Neun Medaillen für Sportlerinnen aus M-V / Im Gespräch mit Ralf Ruhnau und Paul Döring

Am zweiten Septemberwochenende fanden die Deutschen Meisterschaften der Frauen in den Bereichen Nachwuchs (Jugend, Junioren, Kadetten) und Elite in Rostock statt. Dabei feierten die Faustkämpferinnen aus M-V beachtliche Erfolge. Im Gespräch mit Ralf Ruhnau, Präsident des Boxverbandes M-V, über die Resultate aus Schweriner Sicht.

Boxen – Symbolbild

Interview

„Eine klasse Bilanz unserer Sportlerinnen…“

Frage: Am zweiten September-Wochenende richteten der Boxverband Mecklenburg-Vorpommern und der PSV Rostock die Deutschen Meisterschaften der Frauen aus. Wie lautet das Resümee aus MV-Sicht?

Ralf Ruhnau: Der Landesverband ist mit den Resultaten in Rostock sehr zufrieden. Aus Mecklenburg-Vorpommern waren dreizehn Boxsportlerinnen aktiv im Ring und die Bilanz kann sich mehr als sehen lassen: fünfmal Gold, einmal Silber und dreimal Bronze. Das ist schon eine klasse Bilanz. Im Nachwuchsbereich schafften unsere Teilnehmerinnen dreimal Gold, einmal Silber und zweimal Bronze.

Und im Elite-Bereich holten die MV-Kämpferinnen zweimal Gold bzw. einmal Bronze. Für die goldenen Momente sorgten aus MV-Sicht im Nachwuchsbereich Vanessa Fuss (Altersklasse U 15, bis 57 Kilogramm), Anni Manukyan (Altersklasse U 17, bis 54 Kilogramm) bzw. Finja Bree (Altersklasse U 17, bis 66 Kilogramm) und im Elite-Bereich Marie Maciejewski (Gewichtsklasse 45 Kilogramm-48 Kilogramm) bzw. Sarah Scheurich (Gewichtsklasse bis 75 Kilogramm).

Silber schaffte Eliana Nebehi (Gewichtsklasse bis 51 Kilogramm, Nachwuchsbereich). Und Bronze holten Laura Helms (Gewichtsklasse bis 45 Kilogramm, Nachwuchsbereich), Delia Hörmann (Gewichtsklasse bis 60 Kilogramm, Nachwuchsbereich) und Joelle Seydou (Frauen, Gewichtsklasse bis 75 Kilogramm). Alles in allem Ergebnisse, die mehr als zufrieden stellen. Allerdings hätten wir uns noch mehr Teilnehmerinnen aus M-V gewünscht.

Was allerdings besonders erfreulich ist, sind die weiteren Auszeichnungen für zwei Boxsportlerinnen aus M-V: So wurde Anni Manukyan als beste Kämpferin bei den Juniorinnen geehrt. Marie Maciejewski wurde hingegen bei den Frauen zur besten Technikerin gekürt.

Frage: Sarah Scheurich setzte sich im Mittelgewicht durch, strebt nun zu den WM im November in Neu-Delhi. Was zeichnet Sarah aus Ihrer Sicht aus? Was sind Sarahs WM-Ziele?

Ralf Ruhnau: Sarah ist eine kampfstarke, ehrgeizige und erfolgsorientierte Boxsportlerin, die sich sehr gut auf sportliche Höhepunkte fokussieren kann. Sie setzt im Training und Wettkampf das um, was Trainer Michael Timm ihr auf den Weg mit gibt. Sarah ist eine technisch zudem sehr versierte Kämpferin.

Bei den Welttitelkämpfen hat sie das Potenzial für eine Medaille, aber viel hängt davon ab, wie günstig die Auslosung sein wird. Wichtig ist vor allem, dass sie gut ins Turnier kommt und sich dann von Kampf zu Kampf steigert.

Frage: Wie ist eigentlich der Zuspruch zum Frauen-Boxen im Land?

Ralf Ruhnau: Dieser ist durchaus ausbaufähig, auch wenn immer mehr Mädel sich für den aktiven Boxsport begeistern können. Es gibt in ganz M-V talentierte Mädel und Frauen, ob in Schwerin, Wismar, Rostock, Greifswald, Stralsund, Neubrandenburg oder Grabow. Seit Anfang der 1990er Jahre gibt es den Frauenboxsport kontinuierlich in M-V und seitdem konnten große Erfolge gefeiert werden, ob bei nationalen oder internationalen Turnieren. Der Frauen-Boxsport hat durchaus einen großen Stellenwert in der Sportlandschaft von M-V.

Vielen Dank und weiterhin bestes Engagement für den Boxsport in M-V!


 

„Sarah gibt für diesen Sport wirklich alles…“

Paul Döring, Sportdirektor beim BC Traktor Schwerin zur DM:

 „Für den Box-Club Traktor gab es gleich drei Meistertitel, eine Silber- und eine Bronzemedaille. Wir freuen uns enorm über dieses Ergebnis. Unsere Trainer haben da wirklich ganze Arbeit geleistet. Gerade mit den Sportlerinnen, die erst seit kurzem am Stützpunkt trainieren, ist den Trainern eine Leistungssteigerung gelungen.“ 

Nicht nur erfolgreich im Boxring: Sarah Scheurich vom BC Traktor Schwerin. Archiv-Foto: M.M.

„Sarah hat im Finale einen wirklich starken Kampf absolviert. In der dritten Runde war sichtbar, dass sie sehr gut in Form ist und einen Kampf über drei mal drei Minuten physisch dominieren kann. Sie ist enorm zielstrebig und gibt für diesen Sport wirklich alles. Die Ziele für die WM werden Trainer Michael Timm und Sarah selbst besprechen. Für mich hat sie das Potenzial für eine Medaille, was mich sehr für Sarah freuen würde.“

Und über über den Zuspruch zum Frauenboxen in Schwerin: „Derzeit trainieren bis zu zwanzig Frauen und Mädchen in Schwerin beim Box-Club sowie am Stützpunkt in Schwerin. Das Frauen-Boxen hat in den letzten Jahren einen enormen Zulauf. Nicht zu vergessen, dass es bei der kommenden Olympiade weitere Frauen-Gewichtsklassen geben soll!“

Text und Interviews: M. Michels