Im Gespräch mit JVMV-Geschäftsstellenleiter Ralf Wilke

Der Judosport pulsierte auch im Sportsommer 2019 mit den Wettkämpfen bei den Europaspielen in Minsk, der Universiade in Neapel und den baldigen WM in Tokio. Darüber hinaus fanden bereits zahlreiche regionale, nationale und internationale Turniere statt, bei denen auch Judoka aus Mecklenburg-Vorpommern sportliche Ausrufezeichen setzten.

Kein Wunder, immerhin kommen sie aus einem sehr traditionseichen Judo-Land, in dem es derzeit 50 Vereine mit circa 5.000 Mitgliedern gibt. Aktiv sind davon, mit Gürtelprüfungen, Meisterschafts- und Turnierteilnahmen, etwa 2.500 Sportler.

Judoka auf der Tatami. Schulterwurf

Judo – Symbolbild

Interview

Ralf Wilke, Sportkoordinator und Leiter der Geschäftsstelle des Judoverbandes MV über Rostocks Judo-Ass Annika Würfel und über die regionalen bzw. internationalen Turniere 2019

„Der Judosport boomt weltweit…“

Frage: Die Judo-Wettkämpfe der Universiade sind Geschichte. Wie beurteilen Sie die Ergebnisse und das Niveau?

Ralf Wilke: Japan, Japan, Japan. Es ist schon eine erdrückende Macht, aber auch Russland und andere Nationen melden starke Athleten an. Leider nur eine Einzelmedaille für Deutschland und zwei 5. Plätze. Damit sind wir in der Nationen-Wertung weit von den vorderen Plätzen entfernt. Mit Annika Würfel hatte auch Mecklenburg-Vorpommern eine Sportlerin am Start. Leider versperrte Takeda aus Japan Annikas Einzug in das Finale. Und, wenn es dann richtig kommt, tja, dann vergeigt man mit einer Aktion auch noch das Minimalziel, die Bronzemedaille… Glücklicherweise erkämpften die deutschen Frauen in der Team-Wertung Bronze. Somit musste Annika nicht mit leeren Händen die Heimreise antreten.

Was das sportliche Niveau betrifft: Die Judo-Wettkämpfe der Universiade hatten ein sehr hohes Niveau und es zeigte sich, dass mittlerweile viele Länder ein gewichtiges Wort bei der Medaillenvergabe mitreden. So konnten letztendlich Judoka aus 18 Nationen in den 14 Entscheidungen Edelmetall erringen. Judo boomt weltweit. Dominierend waren erwartungsgemäß die schon erwähnten Japanerinnen und Japaner mit elf Medaillen, darunter siebenmal Gold, und Russland mit zehn Medaillen, darunter dreimal Gold. Für das deutsche Team blieben immerhin zwei Bronze-Medaillen: durch Sarah Makelburg im Mittelgewicht und das Frauen-Team mit unserer Annika Würfel.

Frage: Ein paar weitere Worte zur Rostockerin Annika Würfel… Wie schätzen Sie deren Leistungen im laufenden Jahr ein?

Ralf Wilke: Annika musste die Deutsche Meisterschaft leider verletzungsbedingt absagen. Somit vergingen beinahe vier Monate ohne Wettkampf… Ein toller Einstand dann beim Europacup in Kaunas im Mai. Mit der Goldmedaille konnte man nach der Verletzungspause eigentlich nicht rechnen. Aber Annika ist ungemein zielstrebig und diszipliniert, so dass kaum ein Trainingsdefizit erkennbar war.

Frage: Auch in Berlin, beim Europacup der Junioren überzeugte Annika…

Ralf Wilke: Das stimmt. Der Europacup der Junioren in Berlin ist ein Hammer-Turnier in der Judo-Welt der Altersklasse U 21. Aus diesem Grund wertet jede Medaille die derzeitige Leistungsstärke auf. Annika kam gut in ihre Kämpfe und besiegte zwei ihrer Mitbewerberinnen. Im Einzug in das Finale jedoch erkannte sie die Gefahr, gewürgt zu werden, zu spät und wurde so zur Aufgabe gezwungen. Toll aber der Kampf um Bronze, der ihr gewachsenes Können unterstrich. Somit überzeugte Annika ein weiteres Mal bei einem Europacup. Die Teilnahme an der WM der Altersklasse U 21 ist nun auch schon bestätigt worden. Viel Erfolg wünschen wir an dieser Stelle.

Frage: Vom 25. August bis 1. September 2019 rufen die Judo-WM in Tokyo – die letzten Welttitelkämpfe vor Olympia. Wie ist da Ihre Erwartungshaltung?

Ralf Wilke: Im Nippon Budokan, in der heiligen Wettkampfstätte der Japaner, dort wo vor 55 Jahren (1964) erstmalig olympisches Judo geboten wurde, wird das japanische Team sicher mit einem Paukenschlag aufwarten. Das Mittelfeld dürfte sich dann weit ausdehnen. Wo letztendlich die deutschen die Judoka stehen werden, hängt sich von der Tagesform ab. Auf diesem Niveau, gerade bei Olympia, ist vieles möglich.

Frage: Wie lief es bislang für den Judosport in MV in diesem Jahr?

Ralf Wilke: Die Meisterschaften in den Altersklassen U 18 und 21 sind aus Sicht des Verbandes gut gelaufen. Die Ergebnisse für einen so kleinen Verband – Silber, Bronze und ein 5. Platz – sind überaus zufriedenstellend, zumal Annika nicht an den Start gehen konnte. Noch ein Top-Ereignis stellte der 17. Hanse-Cup in Greifswald dar. Mit 705 Teilnehmern wurde ein Teilnehmerrekord erzielt, der in MV einmalig ist.

Letzte Frage: Welche Turniere folgen für MVs Judoka noch?

Ralf Wilke: Das 23. Baulöwen-Pokal-Turnier in Rostock, die Landes-Einzelmeisterschaften und Landes-Mannschaftsmeisterschaften der Männer bzw. Frauen und das Weihnachtsturnier in Grimmen sind 2019 noch weitere judosportliche Höhepunkte im Land. Mehr Informationen und die Ausschreibungen dazu sind auf unserer Homepage „jvmv.de“ zu finden.

Vielen Dank und weiterhin besten Erfolg für den Judosport in M-V!