Tennissportliche Herausforderungen auch in M-V

Zurzeit erlebt Deutschland ein kleines „Fräulein-Wunder“ im Tennis-Sport. Andrea Petkovic, Sabine Lisicki und Andrea Görges sorgen endlich nach langer Zeit, seitdem Steffi Graf die Tennis-Schläger beiseite legte, wieder für deutsche Erfolgserlebnisse im Tennis.

Olympische Traditionssportart Tennis…

Von 1896 bis 1924 war Tennis olympische, wurde dann 1968/1984 olympisch demonstriert und ist seit 1988 wieder im olympischen Programm.

Steffi Graf wurde 1988 im Einzel Olympiasiegerin, Boris Becker/Michael Stich gewannen 1992 im Doppel-Wettbewerb. Bereits 1896 erkämpfte der Hamburger Friedrich Adolph Traun gemeinsam mit dem Iren John Pius Boland Olympia-Gold (Doppel). Das gemischte sächsische Doppel Dora Köring/Heinrich Schomburgk holte 1912 einen weiteren Tennis-Olympiasieg für Deutschland.

Auch bei den olympischen Demonstrationswettbewerben im Tennis gab es deutsche Siege: 1968 siegte in Mexico-City Helga Masthoff (Bundesrepublik) im Einzel und mit ihrer Partnerin Edda Buding (auch Bundesrepublik) in der Doppel-Entscheidung. In Los Angeles 1984 siegte dann Steffi Graf im olympischen Demonstrationsturnier im Damen-Einzel. Zuletzt gab es aus deutscher Sicht für Angelique Kerber mit Silber eine Tennis-Olympia-Medaille 2016.

Aber: Wie ist die Situation im Tennis-Sport in M-V 2017 und darüber hinaus?!

Nachgefragt bei Dr. Karl-Heinz Kutz, Präsident des Landes-Tennis-Verbandes M-V

„Klein, aber ambitioniert…“

Frage: Der Tennissport begeistert wieder – auch hierzulande – dank den deutschen Damen um Angie Kerber. Wie ist Ihre Meinung zur Lage des deutschen Tennis-Sportes ein Jahr nach Olympia in Rio?

Dr. Karl-Heinz Kutz: Bekanntlich macht eine Schwalbe noch keinen Sommer, ist aber ein deutliches Signal. So begeistert auch alle von Angelique Kerber sind, so bedarf es doch langer hartnäckiger sowie vor allem innovativer Arbeit im Nachwuchsbereich und das auf höchstem Niveau, damit der Deutsche Tennis Bund wieder seine alte Stärke in sportlicher und quantitativer, also „mitgliedermäßiger“ Hinsicht erreicht.

Diesem anspruchsvollen Ziel haben sich alle Verantwortlichen im Deutschen Tennis-Bund und in den Landesverbänden verschrieben. Das DTB-Präsidium unter Leitung von Ulrich Klaus hat dazu deutliche Akzente im Nachwuchsleistungssport mit einem neuen, modernen Leistungssportkonzept gesetzt. Mehr und sehr qualifizierte Trainer wurden in den Bundesleistungszentren eingestellt.

Die Trainerausbildung und Qualifizierung wurde in allen Belangen leistungsportorientiert überarbeitet. Speziell für die Sichtung und Entwicklung von Talenten in den neuen Bundesländern wurde die ehemalige Fed-Cup-Siegerin Claudia Kohde-Kilsch gewonnen. Das sind wichtige, erste Schritte, die sich allerdings erst in den nächsten Jahren auszahlen werden.

Aktuell hoffe ich, dass das unser Davis Cup Team bei den Herren die Relegation gegen Portugal im September in Lissabon schafft und weiter in der Weltgruppe erstklassig bleibt – und dass sich unser Fed Cup Team bei den Damen den Traum vom Pokal-Gewinn endlich erfüllt.

Frage: Wie ist die Situation im Tennis-Sport in M-V? Wie viele Tennis-Vereine mit wie vielen Aktiven gibt es in unserem Bundesland?

Linn Timmermann, die klasse Tennisspielerin aus M-V. Foto: Thomas Oberwalder, Pressewart des Tennisverbandes M-V

Dr. Karl-Heinz Kutz: Im Tennisverband Mecklenburg-Vorpommern haben wir aktuell in 40 Vereinen 4420 Mitglieder, von denen etwa ein Drittel Kinder und Jugendliche sind. Wir sind zwar der kleinste Landesverband in Deutschland, haben aber als einziger in den vergangenen Jahren unsere Mitgliederzahl kontinuierlich steigern können.

Neben einigen Besonderheiten im Wettspielbetrieb, wie etwa Zweier- und gemischte Mannschaften bei den Kindern und den Senioren über 70 setzten wir zur Mitgliederbindung und Mitgliederwerbung Akzente, zum Beispiel im Blindentennis mit einer Übungsgruppe, die sogar schon einen internationalen Wettkampf gegen eine französische Mannschaft aus Nizza bestritten hat.

Aktuell sorgen gerade unsere Beachtennisaktivitäten deutschlandweit für Aufmerksamkeit. Der Tennisverband M-V war übrigens der erste Landestennisverband, der 2016 mit einem Ligaspielbetrieb startete.

Höhepunkt in diesem Jahr war das Beach Tennis DTB Pro Turnier am Samstag, 8. Juli, im Rahmen der 80. Warnemünder Woche. Die favorisierten Gäste aus dem niedersächsischen Tennis-Landesverband „entführten“ leider noch die Goldmedaillen.

In souveräner Art und Weise dominierten sowohl bei den Damen mit Nationalspielerin Sarah Bolsmann mit Doppelpartnerin Christin Meyer als auch bei den Herren mit Sven Bolsmann mit Spielpartner Janis Unland zwei Teams das komplette Turnier.

Impression vom Beach-Tennis. Foto: Thomas Oberwalder

Erfreulich aus Sicht des Tennisverband Mecklenburg-Vorpommern: Die Silbermedaillen bleiben in Rostock. Bei den Damen spielten sich Anne John und Pauline Lustig eindrucksvoll bis ins Finale. Bei den Herren überraschten Gunnar Körber und Hauke Segert. Die beiden Rostocker konnten bis ins Endspiel einziehen und zeigten dort beim 2:6 1:6 eine sehr ansehnliche Leistung gegen übermächtige Gegner. Die Zuschauer bekamen spektakuläre Ballwechsel geboten.

Zufrieden zeigte sich nach zwei Turnieren in drei Tagen in der Sport & Beach Arena auch der Verantwortliche und Initiator des TMV Thomas Oberwalder. „Wir haben tollen Sport zu sehen bekommen. Die Talentschmiede Universität Rostock hat uns am Samstag Endspiele mit Rostocker Beteiligung beschert. Die Stadt Rostock und die Macher der Warnemünder Woche haben uns in allen Belangen professionell unterstützt und uns mit der, für eine Sportveranstaltung wohl schönsten Location an der gesamten Ostseeküste, den perfekten Rahmen für den ersten TMV Beach Tennis Cup geboten. Jetzt heißt es, den Event auszuwerten und vielleicht 2018 sogar internationale Spielerinnen und Spieler an den Warnemünder Strand zu locken.“

Frage: Wie ist die Nachwuchs-Situation in M-V? Gibt es hoffnungsvolle Talente „Made in M-V“?

Dr. Karl-Heinz Kutz: Dem Nachwuchsbereich gilt natürlich unsere besondere Aufmerksamkeit. Wir haben zwei Turnierserien für Kinder und Jugendliche. Die Talente Tour MV ist eine jährliche Turnierserie für unsere Jüngsten im TMV. In den Altersklassen U9 und U11 werden vier Turniere, sowie ein abschließendes Masters-Turnier, die sich aus athletischen Übungen und Tennisspiel zusammensetzen, durchgeführt.

Im Ergebnis erfolgt die Entsendung einer Auswahlmannschaft (U11) zum DTB-Talent-Cup in Essen, der vom 20. bis 23.07.2017 stattfindet. Betreuende Trainer sind Elisa Behncke, Philipp Fülkell und Martin Möritz.

Die TMV JuniorTour ist eine Turnierserie für Juniorinnen und Junioren  der Altersklassen U12 bis U18. Die Topspieler qualifizieren sich für das Masters-Turnier im November in der Halle. Dort treten die besten acht Spielerinnen und Spieler des Jahres eines Jahrgangs an, um den Toursieger zu krönen.

Die TMV Junior Tour besteht aus schon etablierten Turnieren in Mecklenburg-Vorpommern und den Hallen- und Freiluftlandesmeisterschaften. Hier können alle jungen Spielerinnen und Spieler Wettkampferfahrung sammeln. Darüber hinaus gibt es die Landesmeisterschaften, die Jugendsportspiele M-V und eine Vielzahl von einzelnen Turnieren, die von den Vereinen organisiert werden und bei denen auch Leistungsklassenpunkte errungen werden können.

In der Jugendarbeit wollen wir mit drei Leistungsstützpunkten arbeiten, die sehr eng mit den Sportgymnasien des Landes verbunden sein sollen. In Neubrandenburg funktioniert diese Zusammenarbeit bereits sehr gut, in Schwerin und Rostock bemühen wir uns noch um eine geeignete Organisationsformen für diese Verbindung.

Erste Achtungserfolge sind durchaus zu verzeichnen. Unsere Jüngsten haben in Essen bereits Anschluss an große Landesverbände gefunden und sind im Vergleich zu den anderen neuen Bundesländern gut dabei.Bei den 26. Ostdeutschen Jugendmeisterschaften U12/U14 in Leipzig sprang für die Kinder aus dem Tennisverband Mecklenburg-Vorpommern ein zweiter und ein vierter Platz heraus.

Dort konnte sich Emma Maria Ansorge (Neubrandenburg) bis ins Halbfinale durchkämpfen. Noch besser lief es Matti Freitag (Boltenhagen) in der U14. Ihm gelang mit zwei klaren Siegen der Sprung ins Halbfinale. Dort setzte er sich in einem spannenden und hart umkämpften Drei-Satz-Match mit 6:4 6:7 7:5 gegen Yannik Heitzeberg aus Berlin durch und zog verdient ins Finale ein.

Durch die Zusammenarbeit mit dem Bundesleistungszentrum in Hannover konnten wir bereits zwei Nachwuchsspielerinnen, Lieselotte Hartlöhner (Schwerin) und Emma Maria Ansorge (Neubrandenburg), für eine Woche zur Sichtung entsenden. Bei den Jungen könnte Matti Freitag (Boltenhagen) bei weiterhin guten Leistungen noch in diesem Jahr in den gleichen Genuss kommen.

Frage: Im Land gibt es viele traditionsreiche Turniere. Welche sportlichen Höhepunkte stehen noch auf dem M-V-Tennisprogramm 2017?

Tennisplatz in Schwerin. Foto: Michels

Dr. Karl-Heinz Kutz: In Mecklenburg-Vorpommern hat sich in den vergangenen Jahren eine ansprechende Turnierlandschaft entwickelt, die für jeden Anspruch etwas zu bieten hat. Hervorzuheben sind die zahlreichen LK-Turniere, die für manch einen Tennissportfreund aus den anderen Bundesländern Grund genug sind, um bei uns im Land und an der Ostseeküste Urlaub zu machen. Hervorzuheben sind hier die 11. Usedom Senior Open in Karlshagen und Zinnowitz, die gerade zu Ende gegangen sind.

Unser jüngstes Turnierkind, der Tennisverein Bergen sowie die Stadt Bergen auf Rügen, werden erstmalig in der Zeit vom 18. bis 20.August 2017 die RÜGEN INTERNATIONAL OPEN 2017 durchführen.

Dazu möchten die Veranstalter in den Konkurrenzen Herren/Damen und Herren40/Damen40 Aktive und Freizeitspieler aus ganz Deutschland ansprechen. Gespielt wird auf der Tennisanlage „AmRugard“in Bergen auf Rügen.

Weiterhin sind über die Stadt Bergen die Tennisclubs in den befreundeten Partnerstädten wie Palanga(Litauen), Svedala (Schweden), Goleniow (Polen) und Oldenburg in Holstein zu diesen Ereignis eingeladen. Diese Veranstaltung soll weiter wachsen und in den nächsten Jahren als ein sportlicher Höhepunkt im Veranstaltungskalender der Insel Rügen etabliert werden. Dieser Tennisevent ist als offizielles DTB-Turnier ausgeschrieben, bei dem es Preisgelder von insgesamt 1.700 Euro zu gewinnen gibt.

Zum gleichen Zeitpunkt finden in Kühlungsborn das 23.Masters des Dunlop-Cup Ost statt. Eine Woche später das 9. Dr.-Manfred-Krohn-Turnier in Ahlbeck. Unbestrittener Höhepunktundkrönender Abschluss des Sommers ist dann das 24. Schweriner International Senior Open Turnier vom 28.August  2017 bis 3.September 2017. Also ein eng gepackter Turnierkalender…

Vielen Dank, dann weiterhin bestes Engagement für den Tennissport und maximale Erfolge!

 


Exkurs

Olympisches Tennis 1908 – ein Mecklenburger war am Start

Friedrich Wilhelm „Fieten“ Rahe, der 1888 in Rostock geboren wurde und dort auch im Jahr 1949 starb, nahm 1908 bei den Olympischen Spielen in London am Tennis-Turnier teil. Dort startete er im Einzel und im Doppel, zusammen mit Oscar Kreuzer. Nicht so erfolgreich, aber da „Fieten“ auch ein begnadeter Hockeyspieler war, nahm er auch am Hockey-Turnier teil.

Der Rostocker spielte auch in der deutschen Hockey-Mannschaft, die in London 1908 den fünften Platz belegte. Fünf Jahre später nahm Friedrich Rahe dann ebenfalls am Tennis-Turnier in Wimbledon 1913 teil.

Grand Slam-Turniere 2017

Fünfzehn Länder konnten sich bei den bisherigen drei Grand Slam-Turnieren des Jahres 2017, den 105.Australian Open in Melbourne im Januar, den 116.French Open in Paris im Mai(Juni und den 131.Wimbledon Championships im Juli, in die Siegerinnen bzw. Siegerlisten der jeweils 5 wichtigsten Konkurrenzen „eintragen“, so die Schweiz, Finnland, die USA, Russland, Kolumbien, Indien, Spanien, Kanada, Tschechien, Lettland, Australien, Polen, Neuseeland, Brasilien und Großbritannien.

Bei den AUSTRALIAN OPEN 2017 gingen die ersten Ränge im Herren-Einzel an Roger Federer (Schweiz), im Damen-Einzel an Serena Williams (USA), im Herren-Doppel an Henri Kontinen (Finnland/John Peers (Australien), im Damen-Doppel an Bethanie Mattek-Sands (USA)/Lucie Safarova (Tschechien) sowie im Mixed-Doppel an Abigail Spears (USA)/Juan Sebastian Cabal (Kolumbien).

Rafael Nadal (Spanien, Herren-Einzel), Jelena Ostapenko (Lettland, Damen-Einzel), Ryan Harrison (USA)/Michael Venus (Neuseeland, beide Herren-Doppel), Bethanie Mattek-Sands (USA)/Lucie Safarova (Tschechien, beide Damen-Doppel) und Gabriela Dabrowski (Kanada)/Rohan Bopanna (Indien, beide Mixed-Doppel) waren jeweils die Nummer eins bei den FRENCH OPEN 2017.

Und bei den WIMBLEDON CHAMPIONSHIPS 2017 konnten Roger Federer (Schweiz, Herren-Einzel), Garbine Muguruza (Spanien, Damen-Einzel), Lukasz Kubot (Polen)/Marcelo Melo (Brasilien, beide Herren-Dppel), Jekaterina Makarowa/Jelena Wesnina (Russland, beide Damen-Doppel) und Martina Hingis (Schweiz)/Jamie Murray (Großbritannien, beide Mixed-Doppel) jubeln. Die WIMBLEDON CHAMPIONSHIPS wurden erstmals 1877 ausgetragen und sind damit das älteste Tennis-Turnier der Welt, das bis zum heutigen Tag ausgespielt wird.

Das letzte Grand Slam-Turnier 2017, die 137.US OPEN, werden dann vom 28.August bis 10.September stattfanden. Das erste US OPEN-Turnier gab es 1881, vier Jahre nach dem ersten Turnier in Wimledon.

Text und Interview: Marko Michels