Im Gespräch mit Nationaltrainer Frank-Rüdiger Behrens

Blick zur Regatta-Strecke auf dem Pfaffenteich. M.M.

Kaum war das 27. Drachenbootfestival auf dem Pfaffenteich in Schwerin beendet, ging es für die Drachenboot-Sportlerinnen und -Sportler weiter zu den „European Nations Championships“ (23.8.-26.8.) auf dem Beetzsee in Brandenburg. Dort starteten über 1.400 Athletinnen und Athleten aus 19 Ländern, um um die Medaillen in 24 Entscheidungen zu wetteifern. Insgesamt waren 179 Rennen notwendig, um die einzelnen Siegerinnen und Sieger über die verschiedenen Strecken von 200 Metern bis 2.000 Metern zu ermitteln. Aus deutscher Sicht waren 300 Aktive, Trainer und Betreuer vor Ort, darunter auch einige aus M-V.

 

Interview

Frank-Rüdiger Behrens, Trainer des deutschen Nationalkaders der Jugend, über Vergangenes und Kommendes im Drachenbootsport, die EM in Brandenburg, die Deutschen Meisterschaften in Schwerin und das Besondere am Drachenbootsport

Frage: Herr Behrens, wie lautet Ihr Resümee zu den EM 2018 aus deutscher Sicht?

Frank-Rüdiger Behrens: Die Nationen-EM war eine beeindruckende Demonstration der Qualität des deutschen Drachenbootsports. Leider verhindern Finanzierungsprobleme – Wettkampf-Reisen sind ohne staatliche Unterstützung – oft dieses kompakte Auftreten der deutschen Athleten in dieser Sportart. In Brandenburg wurde die deutsche Nationalhymne zum Dauerbrenner. Die Begeisterung auf der Tribüne, das schöne Wetter und die gute Organisation rundeten die gelungene Veranstaltung ab.

Frage: Es waren ja einige Athletinnen und Athleten aus Mecklenburg-Vorpommern vor Ort…

Frank-Rüdiger Behrens: Drachenbootsportlerinnen und -sportler  aus MV finden wir in fast allen Auswahlmannschaften der einzelnen Altersklassen. Besonders zahlreich natürlich im Jugendbereich… Dort sind die Macher des Erfolges aus M-V. Nur mit dem Hintergrund einer soliden Jugendarbeit und begeisterten Mitstreitern kann man  ein solches Projekt angehen. Stellvertretend hierfür sei unsere medizinische Abteilung genannt. Frau Dr. Willers und Therapeut Detlef Lemke aus Feldberg begleiten das Team seit Jahren und sind unverzichtbarerer Bestandteil des Erfolges.

Unser Jugendteam hat mit den vier Gold-, drei Silber-  und einer Bronze-Medaille (zudem noch ein 4. und ein 6.Platz) zum Gesamterfolg der deutschen Mannschaften beigetragen.

Frage: Wie waren ansonsten die Organisation und die sportlichen Abläufe in Brandenburg?

Frank-Rüdiger Behrens: Der Großteil der deutschen Teams war in Bollmannsruh untergebracht. Ferienlager-Charme, gute Verpflegung, Shuttle-Bus zur Regattastrecke bzw. überwiegend gutes Wetter –  das waren schon klasse Bedingungen. Dazu eine gute Organisation, viele Fans auf der Tribüne, der sportliche Erfolg und natürlich eine super Laune. Dieses alles wird bei unseren Jugendlichen in ganz besonderer Erinnerung bleiben.

Frage: Was sind die nächsten sportlichen Herausforderungen für Ihr Team?

Frank-Rüdiger Behrens: Schon am kommenden Wochenende (1./2.September) wird die Deutsche Meisterschaft stattfinden. Wieder einmal wird Schwerin der Austragungsort sein. Das ist allein ein Garant für ein Top-Sport-Event. Diese gemeinsamen deutschen Titelkämpfe von DDV und DKV sind der Versuch die Drachenbootszene zu einen.

Wir sind mit unserem SCN-Jugend- Drachenboot-Team  am Start. Viele der Sportlerinnen und Sportler waren im Nationalteam und kommen mit all diesen Eindrücken zur Deutschen Meisterschaft. Ob dieses nun von Vor- oder Nachteil sein wird, werden wir erst nach dem Wettkampf am ersten September-Wochenende einschätzen können. Irgendwie sind die Sportler und Betreuer nach den Trainingslagern, den Vorbereitungswettkämpfen, der EM selbst ziemlich „platt“…

Letzte Frage: Welche Bedeutung und welchen Stellenwert hat der Drachenbootsport inzwischen in Deutschland?

Frank-Rüdiger Behrens: Teamgeist, Wassersport, „ALLE in einem Boot“ und gemeinsam für ein Ziel – da sind natürlich Ansätze für eine sich individualisierende Gesellschaft drin, die noch mehr Wertschätzung erfahren sollten. Gerade im Schulsport sind Fähigkeiten und Fertigkeiten gefordert, welche sich im deutschen Drachenbootsport wieder finden.

Der Drachenbootsport  kann eine große Palette von sportlicher Aktivität abdecken. „Fun“ ist hierbei genauso berechtigt wie die hochleistungsorientierte Vorbereitung einer Europameisterschaft. Es würde mich freuen, wenn diese Wassersportart mehr Bedeutung erlangen könnte. Wettkampf- Berichterstattungen, bewegte Bilder von dieser aktionsreichen Sportart, Geschichten um die Teams. Es gibt eine Menge Potenzial. Packen wir es an.

Vielen Dank und weiterhin bestes Engagement für den Drachenbootsport!

M.Michels