Auf 900 Quadratmeter erstreckt sich die Skatehalle Stralsund – samt Park-, Street-, und Flatbereich sowie ein Schaumstoffbecken. Seit fast 6 Jahren lockt sie Skater, BMX- und MTB-Fahrer, und Rollerfahrer aller Altersklassen in die Hansestadt. Damit das auch in Zukunft so bleibt, benötigt der Bike and Boardsports e.V., der die Arena Am Kronhalsgraben 47a aufgebaut hat und betreibt, dringend Hilfe. Denn die Halle soll geschlossen werden. 2.500 Euro werden benötigt. Eine entsprechende Spendenaktion haben die Stralsunder Skater auf SPONSOR.ME gestartet.

Skateboardfahrer – Symbolbild

Wir haben bei Vereinsvorstand Ben Gottschalk nachgefragt

Herr Gottschalk, Sie haben einen Spendenaufruf gestartet. Damit wollen Sie die drohende Hallenschließung abwenden. Was ist geschehen?

Wir haben diesen Verein am 30. September 2018 übernommen und haben festgestellt, dass dieses ewige Minusgeschäft und aufstocken der laufenden Kosten durch Spendeneinnahmen ein Ende haben muss. Dazu benötigen wir einen Neuanfang und um neu anzufangen und ein neues Vereinskonzept zu entwickeln brauchen wir finanziellen Rückhalt. Leider ist es derzeit immer noch so, dass wir Teile der Spendeneinnahmen für laufende Kosten nutzen müssen. Dies hat aber bald ein Ende, falls wir unser Spendenziel erreichen.

Sie und Ihre Mitstreiter haben vor sechs Jahren die Skatehalle in einem ehemaligen Baumarkt geschaffen. Wie erleben Sie bis heute die Resonanz zu ihrem Projekt?

Genau, vor 6 Jahren ging es los mit dem Bau der Skatehalle. Ich war damals noch ein 14-jähriger Neuling. Zu der Zeit hatte ich einfach noch gar kein Schimmer wie man Rampen baut, allgemein mit Werkzeugen etwas derartiges aus Holz zu bauen schien undenkbar. Vorher hat noch keiner von uns Rampen gebaut. Viele Jugendliche und Erwachsene arbeiteten zusammen um dies zu erschaffen. Großen Respekt dafür. Die weiteren Jahre kamen immer mehr Fahrer und Besucher zu uns und haben uns erstaunt gelobt, so etwas alleine erbaut zu haben. Über die Jahre sammelte man Erfahrung in Sachen Rampenbau, denn Reparaturen und Neubauten stehen ständig an der Tagesordnung. So haben wir mit den Jahren unsere Jumpbox gekürzt, ebenso für ein flüssigeres Fahren die Auf- und Abfahrten abgerundet, 2 komplett neue Elemente gebaut und ein weiteres ist schon in Planung. Unsere Skatehalle wird von unseren Fahrern und Besuchern wertgeschätzt und geliebt. Deshalb gehen wir auf Verbesserungsvorschläge und Wünsche unserer Besucher ein und versuchen alle Sportarten miteinander zu verbinden. Die Unterstützung die wir bis jetzt erhalten haben, hat sich niemand erträumt und es ist so schön, dass so viele Menschen uns helfen wollen! Vielen Dank!

Sind im heutigen Vorstand auch noch die damaligen Vereinsgründer aktiv, also das Trio Eric Skupien, Ulf Wahle, Alexander Triebke?

Nein, der Vorstand wurde am 30.9.2018 neu gewählt, womit sich der alte Vorstand verabschiedet hat. Der Neue besteht aus Maximilian Schlotz, Marc Grundmann und Ben Gottschalk.

Sicherlich werden Sie immer wieder mit teils unerwarteten Herausforderungen konfrontiert. Wie arbeitet der Verein und seine Mitglieder? Auf welche externe Unterstützung sind Sie noch angewiesen?

Unerwartet trifft es auf den Punkt. Alles war bis jetzt unerwartet und musste sehr schnell und dringlich erledigt werden. Dazu kamen etliche Anträge auf Spendengelder die wir verfassen mussten. Spontane wichtige Telefonate mit Politikern und ihren Sekretären standen auch auf dem Tagesprogramm. Termine und Treffen mit dem Bürgermeister unserer Stadt oder mit Frau Von Allwörden und Herr Zeitz, unsere Verwaltung für Schule und Sport, waren Angelegenheiten mit denen wir vorher nie konfrontiert wurden. Von unserer Seite aus nochmal vielen Dank an die Stadt für ihre Unterstützung. Wir sind bis jetzt nur auf nette und uns entgegenkommende Menschen gestoßen. Das freut einen sehr und treibt einen weiter an noch mehr zu erreichen. Die nächste große Herausforderung ist nun ein Vereinskonzept zu entwickeln, welches den Verein, auf viele Jahre gesehen, hält. Klappt das, bekommen wir vom Land die nötige Unterstützung um die ganze Halle zu sanieren, neue Elemente zu bauen und ganz neu anzufangen. Erst danach können wir sagen, wir haben uns gerettet!

Sie verstehen sich auch als Jugendtreff und Plattform für Trendsportarten. Worin unterscheiden Sie sich zu anderen Vereinen?

Wir unterscheiden uns zu anderen Vereinen insofern, dass wir zum Beispiel keine vorgeschriebenen Trainingszeiten haben. Man kann also während der Öffnungszeiten kommen und fahren wie lange man will. Entspannt ist es ebenfalls mit Freunden und anderen Fahrern zusammen Tricks zu üben egal welche man möchte, ohne das jemand einen sagt was man tun soll. Man hilft sich gegenseitig und erklärt sich untereinander wie etwas funktioniert. Das Wetter ist bei unseren Sportarten dank der Halle ebenfalls nicht relevant. So etwas flexibles, familiäres und umfangreiches gibt es nur in unserem Verein, ganz egal ob Radfahrer, Skater, Scooter Fahrer oder Inline Fahrer.

Welche Erfolge würden Sie ihrer Jugendarbeit zuschreiben?

Auf jeden Fall der Zusammenhalt. Hier sind alle gleich, egal wie alt oder was sie fahren. Jeder weiß die Halle zu schätzen und hilft wo er kann. Ob es darum geht wie man welchen Trick steht, wann man wo fährt, zusammen aufgeräumt wird oder zusammen Reparaturen durchgeführt werden. Immer ist jemand bereit zu helfen und es wird unglaublich Courage gezeigt. Was heute sehr selten ist!

Was hat es mit dem „All-In-One Promo Jam“ auf sich?

Dahinter steckt, dass wir alle Fahrer in Deutschland und von weiter entfernt mal wieder zum gemeinsamen Fahren animieren wollen. Nach dem ganzen Stress und der Sorgen um unsere Halle wollen wir alle einmal abschalten und eine schöne entspannte Session haben. Es wird der Grill angeschmissen und alle Freunde und Bekannte eingeladen um vorbei zu kommen und sich die Show, die unsere Jungs euch bieten, anzugucken.

Wie würden sie die heutige Skateboard- und BMX-Scene mit jener der 80er/90er Jahre vergleichen?

Zuerst gibt es im Vergleich zur damaligen Zeit viel mehr Tricks und viel bessere Fahrer. Die Bedingungen zum Fahren und Lernen sind viel besser geworden. Es gibt viel mehr Skateparks und Skatehallen auf der Welt, nur in unserer Umgebung leider nicht. Das Equipment hat sich sehr verbessert, wodurch sich auch sehr viele junge Fahrer schon die ganz großen Tricks trauen und immer besser werden. Das Design hat sich verändert, dadurch gibt es nun eine viel größere Auswahl an Formen und Farben von Boards, Bikes und Scooter. Die Szene ist größer geworden, wodurch es auch immer mehr und größere Events weltweit gibt, wie z.B. die X-Games, Simple Session, FISE und ab 2020 auch BMX freestyle bei den olympischen Spielen.

Was fahren Sie? Board oder Bike?

Ich fahre seid 6 1/2 Jahren BMX und bin vor der Skatehalle schon auf unserem Skatepark in Grünhufe ein halbes Jahr gefahren. Richtig intensiv und mit härteren Tricks wurde es natürlich erst nach mehreren Monaten/Jahren. Mit der Zeit konnte man sich auch in stets freiwilligen Wettbewerben in ganz Deutschland messen oder besser sogar in der eigenen Halle selber veranstalten. Etliche Reisen zu anderen Orten (Skateparks/-Hallen) fern ab Mecklenburg-Vorpommern‘s stehen auch übers ganze Jahr verteilt im Terminkalender. Dies ist einfach nur der Freude wegen, weil diese Sportart verbindet. Überall in Deutschland und teils in anderen Ländern hat man Bekanntschaften durch unseren Sport geschlossen. Durch unsere Skatehalle gibt es einfach viel bessere Möglichkeiten so gut wie jeden Trick zu erlernen. Hierzu gehört unser Schaumstoffbecken, wo man schwierige Tricks vorerst hinein übt, bis man sich sicher ist diese auch auf den Rampen zu stehen. Ebenso unser Konzept mit Jumpbox und Spine nebeneinander, die Wallquarter zum Schwung holen und Airquarter hinter den Landungen, ermöglicht ein sauberes Line fahren mit grenzenlosen Tricks und Fahrmöglichkeiten. Unser Street Bereich ist soweit auch gut durchdacht mit kleinen Banks, London Gaps, Rooftop und Hip sind die meisten gut bedient. Jedoch benötigen wir weitere Spenden zum Erneuern und Erweitern des Flatbereiches.

Ihr waghalsigster Sprung?

Das ist wirklich schwierig zu sagen. Es gibt so viele Unterschiede zwischen sich endlich zu trauen in 5 Meter Höhe ein Trick zu machen oder ein flachen technischen Trick zu stehen. Ich würde sagen, dass 360 nohand (Tricks werden grundsätzlich englisch ausgesprochen) mit zu einer meiner anspruchsvollsten Tricks gehört. Hierbei dreht man sich im Sprung 360 Grad über eine Box oder Spine und nimmt dabei beide Arme vom Lenker und streckt sie aus. Ebenso der Flair, also mit dem Fahrrad einen Rückwärtssalto mit halber Schraube gehört zu solch schwierigen Tricks. Der letzte Trick den ich gelernt habe, war auch so ein „Waghalsiger“. Thailwhip to barspin heißt dieser, wobei man das Fahrrad unter sich einmal dreht, mit den Füßen auffängt und danach den Lenker einmal rumwirft.

Herzlichen Dank und viel Erfolg in all ihren sportlichen Vorhaben

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