WM in Düsseldorf leider ohne Team-Konkurrenzen

Zurzeit wird weltmeisterliches Eishockey in Deutschland, in Köln, gespielt, aber ebenfalls noch im Mai, ab 29.5. und dann bis zum 5.6., werden zudem die nächsten Welt-Titelkämpfe in Deutschland, dann im Tischtennis in Düsseldorf, ausgetragen.

Aus deutscher Sicht werden es nach 1930 in Berlin, 1959 in Dortmund, 1969 in München, 1989 in Dortmund, 2006 in Bremen und 2012 in Dortmund die siebenten Tischtennis-WM sein.

700 Spielerinnen/Spieler aus 130 Nationen erwartet

Zu den 2017er Tischtennis-Weltmeisterschaften werden 700 Spielerinnen bzw. Spieler aus 130 Nationen und 50000 Zuschauer erwartet. Medaillen werden in den Disziplinen Damen-Einzel, Herren-Einzel, Damen-Doppel, Herren-Doppel und Mixed-Doppel vergeben. Weltmeisterinnen und Weltmeister in den Team-Wettbewerben werden hingegen erst wieder 2018 in Halmstad ermittelt – dabei konnten die deutschen Tischtennis-Spielerinnen bzw. -Spieler bei Olympia in Rio 2016 gerade dort Medaillen erringen.

Die Ungarn waren die Ersten…

Die ersten Tischtennis-Weltmeisterschaften, mit einem Team-Wettbewerb der Herren, gab es dabei vor 90 Jahren – bei den ersten Tischtennis-WM 1926 in London. Dort setzte sich die ungarische Mannschaft mit Roland Jacobi, Bela von Kehrling, Zoltan Mechlovits und Daniel Pecsi vor Österreich sowie Großbritannien bzw. Indien durch.

Deutsche Frauen mit Premieren-Titel

Acht Jahre später, 1934, hatten dann auch die Frauen ihren ersten weltmeisterlichen Team-Wettkampf. Seinerzeit gewann Deutschland mit Anita Felguth-Denker, Annemarie Haensch, Astrid Horn-Hobohm-Krebsbach und Mona Müller-Rüster vor Ungarn und der Tschechoslowakei.

Die ersten nicht-europäischen Team-Gewinner bei den Herren waren 1937 die USA, die erste asiatischen Team-Weltmeister kamen aus Japan. Und China, die dominierende Tischtennis-Nation der letzten Jahrzehnte, erkämpfte bei den Herren 1961 erstmals Team-Gold. Bei den Frauen war es ähnlich… Die USA kamen als erstes nicht-europäisches Team ebenfalls 1937 zum WM-Erfolg, die Japanerinnen holten 1952 erstmals Gold für Asien und Chinas Frauen erkämpften 1965 zum ersten Mal WM-Gold mit dem Team.

Team-WM 2014 in Tokyo

Die Team-Weltmeisterschaften im Tischtennis vor knapp drei Jahren, Anfang Mai 2014, fanden in der kommenden Olympiastadt 2020, in Tokyo,  statt. Dabei gelangten Deutschlands Herren zum fünften Mal – nach 1969 (Finale gegen Japan) bzw. 2004, 2010 bzw. 2012 (jeweils Finale gegen China) in das Endspiel – erneut gegen China.

Und wieder wurde es nichts mit dem erhofften Sensations-Erfolg gegen das im Tischtennis schier übermächtige „Reich der Mitte“. Timo Boll, Patrick Franziska, Steffen Mengel und Dimitri Ovtcharov lieferten China jedoch ein großes Spiel – Silber ist durchaus Grund zum Jubeln. Platz drei ging 2014 an Taiwan sowie Japan. China ist eben im Tischtennis-Sport eine Macht…

Das gilt noch viel mehr im Frauen-Bereich. So siegten im Team-Wettbewerb auch 2014 die Chinesinnen vor Japan, Hongkong und Singapur. Die deutschen Frauen – in der Tischtennis-Geschichte bereits zweimal Team-Weltmeister (1934, 1939) – kamen zumindest bei den WM in Tokyo bis in das Viertelfinale.

Die Team-WM 2016 in Kuala Lumpur

Bei den vorerst letzten Team-WM 2016 in Kuala Lumpur, gab es jeweils bei den Frauen wie bei den Herren die Endspiel-Paarungen China gegen Japan, die letztendlich beide Male mit einem Erfolg für China endeten. Die Bronze-Medaillen bei den Damen erkämpften Nordkorea bzw. Taiwan und bei den Herren Südkorea bzw. England.

WM 2015 mit Entscheidungen in den Einzeln und in den  Doppeln

Bei den 53.Weltmeisterschaften im Tischtennis in Suzhou, vor zwei Jahren, also 2015, standen die vorerst letzten WM-Entscheidungen im Einzel und im Doppel auf der Agenda. Diese verliefen nach „dem gleichen Muster“ wie in den Jahrzehnten zuvor: China ist und bleibt das „Maß aller Tischtennis-Dinge“.

Da trat zwar Deutschlands Timo Boll mit Chinas Tischtennis-Star Ma Long im Doppel gemeinsam antreten – am Ende, im Finale, blieben die chinesischen Doppel aber unter sich… Xu Xin/Zhang Jike bezwangen Fan Zhendong/Zhou Yu.

Chinesisches WM-Einerlei – jedenfalls „so gut wie“

Was Ma Long im Doppel mit Timo Boll nicht schaffte, gelang ihm  dann allein: Im Herren-Einzel wurde Ma Long die Nummer eins vor Fang Bo sowie Fan Zhendong/Zhang Jike (alle China). Im Damen-Einzel setzte es außerdem einen chinesischen Vierfach-Sieg: Ding Ning gewann vor Liu Shiwen und Mu Zi/Li Xiaoxia.

Bei den „gedoppelten Damen“ ging es ähnlich weiter: Liu Shiwen/Zhu Yuling (China) trafen auf Ding Ning/Li Xiaoxia (China). Liu und Zhu triumphierten dabei.

Im Mixed-Doppel gab es etwas „Abwechslung“: Das chinesisch-südkoreanische Duo Xu Xin/Yang Ha-eun sicherten sich den Erfolg vor den japanischen Kontrahenten Maharu Yoshimura/Kasumi Ishikawa.

Auch bei Olympia 2016 in Rio war China dominierend…

Wie sah es in puncto Tischtennis aber seit der Premiere 1988 unter den olympischen Ringen aus?!

Olympia-Premiere 1988 mit Überraschungen

Damals, vor 29 Jahren, gab es doch einige Überraschungen. Einerseits war der Zuspruch mit 129 Tischtennis-Spielerinnen und -Spielern aus 41 Ländern doch sehr hoch, andererseits waren die hoch favorisierten Chinesinnen bzw. Chinesen längst nicht übermächtig. In den vier Entscheidungen (Herren- und Damen-Einzel bzw. Herren- und Damen-Doppel) gab es für das „Reich der Mitte“ nur fünf Medaillen, darunter zweimal Gold. Chen Longcan bzw. Wi Quingguang siegten im Herren-Doppel und Jing Chen im Frauen-Einzel.

Die anderen Goldmedaillen sicherte sich Gastgeber Südkorea durch Yoo Nam-Kyu im Herren-Einzel und Jung-Hwa Hyun bzw. Young ja-Yang im Damen-Doppel. Insgesamt holte Südkorea seinerzeit vier Medaillen. Europa erkämpfte 1988 drei Medaillen – Bronze durch Erik Lindh (Schweden, Herren-Einzel), Silber durch Ilija Lupulescu bzw. Zoran Primorac (Jugoslawien, Herren-Doppel) und Bronze durch Jazna Fazlic bzw. Gordana Perkucin (ebenfalls Jugoslawien).

Tibor Klampar noch einmal Vierter

Ein „alter“ tischtennissportlicher „Haudegen“, der damalige 35jährige Tibor Klampar aus Ungarn, der zwischen 1969 und 1988 bei zahlreichen Meisterschaften (WM, EM) und internationalen Turnieren zahlreiche Medaillen gewann, unter anderem Erster beim Weltcup 1981 in Kuala Lumpur im Herren-Einzel, spielte in Seoul 1988 noch einmal ganz stark auf und wurde Vierter im Herren-Einzel.

Seit 1988 ff. China das Maß aller tischtennissportlichen Dinge

Ansonsten dominierten bei den bisherigen olympischen Tischtennis-Turnieren zwischen 1988 und 2016 die Chinesinnen und Chinesen mit 53 Medaillen, darunter 28 x Gold, vor Südkorea mit 18 Medaillen, darunter 3 x Gold, und Schweden mit jeweils 1 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze. Jan-Ove Waldner aus Schweden sorgte mit seinem Olympia-Gold im Herren-Einzel 1992 in Barcelona für die bislang einzige olympische Goldmedaille im Tischtennis für Europa.

Deutsche Tischtennis-Enthusiasten mit sieben Olympia-Medaillen

Deutsche Tischtennis-Asse schafften bei Olympischen Spielen bislang fünf Medaillen, so im Herren-Einzel Jörg Roßkopf 1996 bzw. Dimitri Ovcharov 2012 jeweils Bronze, im Herren-Doppel Steffen Fetzner bzw. Jörg Roßkopf 1992 Silber und im Herren-Team-Wettbewerb Timo Boll, Christian Süß bzw. Dimitri Ovcharov 2008 Silber sowie ebenfalls Timo Boll, Dimitri Ovcharov, aber mit Bastian Steger 2012 Bronze – wie auch 2016. Die „deutsch-chinesischen“ Damen schafften zudem Silber im Team-Wettbewerb 2016 mit Han Ying, Petrissa Solja bzw. Shan Xiaona. (Anmerkung: Seit 2008 wurden die Doppel-Konkurrenzen durch die Team-Wettbewerbe abgelöst.)

Asien eine Tischtennis-Klasse für sich

Von den bisherigen 100 olympischen Medaillen im Tischtennis gingen 85 an Asien, was einem Anteil von 85 Prozent (!) entspricht. Die restlichen 15 Plaketten erkämpften europäische Tischtennis-Spielerinnen bzw. Spieler. Und von den 32 Goldmedaillen sicherte sich Asiens Tischtennis-Streitmacht 31, also rund 97 Prozent des olympischen Tischtennis-Goldes seit 1988.

Zu den Ländern, die zwischen 1988 und 2012 Medaillen bei olympischen Turnieren gewannen, gehören aus asiatischer Sicht China, Südkorea, Nordkorea, Singapur, Taiwan, Hongkong bzw. Japan und aus europäischem Blick Schweden, Deutschland, Frankreich, das ehemalige Jugoslawien und Dänemark.

Vier Tischtennis-Entscheidungen auch in Rio de Janeiro 2016

Zwischen 6.August 2016 und 17.August 2016 wetteiferten 172 Tischtennis-Spielerinnen und -Spieler aus rund 56 Ländern um die Medaillen in den vier Wettbewerben (Herren-Einzel, Damen-Einzel, Herren-Team und Damen-Team).

Auch in Rio de Janeiro 2016 spielten – wie erwartet – die chinesischen Tischtennis-Spielerinnen und -Spieler die sportliche Hauptrolle. China erkämpfte in den vier Entscheidungen viermal Gold, zweimal Silber. Den „Medaillen-Rest“ teilten Japan (einmal Silber, zweimal Bronze), Deutschland (einmal Silber, einmal Bronze) und Nordkorea (einmal Bronze) unter sich auf.

Die Olympiasieger 2016: Made in China

Bei den Herren siegte der achtfache Weltmeister (2006-2016), Ma Long, vor seinem Landsmann Zhang Jike, siebenfacher Weltmeister (2010-2016). Rang drei ging an den Japaner Jun Mizutani, der sich im Spiel um Platz drei gegen den besten Europäer des Rio-Turnieres, Vladimir Samsonov aus Weissrussland, durchsetzte. Im Herren-Team-Wettkampf war China ebenfalls nicht zu schlagen und wurde Olympiasieger vor Japan, Deutschland (mit Timo Boll, Dimitri Ovtcharov und Bastian Steger) bzw. Südkorea.

Bei den Frauen wurde die fünffache Weltmeisterin (2011-2016), Ding Ning, vor ihrer Landsfrau Li Xiaoxia, neunfache Weltmeisterin (2006-2016), Erste. Rang drei errang die Nordkoreanerin Kim Song-i vor der Japanerin Ai Fukuhara. In der Frauen-Team-Konkurrenz holte sich ebenfalls China Gold vor dem „chinesischen“ Deutschland (mit Han Ying, Shan Xiaona bzw. Petrissa Solja), Japan und Singapur.

Aber Rio war „gestern“, „jetzt“ ist Düsseldorf. Neue Spiele, neue Glücksmomente. Vielleicht sogar für „Schwarz-Rot-Gold“?!

Marko Michels

Foto (Michels): Jochen Wollmert, erfolgreiches paralympisches Tischtennis-Ass, das seit 1992 stets bei den Paralympics startete, bei einem Besuch in Schwerin 2009.