Symbolbild – Para-Leichtathletik

Im Gespräch mit Dr. Peer Kopelmann, VBRS-Landestrainer für Leichtathletik

Vier ereignisreiche Monate in der Leichtathletik liegen bereits hinter uns. Bis März war noch die Halle der bevorzugte Wettkampf-Ort für die Sprinter, Springer, Werfer und Co. Seit April heißt es nunmehr „Open Air“. Sowohl für die Athleten ohne als auch mit Handicap. Ein Interview mit dem Landestrainer Leichtathletik beim Verband für Behinderten- und Rehasport M-V

Frage: Das Jahr 2019 vor Olympia: Welchen Stellenwert hat die Leichtathletik mittlerweile in der deutschen Sportlandschaft?

Dr. Peer Kopelmann: Die Leichtathletik ist die olympische Kernsportart, die Para-Leichtathletik ist die paralympische Kernsportart. Die Vielfalt der verschiedenen Disziplinen, oftmals spannende Wettkämpfe mit objetivierbaren Leistungen bzw. Ergebnissen und mit Dramatik bzw. Fairness zeichnen die Leichtahletik aus. Hinzu kommt die wohl unübertroffene Zahl der weltweit konkurrierenden Nationen, wodurch der olympische und paralympische Gedanke getragen wird.

Frage: Die Hallen-Saison ist vorbei. Wie lief es für Ihre Schützlinge?

Dr. Peer Kopelmann: Aufgrund der frühzeitigen IWAS Games im Februar in Sharjah (Vereinigte Arabische Emirate) und der sich daran anschließenden internationalen Wettkämpfe in Sharjah und Dubai, an denen die EM-Teilnehmerinnen Lindy Ave und Hanna Wichmann teilnehmen durften, entfiel die Hallen-Saison für die deutschen Para-Leichtathleten weitgehend.

Anders gesagt: Die Hallen-Saison wurde nach draußen verlegt. Lindy Ave gelang es bei diesen Wettkämpfen bereits, die Norm für die diesjährige Para-Leichtathletik-Weltmeisterschaften zu erfüllen und kann sich nun in Ruhe auf diesen Wettkampf-Höhepunkt vorbereiten.

Hanna Wichmann hat die Wettkämpfe mit guten Ergebnissen beendet, muss aber in den kommenden Wochen um die WM-Norm kämpfen. Unser 16-jähriger Nachwuchsathlet Nils Krake aus Greifswald glänzte im Dezember 2018 und Januar 2019 mit neuen persönlichen Bestleistungen mit Kugel, Diskus und Speer.

Frage: Welche Ziele haben Ihre AthletInnen?

Dr. Peer Kopelmann: Lindy Ave strebt eine erfolgreiche Teilnahme an den Para-Leichtathletik-Weltmeisterschaften im November in Dubai an. Geplant sind Starts über 100 Meter, 400 Mete und im Weitsprung. Ohne Medaille möchte sie nicht nach Hause kommen. Außerdem hat sie das Ziel, sich mit iherer WM-Leistung frühzeitig für die Paralympischen Spiele 2020 in Tokio zu empfehlen.

Bei Hanna Wichmann ist das große Ziel, sich für die WM zu qualifizieren. Das wird schwer genug. Alle anderen Athleten unserer Trainingszentren in Neubrandenburg, Ludwigslust und Greifswald wollen sich weiter positiv entwickeln und mit der einen oder anderen Medaille von den Deutschen Meisterschaften nach Hause fahren.

Frage: Wie beurteilen Sie die Entwicklung der Leichtathletik in M-V? Was ist gut, was könnte besser werden?

Dr. Peer Kopelmann: Um die Leichtathletik der Sportler ohne Behinderung einschätzen zu können, fehlt mir aktuell der konkrete Überblick. Engagierte Trainer in den Vereinen und an den großen Leistungszentren Neubrandenburg, Rostock und Schwerin gelingt es immer wieder, ihre Athleten erfolgreich auf deutsche und internationale Meisterschaften vorzubereiten.

In der Para-Leichtathletik schafften Lindy Ave und Hanna Wichmann in den vergangenen Jahren den Sprung vom Nachwuchs in die Nationalmannschaft und konnten auch international Medaillen-Erfolge erringen. Die Entwicklung im Nachwuchs-Bereich stagnierte hingegen etwas. Eine Ausnahme bildet hier lediglich der Greifswalder Nils Krake. Hier sollte es in den kommenden wieder besser gelingen, durchaus vorhandene Talente erfolgreich zu national und international ambitionierten Nachwuchs-Athleten zu entwickeln.

Dies erfordert  weitere Fortschritte bei der personellen Absicherung des Trainings im Haupt-, Neben- und Ehrenamt sowie Verbesserungen der leistungssportlichen Infrastruktur. Die Nutzung leistungssportgerechter Sportstätten – Hallen, Stadien, Krafträume etc. – ist zu optimieren.

Letzte Frage: Wie viele Ihrer Schützlinge haben Chancen für die Paralympics in Tokyo?

Dr. Peer Kopelmann: Für Lindy Ave ist die Teilnehme an den Paralympischen Spielen 2020 ein realistisches Ziel, vorausgesetzt sie bleibt gesund. Das wäre dann nach Rio 2016 bereits ihre zweite Teilnahme an Paralympischen Spielen. Nachdem Lindy 2016 einen Medaille knapp verpasst hat, liebäugelt sie sicher auch mit einer paralympischen Medaille.

Hanna Wichmann trainiert sehr zielstrebig um ihr großes Ziel – die Teilnahme an den Paralympischen Spielen – zu erreichen. Ob es ihr gelingt, wird man dann sehen.

Viele Dank sowie weiterhin bestes Engagement für die Para-Leichtathletik!

mic