Ob Groß oder Klein, Jung oder Alt – jeder kann es tun, wenn er sich nur traut. Sportklettern, insbesondere Bouldern, wird in Deutschland immer populärer. Jetzt wurde diese Sportart sogar für die Olympischen Spiele 2020 in Tokyo zugelassen. Da wundert es wohl niemanden, dass sogenannte „Kletterhallen“ immer beliebter werden und sich Ihre Betreiber über stetig steigende Besucherzahlen freuen dürfen. Verschiedene Schwierigkeitsgrade, vom Anfänger bis zum Profi, können getestet und überwunden werden. An erster Stelle steht natürlich der Spaß! Aber auch die körperliche Herausforderung, das Überwinden eigener Grenzen und das Gemeinschaftsgefühl kommen hier nicht zu kurz!

© Felshelden

 

Nachgefragt bei Jano Tenev, Inhaber der Boulderhalle „Felshelden“

Herr Tenev, vor rund 2 Jahren eröffneten Sie die erste Boulderhalle in Mecklenburg-Vorpommern. Was haben Ihre Besucher zu erwarten?

Unsere Besucher erwartet ein aktives Erlebnis für Körper und Geist. Selbst wenn man ein Boulderneuling ist, merkt man schnell welches Potential und Spaß das Bouldern bietet. Die geringen Einstiegshürden und die verschiedenen Schwierigkeitsgrade machen es jedem leicht sich dem Sport anzunähern oder gekonnt an die Grenzen zu gehen. Da man bei uns kein Sicherungsgerät oder -partner braucht, weil man auf Absprunghöhe und über dicken Matten klettert, ist man mit Leihschuhen und einer kurzen Einweisung in die Hallen- und Boulderordnung bedient und kann sofort loslegen.

Neben dem „Freien Klettern“ kann man bei uns Kindergeburtstage und Firmenevents (Teambuildings) buchen oder an diversen Kursen teilnehmen – Schnupperkurse (für Anfänger), wöchentliche Kinderkurse (für ambitionierte Kids), Grund- und Technikkurse (für alle ambitionierten Sportler).

Was ist das faszinierende an dieser Disziplin des Sportkletterns?

ACHTUNG: Bouldern und Sportklettern sind unterschiedliche Dinge! Bei uns kann man ausschließlich Bouldern. Beim Bouldern und dessen kurzen Routen („Probleme“ genannt) wird einem Alles abverlangt. Je nach Schwierigkeitsgrad muss man mal technisch, kraftvoll, dynamisch oder kreativ tätig werden. Dabei spielt die Angst vor der Höhe oft keine Rolle und wirkt nicht zusätzlich „störend“ auf die Konzentration – ein Effekt, der beim Sportklettern eher eintreten kann. Faszinierend ist auch, dass man sich an einem Problem oft so lange die Zähne ausbeißen kann, bis man einen „Move“ ändert und es dann doch mit einmal schafft. Trotz der vielen Fehlversuche zuvor nimmt man immer auch ein positives Gefühl mit und es wirkt nie frustrierend.

Sportklettern besitzt andere Reize. Hier sind das kribblige Gefühl in der Höhe, ggf. die Angst vorm Stürzen und der Umgang mit dem Seil oder Sicherungsgerät, die Herausforderungen, denen man sich stellen muss. Es wird die körperliche Ausdauer und Kondition gefordert.

Gibt es ein „bestes Alter“, um mit dem Bouldern zu beginnen?

Kinder sind vermutlich die besten „Affen“. Sie besitzen ein unverfälschtes Körpergefühl und ein optimales Kraft-Masse-Verhältnis. Darüber hinaus sind Kids noch angstfrei und gehen unbekümmerter an die Probleme heran. Das Alter spielt aber oft keine Rolle, weil jede/r etwas aus seinen körperlichen Möglichkeiten machen kann. Auf Grund der verschiedenen Schwierigkeitsgrade ist es aber nie zu spät, um mit dem Bouldern anzufangen. Den Erwachsenen hilft der Sport Haltungsprobleme und mentale „Störfeuer“ entgegenzuwirken. Die positiven Effekte wirken hierbei ab der ersten Boulder-Route.

Benötige ich bestimmte Vorkenntnisse, wenn ich mit dem Klettern beginnen möchte?

„Kinder sind vermutlich die besten ‚Affen'“ – FOTO: © Felshelden

Für das Bouldern benötigt man keine Vorkenntnisse. Dennoch erhält jeder unserer Neukunden eine gründliche, theoretische Einweisung in die Hallen- und Boulderordnung – durch unser fachkundiges Team. Alles andere was man an der Boulderwand benötigt, kann man sich dann bei uns ausleihen.

Bei Sportklettern (am Seil) hingegen ist es zwingend notwendig einen Kurs zu belegen. Aufgrund der größeren Kletterhöhe und den Umgang mit Sicherungstechnik, besteht beim falschen Umgang damit höchste Verletzungs-/Lebensgefahr. Der Umgang mit dem Klettergurt, den verschiedenen Sicherungsgeräten, Kletterknoten, Seil, Kommunikation mit dem Sicherungspartner muss trainiert werden und birgt viele Gefahren, beim unsachgemäßen Umgang.

Welche Unterschiede bestehen zum „Lead“ und „Speed“, den beiden anderen Disziplinen des „Olympic Combined“?

Beim Lead werden individuelle Routen geschraubt. Hier unterscheiden sich die Wandprofile und zu begehenden Strecken von Wettkampf zu Wettkampf oder Halle zu Halle. Ziel beim „Lead-Climbing“ ist es möglichst weit/hoch zu klettern und am besten den letzten Griff zu erreichen. Auf dem Weg nach oben muss der Kletterer sein Sicherungsseil immer wieder in die sogenannten „Exen“ oder „Express-Sets“ einhacken. Im Wettkampf gewinnt wer am höchsten hinaus kommt.

Beim „Speed-Climbing geht es um Geschwindigkeit und die schnellste Zeit. Die Routen und Griffe sind standardisiert und die Wand immer gerade und im 90’ zum Boden (nicht überhängend). Im Wettkampf treten in der Regel zwei Kletterer gegeneinander an und starten auf ein Signal hin. Wer zuerst den Knopf am Ende der Route drückt gewinnt.

„Olympic Combined“ verbindet alle drei Klettersportarten – Lead, Bouldern und Speed – zu einem Wettkampf. Hier müssen sich die Wettkämpfer in allen drei Disziplinen beweisen und der / die beste Allrounder/in gewinnt am Ende. Die verschiedenen Klettersportarten sind sehr unterschiedlich und wenngleich ein guter Boulderer auch Lead klettern kann und es auch beim Speed irgendwann ins Ziel schafft, sind die professionellen Wettkampf-Sportler oft schon sehr spezialisiert. In den vergangenen Jahren war zu beobachten, dass die Sportler ihr Training stark an dem neuen Wettkampfmodus angepasst haben und vermehrt in den anderen Teildisziplinen zu sehen waren. Es wird sehr spannend sein, wie sich dieser neue Wettkampfmodus 2020 bewehren wird und was die Aktiven dazu sagen werden.

Kann ich mich mit anderen Sportarten auf das Sportklettern vorbereiten? Und ist eine bestimmte Kleidung notwendig?

Klettern fordert den ganzen Köper. Eine gute Grundfitness und Power in den Muskeln kann also nicht schaden. Dicke Muskel, die man sich im Fitnessstudio holen kann, sind in der Regel aber destruktiv, weil sie oft wenig ausdauernd sind und das Bewegungsvermögen bzw. die Gelenkigkeit einschränken können. Viele Kletterer machen auch Yoga. Viele Kite-/Wind-Surfer klettern/bouldern gern während der kalten Monate.

Man braucht keine spezielle Sportbekleidung. Solange die Klamotten die Beweglichkeit nicht einschränken oder zu warm sind, kann man mit allem an die Wand.

Ihre eigene Bestleistung?

Ich betreibe den Sport aus Leidenschaft und Spaß an der Freude. Ich habe nie leistungsorientiert geklettern/gebouldert und kann daher mit keinen Bestleistungen glänzen. Man findet aber auch selten Kletterer, die mit Ihren Bestleistungen hausieren gehen. Für den Sportler ist das Bezwingen von persönlichen Grenzen wichtiger als der Schwierigkeitsgrad und die soziale Würdigung. Für die Sponsoren werden Bestleistungen aber trotzdem gern dokumentiert und in der Klettergemeinschaft kommuniziert.

© Felshelden

Nehmen wir an, ich bin am organisierten Wettkampfklettern interessiert? Geht das bei Ihnen?

Unsere Boulderhalle ist so konzipiert, dass sie eine breite Masse von Menschen in Rostock und Umgebung anspricht. Da der Klettersport hier nicht so weit entwickelt ist, wie außerhalb Mecklenburg-Vorpommerns, haben wir unser Augenmerk eher auf ein anderes Konzept gelegt. Dennoch veranstalten wir regelmäßig Spaßwettkämpfe und bedienen uns hierbei eher unkonventioneller Methoden als klassischer Wettkampfmuster. So haben wir in der Vergangenheit ein „Foot-Less-Contest“ veranstaltet, bei dem die Routen und Stationen ausschließlich ohne Füße zu bewältigen waren. Aktuell veranstalten wir einen Monatswettkampf und haben 20 Probleme in der ganzen Halle verteilt, an denen man sich testen kann. Eine Wettkampf-App hilft uns dabei den Wettkampf zu organisieren. Die Teilnehmer tragen ihre Wettkampfergebnisse in diese App ein und können ihren Rang (online) in einer Tabelle nachvollziehen.

Um die Frage zu beantworten: Ja, wir können auch einen Wettkampf organisieren, wir bewegen uns aber dabei außerhalb der gewohnten Wettkampfmuster.

Wie sieht die Wettkampfstruktur in Mecklenburg-Vorpommern aus? In welcher Verbindung stehen Sie selbst zum Deutschen Alpenverein bzw. zur Sektion Rostock?

Die Wettkampfstruktur in MV ist nicht so ausgeprägt, wie in anderen Bundesländern. Hier besteht Entwicklungspotential. Wir sind ständig bemüht den Klettersport weiter zu verbreiten und das Angebot zu verbessern. Dabei folgen wir ganz klar der Nachfrage und den Bedürfnissen unserer Kunden.

Wir pflegen einen engen Kontakt zum DAV und zur Sektion Rostock und stehen im regelmäßigen Austausch. DAV-Mitglieder aller Sektionen dürfen bei uns zu günstigeren Konditionen bouldern und hin und wieder veranstaltet der DAV Treffen bzw. Events in unserer Boulderhalle.

Was ist der DAV-Kletterschein? Wo kann ich den hier in MV erlangen?

Bezüglich der DAV-Ausbildungs und -Förderkonzepte kenne ich mich leider nicht aus. Hierzu sollte man sich besser an den DAV wenden.

Herzlichen Dank und viel Erfolg in all ihren sportlichen Vorhaben.