Richard Prause, Sportdirektor des DTTB, über den Tischtennis-Sport in der Welt, in Deutschland und in M-V

Einige internationale Tischtennis-Turniere des Jahres sind bereits Vergangenheit. So die Team-WM Anfang Mai in Halmstad. Der kontinentale Höhepunkt steht mit der EM in Alicante allerdings erst im September bevor. Zudem ist Tischtennis wieder im Programm der Olympischen Jugend-Spiele im Oktober in Buenos Aires. Tischtennissportlich spannend war  es in den vergangenen Monaten auch in M-V, so bei den Landesmeisterschaften in Parchim oder bei den Landespokal-Turnieren in Ribnitz-Damgarten.

Wie beurteilt jedoch der Deutsche Tischtennis-Bund das Jahr 2018 aus sportiver Sicht? Nachgefragt bei Richard Prause, Sportdirektor des DTTB

Interview

„Setzen alles daran, die nächste Generation zu entwickeln…“

Frage: Herr Prause, das Sportjahr 2018 ist schon zu einem Drittel vorbei. Wie lautet das Resümee zu den ersten vier Monaten aus Sicht des Deutschen Tischtennis-Bundes?

Richard Prause, Sportdirektor des DTTB. Foto: DTTB

Richard Prause: Die ersten vier Monate sind sehr, sehr gut gelaufen. Beim Europe Top 16 hatten wir ein deutsches Finale zwischen Dimitrij Ovtcharov und Timo Boll. Es ist es immer gut, so ein prestigeträchtiges Turnier zu gewinnen. Außerdem haben sich die beiden damit zwei sichere Startplätze beim World Cup im Oktober erspielt.

Sabine Winter hat bei den Damen mit dem Einzug ins Viertelfinale zusätzlich ein gutes Ergebnis erreicht. Insofern war das insgesamt ein sehr guter Start.

Das wichtigste Turnier für uns in diesem Jahr waren natürlich die gerade zu Ende gegangenen Mannschaftsweltmeisterschaften in Halmstad. Die Damen haben mit Platz neun ihre Setzung erfüllt, haben gute Spiele abgeliefert und standen mit einem Bein im Viertelfinale, was dann ein herausragendes Ergebnis gewesen wäre. Mit dem neunten Platz können wir sehr zufrieden sein.

Die Herren haben mit der Silbermedaille ein sehr gutes Ergebnis erzielt. Wenn man verfolgt hat, wie die Mannschaft im Laufe des Turniers immer wieder mit Verletzungsschwierigkeiten gekämpft und sich immer wieder gepusht hat, sich die Spieler gegenseitig geholfen haben, um dann am Ende ins Finale einzuziehen – nach 2010, 2012 und 2014 zum vierten Mal in den vergangenen acht Jahren -; das zeigt, dass wir eine hohe Konstanz haben und dass wir uns auf dem höchsten Niveau weiterentwickeln, auch wenn es gegen China im Finale nicht gereicht hat.

Unterm Strich muss man sagen, dass das Jahr 2018 so positiv angefangen hat, wie das Jahr 2017 positiv aufgehört hat.

Frage: Die Team-WM 2018 sind bereits abgehakt… Wie bewerten Sie – zwei Jahre vor dem olympischen Turnier in Tokyo – das internationale Kräfteverhältnis im Tischtennis?

Richard Prause: Das Kräfteverhältnis im internationalen Tischtennissport ist so, dass China im Damen- und Herrenbereich das Maß aller Dinge ist. Hinter China werden immer einige Nationen versuchen, sich als erste Herausforderer zu positionieren.

Dieses Mal waren wir das mit den Herren als WM-Finalist, aber Nationen wie Japan, Südkorea, Taiwan und auch einige starke europäischen Nationen sind sehr hoch einzuschätzen, zum Beispiel Schweden, Portugal oder Frankreich. Es ist alles sehr eng beieinander.

An einem super Tag China herausfordern können wir, Japan und Korea. Aber Deutschland, Japan und Korea müssen immer wieder darum kämpfen, sich in diesen Positionen zu beweisen. Man hat das 2016 gesehen, als Deutschland es nicht bei der WM geschafft hat, unter die ersten Zwölf zu kommen. Dieses Jahr hat es Frankreich erwischt, das eigentlich auch eine herausragende Generation hat.

Das zeigt, wie eng es im Welttischtennis zugeht. Auch eine nicht unbedingt Tischtennis-Nation wie Brasilien hat inzwischen einen Weltklassespieler herausgebracht. Der Weltverband ITTF hat 222 Mitglieder. Es ist fast ein Alleinstellungsmerkmal unserer Sportart, dass so viele Nationen Tischtennis auf höchstem Niveau betreiben.

Symbolfoto – Tischtennis

Frage: Wie ist es eigentlich um den deutschen Tischtennis-Nachwuchs bestellt? Bei den Olympischen Jugend-Spielen 2018 steht Tischtennis ja auch wieder auf dem Programm…

Richard Prause: Wir haben aktuell eine überragende Generation bei den Erwachsenen und müssen die Generationen dahinter entwickeln. Tischtennis ist eine hoch komplexe Sportart. Nur die Ausnahmetalente schaffen es schon sehr, sehr früh, auf höchstem Niveau im Erwachsenenbereich zu spielen, wie zum Beispiel der Japaner Tomokazu Harimoto, der mit 14 Jahren aktuell die Nummer zehn der Weltrangliste ist.

Viele Spieler brauchen längere Zeit, um ganz nach oben zu kommen. Patrick Franziska zum Beispiel ist aktuell die Nummer 27 der Weltrangliste und hat mit 25 Jahren noch Luft nach oben. Viele europäische Topspieler erreichen erst zwischen 25 und 30 ihr absolutes Top-Level.

Das liegt zum Teil auch daran, dass es bei uns schwieriger ist als in Asien, Sport und Schule unter einen Hut zu bringen.

Im Nachwuchs stellen wir im Augenblick den amtierenden Jugend- Mannschaftseuropameister, und wir versuchen, eine Spielerin und einen Spieler für die Olympischen Jugendspiele in Buenos Aires zu qualifizieren. Die Qualifikation dafür läuft im Moment noch. Entscheidend ist, dass man die leistungssportliche Entwicklung über einen langen Zeitraum vorantreibt, denn Tischtennis ist zu komplex, um es in jungen Jahren schon komplett zu erlernen. Es ist eine sehr trainingsintensive Sportart.

Wir müssen alles daran setzen, die nächste Generation zu entwickeln. Wir sind natürlich immer auf der Suche nach dem nächsten Timo Boll, dem nächsten Dimitrij Ovtcharov oder nach der nächsten Petrissa Solja, aber das ist eine große Herausforderung.

Frage: Welche weiteren Ziele hat der DTTB für 2018?

Richard Prause: Wir sind eine ganzjährige Sportart. Ähnlich wie im Tennis haben wir eine World Tour, die man ganzjährig spielt. Dadurch haben die Spielerinnen und Spieler eine Vielzahl von Turnieren und Höhepunkten im Jahr.

Für uns als Deutschem Tischtennis-Bund sind nach der Team-WM in Schweden die Einzel-Europameisterschaften der Damen und Herren im September in Spanien das nächste große Ziel.

Dort werden wir versuchen, ein gewichtiges Wort mitzureden. Zuvor sind im Juli die Jugend-Europameisterschaften in Rumänien. Darauf konzentrieren wir uns als DTTB in diesem Jahr. Und dann werfen schon ganz langsam die Olympischen Spiele 2020 in Tokio ihre Schatten voraus.

Letzte Frage: Mecklenburg-Vorpommern ist durchaus auch ein Tischtennis-Land. Wie beurteilen Sie die Entwicklung im Nordosten?

Richard Prause: Was den Leistungssport Tischtennis betrifft, hat der Tischtennis-Verband Mecklenburg-Vorpommern die typischen Probleme eines großen Flächenstaates: Die Einwohnerzahl im Verhältnis zur Fläche ist niedrig, dadurch sind die Distanzen hoch, die talentierte Spielerinnen und Spieler zurücklegen müssen, um gemeinsam trainieren und sich weiterentwickeln zu können.

Landestrainer Ralf Schneider arbeitet nicht hauptamtlich und kann die fehlende Leistungsbreite und zum Teil mangelnde Technikausbildung nur mit einzelnen Maßnahmen zu kompensieren versuchen. Den Vereinen fehlen qualifizierte Trainer. Das Problem beginnt also an der Basis und in ganz jungen Jahren. Umso erfreulicher sind dann überregional gute Ergebnisse wie die von Johanna Salzmann, die sich als Norddeutsche Meisterin für die Deutschen Jugend-Meisterschaften qualifizieren konnte.

Nicht vernachlässigen sollte man in Mecklenburg-Vorpommern aber auch den Gesundheitssport Tischtennis. Die Verbreitung dieses zertifizierten Kursprogramms, damit Menschen wieder regelmäßig Sport treiben und sich ihre Koordination und Ausdauer durch Tischtennis verbessern, ist eine Herzensangelegenheit von Verbandspräsident Dr. Georg Weckbach.

Vielen Dank und weiterhin bestes sportliches Engagement!

M.Michels