Ob Groß oder Klein, Jung oder Alt – jeder kann es tun, wenn er sich nur traut. Sportklettern, insbesondere Bouldern, wird in Deutschland immer populärer. Jetzt wurde diese Sportart sogar für die Olympischen Spiele 2020 in Tokyo zugelassen. Da wundert es wohl niemanden, dass sogenannte „Kletterhallen“ immer beliebter werden und sich Ihre Betreiber über stetig steigende Besucherzahlen freuen dürfen. Verschiedene Schwierigkeitsgrade, vom Anfänger bis zum Profi, können getestet und überwunden werden. An erster Stelle steht natürlich der Spaß! Aber auch die körperliche Herausforderung, das Überwinden eigener Grenzen und das Gemeinschaftsgefühl kommen hier nicht zu kurz!

Ostblock-Cup 2018/19 in der Rostocker Boulderhalle 45 Grad. FOTO: © 45 Grad

Nachgefragt bei Georg Hasselberg, Inhaber der Boulderhalle „45 Grad“

Herr Hasselberg, vor knapp anderthalb Jahren eröffneten Sie Ihre Boulderhalle. Was haben Ihre Besucher zu erwarten?

Wir wollen einen Ort schaffen an dem sich jeder gut aufgehoben fühlt, ob Neuling, Hobbykletterer oder ambitionerte/r Sportler/in. Dabei bilden natürlich die verschiedenen Routen und Bewegungsprobleme von leicht bis anspruchsvoll, die wir in der Halle anbieten und regelmäßig neu bauen den Kern aber die vielen anderen Angebote runden die Erfahrung ab. Wir haben einen großzügigen Bereich für Ausgleichstraining, bieten Kurse für Kinder und Erwachsene an, sowie offene Veranstaltungen wie eine wöchentliche Sauna, Stretching und Yoga-Kurse. In unserem kleinen Café kann man wieder Kraft schöpfen oder sich einfach mit Freunden in Ruhe unterhalten. Die Boulder-Community ist sehr willkommen heißend, egal ob Anfänger oder Fortgeschrittener und auch das schafft eine einzigartige Atmosphäre.

Was ist das faszinierende an dieser Disziplin des Sportkletterns?

Bouldern ist es eine sehr pure Form des Sportkletterns aber auch als Sport allgemein – praktisch benötigt man nichts außer eine Wand zum Erklimmen und vielleicht ein paar Kletterschuhe. Man muss auch nicht den Umgang mit Seil und Sicherungsmaterial beherrschen. Ob allein oder in einer Gruppe von Freunden, ob nur zum Spaß und um sich zu bewegen oder um an seine physischen Grenzen zu gehen – all das ist möglich und ganz intuitiv zugänglich.

Gibt es ein „bestes Alter“, um mit dem Bouldern zu beginnen? Welche Altersklassen sieht man in Ihrer Halle?

Bei uns in der Halle haben wir ein sehr breites Spektrum an Besuchern. Wir haben Familien, die uns mit teilweise sehr kleinen Kids besuchen (unsere wöchentlichen Trainingsgruppen bieten wir für verschiedene Altersklassen ab 5 Jahren an) bis hin zu Menschen um die 60, die Klettern als sehr ausgewogenen, umfassenden und technischen Sport schätzen.

Benötige ich bestimmte Vorkenntnisse, wenn ich mit dem Klettern beginnen möchte?

Nein. Klettern ist ein sehr intuitiver Sport. Gerade beim Bouldern, ohne Seil und den Umgang mit Sicherungsmaterial, weiß jeder was zu tun ist und wir geben auch gerne jedem zum Einstieg noch ein paar hilfreiche Techniktipps mit auf den Weg.

Warum ziehen Sie das Bouldern den beiden anderen Disziplinen des „Olympic Combined“, dem „Lead“ und „Speed“, vor?

Gerade weil Bouldern so ein gut zugänglicher Sport ist und man spontan, ohne großen Zeitaufwand in die Halle gehen kann um sich dort auszupowern. Besonders schön ist, dass man auch alleine loslegen kann, sollte der Trainingspartner mal keine Zeit haben, aber man trotzdem vor Ort eigentlich immer jemanden findet, wenn man mag, mit dem man zusammen an einer Routen basteln kann um die Bewegungen zu entschlüsseln. Neue Bekanntschaften beim Bouldern zu schließen ist vielleicht der beste Aspekt des Sports.

Kann ich mich mit anderen Sportarten auf das Sportklettern vorbereiten?

Generell hilft es natürlich, wenn man regelmäßig Sport treibt, gerade Sportarten die stärker auf Koordination und Technik setzen (Tanzen, Turnen, etc.). Aber da die Kletterrouten ganz verschiedene Schwierigkeitsgrade abdecken, findet jeder einen Weg die Wand hoch.

Gibt es bei Ihnen bestimmte Vorgaben zur Kleidung?

Sportbekleidung, in der man sich wohlfühlt und angenehm bewegen kann ist wichtig. Gerade Bewegungsfreiheit an den Beinen ist besonders hilfreich.

Ihre eigene Bestleistung?

Mit meinen nationalen Wettkampfergebnissen oder den absoluten Schwierigkeiten, die ich z.B. draußen in der Natur geklettert bin, kann man leider nicht angeben. Trotzdem gibt es ‚Bestleistungen‘: Manchmal ist es die pure physische Schwierigkeit von Zügen an meinem persönlichem Limit, aber oft ist es auch die Ästhetik einer Linie (hauptsächlich am Naturfels) oder die Raffinesse eine Bewegung, die zu klettern mich am meisten erfüllt.

Nehmen wir an, ich bin am organisierten Wettkampfklettern interessiert? Geht das bei Ihnen?

Absolut! Wir veranstalten regelmäßig Wettkämpfe und haben noch mehr Ideen für verschiedenste Wettkampfformate neben dem traditionellen Tageswettkampf. Die nächste Gelegenheit sich bei uns (unabhängig vom eigenen Fähigkeitslevel!) an einem Wettkampf auszuprobieren, ist der „45 Grad Cup“ am 27. April 2019. Dort küren wir auch den/die Rostocker Bouldermeister/in.
Wir haben dieses Jahr auch erstmals ein eigenes ‚45 Grad Team‘ zusammengestellt, weil wir ambitionierte Boulderer unterstützen wollen. Diese 4 Athleten und Athletinnen starten zusammen bei der Boulder-Bundesliga und werden von der Halle gesponsort.

Wie sieht die Wettkampfstruktur in Mecklenburg-Vorpommern aus? In welcher Verbindung stehen Sie selbst zum Deutschen Alpenverein bzw. zur örtlichen Sektion?

Sportklettern und Bouldern ist in Mecklenburg-Vorpommern noch sehr jung. Es gibt bisher noch keine offiziellen Landesmeisterschaften, in keiner der Disziplinen. Dafür aber andere, kleinere Wettkämpfe und jetzt natürlich auch die, die wir in der 45 Grad im Bouldern veranstalten. Wir arbeiten allerdings mit dem DAV, also der örtlichen Sektion Rostock, zusammen, um genau diese Strukturen aufzubauen und derartige Events zu etablieren.

Herzlichen Dank und viel Erfolg in all ihren sportlichen Vorhaben.