Goodbye einer Ausnahmeathletin

Lena Schöneborn beendet sportliche Karriere

Lena Schöneborn (rechts im Bild), die erfolgreichste deutsche Moderne FĂŒnfkĂ€mpferin „aller Zeiten“. Foto: M.M.

Wie kaum eine zweite Athletin hat Lena Schöneborn den Modernen FĂŒnfkampf geprĂ€gt. Nun verabschiedet sich die 31-JĂ€hrige vom Leistungssport.

Olympiasiegerin, siebenfache Welt- und sechsfache Europameisterin, ĂŒber viele Jahre Weltranglistenerste: Lena Schöneborn hat im Modernen FĂŒnfkampf alles erreicht, was eine Athletin erreichen kann. Nach mehr als einem Jahrzehnt in der absoluten Weltspitze ist nun Schluss mit dem Wettkampfsport.

„Der Moderne FĂŒnfkampf hat mich ĂŒber eine lange Zeit geprĂ€gt. Ich bin unendlich dankbar fĂŒr die tollen Erfahrungen, Begegnungen und Erfolge, die mir der Sport gegeben hat. Dennoch habe ich nach lĂ€ngerer Bedenkzeit entschieden, dass nun der Zeitpunkt fĂŒr den nĂ€chsten Lebensabschnitt gekommen ist. Jetzt freue ich mich auf neue Herausforderungen außerhalb des Leistungssports“, begrĂŒndete die 31-JĂ€hrige ihre Entscheidung.

Rasanter Aufstieg in die Weltklasse

Lena Schöneborns einmalige Karriere begann mit einem Zufall: Weil das Schwimmbad in ihrer Heimatstadt Niederkassel renoviert wurde, absolvierte die ambitionierte Nachwuchsschwimmerin ein Probetraining bei den Modernen FĂŒnfkĂ€mpfern der SSF Bonn. Dort erkannte Landestrainer Kersten Palmer das große Talent Schöneborns – und die damals 14-JĂ€hrige entdeckte den Vielseitigkeitssport fĂŒr sich. Dann ging alles schnell: Weltcup-DebĂŒt 2004, ein Jahr spĂ€ter bereits der Einzel-Titel bei der Junioren-WM und sogar Staffel-Gold bei der „großen“ WM.

Der Olympiasieg 2008 in Peking machte Schöneborn schlagartig zum Star. Die erste deutsche Medaille im Modernen FĂŒnfkampf seit 72 Jahren (Gotthardt Handrick gewann 1936 in Berlin ebenfalls Gold) bedeutete zugleich einen ungemeinen PopularitĂ€tsschub fĂŒr die Sportart. Von ihren insgesamt sieben WM-Siegen war der Titel 2015 in Berlin vielleicht der Schönste. Mit Einzel-Gold in ihrer Wahlheimat erfĂŒllte sie sich einen Traum – und vervollstĂ€ndigte nebenbei ihre beeindruckende Medaillensammlung.

„Lena Schöneborn ist ĂŒber viele Jahre das Gesicht unserer Sportart gewesen und wir haben ihr sehr viel zu verdanken. Mit ihr verbinden wir unzĂ€hlige Sternstunden und großartige Erfolge. Lena war und ist ein Vorbild weit ĂŒber den Modernen FĂŒnfkampf hinaus“, wĂŒrdigte DVMF-PrĂ€sident Michael Scharf die Karriere der Ausnahmesportlerin.

Nach Rio-EnttÀuschung noch einmal Weltcup-Siegerin und Weltmeisterin

Schöneborn musste auch schmerzhafte RĂŒckschlĂ€ge wegstecken wie bei der EM 2009 in Leipzig (Platz 34 nach Sturz im Reiten) sowie bei den Olympischen Spielen 2012 in London (Platz 15) und 2016 in Rio de Janeiro (Platz 32 nach vier Verweigerungen im Reiten). Dass sie auch aus diesen Niederlagen stets neue Kraft und Motivation zu ziehen wusste, bewies sie erst im vergangenen Jahr. Im ersten Wettkampf nach Olympia holte sie sich in Los Angeles ihren neunten Weltcup-Sieg. Trotz Verletzungsproblemen gewann sie bei der WM in Kairo noch einmal Gold in der Staffel mit Annika Schleu und verpasste als Vierte nur knapp eine weitere Einzel-Medaille.

Über zwölf Jahre bildete Schöneborn ein erfolgreiches Gespann mit Trainerin Kim Raisner. „Ich bin froh und stolz darauf, Lena seit 2006 sportlich begleitet zu haben. Sie ist eine herausragende Athletin, die im Training und Wettkampf immer unglaublich fokussiert gewesen ist. Eine Perfektionistin im positivsten Sinne“, so die Chef-Bundestrainerin des DVMF.

Mit ihrem sympathischen Auftreten ist Schöneborn Botschafterin einer Sportart gewesen, die sonst eher selten im Rampenlicht steht. 2015 wurde sie Dritte bei der Wahl zu Deutschlands Sportlerin des Jahres; weitere drei Mal platzierte sie sich unter den besten 10. Ein besonderes Highlight war die Nominierung bei der Abstimmung zur FahnentrÀgerin der Deutschen Olympiamannschaft 2016 in Rio de Janeiro, bei der sie nur knapp dem Tischtennis-Ass Timo Boll unterlag.

Schöneborn will sich nun stĂ€rker auf ihre berufliche Karriere konzentrieren. Seit 2014 ist die studierte Betriebswirtin bei einer Marketing-Agentur in Berlin angestellt. Im vergangenen Jahr heiratete sie Alexander Nobis, der als zweifacher Staffel-Weltmeister ebenfalls seit langem in der FĂŒnfkampf-Weltspitze mitmischt.

Der DVMF wĂŒnscht Lena Schöneborn fĂŒr die Zukunft alles erdenklich Gute und wird seine Athletin in einem wĂŒrdigen Rahmen verabschieden.

Pressemitteilung des Deutschen Verbandes fĂŒr Modernen FĂŒnfkampf

 

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