Nachgefragt bei Weltmeisterin Aline Focken

September-Zeit war auch weltmeisterliche Ringer-Zeit. Die diesjährigen Welttitelkämpfe im Ringen fanden dabei im usbekischen Taschkent statt. 24 Entscheidungen bei den Herren (Freistil / Klassik) und bei den Frauen (Freistil) standen auf dem Programm und favorisiert waren insbesondere die Ringerinnen und Ringer aus Russland.

Die WM im Frauen-Ringen 2014

Bei den weltmeisterlichen Entscheidungen im Frauen-Ringen (Freistil) waren letztendlich  die Japanerinnen mit 4 x Gold, 1 x Silber „das Maß aller Ringerinnen-Dinge“. Die US-Amerikanerinnen schafften 1 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze. Dahinter platzierten sich im „Medaillen-Ranking“ die Mongolische Republik sowie die Ukraine mit jeweils 1 x Gold, 1 x Bronze und Deutschland mit 1 x Gold. Die russischen Ringerinnen holten 5 Medaillen (2 x Silber, 3 x Brionze) – darunter jedoch kein Titel.

Zu den Weltmeisterinnen 2014 zählen unter anderem Eri Tosaka (Japan/Gewichtsklasse bis 48 Kilogramm), Sükheegiin Tserenchimed (Mongolische Republik/Gewichtsklasse bis 60 Kilogramm), Yuliya Tkach (Ukraine/Gewichtsklasse bis 63 Kilogramm), Adeline Gray (USA/Gewichtsklasse bis 75 Kilogramm) und Aline Focken aus Deutschland, die sensationell Gold in der Gewichtsklasse bis 69 Kilogramm erkämpfte.

Deutsche Erfolge im Frauen-Ringen in der Geschichte

… Das war das 16.WM-Edelmetall in der Geschichte des Frauen-Ringkampfsportes für Deutschland und erst das zweite deutsche Ringerinnen-WM-Gold überhaupt. In Chalkida (Griechenland) 2002 jubelte Brigitte Wagner in der Gewichtsklasse bis 48 Kilogramm über die erste weltmeisterliche Ringerinnen-Goldmedaille „Made in Germany“.

Insgesamt erkämpften in der WM-Geschichte des Frauen-Ringens seit 1987 sechs deutsche Ringerinnen WM-Medaillen: Nina Englich 3 x Bronze zwischen 1995 und 2001, Stephanie Groß 3 x Silber, 2 x Bronze zwischen 1996 und 2007, Anita Schätzle 1 x Silber, 2 x Bronze zwischen 1999 und 2005, Brigitte Wagner 1 x Gold, 1 x Bronze zwischen 2001 und 2002, Maria Müller 1 x Bronze 2006 und Jaqueline Schellin 1 x Bronze 2012. Und nun, 2014, gab es Gold für Aline Focken, Jahrgang 1991, KSV Germania Krefeld 1891 e.V.…

Nachgefragt bei Aline Focken (Jahrgang 1991, KSV Germania Krefeld 1891), der Weltmeisterin 2014

„WM-Titel entfacht noch immer Gänsehaut…“

Frage: Aline, die WM im Ringen liegt einen Monat zurück… Wie ist das weltmeisterliche Feeling zurzeit bei Ihnen? Konnten Sie Ihren Erfolg schon so richtig genießen und „verarbeiten“?

Aline Focken: Das „weltmeisterliche Feeling“ geht natürlich, je stärker man wieder im Alltag ist, zurück. Trotzdem hatte ich gerade in letzter Zeit – und auch in nächster Zukunft – noch einige Termine aufgrund des Titels, wie Ehrungen, Bälle, Empfänge, Sponsoring-Gespräche usw. Daher bleibt das „Feeling“ immer noch sehr aktuell. Auch in meinen Trainingsgruppen wird noch sehr viel und immer wieder davon gesprochen, weshalb dieser Tag weiterhin bei allen Beteiligten „Gänsehaut entfacht“.

Frage: Wie verlief eigentlich die WM-Entscheidung in Ihrer Gewichtsklasse aus Ihrer Sicht? Was lief ganz besonders gut? Gab es prekäre Situationen zu überstehen?

Aline Focken: Die WM-Entscheidung verlief in meiner Klasse sehr überraschend. Dazu gehört natürlich auch, dass ich Weltmeisterin wurde. Ich hatte auf ein gutes Ergebnis bzw. eine Medaille gehofft, aber dass es dann letztendlich der Titel wurde, hätte ich nicht gedacht.

Aufgrund der Auslosung befanden sich viele Favoritinnen auf einer Seite und dort begann dann der große Kampf, wer von ihnen ins Finale einziehen würde. Auf diesem Weg schieden durch das K.O.- System insgesamt zwei Weltmeisterinnen aus dem Rennen aus, unter anderem auch die amtierende Weltmeisterin in der Gewichtsklasse, Alina Stadnik aus der Ukraine.

Frage: Ihren Erfolg bekam der interessierte Sportfan vor allem dank des Internets mit, da unsere GEZ-Sender lieber auf Fußball, Motorsport und Profi-Boxen setzen… Wie beurteilen Sie den Stellenwert des Ringens in Deutschland?

Aline Focken: Leider ist die Sportart Ringen in Deutschland nicht so akzeptiert wie andere Mannschafts- oder Spielsportarten, wie beispielsweise Fußball. Viele kennen diese Sportart entweder gar nicht oder wissen nur sehr wenig darüber. Ich finde das persönlich sehr schade, denn Ringen ist sehr wohl medienwirksam und interessant. Es ist eine hoch komplexe Kampfsportart, die jede erfolgreiche Athletin / jeder erfolgreiche Athlet zu einhundert Prozent lebt und jeden Tag dafür alles gibt. Ich hoffe, dass das erfolgreiche Abschneiden des gesamten deutschen Teams bei den Welttitelkämpfen 2014 deshalb dem Ringen in Deutschland einen Aufschwung gibt und dass alle Ringer zukünftig die Aufmerksamkeit, Wertschätzung und das Interesse bekommen, das Sie verdienen.

Frage: Ringen stand ja fast vor dem olympischen Aus… Wie beurteilen Sie die Perspektiven dieser so traditionsreichen Sportart?

Aline Focken: Mittlerweile beurteile ich die Perspektive wieder besser. Der Ringer-Weltverband hat einen neuen Präsidenten (Nenad Lalovic) und ein neues motiviertes Team, in das auch  einige aktive oder bis vor kurzem noch aktive Spitzen-Ringer dieser Welt integriert sind. Sie arbeiten auf der ganzen Welt gemeinsam daran, Ringen wieder populärer zu machen, Doping den Kampf anzusagen sowie die Medien und den Rest der Welt wieder mehr für diesen schönen Sport zu interessieren.

Letzte Frage: Was macht eine Weltmeisterin im Ringen in Ihrer Freizeit? Auch sportlich in anderer Weise aktiv?

Aline Focken: Meine Freizeit verbringe ich am liebsten mit den vielen netten Menschen um mich herum, die ich leider im Alltag nicht so oft sehen kann, wie Familie und Freunde. Durch die Reiserei und die Vorbereitung bleibt das manchmal etwas auf der Strecke. Dann mache ich am liebsten auch die normalsten Dinge mit ihnen, wie zum Beispiel gut essen, ins Kino gehen, lesen, mit meinem Hund spazieren gehen und Snowboard fahren –  wenn es zeitlich klappt.

Vielen Dank, weiterhin alles Gute und weitere Erfolge, vor allem mit Blickrichtung Rio de Janeiro 2016!

Anmerkung: Weitere Informationen über Aline kann jeder Interessierte ihrer Webseite (aline-focken.de) entnehmen.

Marko Michels