Spiele).

Zwei Jahre vor Leipzig, bei den Spielen 1960 in Rom, hatte Bärbel Fuhrmann, verheiratete von Fircks, mit Bronze (4 x 100 Meter Lagen) die erste Schwimm-Medaille für Rostock errungen. Im Wasserspringen brach Ingrid Krämer, für Dresden startend, sowohl vom Brett als auch vom Turm die bis dato existierende Überlegenheit der US-Amerikanerinnen.

In Tokyo 1964 gab es dann für Frank Wiegand und Egon Henninger wiederum Edelmetall. Dreimal Silber (400 Meter Freistil, 4 x 100 Meter Freistil, 4 x 200 Meter Freistil) sicherte sich Frank Wiegand, Egon Henninger war mit Silber (4 x 100 Meter Lagen) ebenfalls auf Medaillen-Jagd. Im Wasserspringen konnte Ingrid Krämer, 1964 für Rostock startend, erneut Platz eins (Brett )sowie Platz zwei (Turm) belegen.

Olympische Bestenliste im M-V-Schwimmsport:

1. Andrea Pollack (Schwerin/Berlin): 3 x Gold / 3 x Siber (1976/80) / 2. Caren Metschuck-Mahn (Greifswald/Rostock): 3 x Gold / 1 x Silber (1980) / 3. Sarina Hülsenbeck (Rostock/Potsdam): 1 x Gold (1980) / 4. Frank Wiegand (Dresden/Rostock): 4 x Silber (1964/68) / 5. Egon Henninger (Rostock): 2 x Silber (1964/68) / 6. Lars Hinneburg (Rostock/Berlin): 1 x Silber / 1 x Bronze (1988) / 7.Klaus Katzur (Rostock): 1 x Silber (1964/1968/1972) / 8. Frank Pfütze (Rostock/Berlin): 1 x Silber (1976/1980) / 9. Patrick Kühl (Güstrow/Potsdam): 1 x Silber (1988) / 10.. Rosemarie Gabriel (Schwerin/Berlin): 1 x Bronze (1976) / 11. Bärbel Fuhrmann (Rostock): 1 x Bronze (1960) /

Weitere Schwimm-Olympiateilnehmer aus Rostock (Beispiele): Bärbel Grimmer 1964, Rita Schumacher 1964, Doris Kohardt 1968, Christine Strübing 1968, Udo Poser 1972, Marlis Pohl 1972, Brigitte Mertz 1972, Susanne Hilger 1972, Nils Rudolph 1992, Thomas Rupprath (Wahl-Rostocker) 2000 (Bronze über 4 x 100 Meter Lagen), 2004 (Silber über 4 x 100 Meter Lagen), 2008 / Sven Lodziewski, der später als Arzt am Uni-Klinikum in Greifswald arbeitete, schaffte 1988 mit der DDR-Staffel Olympia-Silber über 4 x 200 Meter Freistil.

Marko Michels

Update (27.9.17, 12.30 Uhr)

Wie Harald Gehring, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des DSV, mitteilte, wird der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) zu den diesjährigen Weltcup-Stationen vier und fünf  drei Schwimmerinnen und drei Schwimmer entsenden, darunter die beiden Weltcup-Debütanten Lisa Höpink (Essen) und Ramon Klenz (Hamburg). Zudem werden in Hongkong (30. September/1. Oktober) und Doha (4./5. Oktober) Alexandra Wenk (München), Lisa Graf (Neukölln), Damian Wierling (Essen) und Christian Diener (Potsdam) das deutsche Team komplettieren.

Der FINA Kurzbahn-Weltcup 2017 ist wie in den letzten Jahren erneut in drei Cluster unterteilt. Cluster eins bildeten Anfang August im direkten Anschluss an die Schwimm-Weltmeisterschaften in Budapest die Stationen Moskau, Berlin und Eindhoven. Mit Peking (10./11. November), Tokio (14./15. November) und dem Weltcup-Finale in Singapur (18./19. November) wartet dann im November das abschließende dritte Cluster auf die Aktiven, so Harald Gehring vom Bereich Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Schwimmverbandes.

Archiv-Foto (Michels): Der Schwimmsport ist auch eine MV-Sportart.