Der Radsport zwischen Olympia 2016, den WM bzw. EM 2017 und nicht zuletzt den Deutschen Meisterschaften 2017

Olympia in Rio ist mittlerweile zehn Monate her. Seitdem wird auch bei den Bahnradsport- und Straßenradsport-Assen weiter kräftig in die Pedale getreten.

Bahnrad-WM 2017 mit zweifach vergoldeter Kristina Vogel

Im April gab es bereits die Welt-Titelkämpfe in Hongkong, bei denen die deutschen Starterinnen und Starter zweimal Gold, zweimal Silber, einmal Bronze erkämpften. Kristina Vogel wurde Weltmeisterin im Sprint und im Keirin. Die bis 2012 für das „Track Cycling Team M-V“ startende Miriam Welte wurde Vize-Weltmeisterin im 500 Meter Zeitfahren und WM-Dritte im Team-Sprint mit Kristina Vogel.

Vom 17.September bis 24.September sind dann die Rad-Asse auf der Strasse gefragt, bei ihren Weltmeisterschaften in Bergen.

Tour de France ruft im Juli

Davor und danach gab und gibt es jedoch einige radsportliche Großveranstaltungen, so auch die 104.Tour de France. Am 1.Juli beginnt dieses traditionsreiche Radrennen, das 21 Etappen umfassen und bis zum 23.Juli dauern wird. Mit dabei ist auch wieder das Rostocker Sprint-Ass Andre Greipel, der zwischen 2011 und 2016 insgesamt 11 Etappen bei der Tour de France gewinnen konnte.

Die Deutschen Meisterschaften 2017 im Bahnradsport im Rückblick

Gerade beendet wurde die 103.Deutschen Meisterschaften im Bahn-Radsport vom 8.Juni bis 11.Juni in Frankfurt/Oder. Kristina Vogel eroberte dort – dank ihrer Siege im Einzel-Sprint, Team-Sprint un Keirin – ihre nationalen Titel Nummer 17 bis 19. Miriam Welte schaffte hingegen ihren neunten nationalen Titel im 500 Meter-Zeitfahren.

Erfolgreiche Starterinnen und Starter aus M-V

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Mecklenburg-Vorpommern, insbesondere die jüngeren Leistungsträgerinnen und Leistungsträger, konnten in Frankfurt/Oder besonders überzeugen. Lea Friedrich vom RST Dassow wurde dreifache Deutsche Meisterin bei den Juniorinnen, so im Sprint, im Keirin und im 500 Meter-Zeitfahren. Carl Hinze (Schweriner SC) avancierte im Sprint der Junioren zur Nummer eins und Maarten Zillmer (ebenfalls Schweriner SC) jubelte im Sprint der Jugend über Rang eins. Dazu erradelten die jungen Rad-Talente noch weitere Medaillen und vordere Platzierungen.

Noch die EM im Bahn-Radsportsport 2017 im Visier

Für die Bahn-Radsportlerinnen und Bahn-Radsportler sind in diesem Jahr noch die Europameisterschaften vom 19.Oktober bis 22.Oktober in Berlin geplant.

Berlin war vor mehr als 80 Jahren bereits Schauplatz olympischer Radsport-Wettkämpfe…

Zurückgeblickt: Berlin 1936 und der olympische Radsport

Bei den Bahn-Radsport-Wettbewerben der „Spiele unter dem Hakenkreuz“, die im 12000 Zuschauer fassenden BSC-Stadion am Funkturm Anfang August 1936 ausgetragen wurden,  waren insbesondere die Teilnehmer aus Deutschland sportlich bestens dabei, gewannen zweimal Gold, einmal Bronze.

Toni Merkens wurde Olympiasieger im Sprint sowie Ernst Ihbe bzw. Carl Lorenz Olympiasieger im Tandem-Wettkampf. Rudolf Karsch belegte dazu im 1000 Meter Zeitfahren Platz drei – beim Sieg des Niederländers Arie van Vliet. Frankreich triumphierte in der Besetzung Robert Charpentier, Jean Goujon, Guy Lapebie und Roger Le Nizerhy mit dem Bahn-Vierer.

Kuriosum am Rande: Der im Sprint-Finale gegen Toni Merkens unterlegene Niederländer Arie van Vliet, der Zeitfahr-Olympiasieger, protestierte gegen die Wertung, sprach von einer unfairen Fahrweise von Toni Merkens im ersten Lauf. Dieses sah die Jury ähnlich, allerdings wertete diese den ersten Final-Lauf dennoch. Van Vliet verlor dann auch den zweiten Lauf… Aber: Toni Merkens mußte eine Geldstrafe von einhundert Schweizer (Gold-)Franken „wegen Verlassens der Fahrlinie“ zahlen, behielt aber sein olympisches Gold. – Olympiasiege bringen eben nicht immer Geld ein, sondern kosten mitunter auch einiges…

Knapp vier Wochen später, Anfang September 1936, folgten noch separate WM in den Disziplinen „1000 Meter Fliegerrennen“ (Sprint), „Steherrennen“ (jeweils bei den Profis) und in der Disziplin „1000 Meter Fliegerrennen der Amateure“ (Sprint) in Zürich.

Die „Fliegerrennen“ entschieden Jef Scherens (Belgien, Profis) und Olympiasieger Arie van Vliet (Niederlande, Amateure) für sich, der damit 1936 doch noch „sein Sprint-Gold“ erhielt. Bei den „Stehern“ gewann Andre Raynard (Frankreich).

Dritter im Sprint der Profis wurde Albert Richter, ein erklärter Nazi-Gegner, der am 31.Dezember 1939 (offizieller Tod am 2.Januar 1940) wahrscheinlich von der Gestapo erschossen wurde.

Ja, die Bahn-Radwettkämpfe von 1936 und deren Protagonisten bewegen eben auch heute noch…

Von Berlin 1936 nach München 1972

36 Jahre später, 1972 in München, gab es dann wieder olympische Radsport-Wettkämpfe auf deutschem Boden. Dort holten die Deutschen aus Ost und West einmal Gold, zweimal Silber, zweimal Bronze. Der westdeutsche Bahn-Vierer mit dem gebürtigen Rostocker Günther Schumacher, Jürgen Colombo, Günter Haritz bzw. Udo Hempel gewann Gold vor dem ostdeutschen Quartett mit Uwe Unterwalder, Thomas Huschke, Heinz Richter bzw. Herbert Richter. Silber errangen Jürgen Geschke/Werner Otto mit dem Tandem und Bronze-Plätze schafften Hans Lutz in der Einzelverfolgung und Jürgen Schütze im 1000 Meter-Zeitfahren.

M-V und der olympische Radsport

In der Vergangenheit hatten  Bahnrad- und Straßen-Radsportlerinnen und -Radsportler aus M-V einige olympische Einsätze. Der gebürtige Rostocker Jan Ulrich, der 2000 und 2004 bei Olympia startete, errang 2000 Gold in der Straßen-Einzel-Entscheidung und Silber im Zeitfahren, holte den Amateur-WM-Titel auf der Straße 1993, den Gesamt-Sieg bei der Tour de France 1997 sowie Zeitfahr-WM-Gold 1999/2001 und sorgte später für weniger erfreuliche Schlagzeilen.

Der bereits erwähnte Andre Greipel, WM-Dritter im Straßen-Einzel 2011 und Olympionike 2012, hofft aktuell auf zumindest einen Etappen-Sieg bei der Tour de France 2017.

Bekannte Radsportlerinnen und Radsportler mit MV-Wurzeln sind zusätzlich der gebürtige Schweriner Dieter Gonschorek, der 1972 am Straßenrennen teilnahm, der gebürtige Bad Doberaner Karl-Heinz Oberfranz, der das 1972er Straßen-Rennen auf Platz dreißig beendete, und der gebürtige Grevesmühlener Jens Voigt, der bei den Olympischen Spielen 2000, 2004 und 2008 teilnahm.

Jens Voigt war 17 Mal bei der Tour de France dabei und errang dort zwei Etappen-Siege(2001, 2006). „Stadtkollege“ Jan Ulrich gewann die Tour 1997 und schaffte insgesamt sieben Etappen-Triumphe zwischen 1996 und 2003.

… In Rio 2016 startete trotz einer schweren Verletzung nach einem Sturz im Vorfeld die Wahl-Bad Doberanerin Trixi Worrack, bereits bei den Olympischen Spielen 2004, 2008 und 2012 dabei und 2006 Vize-Weltmeisterin im Straßen-Einzel sowie vierfache Weltmeisterin im Mannschafts-Zeitfahren von 2012 bis 2015 (2016 Zweite). Zwar reichte es nicht zu Platzierungen im Top Ten-Bereich, aber Trxi beeindrucke bei Olympia 2016 mit ihrem Kampfgeist und sportiven Willen.

Im Bahn-Radsport waren aus M-V-Blickwinkel – olympisch betrachtet – insbesondere der gebürtige Hagenower und Wahl-Schweriner Stefan Nimke und der gebürtige Rostocker Günther Schumacher überaus erfolgreich. Günther Schumacher wurde Olympiasieger mit dem Bahn-Vierer 1972 bzw. 1976 und dreifacher Weltmeister 1973, 1974 und 1975. Stefan Nimke bbeindruckte mit Olympia-Gold 2004 im Teamsprint, Olympia-Silber 2000 im 1000 Meter-Zeitfahren, Olympia-Bronze 2004 im 1000 Meter-Zeitfahren, Olympia-Bronze 2008 im Teamsprint und Paralympics Bronze mit Kai-Kristian Kruse im 1000 Meter-Tandem-Zeitfahren. Dazu triumphierte Stefan bei den WM zwischen 2003 und 2012 über 4 x WM-Gold und bei den WM 2010/2011 über 2 x WM-Gold im Teamsprint.

Miriam Welte, die Kaiserslauterin und ehemaliges Mitglied des „Track Cycling Teams M-V“  konnte bei Olympia ebenfalls schon Edelmetall erkämpfen, so Olympia-Gold im Teamsprint 2012 und Olympia-Bronze im Teamsprint, jeweils mit Kristina Vogel.

Das ist jedoch alles radsportive Historie, es warten 2017 noch die Tour de France, die Straßen-WM in Bergen und die Bahn-EM in Berlin…

Marko Michels

Foto (Michels): Miriam Welte, das Rad-Sport-Ass aus Kaiserslautern, einst auch für M-V aktiv…