Dr. Monika Knauer vom VBRS M-V über die kommenden Winter-Paralympics und den Handicap-Sport in M-V

Symbolbild – Handicapsport

Gerade wurden die 23.Winter-Olympics in Pyeongchang beendet, da „rufen“ bereits die 12.Winter-Paralympics an gleicher Stelle. Für die Athletinnen und Athleten mit Handicap sind die Paralympics die wichtigste internationale Sportveranstaltung überhaupt.

Auch in M-V gab es in den ersten beiden Monaten schon einige Höhepunkt im Sport für Athletinnen und Athleten mit Handicap.

MV-SPORT fragte bei Dr. Monika Knauer, Geschäftsführerin des Verbandes für Behinderten- und Rehasport M-V (VBRS M-V), nach

Dr. Monika Knauer über die kommenden Winter-Paralympics, die Erwartungen an das deutsche Team in Pyeongchang, bekannte deutsche Winter-Paralympics-Athletinnen, die ersten Monate 2018 für den Handicap-Sport in M-V und wichtige Veranstaltungen des VBRS M-V bis Jahresmitte 2018

„Jede Athletin und jeder Athlet wird mit Leistung und Ausstrahlung für den Sport und dessen Werte werben…“

Frage: Frau Dr. Knauer, vom 9.März bis 18.März 2018 finden die 12.Winter-Paralympics in Pyeongchang statt. Welchen Stellenwert haben die Winter-Paralympics aus Ihrer Sicht inzwischen?

Dr. Monika Knauer: Auch im paralympischen Wintersport verlief die Entwicklung seit Austragung der ersten Winter-Paralympics 1976 äußerst positiv. Seit mehr als einem Vierteljahrhundert, seit Albertville 1992, finden auch die Winterspiele, ob olympisch oder paralympisch, am gleichen Ort statt. Das unterstreicht die Gleichwertigkeit beider Veranstaltungen und Wertschätzung der Leistungen der Athleten mit und ohne Handicap.

An den diesjährigen paralympischen Winterspielen werden 670 Athletinnen bzw. Athleten aus 45 Ländern teilnehmen, ein Zeichen für  den wachsenden Zuspruch auch in den Wintersportarten. Das deutsche Team wird mit 20 Sportlerinnen und Sportlern bzw. vier Begleitläufern an den Spielen teilnehmen.

Zu den bekanntesten Paralympioniken des Teams zählen zweifellos Andrea Eskau, Anna Schaffelhuber und Andrea Rothfuss. Andrea Eskau startete  ja auch bei den Paralympischen Sommerspielen 2008, 2012 bzw. 2016 im Radsport, bei denen sie viermal Gold gewann. Bei ihren beiden Winter-Paralympics-Teilnahmen 2010 bzw. 2014 im Biathlon und im Skilanglauf gelangen ihr zwei Gold-Erfolge.

Anna Schaffelhuber war mit ihren fünf Goldmedaillen im Ski Alpin jedoch die herausragende Athletin 2014 in Sotschi.

Frage: Was erwarten Sie vom deutschen Winter-Paralympics-Team 2018?

Dr. Monika Knauer: Es wäre natürlich schön, wenn das deutsche Paralympics-Team an die Erfolge des deutschen Olympia-Teams in Pyeongchang anknüpfen könnte.

Grundsätzlich ist für jeden Athleten die Qualifikation für die Spiele bereits ein riesiger Erfolg. Mich persönlich haben bei den Olympischen Winterspielen natürlich die großartigen Leistungen beeindruckt, aber auch die Begeisterung und sympathische Ausstrahlung der deutschen Athletinnen bzw. Athleten insgesamt.

Ich bin fest davon überzeugt, dass wir gleiches auch bei den Paralympischen Winterspielen vom deutschen Team erleben werden. Jede Athletin und jeder Athlet wird sein Bestes geben und mit seiner Ausstrahlung für den Sport und dessen Werte werben.

Frage: Von Pyeongchang nach M-V… Wie verliefen die ersten beiden Monate 2018 aus Sicht des VBRS M-V?

Ramona Brussig Foto: Wolfgang Gross

Dr. Monika Knauer: Das Jahr verlief bisher schon sehr ereignisreich. Am 20.Januar 2018 fand unser Sportler-Empfang in Rostock statt, bei dem wir unseren Athletinnen und Athletinnen  zu ihren Erfolgen 2017 gratulieren und uns bei ihren Trainerinnen bzw.  Trainern für ihr tolles Engagement bedanken konnten.

Gleichzeitig erfolgten die Berufungen in den Landeskader sowie in das „WIR IN TOKIO – TOP Team und PERSPEKTIV Team“. Mit dem „WIR IN TOKIO – Projekt“ wollen wir gemeinsam mit Unterstützern, Sportpaten, Förderern und Partnern unsere Talente, Nachwuchs- und TOP-Athleten unterstützen und uns für den Sport mit seinen Werten für Inklusion, Gesundheitsförderung, Leistungsfähigkeit und Gemeinschaft einsetzen.

Und es gab jede Menge erfreulicher Ergebnisse für unsere Sportlerinnen und Sportler: So wurden die beiden Mecklenburger Handicap-Reiterinnen Saskia Deutz und Annemarie Ondrusch in die deutsche Para-Dressur Perspektivgruppe berufen.

Andreas Kriehn vom WSC Rostock mit der Para-Schwimmerin Denise Grahl, gebürtige Schwerinerin und Mitglied des Hanse SV Rostock. Foto: Wolfgang Gross

Die Schwimmerinnen Nele Labudda und Denise Grahl starteten erfolgreich beim Worldcup in Kopenhagen. Unsere Landesauswahl im Rollstuhlbasketball erreichte einen ausgezeichneten vierten Rang bei den „Malmö Open“. Im Rollstuhltanz hatten unsere Tänzerinnen und Tänzer aus Greifswald und Neubrandenburg ein Trainingslager zur Vorbereitung  auf die Teilnahme an internationalen Tanzturnieren. Bei den Deutschen Hallenmeisterschaften in der Para-Leichtathletik erkämpften Lindy Ave und Vincent Fischer von der HSG Universität Greifswald Meistertitel.

Sylvi Tauber von TuS Makkabi Rostock sicherte sich beim Worldcup im Rollstuhlfechten in Eger ihr Ticket für die EM im September. Zudem führte der VBRS seine sechste Besten-Ermittlung im Hallen-Para-Fußball durch.

Unsere erfolgreichen Judoka Carmen und Ramona Brussig sind von ihrem Trainingsaufenthalt in Japan erfolgreich zurückgekommen und sind in das Training für die kommenden Wettkämpfe eingestiegen. Auch die erfolgreichen Radsport-Asse Stefan Nimke und Kai-Kristian Kruse bereiten sich intensiv auf die kommenden Höhepunkte 2018 vor.

Bei  ihrem Einstieg in die neue Spielsaison überzeugten die Goalballspieler vom Rostocker Goalballclub Hansa. Die Spieler des paralympischen Trainingsstützpunktes haben in den nächsten zwei Jahren große sportliche Ziele: einerseits die EM im Goalball 2019 in Rostock perfekt auszurichten und mit  der deutschen Nationalmannschaft die Qualifikation für die Paralympischen Sommerspiele 2020 in Tokyo zu schaffen.

Sportfest der Vielfalt in Schwerin 2017 – Blick zu den dortigen Wettkämpfen in der Palmberg-Arena. M.M.

Frage: Welche weiteren Events stehen in den kommenden Wochen auf dem Programm?

Dr. Monika Knauer: Veranstaltungshöhepunkte bis Juni sind der 30. Jugend-Länder-Cup der Deutschen Behindertensportjugend vom 28.April bis 30. April in Rostock, die erste Inklusive Deutsche Meisterschaft im Fechten vom 26.Mai bis  27. Mai ebenfalls in Rostock und das „Familien- und Sportfest  der Vielfalt“ am 6.Juni  in Schwerin.

Vielen Dank und weiterhin bestes Engagement für den VBRS M-V!

 


Winter-Paralympics mit junger Historie

Die Winter-Paralympics haben zwar noch nicht die ganz große Historie, wie die Olympischen Spiele oder die Sommer-Paralympics, aber seit mittlerweile fast vier Jahrzehnten sind sie aus dem internationalen Sport-Kalender nicht mehr wegzudenken.

In Schweden, in Örnsköldsvik, fanden 1976 die ersten Paralympischen Winterspiele statt: Dort kämpften 250 Sportlerinnen und Skisportler  mit Beeinträchtigungen aus 14 Ländern um die Medaillen. Seinerzeit standen 53 Entscheidungen auf dem Programm, wobei das westdeutsche Team mit 10 x Gold, 12 x Silber, 6 x Bronze am erfolgreichsten war.

Weitere Austragungsorte der Paralympischen Winterspiele waren: 1980 Geilo, 1984 und 1988 Innsbruck, 1992 Tignes/Albertville, 1994 Lillehammer, 1998 Nagano sowie 2002 Salt Lake City, 2006 Turin und 2010 Vancouver/Whistler.

Seit dem Jahr 1992 finden die Paralympischen Winterspiele auch in der Region statt, in der zuvor ebenfalls die Olympischen Winterspiele gefeiert wurden.

Deutschland in Sotschi 2014 die Nummer zwei

Bei den vorerst letzten Paralympischen Winterspielen 2014 in Sotschi gewann das deutsche Team fünfzehn Medaillen (neunmal Gold, fünfmal Silber, einmal Bronze), was Rang zwei im Medaillenspiegel hinter Russland und vor Kanada, der Ukraine und Frankreich bedeutete. Die paralympischen Goldmedaillen 2014 erkämpften aus deutscher Sicht Anna Schaffelhuber (fünfmal Gold, Ski Alpin), Andrea Eskau (zweimal Gold, Biathlon/Skilanglauf), Andrea Rothfuss (einmal Gold, Ski Alpin) und Anja Wicker (einmal Gold, Biathlon). An den Winter-Paralympics 2014 nahmen rund 550 Athletinnen bzw. Athleten aus 45 Ländern teil. Medaillen wurden in 72 Wettbewerben vergeben.

Der Winter-Sport mit Handicap in M-V

Auch in Mecklenburg-Vorpommern hat der paralympische Sport eine gute Heimat. Zahlreiche Athletinnen und Athleten mit Handicap aus M-V nehmen erfolgreich an nationalen und internationalen Wettkämpfen teil, nicht zuletzt im Nachwuchsbereich. Sogar im Wintersport werden dabei herausragende Leistungen erbracht. So wurde die „Schule an der Bleiche“ in Ludwigslust, beim Bundesfinale 2013 „Jugend trainiert für die Paralympics“/“Jugend trainiert für Olympia“ Zweiter im paralympischen Skilanglauf – nur ein positives Beispiel von vielen.

M.Michels