Boxerin Sophie Alisch über aktuelle Erfolge und kommende Herausforderungen

MV und Frauen-Boxen – das hat seit mehr als einem Vierteljahrhundert „Power“. Greifswald – dank Trainer Horst Femfert – war dabei in den 1990ern eine Hochburg des Frauen-Boxsportes hierzulande. Ab den 2000ern wurde es dann nicht nur in Vorpommern, sondern auch in Mecklenburg zum „Trend“. Protagonistinnen jener Jahre waren insbesondere Alice Altmann und Anne Cravaack aus Wismar. Aber auch Rostocks vielseitige Athletin Sabine Felser, „World Games“-Siegerin 2005 im Ju Jutsu und zudem eine sehr gute Judoka, versuchte sich erfolgreich im Faustkampf. Internationale Medaillen (bei Nachwuchs-WM bzw. -EM und anderen Elite-Turnieren) kamen in den letzten drei Jahren unter anderem durch Sarah Scheurich aus Schwerin und Elisabeth Wohlgemuth aus Wismar hinzu. Auch die Stralsunderin Marie Maciejewski gehört zu den bekanntesten Boxsportlerinnen in M-V.

Aktuell präsentierte sich die gebürtige Berlinerin Sophie Alisch, Jahrgang 2001, vom BC Traktor Schwerin in ausgezeichneter Form. Sie gewann Bronze bei den U 19-EM (Gewichtsklasse bis 57 Kilogramm) in Roseto degli Abruzzi und qualifizierte sich damit für die Welt-Titelkämpfe in Ungarn.

Interview

Sophie über die kommenden sportlichen Herausforderungen, ihre Fern-Ziele, ihr Trainingspensum, ihre Faszination für den Boxsport und ihre karge Freizeit

„Das Duell Frau gegen Frau hat mich schon immer gereizt…“

Frage: Noch nachträglich einen herzlichen Glückwunsch zu EM-Bronze. Wie verlief das Turnier aus deiner Sicht, Sophie? Wie war das Niveau der EM insgesamt?

Stark und erfolgreich: Sophie Alisch, Sarah Scheurich und Ornella Wahner. Foto: M.M.

Sophie Alisch: Vielen Dank. Das Niveau war insgesamt sehr hoch, 2018 ist ja das Jahr der dritten Olympischen Jugend-Spiele, die im Oktober in Buenos Aires stattfinden werden, und die olympischen Klassen 51 Kilogramm, 57 Kilogramm, 60 Kilogramm und 75 Kilogramm waren mit den besten Athletinnen besetzt.

Nach dem Gewinn der Bronzemedaille 2017 in Sofia bei den U17-Europameisterschaften hatte ich mir für dieses Jahr einiges ausgerechnet, wenngleich es in der U19 Klasse eher schwerer als leichter wird.

Meinen Viertelfinal-Kampf gegen die Ukrainerin Tanya Radionova konnte ich souverän und klar gestalten. Auch als ich im Halbfinale auf die Turnier-Favoritin und zweifache Europameisterin Jessica Triebelova aus der Slowakei traf, habe ich mich als Siegerin gesehen. Es war ein enger Kampf, in dem ich – zumindest nach unserer Auffassung – sportlich die Nase vorn hatte. Leider sahen es die Kampfrichter anders.

Wir sind dennoch zufrieden. Ich konnte die Leistung aus dem Vorjahr bestätigen und gehöre in meiner Gewichtsklasse zu den ersten Drei in Europa. Das Ziel war ohnehin, sich für die WM zu qualifizieren und eine Medaille mit nach Hause zu bringen. Das ist mir gelungen.

Frage: Du konntest dich, wie angesprochen, auch für die WM qualifizieren… Wann ist der genaue Termin? Wie sieht deine Vorbereitung bis dahin aus?

Sophie Alisch: Ja und es erfüllt mich mit Stolz, für Deutschland und den BC Traktor Schwerin bei den Weltmeisterschaften zu starten. Der BC Traktor hat eine lange Tradition mit vielen  internationalen Erfolgen. Ich hoffe, dass ich an diese Tradition anknüpfen kann und zusammen mit Sarah Scheurich, die ja zudem dieses Jahr international unterwegs ist und in der Vergangenheit schon sehr erfolgreich war, noch einige Medaillen nach Schwerin holen werde.

Die WM findet übrigens im August in Ungarn statt. Ich glaube so zwischen 7. August und 16. August. Bei meinen Vorbereitungen setze ich voll auf mein Trainer-Team Andy Schiemann und Alexander Wopilow. Ich glaube, die wissen was zu tun ist…

Wir werden gezielt an den Feinheiten arbeiten, damit wir zur WM noch stärker aufgestellt sind. Das heißt für mich, dass ich noch unzählige Sparringsrunden absolvieren werde, was aber in der tollen neuen Halle in Schwerin das kleinere Übel ist…

Frage: Welche weiteren sportlichen Ziele hast du?

Sophie Alisch: Das olympische Box-Turnier 2020 in Tokio steht natürlich ganz oben auf der Liste und ist das eigentliche Fern-Ziel. Die mittelfristigen Ziele sind, dass ich mich in der Weltspitze etablieren und möglichst bei jedem internationalen Höhepunkt Edelmetall erkämpfen kann…

Frage: Was ist eigentlich das Faszinierende am Boxsport für dich?

Sophie Alisch: Das ist eine gute Frage. Ich komme aus dem Tennissport und das Duell Frau gegen Frau hat mich schon immer gereizt. Team- bzw. Mannschaftssport ist nichts für mich. Ich bin davon überzeugt, dass eine gesunde Portion Egoismus im Sport nicht verkehrt sein sollte…

Letzte Frage: Und wie sieht dein Leben außerhalb des Boxrings aus? Was ist Dein Ausgleich zum Sport? Widmest du dich auch noch anderen Sportarten?

Sophie Alisch: Ehrlich gesagt, habe ich so gut wie keine Zeit. Ich trainiere zweimal am Tag sechsmal wöchentlich – und nebenbei „bastele“ ich an meinem Abitur auf „dem Fern-Weg“. Ich versuche daher, so viel Zeit wie möglich mit meiner Familie zu verbringen – wenn ein paar „freie Minuten“ bleiben.

Vielen Dank und weiterhin alles erdenklich Gute – im Box-Ring, in der Schule und persönlich!

M.Michels