Die Moderne Fünfkämpferin Lena Schöneborn über ihren olympischen Wettkampf 2016 und ihre nächsten Ziele

Die olympischen Entscheidungen im Modernen Fünfkampf 2016 liegen auch schon fast drei Monate zurück. Während bei den Frauen Chloe Esposito (Australien) vor Elodie Clouvel (Frankreich) bzw. Oktawia Nowacka (Polen) gewann, triumphierte bei den Herren Pawel Lessun (Russland) vor Pawlo Tymoschtschenko (Ukraine) bzw. Ismael Hernandez Uscanga (Mexiko). Aus deutscher Sicht erreichten Annika Schleu als Fünfte und Patrick Dogue als Sechster die besten Platzierungen.

So weit, so (nicht) gut. Denn: Eine deutsche Moderne Fünfkämpferin, die seit 12 Jahren bei nationalen und internationalen Wettkämpfen oft stets vorn dabei war, siegte, Medaillen gewann, sogar Olympiasiegerin (2008) wurde, verpasste 2016 in Rio eine Medaille „dank“ eines störrischen Pferdes… Vier Jahre harte Arbeit, entbehrungsreichen Trainings wurden innerhalb weniger Minuten zunichte gemacht.

Wie ist nun die Lage bei Lena Schöneborn, der erfolgreichsten Modernen Fünfkämpferin aller Zeiten…

L.Schöneborn über ihren olympischen Wettkampf in Rio, ihre nächsten Ziele und ihre beruflichen Ambitionen

„Plane erst einmal von Jahr zu Jahr…“

Frage: Eigentlich ist trotz allem ein Glückwunsch zu Ihrem Rio-Wettkampf fällig, wäre da nicht dieses ominöse Pferd… Wie ist Ihre Gemütslage zurzeit? Immer noch untröstlich?

Lena Schöneborn: Mittlerweile habe ich das Ergebnis verarbeitet. Am Anfang war es sehr schwer, da auch ich mit anderen Erwartungen an den Start gegangen war. Ich wusste aus Peking, wie sich ein tolles Ergebnis bei solch einem Wettkampf anfühlt und hätte diese Emotionen gerne noch mal erlebt. Zum Glück heilt die Zeit fast alle Wunden. Auch die Ablenkung durch die Arbeit im Büro hat mir geholfen.

Frage: Ist jetzt, nach allem, Tokyo 2020 für Sie noch ein Thema? Welche sportlichen Ziele haben Sie sich jetzt, nach Rio, gesetzt?

Lena Schöneborn: Ich plane erst einmal von Jahr zu Jahr. Nach einer längeren Trainingspause habe ich jetzt wieder mit dem Training für die Saison 2017 begonnen.

Frage: Der gesamte Wettkampf in Rio verlief ja turbulent. Favoritinnen landeten im geschlagenen Feld, Außenseiterinnen schafften vordere Ränge. Waren die Bedingungen vor Ort insgesamt fair?

Lena Schöneborn: Diese Spannung macht unseren Sport so interessant. Es kommt immer stark auf die Tagesform an. Als unfair würde ich das nicht bezeichnen, so haben wir unseren Sport kennen und lieben gelernt.

Frage: Wie haben Sie ansonsten die Spiele in Rio empfunden? Diese standen ja insgesamt unter keinem guten Stern…

Lena Schöneborn: Ich bin froh, dass ich an der Eröffnungs- und der Abschlussfeier teilnehmen durfte. Das war nicht selbstverständlich, hat mir aber geholfen, die Spiele doch auch in schöner Erinnerung zu behalten. Ebenso die Stimmung im Deutschen Team über die verschiedenen Sportarten hinweg.

Als wir nach unserem Trainingslehrgang wieder zu unserem Wettkampf in Rio anreisten, waren außerdem die gröbsten baulichen Mängel schon beseitigt. Die haben wir also nicht miterlebt.

Letzte Frage: Welche beruflichen Ambitionen möchten Sie in der Perspektive realisieren?

Lena Schöneborn: Ganz sicher bin ich mir noch nicht. Die Arbeit als Projektmanager mit der Agentur Act.3 macht mir aber viel Spaß, sodass ich mir in dieser Richtung auch zukünftig mein Berufsleben vorstellen kann.

Vielen Dank, dann weiterhin alles erdenklich Gute – beruflich, sportlich sowie persönlich – und maximale Erfolge! Dann klappt es mit der nächsten Olympiamedaille eben in Tokyo…

Infos zum Modernen Fünfkampf

Der Moderne Fünfkampf (Schießen, Schwimmen, Fechten, Reiten und Laufen) wurde 1912 in Stockholm erstmals in das olympische Programm aufgenommen. Damals gewann der Schwede Gösta Lilliehöök. Erst bei den Olympischen Spielen erkämpfte mit dem Deutschen Helmuth Kahl, Bronze, erstmals ein Nicht-Schwede eine olympische Medaille in dieser von Baron Pierre de Coubertin, dem Begründer der Olympischen Spiele der Neuzeit, erfundenen Sportart. In Berlin 1936 errang folgend mit dem Deutschen Gotthard Handrick erstmals ein Nicht-Schwede Olympia-Gold.

Den ersten ungarischen Erfolg gab es im Einzel 1960 in Rom durch Ferenc Nemeth. Und für Schweden holte 1968 in Mexico-City Björn Ferm das vorerst letzte olympische Gold im Modernen Fünfkampf. 1980 in Moskau schaffte dann erstmals ein Starter der Sowjetunion im Einzel Gold, der gebürtige Tadschike Anatoli Starostin.

Moderne Fünfkämpferinnen seit 2000 bei Olympia am Start

Seit den Olympischen Spielen 2000 in Sydney dürfen auch die Damen olympisch im Modernen Fünfkampf ran. Das erste Frauen-Gold sicherte sich die Britin Stephanie Cook. Und aus deutscher Sicht war 2008 in Peking Lena Schöneborn vorn.

Zwischen Team-Konkurrenzen und Winter-Pentathlon

Zwischen 1952 und 1992 fanden zudem auch Mannschaftswettbewerbe im Modernen Fünfkampf unter den olympischen Ringen statt. Das erste Gold ging dort 1952 in Helsinki an Ungarn, das letzte Gold 1992 in Barcelona an Polen.

Die erfolgreichsten Länder bei den olympischen Wettkämpfen im Modernen Fünfkampf zwischen 1952 und 2016 sind Ungarn mit 9 x Gold, 8 x Silber, 5 x Bronze vor Schweden mit 9 x Gold, 7 x Silber, 5 x Bronze und Russland (mit UdSSR, GUS) mit 9 x Gold, 6 x Silber, 5 x Bronze. Der erfolgreichste Moderne Fünfkämpfer bei den Olympischen Spielen  ist hingegen der Ungar Andras Balczo mit dreimal Gold, zweimal Silber (1960-1972) vor dem Russen Pawel Lednjew mit zweimal Gold, zweimal Silber, dreimal Bronze (1968-1980).

Rostocker 1932 mit Rang fünf

Die beste Platzierung aus M-V-Sicht bei einem olympischen Wettkampf schaffte 1932 in Los Angeles der gebürtige Rostocker Willi Remer mit Rang fünf.

Last but not least: Bei den Olympischen Winterspielen 1948 in Sankt Moritz war der Winter-Pentathlon (Skilanglauf, Pistolen-Schießen, Abfahrtslauf, Degen-Fechten und Geländeritt im Schnee) olympische Demonstrationssportart. Damals triumphierte der Schwede Gustaf Lindh. Vielleicht wäre das ja auch etwas für die Winterspiele 2018 in Pyeongchang und damit auch etwas für Lena Schöneborn…

Marko Michels

Foto (Michels): Die Moderne Fünfkämpferin Lena Schöneborn (rechts im Bild).