„Noch lange beweglich und fit bleiben…“

Die Rostocker Kraftsportlerin Anita Heß im Fokus

Eine große sportliche Tradition haben die Schwerathletik und speziell auch der Kraftsport. Seit den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit 1896 ist das Gewichtheben olympisch. Der Kraftsport, das „Bodybuilding“ hat ebenfalls eine große Wettkampfhistorie. Seit 1959 gibt es offizielle Weltmeisterschaften für die Herren, seit 1989 auch für die Frauen. Bei den Weltspielen in den nichtolympischen Sportarten, den „World Games“, war Body Building zwischen 1981 und 2009 im Programm. Dort waren auch deutsche Kraftsportlerinnen und -sportler sehr erfolgreich, gewannen insgesamt elfmal Gold.

Eine sehr erfolgreiche deutsche Kraftsportlerin ist die Rostockerin Anita Heß, die bei zahlreichen nationalen und internationalen Meisterschaften Erfolge feierte. Wie kam Heß jedoch zum Kraftsport? Was fasziniert sie daran? Im Gespräch erzählt die Personal Trainerin von ihrem Weg zum Kraftsport, über ihre größten Erfolge, den Trainingsalltag, neue Ziele und ihre Trainingslounge in Bad Doberan.

Anita Heß – Foto: ViaPhoto

Interview

„Noch lange beweglich und fit bleiben…“

Frage: Herzlichen Glückwunsch noch nachträglich ihren Erfolgen 2018! Wie verlief das bisherige Wettkampf-Jahr aus Ihrer Sicht? Was waren für Sie die Highlights

Anita Heß: Vielen Dank! Was für ein Jahr – nach acht Jahren endlich wieder Wettkampfluft schnuppern. Ich wollte ja bereits im April einen Anlauf starten, den ich aufgrund des Jobs und verletzungsbedingt leider absagen musste. Auch diese dreimonatige Vorbereitung blieb nicht „ohne Wehwehchen“, die ich jedoch dank eines guten Netzwerks sehr gut in den Griff bekam und somit endlich meinen ersten Wettkampf im Powerlifting bestreiten konnte. Ich habe mich dabei mit meiner Trainingsleistung selbst übertroffen: zweimal persönliche Bestleistung in einem Wettkampf – mehr geht nicht.

Frage: Wie kamen Sie eigentlich zum Kraftsport? Was fasziniert Sie daran?

Anita Heß: Schon ganz früh sorgten meine Eltern dafür, dass ich mich sportlichen Aktivitäten widmete. Nachdem ich – ich war einst Wasserspringerin – beim Turmspringen nicht so erfolgreich war und die Schwimmhäute, die beim Schwimmen entstanden, nicht mehr sehen konnte, zog es mich zum Handball. Diesem Sport bin ich dann auch mit meinem ganzen Herzen siebzehn Jahre lang treu geblieben. Leider zieht dieser Sport auch viele Verschleißerscheinungen mit sich, die mich vor vielen Jahren vor den Entschluss stellten, eine andere Sportart in Erwägung zu ziehen.

Und so kam es, dass ich im April 1999 zum ersten Mal in meinem Leben ein Bodybuilding-Studio betrat. Von da an nahm alles seinen Lauf. Zeitschriften, wie die Flex und Sport Revue, zeigten mir, wie gutgeformte Körper aussehen können. Schon nach einem halben Jahr begann ich dann, mit den Jungs zu trainieren. Ich „leckte Blut“ und fing an, auf den ersten Wettkampf zu trainieren. Bei meinem ersten Start bei der Norddeutschen Meisterschaft war ich noch etwas unerfahren, aber ich wollte es 2001 erneut wissen. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Ich erkämpfte meinen ersten Titel und wurde Hessen-Meisterin 2001.

Ich fühle mich wahnsinnig wohl in meinem Körper und genieße die Blicke, die ich von Fremden einhaschen konnte bzw. kann. Ich kann jeder bzw. jedem Kraftsport nur empfehlen. Man kann dabei zusehen, wie das Zusammenspiel von Ernährung und hartem Training einen Körper formen kann. Seit ich 2010 den Titel der Miss Universe errang, nutze ich auch die Erfahrungen des Leistungssports, um diese sinnvoll in den Alltag zu transportieren.

Frage: Welche sportlichen Höhepunkte in den letzten Jahren sind für Sie nachhaltig in Erinnerung geblieben? Welches war Ihr bisher schönster Wettkampf?

Anita Heß: Ganz klar – der Miss Universum Titel, den ich 2010 in Norderstedt gewonnen habe. Und so kleinlich das klingen mag, zu meinen schönsten Events gehört ebenfalls mein erster Powerlifting-Wettkampf in Arendsee, welchen ich mit zwei persönlichen Rekorden abschließen konnte.

Frage: Wie sieht eigentlich Ihr Trainingsalltag aus?

Anita Heß: Ich folge je nach Zielsetzung immer einem Plan. Grundsätzlich trainiere ich schwer – mit kleinen Ausnahmen. Ich achte sehr stark auf meinen Körper. Wenn er nicht möchte oder die Hantel an dem Tag immens schwer erscheint, weiß ich. dass ein leichtes Training folgen oder das Training gar abgebrochen werden muss. Ich habe schon Variationen innerhalb des Trainings, „mixe“ aktuell Powerlifting mit Bodybuilding-Einheiten

Frage: Welche sportlichen Ziele haben Sie nun für die kommenden Jahre?

Anita Heß: Ich möchte mich weiter im Powerlifting messen. Hier werde ich, sofern ich verletzungsfrei bleibe, im November die Deutsche Meisterschaft mitmachen. Allerdings schaue ich hier von Wettkampf zu Wettkampf, deshalb kann ich noch keine weiteren Ziele nennen. Mein „Ober-Ziel“ ist es in jedem Fall, so lange es geht, stark zu bleiben und eine gute Figur zu haben, die von der Arbeit als Kraftsportler gezeichnet ist. Also möchte ich so lange, wie nur irgend möglich, Gewichte bewegen und dabei beweglich bzw. fit bleiben.

Letzte Frage: Was machen Sie derzeit beruflich? Welche Hobbys haben Sie

Anita Heß: Ich bin im Herbst letzten Jahres in meine Heimat zurückkehrt, weil meine Familie hier lebt und ich die Ostsee vermisst habe. Seit fünfzehn Jahren arbeite ich in der Fitness-Branche und bin als Personal-Trainerin seit März diesen Jahres in meiner eigenen Trainingslounge in Bad Doberan tätig. Diese hilft enorm, persönliche Beziehungen aufzubauen, erwirkt Nähe zu den Menschen und gibt diesen den Mut für Veränderungen. Ich begleite die Menschen auf Augenhöhe – gesundheitlich und mental.

Vielen Dank und weiterhin alles erdenklich Gute – sportlich, persönlich und beruflich!

M.Michels

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